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06.02.2020 | Organisationsentwicklung | Im Fokus | Onlineartikel

Der CHRO als Treiber der Digital Inclusion

Autoren:
Robert Winterhalter, Christian Gollasch
4:30 Min. Lesedauer

Die Digitalisierung verändert auch in HR-Abteilungen die Berufsbilder. So nimmt der Chief Human Resources Officer (CHRO) eine Schlüsselrolle in der Transformation ein. Er treibt die Digital Inclusion beziehungsweise die digitale Diversität in Organisationen voran.

Zahllose Firmen durchlaufen signifikante Veränderungen. Daher wird sich die strategische Rolle von Human Ressources als Angelpunkt zwischen Organisation und Mensch dynamisch weiterentwickeln müssen. Im Zuge dessen entwickeln sich CHROs in ihrer strategischen Dimension hin zu Chief People Officers (CPOs) – weg von der administrativen Funktion hin zu einem Enabler für den eventuell kritischsten Erfolgsfaktor – den Menschen. Durch die Herausforderungen der digitalen Transformation erhält die Rolle des CHRO eine neue Tragweite. 

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Die neue Rolle des CHRO

Damit der CHRO Digitalisierungsprojekte in seiner Organisation erfolgreich angehen kann, muss dabei das Thema Diversity von Unternehmen neu gedacht und bewertet werden. Es geht darum, die Vielfalt zu schaffen, die innerhalb der Belegschaft nötig ist, um die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen zu können. Es gilt, nicht nur die vermuteten Entwicklungsmöglichkeiten der aktuellen Ressourcen und die sich hieraus ergebenden Szenarien der Zukunft im Auge zu behalten, sondern auch dem geforderten agilen Handeln innerhalb der Organisation einen verlässlichen Kompass mit an die Hand zu geben. Denn nur so lässt sich die Zersplitterung der Kräfte einer Organisation vermeiden. 

Diversity für mehr digitale Kompetenz

Was die bedeutendsten Einflussfaktoren für diesen HR-Wandel sind, hat die Personalberatung Boyden in einer globalen Studie analysiert. 94 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen gaben an, dass neue Technologien wie KI HR-Aufgaben am meisten verändern werden. Doch damit die digitalen Herausforderungen gemeistert werden können, müssen CHROs Diversity als Schlüssel für digitalen Erfolg implementieren. Wie zahlreiche Studien zeigen, wissen die meisten CHROs, dass Unternehmen mit Vielfalt in der Belegschaft effizienter sind und viele Aufgaben der digitalen Zukunft besser lösen können. Noch nicht ganz damit im Einklang stehen die tatsächlichen Verhältnisse, was auch die Boyden-Studie belegt. 

Spezifisch für die Pflege des Talent Pools schätzt die Mehrzahl der Befragten (64 beziehungsweise 63 Prozent) die Diversity of Backgrounds und die Diversity of Skill Sets als nahezu gleichbedeutend ein. Mit Blick auf die Gesamtorganisation verschiebt sich die Perspektive etwas. 70 Prozent der Befragten gaben an, Vielfalt bei Kompetenzen und Erfahrungen seien Grundlage für Diversität in der Organisation. Ferner zeigten sich 88 Prozent davon überzeugt, dass Vielfalt nur durch eine von unten nach oben verlaufende Transformation geschaffen werden könne, die allerdings von einer durch Vielfalt geprägten Führungsspitze gesteuert werden müsse. Das Mittel dafür: Digital Inclusion.

Die Digital Inclusion

Dem CHRO und seiner HR-Funktion obliegt bei dieser Digital Inclusion die schwierige Aufgabe, die unterschiedlichen Aspekte der Digitalisierung umfassend zu einem integralen Bestandteil der Unternehmens-DNA zu machen. Aktuell herrscht aber nahezu auf allen Unternehmensebenen noch Unklarheit darüber, was Digitalisierung für das Geschäftsmodell und die Organisation bedeutet. Es muss daher zunächst analysiert werden, wo zentrale Aspekte der Digitalisierung wirken, welche Auswirkungen, Schwerpunkte und Veränderungen zu erwarten sind und wie Organisationen sich grundsätzlich aufstellen möchten.

Der CHRO steht an der Spitze dieses Veränderungsprozesses, bei dem es zunächst die Bereiche in der Wertschöpfungskette ermittelt werden müssen, die besonders von der digitalen Transformation betroffen sind. Erst im Nachgang zu dieser Analyse kann der CHRO entscheiden, welche neuen Kompetenzen die Digitalisierung in diesen Bereichen erfordert, wie diese systematisch aufgebaut und dauerhaft in das operative Geschäft integriert werden können. Die Digital Inclusion ist also maßgeblich bei den CHROs angesiedelt, obwohl ihnen diese Rolle oft noch gar nicht zugesprochen wird.

Die Rahmenbedingungeen für Vielfalt

Damit CHROs diese Rolle annehmen und ausfüllen können, müssen zunächst die richtigen Rahmenbedingungen in der Organisation geschaffen werden. Die Aufgaben für CHROs umfassen dabei folgende wesentliche Aspekte:

  • Sie müssen die Organisation und Unternehmenskultur aufnahmefähig für die Digitalisierung machen, so dass beständige Innovation und Disruption als Kerntreiber im digitalen Wettbewerbsumfeld die gesamte Organisation durchdringen. Dazu gilt es, alle Mitarbeiter für die Digitalisierung zu gewinnen und Veränderung als Chance und positive Herausforderung zu vermitteln. Dazu sind auch Mitarbeiter und Funktionen nötig, die die digitale Transformation maßgeblich vorantreiben, etwa Digital Natives oder Digital Councils.
  • CHROs können ihre Rolle zu einem treibenden Faktor ausgestalten, indem sie neue Mitglieder mit einem digitalen Mindset in das HR-Team aufnehmen, die digitale HR-Themen treiben und digitale Kompetenzen bei den Teammitgliedern auf- und ausbauen. Aufgrund der großen Schnittstelle der Gesamtorganisation mit der HR-Funktion kann HR zu einer Speerspitze der Digitalisierung gemacht werden. Dies gelingt beispielsweise, indem eine Digital Employee Experience geschaffen, gezielt Digitallösungen und KI  in die vorhandenen Employee-Self-Services, die Einstellungs- und Onboarding-Prozesse sowie in das Leistungsmanagement eingeführt werden.

Aktionsfeld Digital Inclusion

Digital Inclusion bedeutet also, digitale Vielfalt im Unternehmen zu schaffen. Das wird nicht allein per Verordnung von oben zu erreichen sein. Die obere Führungsebene muss eine Initialzündung geben, um diese Veränderungen in Richtung digitaler Vielfalt überall in der Organisation auszulösen. Digital Inclusion ist ein von unten nach oben wirkender Prozess, der von der Spitze aus eingesteuert und flankiert wird. Der CHRO wird so zum Regenmacher für die digitale Zukunft seiner Organisation – sein wichtigstes Instrument dabei: Die Lenkung der digitalen Diversität.

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