Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Das Jahrbuch möchte in theoretischer, empirischer und pragmatischer Perspektive zur Klärung einer (organisations-)pädagogischen Verhältnisbestimmung von Organisation und Verantwortung beitragen. Im Rekurs auf die internationale und interdisziplinäre Diskussion zum Begriff der Verantwortung in seiner ethischen, gesellschaftlichen, politischen und pädagogischen Dimension werden organisationstheoretische Fragen und organisationspädagogische Heraus-forderungen bearbeitet. Die Beiträge beschäftigen sich mit dem Thema im Hinblick auf Rolle, Funktion(en) und Bedeutung von Verantwortung in, von und zwischen Organisationen als zentrale Träger des kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Über das Schwerpunktthema hinaus enthält das Buch weitere Beiträge zu aktuellen organisationspädagogischen Fragestellungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zur Einführung

Zusammenfassung
Der Begriff der Verantwortung gehört zu den Grundbegriffen ethischen Denkens und spielt in sozialen, politischen, ökonomischen und pädagogischen Diskussionszusammenhängen eine wichtige Rolle.
Claudia Fahrenwald, Nicolas Engel, Andreas Schröer

Thementeil Organisation und Verantwortung

Frontmatter

Lessons from the School of Disobedience: Responsibility and/for Resistance in Higher Education

Abstract
Drawing upon a visit to the School of Disobedience in Linz, Austria and the example of the Highlander Research and Education Center in Tennessee, this chapter focuses on the critical need for reform in systems of higher education and the responsibility of those with positions of power within these institutions to lead the way in demanding change. Both the School of Disobedience and the Highlander Center offer forms of disobedience that might serve as exemplars for challenging business as usual in the academy. But we must be grounded in a clear set of ethical principles in order to guide this action. The process of structured ethical reflection provides a strategy for identifying a set of shared core values that we might use to inform ourselves—and our leaders—regarding ways to reinvent higher education to support positive change.
Mary Brydon-Miller

Moralische Arbeitsteilung. Moralverdrängung und Legitimationsfabrikation in und durch Organisation(en)

Zusammenfassung
Organisationen (insbesondere pädagogische Organisationen) entwickeln eine Eigendynamik – Stichwort ‚Selbstorganisation‘. Sie emanzipieren sich mit ihren Zwecken von den Zwecken ihrer Mitglieder. Das hat Luhmann (1973) als evolutionären Mobilitätsschub gefeiert, aber die Kehrseite dessen ist, unter anderem: Auch die Moralität der Organisation entwickelt ein Eigenleben gegenüber der Moral ihrer Mitglieder, und dies nicht selten zu Lasten letzterer. Organisationen betreiben Moralverdrängung und Legitimationsfabrikation. Das wird im Folgenden allgemein, ohne Bezug auf bestimmte pädagogische Organisationen ausgearbeitet.
Günther Ortmann

Organisationen als autonome moralische Akteure – oder: das „Gewissen“ der Organisation

Zusammenfassung
Der Beitrag macht sich auf die Suche nach den Möglichkeitsbedingungen organisationaler Verantwortung als conditio sine qua non für die von der „Organisationspädagogik“ auf Organisationen gerichtete (moralische) Erziehungsabsicht. Er identifiziert das „Gewissen“ als zentrale Voraussetzung für eine autonome Moralität von Organisationen als sozialen Systemen sensu Niklas Luhmann, die sich in funktionalen Äquivalenten zum „Schuldbewusstsein“ und „Schuldgefühl“ personaler Akteure manifestiert. Da ersteres kognitiv im Medium Sinn und zweiteres affektiv im Medium Emotion operiert, ist ein Rückgriff auf Talcott Parsons erforderlich.
Paul Reinbacher

Entscheidungstheorie trifft Fake News – Konsequenzen von Post-Truth für organisationales Lernen und organisationale Verantwortung

Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit den Auswirkungen einer durch Begriffe wie „Post-Truth“ oder „Post-Faktizität“ markierten Entwicklung auf organisationales Geschehen. Hierzu wird zunächst die Rolle von Entscheidungen in und für Organisationen konkretisiert, weiterhin wird der Aspekt der Rationalität angesprochen. Daran schließen Überlegungen zur Rolle von Verantwortung in diesem Kontext an, die auf den Zusammenhang von Verantwortung mit den (organisations-)pädagogischen Konzepten Bildung und Lernen hinführen. Im nächsten Abschnitt wird der Begriff „Post-Truth“, verstanden als eine Zeitdiagnose, ausgeleuchtet, um von dort aus zu einer Antwort auf die Frage zu gelangen, wie sich organisationspädagogische Verantwortung unter den Bedingungen von Post-Truth darstellt und welche Konsequenzen sich hieraus für organisationales Lernen ergeben.
Henning Pätzold

Offenheit als Moment einer bildungstheoretischen Grundlegung pädagogischer Verantwortung in Organisationen

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der Adressierung von Organisationsmitgliedern als „unternehmerisches Selbst“ beschäftigt sich der Beitrag aus bildungstheoretischer Perspektive mit Offenheit als Moment pädagogischer Verantwortung in Organisationen. Geißlers Begründung der Organisationspädagogik hin zu Plessners Anthropologie folgend, wird zunächst ein Verständnis von Offenheit herausgearbeitet, das die Annahme der Gestaltbarkeit menschlichen Lebens (mithin die Gestaltbarkeit von Organisation) als Voraussetzung und Ziel (organisationaler) Lernprozesse identifiziert. Davon ausgehend wird Offenheit aus bildungstheoretischer Perspektive inhaltlich näher bestimmt. Hierbei erweisen sich das Offenhalten von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen sowie die zentrale Rolle des Nicht-Verstehens und das Aushalten von Differenz als wesentliche Aspekte einer (organisations-)pädagogischen Grundlegung von Verantwortung. Offenheit wird als widerständiges Moment in einem relationalen Prozess von Selbst- und Weltverständigung gedacht, in dem das Weltgeschehen der Organisation und ihren Akteuren tendenziell mächtig bis bemächtigend gegenübertritt. Sie wird damit zu einem zentralen Aspekt einer humanen und in diesem Sinne verantwortungsbewussten Weiterentwicklung von Organisationen.
Christoph Röseler, Ines Sausele-Bayer

Verwicklungen. Organisationspädagogische Forschung als Verantwortungsgeschehen

Zusammenfassung
Mit Verwicklungen wird das der Pädagogik altbekannte Topos des Theorie-Praxis-Verhältnisses aufgerufen und in diesem Beitrag als normatives und forschungsethisches Problem thematisiert. Im Zuge einer kategorialen und methodologischen Verhältnisbestimmung von Organisation und Verantwortung soll dabei die Frage nach der Verantwortungs-Funktion von organisationspädagogischer Forschung für die organisationspädagogische Praxis im Zentrum stehen. Der Beitrag macht es sich zur Aufgabe, den Prozess pädagogischer Organisationsforschung als ein theoretisch-praktisches Verantwortungsgeschehen zu skizzieren.
Nicolas Engel

Verantwortung (neu) lernen im Rahmen interorganisationaler Kooperationssettings zwischen Hochschule, Schule und Gemeinde

Zusammenfassung
Während der bisherige Schulentwicklungsdiskurs durch eine Ausrichtung auf die Einzelschule und das Konzept der Eigenverantwortung geprägt war, findet sich aktuell zunehmend die Forderung nach geteilten Verantwortlichkeiten im Rahmen interorganisationaler Kooperationssettings. Der Beitrag beschäftigt sich mit dieser Entwicklung in bildungstheoretischer und bildungsprogrammatischer Perspektive sowie im internationalen Vergleich. Als bildungspraktisches Beispiel wird die Einführung eines ‚erweiterten Praxisfeldes‘ in der österreichischen Lehrerbildung vorgestellt, das auf die Kooperation zwischen Hochschule, Schule und Gemeinde ausgerichtet ist. Ziel des Beitrags ist eine Analyse und Systematisierung der Lernherausforderungen im Rahmen interorganisationaler Kooperationssettings zwischen Hochschule, Schule und Gemeinde im Hinblick auf die Übernahme von individueller und organisationaler Verantwortung.
Claudia Fahrenwald

