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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Im Zentrum des vorliegenden Buches und seiner Beiträge steht die professionelle Organisation und mit ihr, in einem weiteren Sinne, die Frage nach dem gesellschaftlichen Verhältnis von Organisation und Profession.
Thomas Klatetzki, Veronika Tacke

I

Wissen und die Professionen in einer Organisationsgesellschaft

Zusammenfassung
Seit der Herausbildung der Professionen im spätmittelalterlichen Europa ist der Begriff der Profession eng mit dem des Wissens verknüpft. Die Professionen entstanden zusammen mit der Universität und sie waren für diese konstitutiv. Aus den drei klassischen Professionen Theologie, Jurisprudenz und Medizin gingen die einzigen im engeren Sinn wissenschaftlichen Fakultäten der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Universität hervor. Außer diesen drei Fakultäten gab es nur noch die philosophische Fakultät und deren richtiger Name facultas artium demonstriert, dass sie nicht eigentlich als wissenschaftliche Fakultät aufge-fasst wurde. Ihre Lehrgegenstände waren die artes wie beispielsweise die Rhetorik, die Geometrie, die Musik und die angewandte Mathematik und zur angewandten Mathematik gehörten Fachgebiete wie Artillerie und die Festungsbaukunst. Dies sind praktische Wissenssysteme, die nicht beanspruchen können, zu den scientiae gerechnet zu werden. Der Begriff scientia war für die drei professionellen Fakultäten reserviert. Das demonstriert, dass für die Professionen nicht nur von einer Wissensbasierung die Rede sein kann. Das Wissen, das sie verwalteten, war sogar das mit dem höchsten Prestige ausgestattete Wissen der zeitgenössischen Gesellschaft, weil es das einzige war, das wissenschaftlichen Status reklamieren konnte. Man konnte die Summe der professionellen Wissenssysteme als eine vollständige Klassifikation der Wissenschaften auffassen, da sie das Wissen des Menschen über seine Beziehungen zu Gott (Theologie), das Wissen des Menschen über seine Beziehungen zu sich selbst (Medizin) und das Wissen des Menschen über seine Beziehungen zu anderen Menschen (Recht) einschlossen.
Rudolf Stichweh

Profession und Organisation. Dimensionen der Wissensgesellschaft bei Talcott Parsons

Zusammenfassung
In der Debatte über die mit Postfordismus und Toyotismus verbundenen Formen der Organisation des Arbeitsprozesses ist von Ikujiro Nonaka der Begriff des „wissenserzeugenden Betriebs“ geprägt worden (Nonaka 1991, Nonaka/Takeuchi 1994). Statt einer Akzentuierung von Effizienz und arbeitsteiliger Spezialisierung nach tayloristischem Vorbild, wie sie z. B. bei nordamerikanischen Autoherstellern zu finden ist, stellen die japanischen Produzenten die Fähigkeit einer Gruppe von Arbeitern in den Mittelpunkt, eigenständig die Anforderungen des Produktionsablaufs zu meistern und dabei Wissen zu explizieren, zu teilen, in der Anwendung zu erweitern und neu zu erzeugen. Aus einseitig geschulten, repetitiven Teil-Arbeitern am Fließband werden hier multi-funktionale Spezialisten im Team. Die Fähigkeit von Organisationen, auf diese Weise Wissen „umzusetzen“, d. h. es von einem stillschweigenden Status in einen expliziten Status zu transformieren und es umgekehrt auch von einem expliziten Status wieder in die Routine ihrer Mitarbeiter zu verwandeln, es dabei kontinuierlich weiter zu entwickeln, kennzeichnet den innovativen Betrieb (Castells 1996: 159f.). Arbeiter müssen sich dazu am Innovationsprozess uneingeschränkt beteiligen, ernten jedoch auch die Erträge einer solchen Organisation: höhere Arbeitszufriedenheit und höhere Eigenverantwortung (z. B. in der Befugnis, den Produktionsprozess zeitweise anzuhalten). Auf der anderen Seite hat auch der Betrieb eine höhere Bindung an eine Mitarbeiterschaft, die den Innovationsprozess gleichsam in den Graswurzeln betreibt.
Harald Wenzel

II

Die Organisation professioneller Arbeit in Deutschland. Ein Vergleich mit England

