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Über dieses Buch

Der Band beleuchtet das Verhältnis von Organisation und Bildung in theoretischen und empirischen Analysen. Das zentrale Anliegen ist es, zu zeigen, wie unterschiedliche organisationssoziologische Ansätze für die qualitative Bildungsforschung fruchtbar gemacht werden (können). Die Beiträge entwickeln einerseits u.a. aus neo-institutionalistischer, systemtheoretischer und kulturtheoretischer Perspektive auf Bildungsorganisationen empirische Zugänge zu spezifischen Fragestellungen; andererseits werden empirische Befunde aus unterschiedlichen Bildungsbereichen, die auf Basis von unterschiedlichen qualitativen Daten und Verfahren wie der Ethnografie, der Dokumentarischen Interpretation und der Inhaltsanalyse, gewonnen wurden, unter zur Hilfenahme von organisationssoziologischen Konzepten plausibilisiert. Als Bildungsbereiche werden dabei Kindergarten, Schule und Hochschule sowie Erwachsenen/Weiterbildung fokussiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Organisation und Bildung – eine Einleitung

Zusammenfassung
Der vorliegende Sammelband beleuchtet das Verhältnis von Organisation und Bildung in theoretischen und empirischen Analysen. Das zentrale Anliegen ist es, zu zeigen, wie unterschiedliche organisationstheoretische Perspektiven für die qualitative Bildungsforschung fruchtbar gemacht werden (können).
Maja S. Maier

Theoretische Zugänge

Frontmatter

Schule aus organisationssoziologischer Perspektive

Abstract
Ziel des Beitrages ist es, einen Überblick über für die Schul- und Bildungsforschung relevante theoretische Linien und Diskussionen der Organisationssoziologie zu geben. Er umfasst drei Teile: Im ersten Teil geht es um die Darstellung der Schule als eigenständige Organisation. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Aspekte, zum einen die Gemeinsamkeiten von Schule mit Unternehmen, Parteien, Gefängnissen u. ä. m. und zum anderen und davon ausgehend die Besonderheiten der Schule als Organisation. Im zweiten Teil wird geprüft, wie Schule in bekannte Organisationstypologien eingeordnet werden kann und welchen Erkenntnisgewinn dies jeweils bringt. Im dritten Teil werden aktuelle soziologische Organisationstheorien in Hinblick auf ihre Anwendungsmöglichkeiten auf Schule diskutiert.
Maja Apelt

Der Ansatz „Schulkultur“

Theoretische und empirische Perspektiven zum Verständnis von Bildungssystem und Bildungsinstitutionen
Abstract
Der Beitrag stellt den von Werner Helsper seit den 1990er Jahren entwickelten Ansatz der Schulkultur in das Zentrum und fragt nach der Anlage und der Reichweite dieser Schultheorie. Diskutiert werden dabei die folgenden Fragen: Welche theoretischen Implikationen und Annahmen verbinden sich mit diesem Ansatz?Wie kann sich mit diesem Ansatz auf Fragen der Bildungsungleichheit, der Lehrerprofessionalität und der Schulentwicklung bezogen werden?Welche empirischen Zugänge verbinden sich mit diesem Theorieansatz?Insgesamt geht es damit um die Frage, was trägt der Schulkulturansatz zum Verständnis des Bildungssystems und einzelner Schulen bei?
Rolf-Torsten Kramer

Die Freiheit der Schule

Zur strukturellen Selbstbestimmung der Schulorganisation
Abstract
Der Beitrag behandelt eine Leerstelle systemtheoretischer Analysen zur Schulorganisation. Das allgemeine Theorem der selbstreferentiellen und der strukturellen Schließung sozialer Systeme ist für die Organisation der Schule bislang noch nicht konkretisiert worden. Dieses Defizit lässt den systemtheoretischen Ertrag im Vergleich zu institutionalistischen Schulforschungen unklar bleiben. Vorgeschlagen und am Thema der Freiheit von Schule und Unterricht erprobt werden die Thesen: 1. Die operative Schließung der Schulorganisation ist in der Personalisierung des Könnens zu sehen. 2. Die strukturelle Schließung der Schulorganisation ist in der Personalisierung der Bewertung zu sehen. 3. Externe Vorgaben (Recht, Standards, Moral) können immer nur Anlässe des Entscheidens und seiner Selbststrukturierung bilden, nie aber selber Operation oder Struktur der Organisation Schule werden.
Achim Brosziewski

