Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorwort

Zusammenfassung
Vorworte sind Orte des Dankes, der Kurzreflexion, des Pathos und nicht zuletzt ein Publikationsritual, die Referenzräume so abzustecken, dass man als Autor mit einflussreichen Personen verbunden erscheint. So lässt sich anzeigen, in welchen Netzwerken man eine Adresse bildet oder bilden möchte. Man annotiert — es klingt ja irgendwie beiläufig! -, wen man kennt, und noch wichtiger, von wem man gekannt wird. Welcome to recursivity! Auch ich werde hier von den Regeln und Routinen nicht abweichen, denn Soziologen haben neben dem Spaß an Paradoxien gleichzeitig zu viel Freude an Typologien: Förderer, Freunde und Familie. Von Verhinderern liest man selten. Dass die Empirie aber die schönsten Typologien durcheinander wirbelt und Mischformen hervorbringt, auch damit haben Sozialwissenschaftler zu tun. Sinngrenzen erscheinen auf einmal neu, Förderer und Kollegen werden zu Freunden, Freunde und Familie zu Begleitern und Förderern. Manchmal aber bleiben Sinngrenzen auch stabil. Und auch damit kommen Soziologen natürlich klar, weiß doch keine Zunft so gut Bescheid über die Orientierungs- und Ordnungsfunktion von Grenzen.
Thomas Drepper

Einführung und Problembezug

Zusammenfassung
Das bringing back in avanciert zum Dauerattraktor in den Sozialwissenschaften. Aber dieses Erinnern und Wiedereinbringen macht nur dann Sinn, wenn ein Vergessen, ein Verblassen oder eine Phase der Nichtbeachtung bestimmter Begriffe, Theoreme oder gar gesamter Theoriezusammenhänge vorausgegangen ist. Das bringing back in scheint ein Schema, eine Regel und Routine des disziplinären Gedächtnisses der Sozialwissenschaft geworden zu sein.
Thomas Drepper

1. Gesellschaft und Organisation — Kontingenz statt Rationalität

Zusammenfassung
Dieses Kapitel erarbeitet systemtheoretische Grundfragen und Grundbegriffe zur Systematisierung des rekursiven Konstitutions- und Korrelationsverhältnisses von Gesellschaft und Organisation. Gezeigt werden sollen hier die frühe organisationstheoretische Aufklärung der Gesellschaftstheorie in der Luhmannschen Systemtheorie sowie die Rückbettung der Organisationstheorie in gesellschaftstheoretische und allgemein systemtheoretische Begriffsbildungen. Es geht um zirkuläre Bewegungen im Gespräch zwischen Gesellschafts-, Organisations- und soziologischer Systemtheorie. Wir werden hier auf fundamentale system-, differenzierungs- und evolutionstheoretische Überlegungen zu sprechen kommen, wie sich an den Schlüsselbegriffen dieses Kapitels, Kontingenz, Komplexität, Sinn, kongruente Generalisierung von Verhaltenserwartungen, Differenzierung und Morphogenese von Strukturen sehen lässt. Bezogen auf das Korrelationsverhältnis von Gesellschaft und Organisation lässt sich zeigen, dass diese systemtheoretischen Analysen das Problem der Kontingenz an die Stelle setzen, an der die Formel der Rationalität die vorherrschende Semantik programmiert.
Thomas Drepper

2. Allgemeine Theorie organisierter Sozialsysteme

Zusammenfassung
Dieses Kapitel diskutiert die Luhmannschen Theorieentwürfe zu einer Allgemeinen Theorie organisierter Sozialsysteme. Die folgenden Überlegungen werden den jeweils grundlegenden Zusammenhang der allgemeinen Organisationstheorie mit der allgemeinen Theorie sozialer Systeme und der darin ausgearbeiteten Relation von allgemeiner Theorie sozialer Systeme und allgemein-systemtheoretischen Grundlagen klarmachen. Bringt man die paradigmatischen Theorieentwicklungen auf eine Reihe, so führt der Weg von der funktional-strukturellen Theorie umweltoffener Systeme zur ereignisbezogenen Theorie selbstreferentieller Systeme zur späten Autopoiesistheorie im Rahmen des Paradigmas operativgeschlossener Systeme. 1 Diesem Dreischnitt folgt die Darstellung in diesem Kapitel. Mit dem Ereignisbegriff im Rahmen der Theorie selbstreferentieller Systeme wird die Ereignis-Strukturtheorie (eventstructure-theory) auf den Weg gebracht und später durch den Operationsbegriff noch einmal radikalisiert. Idealtypisch verkürzt, läuft die paradigmatische Bewegung im Luhmannschen Werk von einem strukturellen zu einem operativprozessualen Verständnis sozialer Systeme und damit auch von Organisation als Sozialsystem. Gerade die späten begrifflichen Umbauten und Ergänzungen (Kommunikation, Operation und Beobachtung, Paradoxie) arbeiten sich verstärkt daran ab, dem „Rätsel der Emergenz von Entscheidungen“2 auf die Spur zu kommen.
Thomas Drepper

