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2022 | Buch

Organisationen in Zeiten der Digitalisierung

herausgegeben von: Prof. Dr. Corinna Onnen, Prof. Dr. Rita Stein-Redent, Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Torsten Noack, Michael Opielka, Katrin Späte

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

Buchreihe: Sozialwissenschaften und Berufspraxis

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Über dieses Buch

Sie ist schon sehr lange kein Neuland mehr, die Digitalisierung. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht sind allerdings längst noch nicht alle Veränderungen, die in Organisationen unter dem Begriff „Digitalisierung“ als Innovation subsumiert und seit langer Zeit vollzogen werden oder sich auch erst in Planung befinden, ausgeleuchtet. Mit diesem Band möchten wir dazu beitragen, diese vielfältigen Prozesse, die einen sozialen Wandel in und durch Organisationen initiieren, sedimentieren und beschleunigen, durch sozialwissenschaftliche Analysen abzubilden.

Wie stellen sich Auswirkungen von Digitalisierungsprozessen in den jeweiligen Strukturen, Zielen und Mitgliedschaften für die Organisationsmitglieder oder externe Beobachtende dar? Wie verändert die Digitalisierung Berufsbilder, wie wird sich das allgemeine Verständnis von Beruflichkeit entwickeln? Welche Auswirkungen hat dies auf bestehende soziale Ungleichheiten? Die neunzehn Beitragende kommen aus den unterschiedlichsten sozialwissenschaftlichen Arbeitsfeldern im In-und Ausland.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Organisationen in Zeiten der Digitalisierung
Zusammenfassung
Das Besondere an sozialwissenschaftlichen Theorie- und Denktraditionen ist, dass es keinen Dissens darüber gibt, dass eine Gesellschaft sich wandelt. Wenn nun festzustellen ist, dass auf allen Diskursebenen von Wissenschaft über Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen ein sozialer Wandel konstatiert wird, sollte es Sozialwissenschaftler*innen freuen, dass ihre genuine Erkenntnis eben von der Allgemeinheit anerkannt wird.
Corinna Onnen, Rita Stein-Redent

Digitalisierung und Organisationen: Sichtweisen, konzeptionelle und theoretische Überlegungen zu einem sozialwissenschaftlichen Spannungsfeld

