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02.08.2022 | Open Banking | Im Fokus | Online-Artikel

Mit Open Banking für bessere Kundenerlebnisse sorgen

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer
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Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem Rahmenwerk für Open Finance. Auch wenn hiesige Banken seit dem Inkrafttreten von PSD2 zunehmend dessen Vorteile für sich entdecken, bleibt die Branche im Hinblick auf die kommenden Regularien wachsam, wie ein aktuelles VÖB-Positionspapier belegt.

Für weltweit neun von zehn Finanzunternehmen ist Open Banking ein zentraler Faktor in ihrer Organisation. Für gut die Hälfte aller Institute gilt es sogar als Must-have, heißt es in einer internationalen Studie des Finanzsoftwareanbieters Finastra vom Sommer 2021. "Open Banking wird Geschäfts- und Privatkunden in Zukunft gleichermaßen helfen, ihre Prozesse und Kundenerlebnisse zu verbessern und innovative Produkte anzubieten. Die Bedeutung von APIs nimmt beständig zu", konstatiert der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) in einem Positionspapier von Juli 2022. 

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In diesem englischsprachigen essential untersucht Autor Markus Bramberger die Entwicklung von Open Banking und entsprechender Finanzprodukte in Europa. Dabei beantwortet er Fragen zu spezifischen Szenarios als Alternative zu traditionellen Finanzanbietern. Vor dem Hintergrund dieser herausfordernden und risikoreichen Entwicklung, die zugleich neue Geschäftsfelder in der Finanzbranche eröffnet, erfährt der Leser die grundlegenden Fakten über Open Banking und aktuellen Fintech-Themen.

Institute nutzen Services anderer Anbieter

Open Banking ermögliche es Marktteilnehmern, über offene Anwendungsschnittstellen, den sogenannten Application Programming Interfaces oder kurz APIs, Zugang zu Kundendaten und Diensten bei Banken zu erhalten. Marktakteure nutzten diese Informationen für ihre Angebote. "Die etablierten Finanzinstitute nehmen dabei allerdings keine passive Rolle ein, sondern können ihrerseits aktiv die Daten anderer Institute verwenden und Services von Marktakteuren in ihr Portfolio integrieren", so der Verband. 

Auf dieser Grundlage erhielten die Kunden einen einfachen Zugang zu digitalen Dienstleistungen wie zu Bonitäts- und Legitimationsprüfungen, zu Kontoabfragen bei mehreren Banken (Multibanking), zu Vergleichsportalen oder zur automatisierten Übertragung von Daten an Steuerberater, zur Integration von Anlageprodukten oder zu Nicht-Bank-Produkten.

Banken lange skeptisch gegenüber PSD2

Allerdings standen die etablierten Institute der Öffnung ihre Kundendaten für andere Marktteilnehmer lange sehr skeptisch gegenüber, wie Corinna Pommerening im Buchkapitel "Vom Silodenken zum vernetzten Arbeiten" erläutert. Auf Seite 77 beschreibt die Springer-Autorin die Situation vor Inkrafttreten der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2): 

Auf der einen Seite die Drittdienstleister, welche für ihr jeweiliges Geschäftsmodell auf den Zugang zur API-Schnittstelle der Bank angewiesen sind und auf der anderen Seite die klassischen Banken, deren Bereitschaft, ihre Infrastruktur und eigenen Datenschatz den Dritten zur Verfügung zu stellen, bei null lag."

Dabei sei die Richtungsvorgabe und das übergeordnete Ziel des Gesetzgebers unverrückbar gewesen: "Die Open-Banking-Philosophie wird von der Aufsicht stark getrieben, mit dem Ziel, den Wettbewerb zu intensivieren, die Digitalisierung im Finanzsektor zu stärken und die Position des Kunden zu verbessern", führt Pommerening aus.