Verantwortung und Macht im schulischen Führungshandeln

Zusammenfassung
Macht und Verantwortung sind zentrale Begriffe, die untrennbar mit Führung in Verbindung stehen. Doch in welchem Verhältnis stehen diese Aspekte zueinander und welche Erkenntnisse lassen sich daraus für das Führungshandeln in Bildungsinstitutionen, insbesondere an Schulen, ableiten? Diesen zentralen Fragestellungen widmet sich dieser Beitrag und nimmt dabei auch auf die organisatorische Verfasstheit von Schulen Bezug. Auf Basis umfassender Befunde werden Reflexionsimpulse für die beiden Handlungsfelder Führung und Schulentwicklungsberatung in Bezug auf unterschiedliche Akteursgruppen (Schulleiter*innen und Schulentwicklungsberater*innen) und Akteursebenen (Personen- und Systemebene) abgeleitet.
Elisabeth Amtmann, Olivia de Fontana

Der Verantwortungsbegriff als produktive Delegitimierung des Schulischen

Zusammenfassung
Es wird vorgeschlagen, einen begriffsgeschichtlichen Zugang zu ‚Verantwortung‘ mit neo-institutionalistischen Ansätzen der Organisationssoziologie zu verbinden, um historische Transformationen von (pädagogischen) Anerkennungsordnungen in Organisationen plausibilisieren und nachzeichnen zu können. Je bestimmte pädagogisch-emphatische Begriffe werden als produktive Delegitimierung gelesen, da sie je spezifische, historisch-kulturell gewachsene Normative aufrufen, die geltende Anerkennungsordnungen problematisieren können. Am historischen Gegenstand der ‚Schülermitverantwortung‘ wird gezeigt, dass der Verantwortungsbegriff die Legitimität von schulischen Autoritätsverhältnissen grundlegend in Frage stellte. In dieser Delegitimierung kann der Verantwortungsbegriff – im Anschluss an das neo-institutionalistische Argument – produktiv wirken, weil er Schule und Lehrer*innen unter Legitimierungs- und damit Transformationsdruck setzt.
Nele Kuhlmann

Die Bildungslandschaft als Rahmenkonstrukt einer (pädagogischen) Verantwortungsgemeinschaft für Schulentwicklungsprozesse

Zusammenfassung
Organisationen als (un)menschliche Sozialgebilde, deren Akteur*innen mit ihren pädagogischen Aufträgen Verantwortung übertragen bekommen und übernehmen, stehen unter der Prämisse der Vernetzung und Kooperation vor veränderten Anforderungen an pädagogisches Handeln. Das Konstrukt der Bildungslandschaft als Verantwortungsgemeinschaft und deren Konsequenzen für Schulentwicklungsprozesse wird in diesem Beitrag als bildungs- und kommunalpolitisches Steuerungsmodell zur Förderung der Vernetzung von pädagogischen Organisationen und institutionell getragener Verantwortung für individuelle Bildungsbiografien mit bildungstheoretischer Intention diskutiert.
Anke Spies, Jan Wolter

Wer ist hier eigentlich verantwortlich? Zur Adressierung von Subjekten und Organisationen in bildungspolitischen Dokumenten

Zusammenfassung
Sowohl für Pädagog*innen als auch für Bildungsorganisationen ist die Frage, wer denn eigentlich wofür verantwortlich ist, eine zentrale. Der Beitrag greift diese Thematik auf und widmet sich der Frage, wie in bildungspolitischen Dokumenten Subjekte und Organisationen als verantwortlich adressiert werden. Anhand von zwei exemplarischen Fallstudien – Bildungsplänen aus Kindertagesstätten und dem Schulentwicklungsinstrument ‚Schulqualität Allgemeinbildung‘ – wird gezeigt, dass primär Akteur*innen adressiert werden, Verantwortung zu übernehmen. Organisationen werden vor allem dann an ihre Verantwortung erinnert, wenn es um die Bearbeitung (diffuser) gesellschaftliche Herausforderungen geht.
Julia Seyss-Inquart, Julia Smolka