Frontmatter
Von der Beschäftigung mit den Folgen zur Gestaltung der Digitalisierung: Die Rolle der Organisationen
Zusammenfassung
Ausgehend von einem systemtheoretisch inspirierten organisationssoziologischen Ansatz wird im Beitrag die These diskutiert, dass erst in und durch Organisationen als soziale Systeme „die“ Digitalisierung konkretisiert wird. Die Digitalisierung versorgt Organisationen insofern mit einem Überschusssinn, dass digitale Medien mehr Möglichkeiten bereitstellen als dass sie allein durch Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung realisiert werden können. Wie dieser Überschusssinn organisatorisch in Form gebracht wird, wird anhand von zwei Fallbeispielen erläutert.
Daniela Ahrens
Digitalisierung von und durch Organisationen
Zusammenfassung
Dem soziologischen Digitalisierungsdiskurs mangelt es an zweierlei: einerseits an einem Dialog zwischen bestehenden theoretischen Ansätzen; andererseits an einer systematischen Bestimmung des Status von Organisation im Digitalisierungsprozess. Beiden Mängeln wird im vorliegenden Beitrag Abhilfe geschaffen, indem auf Basis bestehender soziologischer Digitalisierungsansätze ein Vier-Phasen-Modell des Prozesses der Digitalisierung angefertigt wird. Neben Technisierung, Datafizierung und Vernetzung wird Organisation als Formalisierung dabei eine wesentliche Rolle spielen. Die Regel für die Verknüpfung der vier Phasen liefert der Sinnbegriff aus der Systemtheorie Niklas Luhmanns. Mithilfe eines derart ausgearbeiteten Digitalisierungsansatzes wird es möglich, den Blick stärker als bisher für drei empirische Fragen zu sensibilisieren: 1) Wie verschiebt sich gegenwärtig das praktisch wirksame Bild der Digitalisierung? 2) Welchen Einfluss haben die digitalisierenden Organisationen bei dieser Verschiebung? 3) Inwiefern geht mit dieser Verschiebung grundsätzlich ein verändertes Bild des Organisationalen einher?
Kurt Rachlitz
Veränderungen organisationaler Legitimationsmuster durch Digitalisierung
Zusammenfassung
Dieser Beitrag behandelt die organisationale Nutzung datenintensiver Algorithmen als wichtiger Aspekt der Digitalisierung. Wir schlagen einen Interpretationsrahmen vor, der datenintensive Algorithmen weder als Kommunikationspartner noch als Ersatz für Entscheidungen begreift, sondern als technische Einrichtungen zur Bearbeitung und Verbreitung von Information, kurz: als Medien. Unsere These ist, dass diese Medien zu neuartigen kommunikativen Arrangements führen, die jedoch in etablierte gesellschaftliche und organisationale Kommunikationskontexte eingebettet sind. Wir fokussieren Veränderungen in organisationalen Legitimationsmustern und zeigen anhand drei empirischer Fälle, dass datenintensive Algorithmen durch eine Aura von Objektivität eine Entlastung des Legitimationsbedarfs von sachlichen Entscheidungen bewirken und somit ermöglichen, komplexe und quasi-personalisierte Entscheidungen zu legitimieren. Besonders riskant wird ihr Einsatz, wenn Entscheidungen, die von einem algorithmischen Output abweichen, schwer zu rechtfertigen sind und wenn Faktoren, die jenseits der algorithmischen Kalkulation liegen, weniger Spielraum in Entscheidungsprozessen eingeräumt wird.