Mehr als das gesetzliche Mindestmaß

Dem VÖB zufolge geht bei den Banken "die Entwicklung jedoch zunehmend über die regulatorisch erforderlichen APIs hinaus". Den Instituten komme es nun darauf an, ein eigenes Ökosystem mit Partnern und Endkunden aufzubauen. Dabei laute das Ziel, Marktplätze zu schaffen, in denen sowohl das API-bereitstellende Unternehmen beziehungsweise die Bank, Partner und Endnutzer wechselseitig profitieren können. Auf diesen digitalen Ökosystemen könne der Kunde Produkte und Services nutzen, ohne hierfür zur Website oder App eines anderen Unternehmens wechseln zu müssen. 

Zudem eröffneten APIs den Banken den Zugang zu Zukunftstechnologien, die noch in der Entstehungsphase stecken. So sei beispielweise die Teilnahme an alternativen Finanzierungssystemen auf Basis von Decentralized Finance (DeFi) nur über die Schnittstelle möglich. Dabei sieht der Verband nicht nur Vorteile im Privatkundengeschäft, sondern auch im Corporate Banking. Es ließen sich so schneller Lösungen für Firmenkunden und Großunternehmen in bestehende Angebote einbetten. 

Finanzinstitute können Firmenkunden Ökosystem-Plattformen und Standardschnittstellen nicht nur Services in den Bereichen Buchhaltung, Rechnungsabgleich oder Kontenverwaltung anbieten. Über die Nutzung von APIs können zusätzliche Dienste in bestehende Prozesse entlang der Wertschöpfungskette integriert und Daten wechselseitig bereitgestellt werden. Dies ist insbesondere für die weitere Automatisierung von Geschäftsprozessen, beispielsweise in der Fertigung und Logistik, im Flotten-Management sowie bei Services on Demand, wichtig", führt der Verband aus. 

Beyond-Banking-Strategie braucht Partner

Zur Rolle der Banken in einem solchen digitalen Ökosystem stellt Autorin Pommerening mit Blick auf die Entscheider in Banken auf Seite 80 fest: "Die strategische Ausrichtung umfasst vor allem die Kernfrage, wie sich Ihr Institut in diesem Open-Banking- und Plattform-Zeitalter wettbewerbsfähig und kundenorientiert aufstellt." Wolle ein Institut eine Open- oder Beyond-Banking-Strategie zum Leben erwecken, "sind schlüssige Konzepte und sinnvolle Kooperationen gefragt". 

Auch müsse geklärt sein, ob das Geldhaus in bereits bestehende Ökosystem-Strukturen integriert wird oder ein eigenes aufbaut. "Eine Initialisierung sollte mit mehreren attraktiven Partnern, die über eine hohe Kundenreichweite verfügen, erfolgen, um den Marktantritt mit ausreichender Schlagkraft zu gestalten", rät die Bankbetriebswirtin und Beraterin.

Kritischer blick auf Open Finance Framework

Im Mai 2022 hatte die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation zum sogenannten Open Finance Framework gestartet. Dieses soll künftig den rechtlichen Rahmen für ein offenes Finanzwesen einschließlich des Datenaustausch bilden. Damit entscheiden Kunden künftig selbst, wem sie Zugang zu ihren Informationen gewähren. Hierzu zählen neben den Finanzdaten, auch solche von Energieversorgern, Mobilitätsanbietern oder dem Handel. So sollen Verbraucher noch individuellere Finanzprodukte und Services erhalten.

"Wir sind überzeugt, dass Open Finance ein wichtiger Schritt für den digitalen Binnenmarkt in Europa und den innovativen Fortschritt ist, werden die Entwicklungen jedoch auch kritisch begleiten", betont der Verband. Dabei liege der Fokus vor allem auf einer marktgerechten Vergütung von Services, einer freien Gestaltung von Geschäftsmodellen nach dem Prinzip "Fair Share of Value and Risk" und einer Regulierung, die eine für alle Beteiligten risikoadäquate Aufsicht und klar Haftungsregeln vorsieht. 

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