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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Online-Vergesellschaftung? Mediensoziologische Perspektiven auf neue Kommunikationstechnologien — eine Einführung

Zusammenfassung
In „Das Problem der Sociologie“ unterschied Georg Sirnmel im Jahr 1894 zwischen den „Formen“ der Vergesellschaftung und den „Inhalten“, die erst dann zu gesellschaftlichen werden, wenn sie von den „Wechselwirkungen“zwischen den Individuen aufgenommen sind. Wörtlich heißt es dort: „Gesellschaft im weitesten Sinne ist offenbar da vorhanden, wo mehrere Individuen in Wechselwirkung treten [...] Die besonderen Ursachen und Zwecke, ohne die natürlich nie eine Vergesellschaftung erfolgt, bilden gewissermaßen den Körper, das Material des socialen Prozesses; daß der Erfolg dieser Ursachen, die Förderung dieser Zwecke gerade eine Wechselwirkung, eine Vergesellschaftung unter ihren Trägern hervorruft, das ist die Form, in die jene Inhalte sich kleiden“ (Sirnmel 1894/1992: 54). Wenn der Begriff der Vergesellschaftung heute vermehrt auch im Zusammenhang mit neuen Kommunikationstechnologien verwandt wird, muss konsequenterweise gefragt werden, welche Formen und welche Inhalte es hier zu unterscheiden gilt. Burkart hat beispielsweise von „Technik als Vergesellschaftungsform“ (2000: 209) gesprochen und damit für eine angemessene Verknüpfung technischer Optionen mit unterschiedlichen Aneignungspraktiken plädiert. Gemeint ist, dass — ähnlich wie im Falle der Theorie der Strukturierung von Giddens — Handlungen nicht ohne Strukturen und Strukturen nicht ohne Handlungen zu denken sind.
Michael Jäckel, Manfred Mai

Vergesellschaftung durch Medienkommunikation als Inklusionsprozess

Zusammenfassung
Üblicherweise wird der Begriff der Vergesellschaftung mit den Namen von drei Klassikern der Soziologie verbunden: Marx, Weber und Simmel. In jüngerer Zeit hatte der Begriff der Vergesellschaftung vor allem in der erneuerten Kritischen Theorie mit und um Jürgen Habermas einen zentralen Stellenwert. Spezifisch bei Habermas (1988) erscheint die enge Verbindung des Begriffs der Vergesellschaftung mit dem Begriff der Individuierung, die sich wiederum vor allem auf die Sozialtheorie George Herbert Meads stützt: Die grundlegende Idee ist dabei, dass Subjekte zwar in eine Gesellschaft hineingeboren werden, in diese Gesellschaft aber im Prozess der Sozialisation erst hineinwachsen müssen. Dieses Hineinwachsen wiederum ist eine aktive Konstruktionsleistung der Subjekte. In dieser Weise wird Sozialisation als Verklammerung von Vergesellschaftungsund Individuierungsprozessen beschrieben, also als ein doppelter Konstruktionsprozess: Subjekte müssen einerseits in verschiedene Sozialräume (also Familie, Gruppen, Institutionen, Gesellschaft) hineinwachsen und andererseits eine Ich-Identiät ausbilden, die eine schrittweise Distanzierung dieser Sozialräume erfordert.
Tilmann Sutter

Interaktion ohne Gegenüber?

Zusammenfassung
Der Titel dieses Beitrages — „Interaktion ohne Gegenüber“ — ist bewusst irritierend gehalten. Was soll eine Interaktion ohne Gegenüber sein? Während bloßes Handeln einseitig angelegt sein und einseitig verlaufen kann, konstituiert sich Interaktion wesentlich über Wechselseitigkeit. Interaktion ohne Gegenüber -also auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich, definiert sich doch Interaktion zentral durch die wechselseitige Bezugnahme von Ego und Alter.
Ruth Ayaß