Cristina Besio, Cornelia Fedtke, Andrea Pronzini
Digitalisierung von unten? Multiple Digitalisierungspfade in Großunternehmen
Zusammenfassung
Der Beitrag konturiert betriebliche Digitalisierung als komplexes soziales Interaktions- und Diskursfeld. Er verweist dafür anhand theoretischer Überlegungen und empirischer Forschung auf multiple Digitalisierungspfade im Großbetrieb „von oben“ und „von unten“: Anders als häufig angenommen, diffundiert Digitalisierung in Unternehmen nicht entlang der formalen Hierarchie von oben nach unten. Vielmehr bestehen in Großbetrieben mit gewachsenen Mitbestimmungsstrukturen kreative Handlungsräume für Bottom-Up-Widerstand im Top-Down-Prozess. Entgegen technikdeterministischer Perspektiven „von oben“ sind daher informelle (Diskurs-)Praktiken verschiedener Beschäftigtengruppen in der betrieblichen Digitalisierung in den Fokus zu nehmen. Illustriert wird dies anhand von Interviews und Ethnographie in verschiedenen Großunternehmen.
Hendrik Simon, Heiner Heiland, Ulrich Brinkmann, Tanja Paulitz
Digitale Ungleichheiten im Hochschulbereich
Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert digitale Ungleichheiten im Hochschulbereich im Anschluss an die Digital Divide Forschung. Es werden Unterschiede in der technischen Ausstattung, Nutzung digitaler Angebote und der Selbsteinschätzung der digitalen Kompetenzen auf Basis einer Stichprobe von 6.944 österreichischen Studierenden adressiert und auf soziodemografische Einflüsse hin analysiert. Zudem wird untersucht, ob der Studienfortschritt einen Einfluss auf den Digitalisierungsgrad der Studierenden hat.
Gerlinde Janschitz
Digitalisierung und Diversity: Zu- oder Widerspruch? Ein Blick auf intelligente Systeme im Personalwesen
Zusammenfassung
Aus einer soziotechnischen Perspektive untersucht der Beitrag, inwiefern die Symbiose von Mensch und Maschine zu Ungleichbehandlungen in der Personalauswahl führen kann. Gegenstand der Analyse ist die Frage nach der (nicht)menschlichen Verantwortung, explizit inwiefern intelligente Systeme für ein diversitätssensibles Handeln (ein)stehen können. In Anlehnung an den agentiellen Realismus wird der Subjekt-Objekt-Dualismus überwunden, um die mimetischen Einschreibepraktiken der Technologien für Vergesellschaftungsprozesse zu verorten.
Katja Dill
Dilemmata einer inklusiven Arbeitswelt. Menschen mit Behinderung zwischen Inklusionspotenzialen neuer Arbeitsrealitäten und exklusionsverwaltenden Organisationen
Zusammenfassung
Dem politischen Anspruch einer inklusiven Arbeitswelt steht der aktuelle Status quo der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung (MmB) im ersten Arbeitsmarkt und in Sondersystemen wie der Werkstatt für behinderte Menschen entgegen. Aktuell werden unter dem Label ‚Digitalisierung und Arbeit 4.0‘ insbesondere Automatisierungsprozesse und Substituierbarkeitspotenziale diskutiert, die mit einer Pluralisierung von Beschäftigungskonstellationen sowie mit einer fortschreitenden Bildungsexpansion und Qualifikationsentwertung einhergehen. In dem Beitrag werden die Veränderungsprozesse im Zuge der Entwicklung einer Arbeitswelt 4.0 für MmB in den Blick genommen und die Exklusions- und Inklusionsmechanismen diskutiert.
Jan Jochmaring, Jana York

