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15.06.2021 | Open Banking | Gastbeitrag | Online-Artikel

Banken erkennen den Nutzen von Fintech-Kooperationen

verfasst von: Klaus Hoffmann

6 Min. Lesedauer

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In den letzten Monaten zeigte die Corona-Krise trotz der wirtschaftlichen Folgen, dass nachhaltige Veränderungen möglich sind. Nicht nur Mittelständler passten Prozessabläufe binnen kürzester Zeit an. Auch der Finanzsektor stellt sich dem New Normal. 

Durch das niedrige Zinsniveau und ein verändertes Anleger- und Kundenverhalten gerät die Ertragslage der Institute unter Druck. Organisationen sehen sich zu Kosteneinsparungen gezwungen. Drittanbieter etablieren sich zunehmend erfolgreich mithilfe von Automatisierung und Reduzierung der Serviceleistungen beziehungsweise den damit verbundenen Kosten. Veränderungen innerhalb einer Branche sind zwangsläufig auch mit dem Auftreten neuer Produkte und Marktplayer verbunden. 

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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

FinTech – Digitale Geschäftsmodelltransformation im Bankensektor

Die Digitalisierung hat in vielen Branchen die Entwicklung neuer, oft disruptiver Geschäftsmodelle ermöglicht. Beispiele hierfür sind der Handel, die Telekommunikationsbranche sowie die Musik- und Filmindustrie. Der Bankensektor konnte sich der Digitalisierung mit Ausnahme der Einführung des Online-Bankings lange Zeit weitgehend entziehen. Doch neue Wettbewerber, die Fintech-Unternehmen, offerieren durch technologische Neuerungen und Digitalisierung potenziell disruptive Geschäftsmodelle. Der Beitrag fasst den gegenwärtigen Stand der digitalen Transformation des Bankensektors vor dem theoretischen Hintergrund der disruptiven Innovationen zusammen.

Im Bereich des Zahlungsverkehrs, konnte sich in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Anbieter etablieren. Geht es um Dienstleistungen für Auslandszahlungen, spielen hohe Service-Preise und die fehlende Transparenz traditioneller Banken der neuen Konkurrenz in die Hände. Sie bieten potenziellen Kunden attraktive Alternativen. Dabei profitieren sie auch von der Basis der Institute: ihrem Netzwerk. 

Banken profitieren von ihrem Netzwerk

Eine solche Struktur zu unterhalten, ist aufwändig und teuer. Da ist es naheliegend, das Netz auf ein Minimum der Anforderungen zu reduzieren. Das Kernstück des Auslandszahlungsverkehrs ist das Korrespondenzbanknetz jener Banken, die für eine vertrauensvolle und sichere Abwicklung der Zahlungen stehen. Durch ein verlässliches Netzwerk können diese Banken letztendlich sicherstellen, dass alle Transaktionen nach geltenden Normen und Verordnungen abgewickelt werden. 

Mit dem Inkrafttreten der Zahlungsrichtlinie PSD2 kam auch das Open Banking ins Rollen und brachte neue Kundenrechte, Währungstransaktionen und Authentifizierungsmaßnahmen von Zahlungen. Seitdem können Kunden mit Hilfe von Dienstleistern ihre Bankguthaben einsehen – auch wenn sie bei verschiedenen Instituten liegen.  

Drittanbieter sind für Banken keine Bedrohung

Doch was auf den ersten Blick als Weiterentwicklung zugunsten des Endkunden scheint, wurde noch bis vor einigen Jahren als Bedrohung des Establishments gesehen. Insbesondere Banken haben Fintechs und andere Drittanbieter im Bereich des Zahlungsverkehrs unterschätzt. Heute haben Institutionen den Nutzen einer gemeinsamen Zusammenarbeit erkannt und ihre Haltung dahingehend verändert. 

Beide Parteien haben längst die Koexistenz gewagt und stecken ihre Bereiche klar ab: Während sich die Fintechs um die Kundenakquise bemühen, von der das traditionelle Finanzwesen profitiert, unterstützen die Banken die Zahlungsabwicklung der Fintechs durch ihr eigenes Netzwerk. Kurzum: Die Banken können sich auf die operativen Aktivitäten konzentrieren und ihren Service verbessern, die Nischenanbieter führenden Banken als Multiplikatoren durch ihre Kundenbeziehungen Geschäfte zu. Eine Win-Win-Situation für beide, im Grunde gar für alle drei Parteien. 

Kooperationen sind nicht nur finanzieller Natur

Bei der Kooperationen von Fintechs und Banken kann man zwischen drei Arten der Zusammenarbeit unterscheiden. Ziel ist es, durch Start-up-Hubs oder Acceleratoren, einen Technologie-Know-How-Transfer zu erreichen:

  1. Operative Kooperation: Bei dieser Art der Zusammenarbeit steht das operative Geschäft im Vordergrund. Eine solche Kooperation ermöglicht es Banken und anderen Finanzinstitutionen dem Kunden möglichst schnell innovative Produkte anzubieten. Das senkt folglich die Kosten der Eigenentwicklung. Die Zusammenarbeit findet meist auf B2B-/B2C-Ebene statt – sie kann jedoch auch in der Bereitstellung von Front- und Backend-Prozessketten in Anspruch genommen werden.
  2. Finanzielle Kooperation: Investoren stellen Fintechs das nötige Kapital zur Liquiditätsversorgung für Innovation und Wachstum zur Verfügung. Dies geschieht meist durch direkte Beteiligungen durch Venture Capital aber auch durch Gewährung von Krediten durch ein klassisches Finanzinstitut.
  3. Partikulare Entwicklung: Kooperationen müssen nicht immer ein bestimmtes Extrem bedienen. In der Praxis beziehen sie sich häufig auch auf Partnerschaften, bei der gemeinsame Ziele in speziellen Bereichen vorangetrieben werden. Hierbei geht es dann vorrangig um Sponsoring oder Mitgliedschaften

Tendenziell gibt es bei einer Kooperation zwischen Banken und Fintechs keine regulatorischen Limitierungen. Die Banken müssen für sich entscheiden, inwiefern die Geschäftsmodelle der Fintechs in ihr eigenes Umfeld passen und vertretbar ist. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.

Fintechs gleichen Nachteile statischer Bank-IT aus

Banken haben im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ihre IT-Infrastruktur als untrennbare, monolithische Einheit gestaltet. Diese beinhalten Funktionen zur Datenverarbeitung und Anwendungen mit Benutzerinteraktionen. Die Folge: Die Systemlandschaft ist durch eine statische Einheit geprägt und kann dementsprechend eingeschränkt auf Veränderungen reagieren.

Fintechs hingegen verfolgen einen anderen Ansatz. Diese Unternehmen bauen ihre IT-Architektur auf flexiblen Einzelkomponenten und Schnittstellen auf – das ermöglicht es viel schneller auf die Veränderungen und Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. Damit sind Fintechs in der Lage, die Entwicklung einzelner Faktoren voranzutreiben, ohne die anderen Komponenten zu beeinträchtigen. Anbieter entwickeln Produkte und Features so schneller und präziser. Das verschafft ihnen einen immer größer werdenden Wettbewerbsvorteil. 

Kooperieren traditionelle Bankenorganisationen mit neuen Anbietern, gleichen Fintechs also die technischen Nachteile des Kooperationspartners aus. Anbieter können so die Bedürfnisse der Banken abdecken, während diese im Rahmen der Auslagerung ihre eigene Infrastruktur reduzieren und Kosten sparen. Doch die grundlegende technische Kompatibilität ist noch kein Garant dafür, dass Fintechs und Banken gut miteinander funktionieren. 

Leistungen der Fintechs überzeugen nicht immer

Mittlerweile ist die Anzahl von Drittanbietern stark gestiegen. Dadurch ergeben sich auch in den Leistungen möglicher Kooperationspartner deutlichen Unterschiede. Oft ist es nur die Hülle, die das Produkt von Fintech-Anbietern attraktiv erscheinen lässt, ohne wirklich eigene IT-Strukturen zu haben, die es im Kern ermöglicht die Abwicklung aus eigener Leistung durchzuführen. 

Andere Anbieter sind wiederum oft besser aufgestellt als so manche Bank. Unterhält ein Fintech-Anbieter selbst ein großes Korrespondenzbanknetz ist er nicht mehr auf das Netzwerk der Bank angewiesen. Damit kann er unabhängig agieren. Diese Freiheit ermöglicht es gut vernetzten Anbietern Zahlungen in Schwellen- und Entwicklungsländern und in exotischen Währungen mit lokaler Währung durchführen. 

Das birgt einen enormen Vorteil für den Kunden in Sachen Sicherheit und Transparenz. So kann der Kunde seinen Service direkt über den Fintech-Dienstleister in Anspruch nehmen, ohne vor einem Wirrwarr aus Kooperationszuständigkeiten zu stehen.

Open Banking zur Stärkung eigener Bank-Strukturen nutzen

Fazit: Das traditionelle Bankenwesen hat sich verändert und entwickelt sich immer weiter hin zum Open Banking. Mit neuen Produkten, Unternehmensarten und anderen Innovationen kommt hierbei zu Umstrukturierungen in allen Bereichen. Diese betreffen auch den Zahlungsverkehr. Doch traditionelle Finanzorganisationen und neuartige Fintech-Unternehmen stehen nicht immer unbedingt in Konkurrenz zueinander. Häufig profitieren sie von den Vorteilen des jeweils anderen und gehen Partnerschaften miteinander ein. Diese können rein operativer oder finanzieller Natur sein. 

Kooperationen entstehen aber auch, um Teilstrukturen, wie etwa Mitgliedschaften, auszubessern oder zu verstärken. In den vergangenen Jahrzehnten haben Banken ihre IT-Systeme zu einer fest verwachsenen Einheit entwickelt. Zwar macht sie das beständig und zuverlässig, doch ist die festgefahrene Statik nicht länger zeitgemäß. Fintechs gestalten ihre IT-Landschaft flexibel. Das macht sie aus technischer Sicht bereits kompatibel mit dem traditionellen Bankwesen. Doch eine rein technische Kompatibilität alleine garantiert noch keine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit. Dennoch bieten beide Systeme, egal ob in Kooperation oder isoliert betrachtet, Kunden attraktive Möglichkeiten ihre Finanzgeschäfte abzuwickeln.

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