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07.03.2019 | Onlinemarketing | Kommentar | Onlineartikel

Die Quelle des Übels

Autor:
Achim Weber

Die Diskussion um die Steuerabgaben für große Internet-Plattformen zieht Kreise in der Medienlandschaft. Der AIKA-Vorsitzende Achim Weber kommentiert die jüngsten Folgen für Agenturen.


Der französische Staatspräsident Emanuel Macron macht es vor: Nach Medienberichten will sein Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire Anfang März die "Gafa-Steuer" (kurz für Google, Amazon, Facebook, Apple) auf digitale Umsätze großer Internetkonzerne in Frankreich vorstellen. Was ein ganz normaler Vorgang sein sollte – Unternehmen müssen abhängig von ihrem Geschäftsergebnis Steuern zahlen – wird in anderen Ländern wegen allzu großer Angst vor den großen Internet-Plattformen zum Politikum. Dass sich Europa nicht auf eine gemeinsame Besteuerung der Gafas einigen konnte – geschenkt. Dass der deutsche Fiskus aber (oder zumindest ein Teil davon) die geschuldeten Steuern jetzt über Agenturen und Unternehmen eintreiben will, die bei Google und Co. geworben haben, ist ein Skandal. Nach nicht dementierten Medienberichten haben sich Finanzbeamte aus München den Weg über die Werbetreibenden ausgedacht, um Steuern bei den Plattformbetreibern indirekt einziehen zu können. Auf bezahlte Werbung bei Google, Facebook und  Co. soll zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013 eine Quellensteuer von 15 Prozent abgeführt werden. 

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Auch wenn wir alle immer noch davon ausgehen, dass dieser Plan nie in die Realität umgesetzt wird, schon gar nicht rückwirkend, zeigt der Gedanke: Um die Auseinandersetzung mit den großen Konzernen zu umgehen, wird offenbar billigend in Kauf genommen, dass kleine und mittelständische Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Oder gibt es ernsthaft einen Finanzbeamten, der davon ausgeht, dass wir Agenturen für im Kundenauftrag vorgenommene Onlinewerbung Rückstellungen gebildet haben, um Jahre später die Idee der Finanzbehörden überleben zu können? Weil das nicht so ist, müssten diese Steuern aus aktuellen Erträgen finanziert werden, was bei vielen Betroffenen drastische wirtschaftliche Folgen hätte. Dies gilt übrigens nicht nur für Agenturen selbst, sondern auch für deren Auftraggeber. Eine Regress-Lawine hätte auch noch andere Auswirkungen: Steuerbeamte und Gerichte müssten sich damit auf Jahre hinaus befassen. Nicht nur mir ist dieser kreative Steuerschwachsinn ein Dorn im Auge. Deshalb gibt es nur einen richtigen und legitimen Weg: Der Staat muss die Steuer dort eintreiben, wo sie gezahlt werden muss – nämlich bei den großen Internet-Plattformen. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Trotzdem wurde nicht an einer Lösung für die Besteuerung gearbeitet. Die Fantasie des Staates ist offensichtlich noch immer nicht auf die Entwicklung eines zukunftsorientierten Konzepts ausgerichtet. Es geht ausschließlich um die Beschaffung des Geldes. Darin liegt die Quelle des Übels. Und damit muss jetzt Schluss sein.

Rahmenbedingungen anpassen

Aber wir brauchen nicht nur für dieses Problem der Digitalisierung tragfähige und vor allem konsensuale Lösungen. Wenn der Wirtschafts- und Agenturstandort Deutschland auch zukünftig Bestand haben soll, müssen auch die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden. Mit unserem Agentur-Netzwerk AIKA (Allianz inhabergeführter Kommunikationsagenturen) arbeiten wir beispielsweise an Konzepten und Strategien, mit denen wir die Zukunft von Agenturen erfolgreicher gestalten wollen. Etwa 30 Agenturen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen haben sich in der AIKA zusammengefunden, um durch Vernetzung und Kooperationen die eigene Schlagkraft zu erhöhen. Wir sind inhabergeführt und müssen für unsere unternehmerischen Fehler deshalb auch selber geradestehen. Wir lassen uns aber nicht für die Fehler der Politik haftbar machen. Die Franzosen haben gezeigt, wie es geht. Europa muss jetzt folgen.

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