Aus der Praxis der empirischen Forschung: Entstehung, Funktionalität und Reproduktion von Digitalisierungsprojekten und deren Wirkungen und Folgen

Frontmatter
Digitale Transformation und die Frage nach Veränderung an Universitäten
Zusammenfassung
Der Beitrag skizziert die Veränderungen von zukünftig relevanten Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen künftiger Arbeitskräfte durch die digitale Transformation. Der Fokus liegt dabei auf den Wirtschaftswissenschaftler*innen. Angelehnt an eine literaturbasierte Analyse der Thesenvielfalt zum digitalen Wandel der Arbeitswelt werden Ergebnisse aus Expert*inneninterviews zu den zukünftig geforderten Kompetenzfacetten zur Begegnung und Mitgestaltung der digitalen Transformation dargelegt und Anforderungen an den (digitalen) Wandel der österreichischen Universitäten erörtert.
Susanne Kamsker, Peter Slepcevic-Zach
Scrum in der Lehre: Von Praxen und Projekten. Berichte aus der soziologischen Praxis
Zusammenfassung
Die agile Projektmanagementmethode „Scrum“ findet derzeit in der Wirtschaft große Verbreitung. Bei der Anwendung im Rahmen von studentischen Forschungsprojekten ist sie geeignet, die Selbstorganisationsfähigkeit der Studierenden zu stärken und bietet zugleich die Möglichkeit, relevante Schlüsselkompetenzen für das Berufsleben zu vermitteln. Die Visualisierung der Projektabläufe und die Organisation der Arbeitsaufgaben erfolgt über zentrale Planungstools für die es vielfältige digitale Lösungen gibt. Daher ist die Vorgehensweise sehr gut für die online-Lehre geeignet. Für die Studierenden wie für die Dozierenden besteht jedoch die Gefahr, in alte Rollen und Organisationsmodi zurückzufallen. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Erfahrung mit Scrum in der Lehre in verschiedenen Lehrveranstaltungen des Masterstudiengangs Soziologie des Max-Weber-Institutes für Soziologie der Universität Heidelberg.
Elizangela Valarini, Friederike Elias
Digitale Kreativarbeit beobachten
Zusammenfassung
Der Beitrag bespricht anhand einer Fallstudie zu digitaler Visual-Effects-Produktion für Film und Fernsehen beispielhaft soziologische Methoden der Beobachtung digitaler Kreativarbeit. Um den kreativen Gehalt der digitalen Arbeit gegenstandsangemessen zu untersuchen, wurden in der Studie in den Produktionsstätten sowohl lokale Tätigkeiten des Bewertens und Entwerfens als auch die alltägliche praktische Verknüpfung verschiedener Arbeitsepisoden der Produktion beobachtet. Der soziologische Blick richtete sich dabei an den Formen und Ressourcen der Beobachtung des Falls aus, die Kooperation in der arbeitsteiligen Produktion ermöglichten. In der Visual-Effects-Produktion wurden technische Mittel sowohl zur Gestaltung als auch zur Koordination der Arbeit genutzt, sodass die digitale Kreativarbeit im Sinne einer digitalen Ethnografie an und mit Computern beobachtet wurde.
Ronja Trischler
Digitale Assistenzsysteme in der Altenpflege – Fluch oder Segen? Eine empirische Untersuchung zu Chancen, Risiken und Auswirkungen
Zusammenfassung
Wie in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens hat auch in der Altenpflege der Digitalisierungsprozess eingesetzt, doch Informationen zu tatsächlich genutzten Systemen sowie deren Auswirkungen auf Pflegepraxis und -personal sind weitestgehend unerschlossen. Ziel der Expert*innenbefragung des Projektes DAAS-KIN ist es daher den Einsatz digitaler Assistenzsysteme im Pflegealltag zu untersuchen, um nicht nur die Auswirkungen auf Arbeitsprozesse zu vergegenwärtigen, sondern auch die sich daraus ergebenden Anpassungserfordernisse sowie Chancen und Risiken einander gegenüberzustellen.