Arbeitskraft- und Stellentypisierungen

Organisationssoziologische Überlegungen zum Zusammenhang von Bildung und Beschäftigung
Abstract
Untersuchungen zum Verhältnis von Bildung und Beschäftigung konzentrieren sich vor allem auf Allokationsprozesse und behandeln Personen oder Gruppen gleichsam als „Träger“ dieser Relation. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass auf der einen Seite das Arbeitsvermögen und auf der anderen Seite die Stellen nach einem bestimmten Schema typisiert sind. Um genau diese Voraussetzung geht es im Beitrag. Es werden die Mechanismen und Schemata der Typisierung von Stellen in Arbeitsorganisationen untersucht und die dabei auftretenden Resonanzen mit Typisierungen der Arbeitskraft, die im Bildungssystem erzeugt werden. In Anlehnung an Max Webers Ausführungen zum „gesonderten Beruf “ wird zunächst gezeigt, dass beide Schemata der Typisierung aufeinander bezogen sind. Dies bildet den Ausgangspunkt für eine Analyse in organisationssoziologischer Perspektive, die in Anlehnung an Luhmann mit der Unterscheidung von Stellenkomponenten arbeitet und den Kompatibilitätserwartungen und Substitutionsmöglichkeiten nachgeht, die mit diesen Komponenten verknüpft sind. Es wird gezeigt, auf welche Weise diese Erwartungen und Substitutionsmöglichkeiten an Vorgaben anschließen, die der Typisierung von Arbeitskraft im Bildungswesen entspringen.
Manfred Stock

Von der Institution zur Organisation

Über ein ungeklärtes Verhältnis in der Erwachsenen- und Weiterbildung
Abstract
Ausgehend von einer historischen Rekonstruktion der spannungsreichen Institutionalisierung der Erwachsenen- und Weiterbildung wird im Beitrag problematisiert, dass infolge der mit den 1990er Jahren beginnenden organisationstheoretischen Perspektivierung von Erwachsenenbildung, in der stärker auf einerseits innerbetriebliche Bedeutungszusammenhänge und andererseits Markterfordernisse fokussiert wird, die konfligierenden gesellschaftlichen Erwartungen an diese Teildisziplin der Erziehungswissenschaften aus dem Blick verloren werden. Plädiert wird daher für die Wiederaufnahme einer institutionentheoretischen Forschungstradition, die das komplexe Arrangement von erwachsenenpädagogischen Institutionen, professionellem erwachsenenpädagogischem Handeln und gesellschaftlichen Bedingungen akzentuiert und auf die Weiterentwicklung erwachsenenpädagogischer Institutionen mit Blick auf ihre zentrale Funktion ‚Bildungsarbeit mit Erwachsenen‘ zielt.
Ulla Klingovsky

Empirische Zugänge

Frontmatter

Der Kindergarten als Bildungsort

Praktiken des Beobachtens von kindlichen Bildungsprozessen als organisationale Transformationsstrategie
Abstract
Die inzwischen breit vertretene Auffassung, dass lebensgeschichtlich Bildung von Anfang an beginnt, stellt die frühpädagogische Praxis vor die Anforderung, kindliche Aktivitäten überhaupt erst als entsprechende Prozesse wahrzunehmen. Systematische Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren, die im Bereich von Kindertageseinrichtungen Verwendung finden, sollen einen Beitrag dazu leisten, sowohl Bildungs- und Lernprozesse systematisch und kindbezogen in den Blick zu nehmen, um diese gezielt zu fördern, als auch die Kindergärten nach außen als Bildungsorte auszuweisen. Der Beitrag basiert auf einer ethnografischen Studie und analysiert aus einer praxeologisch-performativen Perspektive die Wahrnehmung von „Bildung“ als einen kollektiven Prozess, mit welchem die Wirksamkeit des Bildungsorts Kindertageseinrichtung selbst bestätigt wird.
Marc Schulz

Die Prozessierung schulischer Selektion

Zur Entwicklung kollektiver Orientierungen und Begründungen im kollegialen Austausch von Lehrkräften
Abstract
Der Beitrag rekonstruiert am Beispiel einer Passage einer Notenkonferenz aus einem Beruflichen Gymnasium, wie schulische Selektion im kollegialen Austausch prozessiert wird. Aufgegriffen werden dafür einerseits organisationssoziologische Befunde zu den Begründungsmustern von Lehrkräften bei Übergangsentscheidungen und andererseits Befunde zur Bedeutung der Aufrechterhaltung einer professionellen Fassade in kollektiven Settings der Leistungsbewertung. Notenkonferenzen werden dabei aus organisationstheoretischer Perspektive zugleich als Ort kollektiver Aushandlungen und der Koordination schulischer Verfahrensweisen betrachtet. Gezeigt werden kann so, wie im Diskursverlauf organisations- und professionsbezogene Logiken aktualisiert und miteinander vermittelt und so kollektive Orientierungen und Begründungen der Prozessierung schulischer Selektion entwickelt werden. Die Befunde werden anhand der diesen Prozess strukturierenden Merkmale abschließend als „Cooling Out“-Prozess (Goffman 1952, Clark 1960) eingeordnet.
Maja S. Maier

Emotionalität als Mythos und Zeremonie?

