Plattformarbeit erscheint gemeinhin als gegenwärtiges Sinnbild prekärer Arbeit, deren Subjekte umfassender Kontrolle unterliegen und nur über geringe Mitbestimmungs- sowie Widerstandsmöglichkeiten verfügen. Der Beitrag analysiert, inwieweit diese Annahmen zutreffend sind. Dazu wird herausgearbeitet, wie Plattformen die Strukturen der Arbeitsbeziehungen transformieren und auf diesem Weg auch die Handlungsmöglichkeiten der Arbeitenden prägen. Technologisch unterstützt sind Plattformen in der Lage, Transaktionskosten zu reduzieren. Damit verlagern sie die Marktgrenze in die Unternehmen hinein und transformieren Arbeit von einem fixen hin zu einem variablen Kostenpunkt. In der Folge sind die Arbeitenden ohne Organisationsmitgliedschaft und verfügen nur begrenzt über sekundäre Machtressourcen. Zugleich erzeugen Plattformen mehrseitige Märkte, auf denen die verschiedenen Marktseiten (Plattformarbeitende, Kunden u. a.) in Interdependenz zueinander stehen. Diese interdependente Mehrseitigkeit erhöht das Primärmachtpotenzial der Arbeitenden, die mittels geringer Eingriffe den Arbeitsprozess und den Erfolg der Plattformen beeinflussen können. Als Resultat ist die Heteronomie der Plattformarbeitenden nicht nivelliert, aber sie verfügen über mehr Handlungsressourcen als gemeinhin angenommen. Die Herausforderung liegt in der kollektiven Nutzung dieser Potenziale sowie der Etablierung sekundärer Machtressourcen.