Neue Begriffe, alte Schwächen: Virtuelle Gemeinschaft

Zusammenfassung
Die „Soziologie der virtuellen Gemeinschaft“ ist nicht mehr loszuwerden. Das „Virtuelle“ profitiert von unserem Wettbewerb um aufmerksamkeitsheischende begriffliche Neuschöpfungen, von der damit verbundenen Verwechslung neuer sozialer Phänomene mit neuen soziologischen Problemen und von dem Glauben an ein geteiltes implizites Verständnis soziologischer Begriffe, das Definitionen überflüssig macht. Alle drei Schwächen gleichzeitig ausnutzend, haben sich die „virtuellen Gemeinschaften“ mit Leichtigkeit einen Platz in der Soziologie erobert.
Jochen Gläser

Programmiere Dich selbst! Die Persona als Form der Vergesellschaftung im Cyberspace

Zusammenfassung
Cyberspace, Internet, Multimedia und World Wide Web, das war gestern! Zumindest hat es den Anschein, als ob es sich nur noch um die ausgeglühten Metaphern globaler Vernetzungsutopien handelt, seit der Internet-Hype mit der Börsenblase der New Economy geplatzt ist. Warum sollte man sich also noch mit den Vergesellschaftungsprozessen im Zusammenhang mit den sogenannten Neuen Medien beschäftigen? Geraten hier vielleicht nur die gesellschaftlich irrelevanten Spezialprobleme von Techno-Eliten, Internet-Freaks oder Netizens in den Blick, wenn man sich soziologisch mit dem Phänomenbereich der computergestützten Medien und der CMC (Computer-mediated Communication) auseinandersetzt? Oberflächlich betrachtet mag das zutreffen. Allerdings muss man sich dann als Soziologe die Frage stellen, ob man die Realität der Neuen Medien und ihrer Konsequenzen für die Vergesellschaftung beobachtet oder nur deren ereignishafte Rezeption. Bei näherer Betrachtung fallt auf, dass wir mit mehr konfrontiert sind, als einem kurzfristigen Internet-Boom oder den science-ficti-onhaften Visionen künstlicher Welten.
Udo Thiedeke

Vergesellschaftungsprozesse in der „Free/Open Source-Softwareentwicklung“

Zusammenfassung
Die Diskussion um „virtuelle Gruppen“wurde anfangs beherrscht von der Unterstellung, dass sich hier Formen einer neuen Mündlichkeit und computervermittelte Interaktionen herausbilden, beispielsweise bei Rheingold (1994), Höflich (1996), Lévy (1997) oder Turkle (1999).
Gerd Sebald

Neue Kommunikationstechnologien und Prozesse der Vergemeinschaftung im Unternehmen. Netzwerktheoretische Interaktionsanalyse in einem Sales Support Center

Zusammenfassung
Wissensgenerierungs- und Wissenstransferprozesse avancieren in Unternehmen zu zentralen Geschäftsprozessen — nicht zuletzt aufgrund der flächendeckenden Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien (kurz: IKT) in Verwaltungen und der damit einhergehenden Vernetzung und Verdichtung der Informationsflüsse. Damit rücken diese Prozesse zum entscheidenden Austragungsort von Machtfigurationen auf: Es ist ja nicht nur die Prosperität des Unternehmens, die von der Quantität und Qualität des IKT-basierten Wissenstransfers abhängt, auch die Karriere des einzelnen Mitarbeiters gerät in eine zunehmende Subordination unter die eigene jeweilige wissens- und medienbezogene1 Mikropolitik.
Roger Häussling

Computerunterstützte Vergesellschaftung

Zusammenfassung
Im Jahr 2004 nutzten ca. 10 Prozent der Weltbevölkerung einen Internetzugang. Im Jahr 2005 werden 800 Millionen Mobiltelefone weltweit verkauft. Der globale Handel beginnt damit, jede gehandelte Ware mit RFID-Sendern (Radio Frequency Identification-Transponder) auszustatten. Internet-Applikationen wie z.B. www.friendster.com bringen Personen automatisch in einen kommunikativen Erstkontakt. Alle Beispiele deuten an, wie rasch die Inforrnationstechnik fast alle Alltagswelten verändert. In der Folge begleitet die technische Evolution eine E-volution des Sozialen. Beide Evolutionen gehen auf zwei qualitative Sprünge in der computergesteuerten Informationstechnik zurück:
  • Vernetzung: Informationstechnik vernetzt sowohl alle Individuen kommunikativ als auch alle Dinge funktional untereinander.
  • Computerverarbeitbare Algorithmen: Automatisierte Handlungsanweisungen (Algorithmen1) für Computer beeinflussen die Informationstechnik und Formen der sozialen Vernetzung.
Andreas Schelske