Zur Externalisierung und Individualisierung von Verantwortung in Wissenschaftsorganisationen – dargestellt am Beispiel der deutschen Förderlandschaft in der Postdoc-Phase

Zusammenfassung
Die grundlegende These des Beitrags ist, dass diese Umstrukturierungsprozesse zu einer Externalisierung und Individualisierung von Verantwortung im Wissenschaftssystem geführt haben, die sich anhand der Angebotsstruktur der Förderlandschaft in der Postdoc-Phase nachweisen lassen. Für die systematische Bearbeitung auf empirischer Basis wird ausgehend von der unternehmerischen Universität, der Bezug hergestellt, welche Verantwortung Wissenschaftsorganisationen für den akademischen Mittelbau obliegt und wie diese im Bereich der Postdoc-Förderung ausgestaltet ist. Ein Ergebnis des Beitrags ist, dass die Verantwortung aufseiten der Wissenschaftsorganisationen und deren Führungsspitze nicht nur strukturell ausgelagert bzw. externalisiert, sondern vor allem auf ihre Mitglieder, die Professor*innen und Postdocs, verschoben wird.
Svea Korff

Exzellenz und Geschlecht: Die Organisation der Verantwortung für den ‚wissenschaftlichen Nachwuchs‘

Zusammenfassung
Dieser Beitrag rekonstruiert ‚Verantwortung‘ aus der Perspektive von Foucaults Machttheorie und Ethik als eine diskursive Praxis und als ein Handeln-Können von Hochschulprofessionellen. Dabei geht er der Frage nach, wie in Wissenschaftsorganisationen Verantwortung als Handeln-Können für den ‚wissenschaftlichen Nachwuchs‘ zwischen Exzellenz- und Geschlechterdiskursen hergestellt wird. Anhand von Interviews mit Hochschulprofessionellen werden ihre jeweiligen Sprechpositionen im Diskursraum von Exzellenz und Geschlecht und ihre spezifischen diskursiven Strategien im organisationalen Kontext als Verantwortungspraxis untersucht. Die Frage nach Verantwortung wird damit abschließend als organisationale und professionelle Diskurspraxis und ethisch-politische Subjektivierung gefasst und diskutiert.
Sarah Wieners

Wo bleibt die Kritik? Organisationspädagogische Forschung im Wandel der Forschungsförderung

Zusammenfassung
In der Wissenschaftsforschung wird seit geraumer Zeit ein Wandel der Formen der Wissensproduktion kritisch diskutiert. Mit einer solchen Veränderung stellt sich für die Disziplin der Organisationspädagogik die zentrale Frage, wie sie sich in diesen Modus der Wissensproduktion einfügt. Die Organisationspädagogik scheint prädestiniert zu sein, einen zentralen Beitrag in diesem Modus der Wissensproduktion zu leisten. Zugleich stellt sich vor diesem Hintergrund jedoch auch die Frage, welche Verantwortung der organisationspädagogischen Forschung im Mode 2 der Wissensproduktion zukommt. Der Beitrag diskutiert, welche Möglichkeiten, aber auch welche disziplinären Selbstverpflichtungen die Organisationspädagogik besitzt, kritische Perspektiven in eine vom Mode 2 geprägten Forschungslogik einzubringen.
Inga Truschkat

Verantwortung, Menschenrechte und Soziale Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften: Plädoyer für eine Organisationsethik