Zur Bedeutung emotionaler Ausdrucksfähigkeit und Selbstthematisierung im Kontext schulischer Beurteilungen
Abstract
Der Beitrag thematisiert formale Regelungen und alltägliche Praktiken der Beurteilung von Schülerinnen und Schülern. Insbesondere interessiert er sich für den Anspruch, der Individualität der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Dieser Anspruch wird als Folge eines neuen Verständnisses vom Individuum ausgewiesen, demzufolge Kompetenzen der emotionalen Ausdrucksfähigkeit und Selbstthematisierung zum legitimierenden Repertoire individueller Agentschaft zählen und deshalb gesellschaftliche Wertschätzung genießen. Vor diesem Hintergrund wird anhand eines empirischen Falls der Frage nachgegangen, inwiefern Schulen den gesellschaftlichen Erwartungen einer ganzheitlichen und Fragen der Emotionalität berücksichtigenden Beurteilung entsprechen. Gezeigt wird, dass diese Erwartungen sowohl in formalen Regelungen als auch in der Beurteilungspraxis ihren Niederschlag finden – sie tun dies jedoch auf unterschiedliche Weise.
Raimund Hasse

„Wir sind eine besondere Schule“

Schulkultur als Organisationskultur
Abstract
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Annahme, dass sich jede Schule von anderen durch eine spezifische Kultur unterscheidet, die sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Rahmenbedingungen, Wissensbestände, Artefakte, Machtverhältnisse etc. lokal ausformt. Vor dem Hintergrund eines dynamischen Verständnisses von Organisationskultur, das offen für Uneindeutigkeiten und Wandel ist, soll die ethnographische Auseinandersetzung mit einem Gymnasium in evangelisch-lutherischer Trägerschaft Schule als kulturelles Phänomen beleuchten: Wie partizipieren Schülerinnen und Schüler, Schulleitung, Lehrkräfte, weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Eltern an der alltäglichen Entwicklung kultureller Ordnung(en)?Welche subjektiven und institutionellen Wissensbestände leiten sie dabei?Der Aufsatz präsentiert Ergebnisse aus einer achtmonatigen Felderhebung an einem Gymnasium. Diese werden mit Beispielen aus dem Bereich Raum verdeutlicht, der sich neben Zeit und Ritual als besonders fruchtbar für das Herausarbeiten institutionalisierter und kontinuierlich tradierter Routinen und Wissensbestände erwiesen hat.
Catharina Keßler

Neo-Institutionalistische Perspektive auf die Organisation Schule

Organisationsinterne Kopplungs- und Entkopplungsprozesse infolge testbasierter Schulreform
Abstract
Die Neue Steuerung greift den nach PISA entstandenen gesellschaftlichen Druck auf, die evidenten Bildungsprobleme organisational zu lösen. Sie hat weitreichende Folgen für die Ausgestaltung der Interaktionen zwischen der Organisation Schule und ihrer Umwelt. Bislang wurden hierzu kaum organisationssoziologische Theorien rezipiert. Dieses Desiderat soll mit vorliegendem Beitrag gefüllt werden. Für die Rekonstruktion der Reformprozesse werden qualitative Daten inhaltsanalytisch unter Rückgriff auf den Neo-Institutionalismus ausgewertet. Es zeigt sich, dass die schulischen Umgangsweisen sehr heterogen ausfallen; festere Kopplungsprozesse zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten – so wie mit den Lernstandserhebungen intendiert – lassen sich nur in wenigen Fällen rekonstruieren.
Barbara Muslic, Carolin Ramsteck

Die Untersuchung von Stratifikation in sich wandelnden Hochschulfeldern

Überlegungen zur Operationalisierung über organisationsbezogene ‚Entry Points‘
Abstract
Der Beitrag entwickelt ein Untersuchungsdesign, um im Entstehen begriffene vertikale Differenzierungen (Stratifikation) innerhalb des Feldes der Hochschulbildung feingliedrig nachzuzeichnen. Eine solche Form der Felduntersuchung steht dabei vor einem wesentlichen methodologischen Problem: Die Unklarheit hinsichtlich der Akteure, der feldbestimmenden Merkmale und der Art und Weise von Differenzierung erfordert einen weitgehend offenen Zugang. Der Beitrag schlägt vor, das Hochschulfeld über organisationsbezogene ‚Entry Points‘ zu untersuchen. Diese ermöglichen den empirischen Feldzugang über institutionalisierte Einzelfälle, ohne die feldspezifischen Ordnungsprinzipien vorausgehend zu definieren. Mit Hilfe der Akteur-Netzwerk-Theorie lassen sich dann vertikale Ordnungsversuche über soziomaterielle Relationsbeziehungen herausarbeiten und so Formen der Stratifikation identifizieren.
Alexander Mitterle

Backmatter

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