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04.12.2018 | Omnibusse | Im Fokus | Onlineartikel

Immer mehr deutsche Städte setzen auf Elektrobusse

Autor:
Christiane Köllner

Derzeit sind nur wenige Elektrobusse in Deutschland unterwegs. Das könnte sich bald ändern, denn die Auftragsbücher etlicher Städte sind voll. Ein Grund: Sie wollen als Vorreiter in Sachen Klimaschutz glänzen. 

Die reinen Zahlen sind entmutigend: Auf deutschen Straßen sind Elektrobusse noch seltener unterwegs als Elektro-Pkw. Von insgesamt circa 40.000 Bussen, die in Deutschland täglich im Einsatz sind, sind gerade einmal 608 mit elektrischer Antriebstechnik ausgestattet. Die Elektrobusse leiden noch unter Startschwierigkeiten: Zu geringe Reichweite, zu teuer, zu geringe Verfügbarkeit, heißt es aus der Branche. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Luftreinhaltung und Klimaschutz gerät auch der öffentliche Nahverkehr immer mehr unter Druck. Das Interesse bei Betreibern und Kommunen an alternativen Antrieben nimmt stetig zu. Glaubt man dem aktuellen E-Bus-Radar von PwC Deutschland, dann soll die Zahl der Elektrobusse zeitnah deutlich steigen. 

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In den deutschen Nahverkehrsbetrieben sind zurzeit etwa 17.300 Linienbusse mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von etwa 65.000 Kilometern pro Fahrzeug im Einsatz. Dabei werden jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen  Kohlendioxid sowie entsprechende Schadstoffe emittiert.

Daimler und MAN setzen auf E-Busse

Bislang haben fast alle Busse einen Dieselantrieb. Solche mit alternativen Antrieben kamen bisher aus Osteuropa oder Asien. Daimler zieht jetzt als großer deutscher Hersteller nach. In Hamburg wurde kürzlich der erste bestellte vollelektrisch angetriebene Stadtbus Mercedes-Benz eCitaro übergeben, dessen Reichweite bis zu 250 Kilometer betragen soll. Zuverlässigkeit und praxisgerechte Reichweiten waren die Ziele für die Auslegung des E-Busses, so Gustav Tuschen, Leiter Entwicklung Daimler Buses, im Interview "Wir schaffen unter allen Bedingungen eine Reichweite von mindestens 150 km" aus der ATZ 9/2018. Daimler glaubt, schon 2025 genauso viele elektrische Citaros verkaufen zu können wie Dieselbusse.

Nächster deutscher Hersteller, der auf E-Busse setzt, ist MAN. Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 feierte der vollelektrische Stadtbus MAN Lion’s City E seine Premiere. Die Serienproduktion soll im Jahr 2020 im MAN-Werk Starachowice anlaufen. MAN spricht von einer zuverlässigen Reichweite von 200 km, bis zu 270 km unter günstigen Bedingungen über die gesamte Lebensdauer der Batterie. MAN Truck & Bus geht davon aus, dass bis 2030 rund 66 Prozent der Linienbusse elektrisch sein werden.

Beschaffungsvorhaben haben sich vervierfacht

Ein wichtiges Signal für die Umstellung auf elektrisch angetriebene Busse, sind die Beschaffungsankündigungen der Städte. Diese haben sich laut PwC-Analyse in den ersten sieben Monaten 2018 im Vergleich zu Ende 2017 auf 3.243 rein elektrisch angetriebene Busse vervierfacht. Alfred Höhn, Leiter Government & Public Sector Europe und EMEA bei PwC, sagt: "In den ambitionierten Plänen von immer mehr Städten spiegelt sich unter anderem der hohe politische Druck auf die ÖPNV-Anbieter, noch mehr als ohnehin schon zum Klimaschutz beizutragen." Die Top-4-Städte hinsichtlich der Beschaffungspläne sind Berlin gefolgt von Kiel, Wiesbaden und Bremen.

Zudem wollen viele Städte laut Höhn als Vorreiter glänzen. "Allein bis Ende 2019 haben sie rund 400 Neuanschaffungen angekündigt. Ob diese Stückzahl tatsächlich lieferbar ist, wird noch spannend", meint der Analyst. Ein weiterer Knackpunkt seien die Finanzierungen der Neuanschaffungen, zumal auch umfangreiche Investitionen in die Ladeinfrastruktur erforderlich sind.