Zusammenfassung
Ethische Fragen von Verantwortung werden in der Sozialen Arbeit oftmals individualisiert. Unsere rekonstruktive Analyse eines Praktikumsberichts einer/eines Studierenden Sozialer Arbeit zeigt, wie subjektivierende Anteile professionsethischen Denkens zutage treten und welche Bilder von Verantwortung und Verantwortlichkeiten auf diesen unterschiedlichen Ebenen transportiert werden. Ausgehend von der Rekonstruktion der Adressierungs- und Zuordnungspraxen der Hilfeempfänger*innen fragen wir danach, wie diese mit institutionellen und subjektiven Verantwortungshorizonten korrespondieren und welche Bedeutung dem jeweiligen Grad an Institutionalisierung dabei zukommt. Wir sehen dies als eine Möglichkeit, für eine menschenrechtlich inspirierte Kritik an nicht rechtfertigbaren Verhältnissen einzutreten und verstehen diesen Beitrag als ein Plädoyer für das Einbeziehen einer Organisations- und Institutionenethik in den Diskurs um professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit.
Sandro Bliemetsrieder, Gabriele Fischer

Hilfe als Prämisse organisationaler Verantwortungsübernahme. Entscheidungsverfertigung in Unternehmen der sozialen Hilfe

Zusammenfassung
Der Beitrag nimmt die Beobachtung zum Ausgangspunkt, dass Organisationen der Hilfe konfligierenden Erwartungen ausgesetzt sind. Sie sollen einerseits Hilfe für Klient*innen leisten und andererseits wirtschaftlich arbeiten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Hilfe neben dem operativen Alltagsgeschäft vor allem auch in weichenstellenden Managemententscheidungen relevant wird. Zwei empirische Beispiele veranschaulichen, dass Führungskräfte den Hilfeleistungen in ihren Entscheidungen vor allem dann Vorrang vor ökonomischen Argumenten geben, wenn sie mit großer Unsicherheit konfrontiert sind. In solchen Situationen ist es für Entscheidungsträger*innen besonders attraktiv, zu helfen, weil Hilfe als Motiv sogar im Fall des Scheiterns gegenüber Dritten noch Wirkungskraft entfaltet. Dies erleichtert es den Beteiligten, in unsicheren Entscheidungssituationen Verantwortung (vgl. Luhmann 1999) zu übernehmen.
Kristina Willjes, Christian Scharff, Stefan Jung

Verantwortung in Organisationen herstellen. Berater*innen und Klient*innen am Übergang in Arbeit

Zusammenfassung
In der organisationspädagogischen Forschung interessiert uns in einer ethnomethodologischen Perspektive nicht das, was inhaltlich über das Lernen gesagt wird, sondern wie in Organisationen lernend gehandelt wird. In diesem Beitrag soll Verantwortung im interaktiven Vollzug personenbezogener Beratungsgespräche am Übergang in Arbeit in Organisationen empirisch beobachtet und analysiert werden. Nach einem Einblick in den Forschungskontext, in dem die Daten erhoben wurden, wird ein relationales Konzept von Verantwortung vorgestellt, um sodann aus dem empirischen Material drei Modi der Herstellung von Verantwortung in Beratungsgesprächen von Organisationen herzuleiten, die Beratung und Begleitung am Übergang in Arbeit anbieten. Die Ergebnisse zeigen jene Rationalitäten am Übergang in Arbeit auf, nach denen Verantwortung in Organisationen pädagogisch bearbeitet wird.
Christian Schröder

Verantwortung (in) der Organisationsberatung – Organisationspädagogisches Proprium im Plural theoretischer Perspektiven

Zusammenfassung
Mit der zunehmenden Institutionalisierung der Organisationspädagogik steigt auch die Relevanz einer Professionalisierung ebenso wie einer theoretisch fundierten Auseinandersetzung mit dem organisationspädagogischen Anwendungsfeld der Organisationsberatung. Entlang der für die Diskurse der Organisationspädagogik und Organisationsberatung zentralen Referenzhorizonte der ‚Bildung‘, des ‚Lernens‘, des ‚Systems‘ der ‚Ethik‘ und zunehmend auch des ‚Diskurses‘, diskutiert der Beitrag explizite und implizite Referenzierungen, Einbettungen und Verankerungen des Verantwortungsbegriffes für die Frage nach dem organisationspädagogischen Proprium – oder den Plural organisationspädagogischer Propriae der Verantwortung der/in der Organisationsberatung.
Marc-André Heidelmann