Ulrike Scorna, Debora Frommeld, Sonja Haug, Karsten Weber
Wie entstehen neue Führungs- und Organisationskonzepte? Organisationale Anpassungsleistungen in Zeiten der Digitalisierung
Zusammenfassung
Aufgrund des dynamischen Marktumfeldes und kurzer Innovationszyklen in der Arbeitswelt 4.0 werden Organisationen und Beschäftigte gleichermaßen mit erhöhten Anpassungsanforderungen konfrontiert. Mit unserem Beitrag möchten wir zeigen, wie solche Anpassungsleistungen durch die Veränderungen von Führungs- und Managementkonzepten und die Nutzung digitaler Tools unterstützt und erleichtert werden können. Diese veränderten Konzepte folgen in Abkehr des klassisch hierarchischen Verständnisses von Organisationen einem veränderten, „systemischeren“ Ansatz für Strukturen und Prozesse. Auf Basis eines qualitativ induktiven Vorgehens analysieren wir die Charakteristika verschiedener Organisationen und deren Management und Führungsprozesse. Der Fallvergleich basiert auf qualitativen problemzentrierten Interviews in drei Organisationen.Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Haltung und das Rollenverhalten der obersten Führungsebene eine der wichtigsten Einflussvariablen für die Gestaltung von Führungs- und Managementkonzepten sind. In allen Organisationen wurden digitale Kommunikationsformate genutzt, um Transparenz zu ermöglichen, die Beschäftigten in ihrer selbstorganisierten Arbeitsweise zu unterstützen und ihnen Flexibilitätsoptionen zu bieten. Zudem ist die selbstorganisierte Arbeitsweise eingebettet in einen transparenten, partizipativ gestalteten und immer wieder kritisch reflektierten Orientierungsrahmen. Dieser basiert auf Orientierungsmarkern wie Vision, Werte, Ziele und Zielerreichungsgrade. Führungskräfte nehmen eher die Rolle von Unterstützer*innen und Coaches als die von Entscheider*innen und Macher*innen ein.
Corinna Weber, Birgit Thomson
Digitalisierung und Prosuming in der Gastronomie: Potenziale und Herausforderungen
Zusammenfassung
Die Mehrdimensionalität der Gastronomie schließt soziale Kontakte und kommunikative Nähe ein, was vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie mit wochenlangen Schließungen der Branche nochmals mehr als deutlich wurde. Der vorliegende Beitrag hebt auf die Gastronomie als Phänomenbereich mit seinen mehrdimensionalen Aspekten – soziale, kulturelle und ökonomische einschließend – ab und blickt zugleich auf die besonderen Potenziale und Herausforderungen digitaler Lösungen, die auf eine zunehmende Partizipation und Einbringung des Gastes verweisen.
Nenja Katharina Ziesen, Nazim Baris Yildiz-Ziesen
Digitalization, structuration and agency in organizations concerned with the placement of refugee parents in institutions of early childhood care and education
Summary
In their access to institutions of early childhood care and education, many refugee parents utilize offers of information and guidance by social service organizations. These services are often supported or performed in digital ways. Many pedagogic professionals of the regarding institutions use Apps or Emails to get in contact with their clients, other engage in the development of information media like videos or websites. Anyhow, for the employees there are many obstacles for an efficient usage of these media. Varying communication-practices of the clients, laws and missing technological competences force the professional to find creative ways in efficiently using the devices.
Marek Winkel