Zusammenfassung
Angehörige der Professionen leisten Arbeit in organisatorisch besonderer Form. Als „Elite“ unter den Wissensberufen sind sie offensichtlich auch von besonderer Bedeutung für hoch entwickelte Gesellschaften und deren Modernisierung. Anliegen dieses Beitrags ist es, das Besondere der professionellen Organisation aufzuzeigen und dabei auch der Frage nachzugehen, inwieweit die spezifische deutsche Organisationsweise sich als hemmend für Modernisierung im Bereich professioneller Dienstleistungen erweist. Das Anliegen lässt sich am besten durch Vergleich einlösen, denn der Kontrast zur Situation in anderen Gesellschaften lässt die Besonderheit in der eigenen deutlicher erkennen. Als Basis werden uns empirische Befunde einer international vergleichenden Untersuchung mit England dienen. Differenzen treten aber auch zwischen einzelnen Professionen zutage. Der Vergleich ist deswegen auch interprofessionell, indem traditionelle, neu entstandene und den Status einer Profession erst anstrebende Berufsgruppen unterschieden werden.
Wolfgang Littek, Ulrich Heisig, Christel Lane

Evolving Professions: An Institutional Field Approach

Abstract
Our conceptions of professions vary as a function of two conditions. They are influenced, first, by changes in the composition, structure and behavior of those occupations that we identify by this label; and, second, they are affected by changes in the theoretical lenses we bring to bear on these occupations. I thus embrace a post-positivist conception in which all our scientific analyses involve some combination of elements selected from the “empirical environment” of observations and other combinations of elements that we and our colleagues collectively create in the “metaphysical environment” of assumptions and theoretical models (Alexander 1982). All our conclusions, findings, and scientific “truths” are admixtures of these empirical and metaphysical elements.
W. Richard Scott

Die akademische Profession und die Universitäten: „New Public Management“ und eine drohende Entprofessionalisierung

Zusammenfassung
Wenn man Talcott Parsons’ Analyse des amerikanischen Universitätssystems aus den frühen siebziger Jahren wieder liest (Parsons/Platt 1973), beschleichen einen seltsame Gefühle. Auf der einen Seite klingt vieles relativ altmodisch — und das war es vermutlich sogar schon damals. Auf der anderen Seite stößt man auf weitsichtige Beobachtungen und Ideen, die nach wie vor und vielleicht gerade heute bedeutsam sind, um bestimmte Entwicklungen und Spannungen zu verstehen, die seitdem in den Hochschulsystemen vieler westlicher Länder zur vollen Entfaltung gelangt sind.
Uwe Schimank

Schulreform als aktive Deprofessionalisierung? Zur Semantik der Lernenden Organisation im Kontext der Erziehung

Zusammenfassung
Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde vor einiger Zeit in gesonderten Spots auf die gesellschaftliche Bedeutung der Leistungen von Lehrern hingewiesen und für deren Anerkennung geworben. Spiegelbildlich kommen darin die öffentlichen Kritiken zum Ausdruck, denen diese Profession sich heute nicht allein in der Folge internationaler Leistungsvergleiche von Schülerkohorten ausgesetzt sieht.1 Gesellschaftliche Erwartungen hinsichtlich der Verbesserung der Ausstattung von Schülern mit Wissen und Können für den Lebenslauf und entsprechende Steigerungen in den schulisch organisierten Vermittlungsleistungen richten sich allerdings nicht allein und direkt an die Lehrerprofession und ihre Vertreter. In der Erwartung kollektiv bindender Entscheidungen werden sie vielmehr an die Politik und deren Organisationen adressiert. Diese reagieren im Rahmen ihrer eigenen Strukturprobleme und „rules of appropriateness“ (March/Olsen 1989) mit bildungs- und schulpolitischen Reformen.
Veronika Tacke

Die Institutionalisierung religiöser Kommunikation: Strukturprobleme der kirchlichen Organisation theologischer Professionalität

Zusammenfassung
Sind die letzten Fragen und das Seelenheil organisierbar und professionalisierbar? Die Irritation, die sich einstellt, wenn man Pfarrerinnen und Pfarrer sagen hört, dass sie ihre Gemeinde wie eine mittelständische Firma führen und sich als deren Manager sehen, ist — im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Teilbereichen — wahrscheinlich ein Spezifikum des Religionssystems. Wie bereits Thomas O’Dea in den 1960er Jahren herausgestellt hat (O’Dea 1966: 90ff.), gerät Religion bei ihrer Institutionalisierung in eine dilemmatische Situation: Sie verweist auf die jenseitige Welt, auf das ganz Andere, das Unbekannte und muss sich doch in dieser Welt, im Bekannten, einrichten. Religion kann sich phasenweise, aber nicht dauerhaft ins Transzendente verflüchtigen. Andernfalls wäre sie kein sozialer Sachverhalt, und wir wüssten von ihr überhaupt nicht. An vielen Beispielen der Religionsgeschichte kann man mit Max Weber studieren, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, vom persönlichen Charisma eines Offenbarungsträgers auf das Amtscharisma umzustellen. Trotz, oder besser: gerade wegen dieser Institutionalisierungsschwierigkeiten ist Religion ein „evolutionärer Frühstarter“. Wie etwa die mesopotamische Hochkultur zeigt, hat Religion sehr früh Expertenrollen ausgebildet, mit denen heiliges Wissen verwaltet wurde. Dieser evolutionäre Vorsprung liegt darin begründet, dass der religiöse Symbolbestand gerade deshalb in besonders starkem Maße kontrolliert werden muss, weil er wegen des Bezugs auf Abwesendes und Unbekanntes eine Tendenz zum „Ausufern“ hat.
Volkhard Krech, Peter Höhmann

III

A Theory of Collegiality and its Relevance for Understanding Professions and knowledge-intensive Organizations

Abstract
Complex tasks that cannot be routinized define professional and knowledge intensive work. When such tasks are carried out by collective actors (such as professional committees or workgroups), cooperation and mutual adjustments by these actors are not accounted for by models such as Weberian bureaucracy. Instead of weakening the concept of bureaucracy — as did the sociology of organizations during the past century — I would like to argue that two conflicting trends currently take place in societies where the knowledge economy accounts for an increasing part of production and growth. The first trend is simply the continuation of Weberian rationalization through bureaucratization. The second trend is another kind of rationalization through collegiality and its particularistic social processes. I assume that understanding this second trend provides insights into modern professions since their practice seems to become more collective and organizational — with the further loss of independence. Competition between the two trends characterizes an increasingly large area of production, as it becomes knowledge-intensive.
Emmanuel Lazega

Professionelle Arbeit und kollegiale Organisation. Eine symbolisch interpretative Perspektive

Zusammenfassung
Im Rahmen einer theoretischen Perspektive, die Mary Jo Hatch (1997) als „modern“ bezeichnet hat, werden Organisationen häufig als soziale Systeme zur Verrichtung von Arbeit verstanden (Perrow 1967; Morgan 1986). Sie werden gebildet durch die Relationierung sozialer Positionen, sodass es einer Menge von Akteuren möglich wird, „Rohmaterial“ unterschiedlichster Art — seien dies nun Objekte, Subjekte oder gesellschaftliche Probleme — in gewünschter Weise zu verändern. Ein in der modernen soziologischen Literatur verbreiteter Zugang zur Beschreibung von solchen sozialen Systemen, die als professionelle Organisation bezeichnet werden, besteht darin, die Art der Arbeitsaufgaben, mit denen die als professionell bezeichneten Berufe befasst sind, zum Ausgangspunkt zu nehmen, um dann das spezifische soziale Beziehungsgefüge aufzuzeigen, das mit der Bearbeitung dieser Arbeitsaufgaben verbunden ist. Übereinstimmend wird dabei davon ausgegangen, dass es sich bei professionellen Arbeitsaufgaben um Probleme handelt, die als nichtroutinisierbar (im Gegensatz zu routinisierbar) (Perrow 1967, 1986), unbestimmt (im Gegensatz zu technologisierbar) (Jamous/Peloille 1970) oder aktiv (im Gegensatz zu träge) (Dornbusch/Scott 1975) bezeichnet werden. Alle diese Bezeichnungen sollen darauf hinweisen, dass sich für die Bearbeitung der Probleme keine standardisierten Verfahren anwenden lassen. Um dennoch solche Arbeitsaufgaben bewältigen zu können, wird in Organisationen ein spezielles Personal eingesetzt — die Professionellen —, das über die technische Kompetenz verfugt, solche nichtroutinisierbaren Aufgaben zu bearbeiten.
Thomas Klatetzki

IV

Organisation, Profession, bootstrapping

Ohne Zusammenfassung
Günther Ortmann

Backmatter

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