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12.02.2024 | Offhighway | Gastbeitrag | Online-Artikel

Carbon Farming: Klimaschutz und Einnahmequelle?

verfasst von: Michael Spandern

4 Min. Lesedauer

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Regenerative Anbaumethoden binden Kohlenstoff im Boden. Dafür bekommen Landwirte CO2-Zertifikate und können damit handeln. Wie geht Carbon Farming? Was bringt der Ansatz und wie weit ist die Umsetzung? 

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sieht die Proteste der Landwirte gegen Subventionskürzungen nur als Metapher. Vielmehr gehe es ihnen um eine Reform der Rahmenbedingungen für ihre Branche. Dass sich die Landwirtschaft wandelt, ist nicht von der Hand zu weisen. Maschinen und synthetischer Dünger werden seit über einem Jahrhundert eingesetzt und stetig weiterentwickelt. Inzwischen gehören auch Sensoren im Boden, Pflanzenschutz mit Drohnen und Flächenmonitoring per Satellit zum Inventar eines landwirtschaftlichen Betriebs. Zudem stehen Landwirte vor den Herausforderungen des Klimawandels. 

Carbon Farming soll Landwirten einen finanziellen Anreiz bieten, um auf nachhaltigere Strategien umzusteigen. Durch regenerative Anbaumethoden bauen die Böden mehr Humus auf und ziehen so mehr CO2 aus der Atmosphäre. Damit kann die Landwirtschaft nicht nur den eigenen Ausstoß an Klimagasen ausgleichen, sondern auch für andere Wirtschaftsbereiche kompensieren. So könnten die Ackerflächen in Europa den gesamten CO2-Ausstoß der Niederlande und Großbritanniens ausgleichen. Deshalb können Landwirte für den gebundenen Kohlenstoff wertvolle CO2-Zertifikate erwirtschaften, mit denen sie handeln und ihren Geldbeutel entlasten können. 

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2023 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mitigation of Climate Change Through Carbon Farming

There is still a lot of disagreement concerning the nature, substance, and, most critically, effect of the policy initiatives that are needed to decrease greenhouse gas emissions. Carbon farming is a viable technique for producing food and other products in a more sustainable manner. According to the Food and Agriculture Organization (FAO), livestock emissions account for 24% of world greenhouse gas (GHG) productions, with entire worldwide livestock emissions of 7.1 gigatons of CO2 equivalent per year accounting for 14.5% of overall human-caused GHG emissions. This chapter explains the present condition of climate change mitigation in developing nations using carbon farming and the ways these countries can adopt for increasing carbon sequestration.

Kohlenstoffspeicherung als Produkt

Das Konzept Carbon Farming integriert die Landwirtschaft in den sogenannten kurzfristigen organischen Kohlenstoffzyklus: Pflanzen binden durch Photosynthese CO2 aus der Atmosphäre. Die abgestorbenen Pflanzen werden abgebaut und der Kohlenstoff somit Teil des Bodens. Um das mit Landwirtschaft zu verbinden, ist das Prinzip eigentlich simpel: Mehr organisches Material muss auf den Äckern verbleiben.

Landwirten stehen dazu verschiedene Methoden zur Verfügung, zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten. Ein dichter und dauerhafter Bewuchs auch nach der Ernte der Hauptanbaufrüchte bindet besonders viel CO2. Artenreiche Mischungen an tiefwurzelnden Pflanzen sind dafür beispielsweise gut geeignet. Auch in Kompost und Mist ist bereits viel Kohlenstoff gebunden, daher ist die Rückführung dieser Reststoffe aufs Feld besonders bedeutsam. 

Eine Schlüsselstellung nimmt die Art der Bodenbearbeitung ein. Eine schonende Bodenbearbeitung verhindert, dass der im Boden gebundene Kohlenstoff nicht wieder freigesetzt wird. Landwirten wird daher empfohlen, nicht zu tief zu arbeiten und einem vollständigen Umbruch zu vermeiden. Eine flachere Bearbeitung unterstützt auch die Regeneration des Bodenlebens. Zahlreiche Arten an Mikroorganismen, Pilzen und Kleinstlebewesen, wie der Regenwurm, kehren zurück. Das ist der eigentliche Wert für den Betrieb. Die Böden werden wieder fruchtbarer, halten das Wasser besser und bringen kräftigere Pflanzen hervor. Der Einsatz an Dünger und Pestiziden kann reduziert werden und der Anbau wird insgesamt robuster gegenüber Klimaextremen.

Wo drückt der Gummistiefel?

Regenerativer Landbau lohnt sich also aus vielen Gründen, nicht nur wegen des Klimas. Der Umstieg ist jedoch oft schwierig und mit zusätzlichen Kosten verbunden. Besondere Mischungen für Zwischenfrüchte sind teuer, neue Maschinen müssen her und in den Umstellungsjahren kann mit Ertragseinbußen gerechnet werden, bis die Böden sich erholt haben. Es daher wichtig, finanzielle Anreize zu bieten.

Eine weitere Herausforderung bei der Umsetzung den Carbon Farming ist eine unabhängige Kontrolle. Klassische Methoden, wie die Analysen von Bodenproben, liefern zwar punktgenaue Ergebnisse, jedoch wäre somit die Umsetzung des Konzeptes auf der gesamten landwirtschaftlichen Fläche rund um die Welt nicht denkbar. Private Unternehmen bieten daher inzwischen die Messung per Satellit an. Die Bearbeitungsmethoden, die Fruchtfolge und Erträge werden automatisch erkannt, und im Anschluss wird über anerkannte Modelle, wie RothC von Rothamsed Research, berechnet, wie viel CO2 durch die Maßnahmen auf der Fläche langfristig gespeichert wurde.

Money for Air?

Für den gebundenen Kohlenstoff können Landwirte entsprechend anerkannter Standards CO2-Zertifikate erhalten, die einen bestimmten Marktwert haben. Landwirte können die Zertifikate an Unternehmen weiterverkaufen, die ihre Emissionen kompensieren wollen, oder selbst die eigenen Emissionen ausgleichen. Allerdings steht der Handel mit den Zertifikaten auch häufiger in der Kritik. Es steht zur Debatte, ob die Zertifikate als Ausgleichsmaßnahme insgesamt einen Nutzen für den Klimaschutz haben. Daher ist es wichtig, dass sich die Branche an die Spielregeln hält und eine unabhängige Beobachtung fördert, die beispielsweise Doppelzählungen von Zertifikaten verhindert. Ein Merkmal für die Seriosität der Anbieter ist etwa der "Verified Carbon Standard" (VCS) von Verra, oder auch der "Gold Standard". 

Carbon Farming ist zweifelsfrei eine Methode, mit der längerfristig Kohlenstoff gebunden werden kann. Allerdings ist dafür eine nachhaltige und flächendeckende Umsetzung nötig. Einheitliche Regularien fehlen, und an Methoden, die auch die Einbindung von Forstwirtschaft und Landschaftsschutz kombinieren, wird noch geforscht. Dennoch bieten die Anbaumethoden des Carbon Farming Landwirten die Möglichkeit, nachhaltig zu wirtschaften, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und davon auch finanziell zu profitieren. Auch wenn sich die Technologie noch entwickelt, sollten Landwirte sie im Blick behalten.

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