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Über dieses Buch

Dieses Open-Access-Buch bricht mit dem Konsens in der Forschung, nach dem Organisationen als Errungenschaft der modernen Gesellschaft und Produkt der Industrialisierung angesehen werden. Die Frage, wie sich Organisationen als eigenlogische Sozialform konkret ausdifferenziert haben, ist bislang weitgehend unklar geblieben. Das Buch zeigt auf, dass sich bereits in der „unorganisierten Gesellschaft“ der Vormoderne formale Organisationen ausbildeten, die eine Struktur aufweisen, wie sie heute in Krankenhäusern, Landesrundfunkanstalten, Gerichten, Schulen und Kirchen prägend ist. Dieser Organisationstypus ist dadurch gekennzeichnet, dass er neben einer „politischen Spitze“ und der damit verbundenen Rechtsbindung aus zwei übergreifenden Einheiten mit unterschiedlichen Rationalitäten besteht: Der eigentliche Kern der (medizinischen, journalistischen, rechtlichen, pädagogischen, theologischen, usw.) Leistungen wird durch professionelle Standards, Entscheidungsverfahren und Rituale zusammengehalten. Demgegenüber kümmert sich der Verwaltungsteil bei einem spezifischen Publikum um die Abnahme der im Kern erbrachten Arbeit.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Open Access

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
In diesem Buch beschäftige ich mich mit dem Zusammenhang von Organisationsbildung und gesellschaftlicher Differenzierung. Fragen nach dem historischen Verhältnis von Organisation und Gesellschaft sind in der Soziologie mehrfach als Desiderat benannt worden. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Ausdifferenzierung von Organisationen, verstanden als eigenlogische Sozialform, anhand eines vormodernen Falls konzeptionell und empirisch zu erschließen.
Rena Schwarting

Open Access

Kapitel 2. Forschungsstand

Zusammenfassung
Beim RKG handelt es sich angesichts seines über 300-jährigen Bestehens von 1495 bis 1806 um einen historischen Gegenstand, der empirisch primär in das Untersuchungsfeld der Frühen Neuzeit und der (Rechts-)Geschichte fällt. Entsprechend der interdisziplinären Anlage verorte ich das Interesse an der Organisationsförmigkeit des RKG innerhalb der Forschungsstände zweier Disziplinen. Dabei frage ich nach dem Stand einer historisch interessierten und gesellschaftstheoretisch angeleiteten Organisationssoziologie einerseits und einer organisationssoziologisch informierten RKG-Forschung andererseits.
Rena Schwarting

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Kapitel 3. Theoretische Grundlagen: Beitrag der soziologischen Systemtheorie

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund des Fehlens von genuin organisationssoziologisch angeleiteten Studien zu vormodernen Fällen der Organisationsbildung begründe ich im Folgenden die Wahl eines systemtheoretischen Zugangs. Die Ausgangsvermutung dieser Arbeit ist, dass sich mit der Gründung des RKG am Ende des 15. Jahrhunderts die Strukturbedingungen der höchsten Rechtsprechung von der Interaktion unter Anwesenden auf formale Organisation umstellten.
Rena Schwarting

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Kapitel 4. Methodischer Zugang

Zusammenfassung
Die Brauchbarkeit eines theoretischen Zugangs bemisst sich nicht nur an seiner Allgemeinheit und Auflösungsstärke beim Beschreiben sozialer Phänomene, sondern auch an seiner Übersetzbarkeit in ein methodisch instruktives Forschungsdesign.
Rena Schwarting

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Kapitel 5. Zwischen Organisation und Verfahren: Rechtskommunikation in der vormodernen Gesellschaft

Zusammenfassung
Bevor die Genese des RKG nachgezeichnet wird, geht es darum, ein historisches Verständnis über die gesellschaftlichen Strukturbedingungen der vormodernen Rechtskommunikation zu gewinnen.
Rena Schwarting

Open Access

Kapitel 6. Organisation von Rechtsprechung am Reichskammergericht

Zusammenfassung
Aufbauend auf der komprimierten Illustration der gesellschaftlichen Strukturen, an denen sich die Rechtskommunikation vor der Gründung des RKG orientierte, und der Begründung für die These einer originären Organisationsbildung folgt nachstehend die historisch-empirische Untersuchung der Organisationsförmigkeit des RKG. Im Zentrum stehen dabei ausgewählte Situationsdefinitionen, Rollenauffassungen und Regeln, die Hinweise auf die Ausbildung formaler und informaler Verhaltenserwartungen sowie deren Trennung gegenüber den gesellschaftlichen Erwartungsstrukturen geben.
Rena Schwarting

Open Access

Kapitel 7. Schluss

Zusammenfassung
Für den abschließenden Teil dieser Arbeit sind zwei Fragen leitend: (a) Welche empirischen und theoretischen Erkenntnisgewinne lassen sich aus der Untersuchung der Organisationsgenese des RKG in der vormodernen Gesellschaft des Alten Reichs ableiten? (b) Inwiefern verändert eine historisch-soziologisch interessierte Organisationsforschung den Blick auf ihren Gegenstand? Um sich einigen Antworten auf diese Fragen zu nähern, wird zunächst die Programmatik der hier vorgelegten Arbeit in komprimierter Form rekapituliert.
Rena Schwarting

Backmatter

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