„PowerPoint makes you dumb“. Ein Klärungsversuch mit Hilfe der Theorie der Strukturierung

Zusammenfassung
Um 1900 entwickelte die „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ (AEG) den ersten Haartrockner und gab der Erfindung den Namen Fön. „Fön“ ist in Anlehnung an den als Föhn bezeichneten trockenen Fallwind das eingetragene Warenzeichen für eine „elektrische Heißluftdusche“ (Auberle/Klosa 2001: 229). Genau wie bei Uhu, Edding, Tesafilm, Labello, Tempo, Pampers oder Maggi hat sich der Produktname „Fön“ in der Alltagssprache als Gattungsbegriff durchgesetzt. Dieser in der Sprachwissenschaft als Deonymisierung bezeichnete Vorgang, der auf die Marktführerschaft eines Produktes hinweist, hat auch im Bereich der Präsentationstechnologien stattgefunden: Computergestützte Folienvorträge — auch wenn sie mit den Programmen Keynote, Impress oder MagicPoint erstellt wurden — werden üblicherweise als Power-Point-Präsentation bezeichnet. Ebenso schnell wie sich der Produktname PowerPoint als Gattungsbegriff durchgesetzt hat, hat auch die Diffusion des Programms in alle Lebensbereiche stattgefunden. Nach Schätzungen des Herstellers Microsoft werden täglich wenigstens 30 Millionen PowerPoint-Präsentationen durchgeführt (Parker 2001).
Nicole Zillien

Die Einbettung der Online-Interaktion in soziale Netzwerke der Offline-Welt: Möglichkeiten der sozialen Gestaltung von Online-Gruppen

Zusammenfassung
Eine Besonderheit des Internet ist, dass es nicht nur zur Informationsgewinnung dient, sondern auch ein Mittel zum Aufbau neuer und dem Ausbau bereits bestehender Beziehungen ist. Beide Funktionen des Internet werden durch soziale Interaktion in Online-Gruppen oder Online-Gemeinschaften, wie sie manchmal genannt werden, ermöglicht. Online-Gruppen werden in vielfältiger Weise zu sehr unterschiedlichen Zwecken gebraucht. Einige typische Beispiele für die massenhafte Nutzung von Online-Gruppen umfassen internationale Fachdiskussionen zwischen Wissenschaftlern in Emailinglisten (Matzat 2004b), elektronische Selbsthilfegruppen von Menschen mit spezifischen psycho-sozialen oder medizinischen Problemen wie z.B. Alkoholismus (King 1994), Firmenmitarbeiter, die eine Vielzahl von computervermittelten Kommunikationsmedien oft unter der Einbindung von gemeinsamen Datenbanken nutzen, um ihr Wissen zu spezifischen Themen zu erweitern (Wenger und Snyder 2000) oder Konsumenten von bestimmten Produkten, die kommerzielle „schwarze Bretter“ nutzen, um sich zu life-style spezifischen Themen auszutauschen und zugleich auf sie zugeschnittene Informationen zu bestimmten Produkten zu erhalten (Verstraete 2004). Die technisch avanciertesten Online-Gruppen sind häufig unter sogenann-ten Spiel-Gemeinschaften zu finden, die interaktiv Spiele durchführen (Utz 2001; Götzenbrucker und Hummel 2001).
Uwe Matzat

Soziale Formen im Internet

Zusammenfassung
Die Soziologie hat eine Reihe von Begriffen hervorgebracht, um soziale Beziehungen zu beschreiben. Zudem handelt es sich um Begriffe, die vieldeutig sind. Ursachen hierfür sind, dass die meisten Forscher ihre eigenen Begriffe definieren und dass die Rezeption der klassischen Vorläufer meist nicht genau erfolgt.
Christian Stegbauer

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