Die meisten der bislang angekündigten neuen Busse sollen batterieelektrisch fahren – in den meisten Fällen zunächst einmal testweise in Pilotprojekten. Weil nach erfolgreichen Tests mit weiteren Umstellungen zu rechnen sei, geht PwC von weiter steigenden Beschaffungsvorhaben aus. Damit wird der E-Bus-Markt auch zunehmend attraktiv für die Hersteller. 

Der Markteintritt der deutschen Hersteller bei batterieelektrisch betriebenen Bussen steht kurz bevor", sagt Hansjörg Arnold, Partner und Leiter des Bereichs Infrastructure & Mobility bei PwC. "Das wird dem Markt einen Bestellschub geben."

Hybridbusse sind (noch) im Trend

Derzeit ist der Hybridantrieb aber noch die beliebteste Alternative zum Dieselbus. 422 Hybridbusse sind deutschlandweit im Einsatz. "Allerdings sind Hybridantriebe lediglich eine Brückentechnologie hin zum reinen Elektroantrieb", sagt PwC-Partner Arnold. "Um die gesamte Flotte von etwa 40.000 Bussen umzustellen, sind massive Steigerungen bei Bussen nötig, die elektrisch fahren."

An zweiter und dritter Stelle der Antriebstechnologien liegen laut PwC der batterieelektrische Antrieb sowie Oberleitungsbusse (99 beziehungsweise 66 Busse). Fahrzeuge, die mit Wasserstoff oder einer Oberleitungs-Hybrid-Technologie (Kombination aus Oberleitung und Batterie) betrieben werden, seien hingegen bisher kaum verbreitet (12 und 9 Busse). Insgesamt sind somit 186 Busse in Deutschland rein elektrisch unterwegs. Vorreiter beim Umstieg auf alternative Antriebstechnologien seien die Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg.

52 Prozent der E-Busse werden nachts im Depot aufgeladen

Eine große Herausforderung im Zusammenhang mit Elektroantrieben ist – wie im Pkw-Bereich – die Ladeinfrastruktur. Momentan wird rund die Hälfte der in Deutschland betriebenen Elektrobusse über Nacht in den Depots geladen (52 Prozent), bei 30 Prozent erfolgt ein Mix aus Nachtladung im Depot und Zwischenladung unterwegs. Und 18 Prozent dieser Busse werden ausschließlich unterwegs geladen. Bei der Ladetechnik dominiert die Plug-in-Technologie: Sie wird bei 59 Prozent der betriebenen Elektrobusse zum Laden eingesetzt. 

Mit Abstand folgen ein Mix aus Plug-in und Docking (16 Prozent) und Docking (14 Prozent). Dabei könnte das Docking-Prinzip, glaubt man dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI), ein effizientes Energiespeicher- und Nachladekonzept sein. Hierzu werden die schweren Traktionsspeicher des Fahrzeugs durch wesentlich kleinere Hochleistungsbatterien ersetzt. Diese sind über wegseitig installierte Schnellladestationen mit sehr hohen Stromimpulsen in kürzester Zeit nachzuladen. Dieses Prinzip habe sich in verschiedenen Anwendungen – angefangen von oberleitungsfreien Bahnen bis hin zu schnellladefähigen Bussen – bewährt, so das Fraunhofer IVI im Kapitel E-Bus ohne Fahrleitung aus dem Buch Ressourceneffizienz. Induktive Ladetechnologie ist dagegen bisher noch wenig verbreitet.

Mehr ÖPNV

Nicht zuletzt muss die Politik sicherstellen‚ dass der ÖPNV eine attraktive Alternative zum Individualverkehr bleibt oder wird. Mit rund 130 Millionen Euro finanziert der Bund bis 2020 Verkehrsprojekte in fünf Modellstädten zur Luftreinhaltung. Die Mittel stehen zusätzlich zum "Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020" zur Verfügung. Die Städte Bonn, Essen, Herrenberg (Baden-Württemberg), Mannheim und Reutlingen (Baden-Württemberg) sollen damit modellhafte Projekte zur Verbesserung des ÖPNV und zur Verringerung der Stickstoffdioxidbelastung umsetzen. 

PwC-Partner Arnold: "Eine Antriebswende im straßengebundenen ÖPNV ist vor dem Hintergrund der Luftreinhalteproblematik in den Städten eine Schlüsselmaßnahme. Um aber eine echte Mobilitätswende einzuleiten, muss das öffentliche Verkehrsangebot zudem massiv ausgebaut und attraktiver gestaltet werden. Nur so lassen sich letztendlich die Lebensqualität, insbesondere in den Städten, verbessern und die Klimaziele erreichen."

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Quelle:
Ressourceneffizienz

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