Verantwortung jenseits der Verantwortung – Konturen einer responsiven Führungsethik

Zusammenfassung
In dem Beitrag wird Foucaults Perspektive der Gouvernementalität zugrunde gelegt, um die Responsibilisierung selbstverantwortlich und unternehmerisch agierender Beschäftigter in der pluralistischen Organisation unter dem Blickwinkel von Führung zu rekonstruieren. Die normative Ausrichtung auf die bestmögliche Erfüllung von Stakeholder-Interessen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es letztlich um die Ausprägung einer funktionalen Verantwortung geht. Es wird daher für eine ergänzende und zugleich weitergehende Verantwortung jenseits der organisierten Verantwortung plädiert, deren unbedingte Sorge dem Anderen gilt. Als moralischer Orientierungssinn verzichtet sie auf universelle Prinzipien und nutzt Kritik, um die Möglichkeit alternativer, weniger repressiver Verantwortungspraktiken zu erkunden.
Volker Naumann

Geteilte Verantwortung in der Führung: Biographische Bezüge von Unternehmerinnen und Geschäftsführerinnen

Zusammenfassung
Die Thematik der geteilten Verantwortung in der Führung von Unternehmen wird anhand der quantitativen und biographischen Daten aus einem Forschungsprojekt zu Unternehmer*innen bearbeitet. Es kann gezeigt werden, dass zwar Gemeinsamkeiten zwischen männlichem und weiblichem Unternehmertum bestehen, aber auch relevante Unterschiede. Begabte Frauen weisen z. B. spezifische Bildungswege in Kindheit und Beruf auf, oft gekennzeichnet durch mehrere Diskriminierungsphasen. Basierend auf den Resilienzfaktoren aus der Sozialisation bilden sie „key leadership practices“ in Bezug auf Führungs- und Entscheidungsstile aus. Im Konzept der „transformational leadership“ werden Prinzipien ethischer Führung, Partizipation und Verantwortung mit der Unterstützung individueller und kollektiver Lernprozesse der Mitarbeitenden und geteilter Führungsverantwortung in einem interaktiven Prozess verbunden.
Hildegard Macha

Die soziale Verantwortung von Energieunternehmen in der öffentlichen Grundversorgung. Ein Vergleich privatwirtschaftlicher und kommunaler Energieunternehmen im Umgang mit einkommensarmen Haushalten

Zusammenfassung
Mit der Liberalisierung des Energiemarktes haben sich die Bedingungen der Grundversorgung mit Strom als öffentlichem Gut grundlegend verändert. Energieunternehmen sind – nunmehr unter Wettbewerbsbedingungen – zur Grundversorgung vulnerabler Haushalte verpflichtet. Vor diesem Hintergrund geht der vorliegende Beitrag anhand ausgewählter empirischer Befunde einer thematisch breiter angelegten Studie der Frage nach, ob und inwiefern sich die Wahrnehmungen, Deutungen und Handlungspraxen von privatwirtschaftlichen und kommunalen Unternehmen in der Energiegrundversorgung vulnerabler Haushalte unterscheiden.
Martin Gibson-Kunze, Holger Backhaus-Maul, Johanna Mierendorff

Gestaltungskompetenz als Katalysator für Verantwortungslernen in hochzuverlässigen Gesundheitsorganisationen

Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit Organisationen aus dem professionellen Gesundheitsbereich und versucht, den Verantwortungsbegriff mit einer organisationspädagogischen Perspektive in einen Zusammenhang zu bringen. Hierzu werden zunächst die Begriffe „Verantwortung“ und „Patientensicherheit“ spezifiziert. Anhand von forschungsleitenden Fragestellungen werden die Ansätze Hochzuverlässiger Organisationen (auch als „High Reliability Organizations“ oder „HROs“ bezeichnet) und Lernender Organisationen sowie das Konzept der Gestaltungskompetenz jeweils einzeln sowie verknüpft miteinander dargestellt. Hierbei werden auch die gemeinsamen potentiellen Anknüpfungspunkte der beleuchteten Konzepte für das Verantwortungslernen in Gesundheitsorganisationen theoretisch beschrieben und für das Thema Patientensicherheit angewendet. Abschließend wird eine Einordnung der unterschiedlichen Ansätze bzw. deren Merkmale in einem theoretisch-konzeptionellen Modell vorgenommen.
Jannis Graber, Nina-Alexandra Götz, Gerhard de Haan, Birgit Babitsch