Von Praxen und Projekten (Berichte aus der soziologischen Praxis): Auswirkungen der Digitalisierung auf Organisationen – Prozesse, Herausforderungen und Transformationen

Frontmatter
Kindertagesstätten in organisationalen Digitalisierungsprozessen. Befunde aus der reflexiven Organisationsforschung.
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht Auswirkungen von Digitalisierungsprozessen in einem technologieaversen Arbeitsfeld aus der Perspektive von Organisationsmitgliedern und einem externen Beobachter im reflexiven Diskurs. Diese Mikroebene lässt Rückschlüsse auf der Makroebene in Hinblick auf sich verändernde Berufsbilder in und die Governance von Kindertagesstätten zu und kommt zu dem Ergebnis, dass gesellschaftliche Entwicklungen, die sich in Digitalisierungsprozessen abbilden, in deutlichem Widerspruch zu den pädagogischen Ansprüchen des Arbeitsfeldes stehen.
Volker Jörn Walpuski
Zur alltäglichen Praxis von Digitalisierungsvorhaben. Ein Analyserahmen.
Zusammenfassung
Digitalisierungsvorhaben in Organisationen bewirken vielfältige, intendierte aber auch unintendierte Veränderungen der Alltagspraxis von Beschäftigten. In der Beschreibung oder Analyse solcher Prozesse werden jedoch häufig verschiedene Phänomenebenen vermischt. So wird beispielsweise aus Narrativen zur Digitalisierung auf deren Umsetzung geschlossen oder die organisationale Ankündigung von Digitalisierungsprojekten mit deren Implementierung gleichgesetzt. Um zu verstehen, was Digitalisierung für die konkrete Praxis und den Alltag in Organisationen bedeutet, schlagen wir daher vor, analytisch verschiedene Ebenen der Digitalisierung zu unterscheiden. Über den ,Umweg‘ der Analyse von gesellschaftlichen Diskursen, organisationalen Entscheidungen und alltäglichen Praktiken lassen sich so die praktischen Konsequenzen von Digitalisierung in Organisationen in den Blick nehmen.
Johan Buchholz , Uli Meyer
Hochschulen in der Pandemie. Die Digitalisierung der Lehre in Zeiten von COVID-19
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie einerseits die Hochschulen als Organisationen auf die pandemiebedingte Umstellung auf digitale Lehre im Sommersemester 2020 reagiert haben und wie sich diese Umstellung andererseits auf das Erleben von Bildung, Raumerfahrungen und Zeitlichkeit aus Sicht der Lehrenden und Studierenden auswirkte. Als empirische Grundlage dienen Daten aus Gruppendiskussionen (N = 11) und leitfadengestützten Einzelinterviews (N = 2) mit Lehrenden und Studierenden aus drei Bundesländern (Hessen, Berlin und Sachsen), die an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten tätig bzw. eingeschrieben sind. Es zeigt sich, (I), dass sich Hochschulen generell und somit auch die untersuchten Organisationen zwar zum Zeitpunkt der Erhebung in einem bereits begonnenen Digitalisierungsprozess befanden, jedoch nicht auf die Umstellung zu fast ausschließlich digital umgesetzter Lehrpraxis vorbereitet waren. Dies hatte zur Folge, dass Entscheidungsprozesse in erster Linie als top-down-Prozesse empfunden wurden. (II) Demgegenüber berichten Lehrende, dass die Lehrtätigkeit entgegen ihren Erwartungen auch im digitalen Raum „am Laufen gehalten“ werden konnte, was aber wiederum auf die geringe Priorisierung von Lehre innerhalb des Wissenschaftssystems verweist. (III) Als größte Herausforderungen offenbarten sich die Interkationen und Beziehungsarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden, die sich auf ein verändertes Raumgefühl und fehlende Resonanz digitaler Kommunikation zurückführen lassen.
Hanna Haag, Daniel Kubiak
Nähe trotz Distanz bei digitaler Befragung? Mitarbeiter*innenzentrierte Einblicke in dezentrales Arbeiten zu Krisenzeiten
Zusammenfassung
Das Verhältnis von Arbeitsorganisation und persönlicher Lebensführung verändert sich stetig. Spätestens seit dem staatlich initiierten Lockdown im Zuge der Corona Pandemie im März 2020 mussten Organisationen neue Arbeitsformen zulassen und insbesondere Möglichkeiten des dezentralen und flexiblen Arbeitens entwickeln. Die Mitarbeiter*innen stehen vor der Aufgabe, ihren Arbeitsalltag sowie sich selbst neu zu gestalten und dabei nicht die Verbindung zur Organisation zu verlieren. Deshalb ist es für Organisationen unerlässlich, über die Situation, Bedarfe und auch sozialen Dynamiken der eigenen Mitarbeitenden informiert zu sein, um nicht den Bezug zu diesen zu verlieren. Für dieses Problem wurde im Rahmen eines studentischen Projektes eine Lösung entwickelt und erprobt: eine neuartige digitale Befragungsmethode „DIIP – deep interactive interview about perception“. Diese ermöglicht es, sowohl qualitative als auch quantitative Daten zu erheben. Die besondere Herausforderung, trotz räumlicher Entfernung eine vertrauensvolle und offene Befragungssituation zu schaffen, wird mit der DIIP-Methode bewältigt. Sie lässt sich auf Organisationen jeglicher Art übertragen und ermöglicht Remote-Befragungen auf persönlicher Ebene nahezu ohne Abstriche. Auch wenn die Digitalisierung bereits viele Möglichkeiten für die Gestaltung und Optimierung der organisierten Aufgabenerledigung bietet, besteht bei der persönlichen und informellen Kommunikation erhebliches Verbesserungspotenzial. Die Methode setzt hier mit einem niedrigschwelligen und einladenden Ansatz an.
Fenja Eggers, Valena Merel Maiwald, Carolin Schütze, Philipp Männle, Doris Weßels
Paradoxien der Digitalisierung von Organisationen
Zusammenfassung
Digitalisierungsprojekte rufen in Organisationen Paradoxien hervor. So lassen digitale Daten Entscheidungsalternativen kalkulierbarer erscheinen, erzeugen aber neue Unsicherheiten. Es entstehen zugleich Verbesserungen wie Verschlechterungen der Kosten-Nutzen-Bilanz. Auch ermächtigt die Digitalisierung Organisationen zu Aufgaben und Kommunikationsformen, die gleichzeitig Abhängigkeiten und Intransparenz forcieren. Für Organisationen folgt daraus, Digitalisierung als Daueraufgabe zu begreifen und ihre Mitglieder partizipativ dabei zu integrieren.
Daniel Houben
Backmatter
Metadaten
Titel
Organisationen in Zeiten der Digitalisierung
herausgegeben von
Prof. Dr. Corinna Onnen
Prof. Dr. Rita Stein-Redent
Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink
Torsten Noack
Michael Opielka
Katrin Späte
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-36514-1
Print ISBN
978-3-658-36513-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36514-1

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