3. Differenzierungs- und Medientheorie

Zusammenfassung
In den folgenden Überlegungen geht es um die Wiederaufnahme und Vertiefung differenzierungstheoretischer Theoriefiguren zur Strukturanalyse der Gesellschaft als umfassendem Kommunikationssystem. Ich skizziere dazu wesentliche Facetten der späten Luhmannschen Gesellschaftstheorie, in dessen Rahmen das operative Verständnis sozialer Systeme, dass wir mit dem Autopoiesistheorem für die Analyse von Organisation im letzten Kapitel dargestellt haben, auch zur Definition der Einheit von Funktionssystemen eingesetzt wird. Die Analyserichtung verschiebt sich. Die Funktionssysteme als Subsysteme auf der Ebene von Gesellschaft werden nun nicht mehr wie im funktionalstrukturellen Paradigma als strukturell binnendifferenzierte Handlungssysteme mit Funktionssystembezug verstanden, sondern als operative Einheiten, als Kommunikationszusammenhänge mit typischen, aneinander anschließenden Kommunikationen, die Strukturen hervorbringen, die diese Kommunikationen mit Sinn ausstatten.1 Des Weiteren zeigt sich, dass Luhmann in der abschließenden Gesellschaftstheorie die Differenzierungstheorie mit der späten Kommunikationstheorie zu verbinden versucht. Haben wir bereits für das funktionalstrukturelle Paradigma sozialer Differenzierung auf den Sammelcharakter des Strukturbegriffes hingewiesen, der sowohl Erwartungsstrukturen wie Personen, Rollen, Programme und Werte als auch Sozialstrukturen wie Organisationen, Medien und Formen interner Differenzierung umfasst, geht Luhmann nun dezidiert die Frage an, wie die primären Formen gesellschaftlicher Differenzierung als Strukturen den Einsatz gesellschaftlicher Kommunikation leiten.
Thomas Drepper

4. Organisation und Gesellschaft — Diversifikation und Respezifikation statt Rationalität

Zusammenfassung
Dieses Kapitel konkretisiert die Frage nach der Korrelation von Gesellschaft und Organisation auf der Basis der in den letzten Kapiteln diskutierten Theoriebestandteile des Luhmannschen Werkes.1 Es wird sich dabei zeigen, dass sich diese Erwägungen zur Relevanz des Systembildungsprinzips Organisation für die moderne Gesellschaft nur begreifen lassen, wenn man die komplexen Analysen zur soziologischen Systemtheorie, deren Anwendungen auf die Theorie des sozialen Systems Gesellschaft sowie des sozialen Systems Organisation, eine Theorie der Differenzierungsformen komplexer Sozialsysteme sowie evolutions-, kommunikations- und medientheoretische Theoriebausteine rückbindet, die wir in den letzten Kapiteln für verschiedene Phasen des Luhmannschen Werkes diskutiert haben. Für das späte Luhmannsche Werk ist der deutliche Versuch zu bemerken, das Verhältnis von Gesellschaft und Organisation stärker zu thematisieren und an neuere Theoriebegriff-lichkeiten anzupassen. In Bezug darauf wird eine These dieses Kapitels sein, dass diese Ansätze ohne viele klassische Positionen kaum verständlich gemacht werden können, dass sich für andere Themen aber auch feststellen lässt, dass das Problemniveau durch die begrifflich renovierte Diskussion an Differenziertheit gewinnt. So kann eine fruchtbare Bereicherung älterer Theorieteile durch neuere und neuerer durch ältere gelingen.
Thomas Drepper

Einsichten und Ausblicke

Zusammenfassung
Das theoretische Interesse an einem verstärkten Dialog zwischen Gesellschafts- und Organisationstheorie ist evident und der Gegenwarts- und Problembezug einer stärkeren gesellschaftstheoretischen Einbettung der Organisationsanalyse unstrittig.1 Viele Phänomene und Probleme der komplexen und heterarisch strukturierten modernen Gesellschaft können nicht mehr ohne Organisationsanalyse ausreichend begriffen und verstanden werden. Sie können aber auch nicht mehr angemessen verstanden werden, wenn man dabei an einem uneingeschränkten Fortschritts-, Innovations-, Modernisierungs-, Rationalitäts- und Effizienzverständnis von Organisationen festhält und „von inneren Impulsen der Organisationen in Richtung Rationalität oder bessere Zustände oder Innovationen ausgeht, so, als ob es eine Leitungs- oder Führungsaufgabe sei, für die Probleme, die sich im Hause stellen bessere Lösungen zu finden. Für die globalen Veränderungen in den Innovationsimpulsen oder auch in dem Tempo, in dem Organisationsprobleme sich ausbreiten, ohne auf ihre Lösung zu warten, sieht man als Soziologe einen gesellschaftlichen Hintergrund“.2
Thomas Drepper

Backmatter

Weitere Informationen