Aktuelle Beiträge aus der organisationspädagogischen Forschung

Frontmatter

Individuelle Kreativität und organisierte Innovation. Elemente einer organisationspädagogischen Synthese

Zusammenfassung
Kreativität und Innovation fungieren als Leitsemantik unterschiedlicher Diskurse. Dies gilt auch für den organisationstheoretischen Innovationsdiskurs und den erziehungswissenschaftlichen Lehr-Lerndiskurs, deren Verlauf und Konjunktur als komplementäre Perspektiven analysiert werden. So drückt sich die Geschichte der Organisationstheorie als De- und Rekonstruktion klassischer Rationalitätsnahmen im Wandel managerialer Ideen und Konzepte aus. Ausgehend von der Vermeidung von Kontingenz und der Beseitigung individueller Abweichungsspielräume in frühen Organisationen, lässt sich die Entwicklung von Managementkonzepten bis hin zur systematischen Förderung und methodischen Kultivierung von Kontingenzen in Form individuellen kreativen Potentials nachzeichnen. Der Beitrag zielt auf einen Vorschlag zur weiteren Theorieentwicklung der Organisationspädagogik, der abschließend am Beispiel eines Innovationslabors diskutiert wird.
Sebastian Manhart, Thomas Wendt, Andreas Schröer

Genese, Institutionalisierung und Proprium organisationspädagogischen Wissens: Zur Konstitution und Etablierung einer Diskursfigur im pädagogischen Feld

Zusammenfassung
Mit der Sektionswerdung der Organisationspädagogik in der deutschen Fachgesellschaft und der damit einhergehenden Verleihung des Forschungspreises der DGfE im Jahr 2018 ebenso wie mit der Internationalen Verankerung der Organisationspädagogik im europäischen (EERA) und globalen Rahmen (WERA), dem Forschungsmemorandum in deutscher Sprache (2014), dem Europäischen Forschungsmemorandum (2018), dem Erscheinen des Handbuchs Organisationspädagogik sowie der Etablierung organisationspädagogischer Studiengänge hat die Organisationspädagogik ihren Institutionalisierungsprozess in 15 Jahren ihrer akademischen Verankerung erfolgreich initialisiert und beschritten. Der Beitrag untersucht Genese, institutionelle Verankerung und Spezifik organisationspädagogischen Wissens aus diskursanalytischer Perspektive und reflektiert damit die Konstitution und Etablierung einer Diskursfigur im pädagogischen Feld.
Susanne Maria Weber

Organisieren und Behinderung in Prozessen inklusionssensibler Hochschulentwicklung

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht das Verhältnis von Organisieren und Behinderung am Beispiel von Verantwortlichkeiten in Prozessen inklusionssensibler Hochschulentwicklung. Hochschulen sind seit einem Jahrzehnt infolge der Behindertenrechtskonvention aufgefordert, im tertiären Sektor Verantwortung zur Gestaltung eines inklusiven Bildungswesens zu übernehmen. Während in der hochschulischen Praxis inzwischen eine Zunahme von Aktionsplänen und Inklusionskonzepten zu beobachten ist, fehlt systematisches Wissen zu den organisationalen Bedingungen und Vorgehensweisen. Vor diesem Hintergrund werden Zugänge zu Inklusion sowie konzeptionelle Ansätze zu Weiterentwicklung von Hochschulen dargestellt. Empirische Befunde geben erste Hinweise auf die organisationale Gestaltung anhand studienverlaufsbezogener Verantwortlichkeitsschwerpunkte hochschulischer Akteur*innen.
Marc Ruhlandt

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise