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21.07.2023 | Organisationsentwicklung | Schwerpunkt | Online-Artikel

Unternehmenskultur entscheidet über Digitalisierungserfolg

verfasst von: Andrea Amerland

3 Min. Lesedauer

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Es sind nicht die neuen Geschäftsmodelle oder das Know-how, woran die Digitalisierung scheitert. Technikkompetenz ist zwar gut, letztendlich kommt es aber auf die Unternehmenskultur als wesentlichen Erfolgstreiber an, zeigt eine Studie auf.

Viele Unternehmen in Deutschland, aber auch die öffentliche Verwaltung, hinken bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterher. Kunden, die bei ihrer Bank zwar online ein Konto einrichten können, dann aber analog ein PDF mit dem Freistellungsauftrag ausfüllen, ausdrucken und per Post verschicken müssen, können davon ein Lied singen. 

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Digitalisierung

Fallstudien, Tools und Erkenntnisse für das digitale Zeitalter

Das Herausgeberwerk zeigt aktuelle akademische Forschungsergebnisse und praktische Erkenntnisse aus dem Bereich der Digitalisierung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf empirischen und konzeptionellen Beiträgen, die sich mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung befassen.

Was Organisationen daran hindert, schneller bei der digitalen Transformation voranzukommen beziehungsweise was die eigentlichen Erfolgsfaktoren für die Digitalisierung sind, haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Universität des Saarlandes sowie die Frankfurt School of Finance & Management in einer Gemeinschaftsstudie untersucht. Dafür wurden 279 privatwirtschaftliche Unternehmen sowie 35 Forschungseinrichtungen mittels eines Strukturgleichungsmodells befragt. 

Dieses statistische Verfahren zeigt korrelative Zusammenhänge und Strukturen zwischen abhängigen und unabhängigen Variablen auf, erklären die Studienautoren. "Mittels vier Konstrukten zweiter Ordnung (unabhängige Variablen) wurde der Einfluss der jeweiligen unabhängigen Variable auf den Erfolg der digitalen Transformation (abhängige Variable) unter Nutzung etablierter Messinstrumentarien quantifiziert." Die unabhängigen Variablen waren dabei Kultur, Ablauforganisation, Innovationnetzwerke sowie Strategie. "Die vier unabhängigen Variablen wurden jeweils mittels drei formativer Konstrukte erster Ordnung gemessen", erklären die Forscher. 

Digitale Affinität sowie Risiko- und Fehlertoleranz

Die wesentliche Erkenntnis: Eine Organisationskultur, die durch eine hohe Risiko- und Fehlertoleranz gekennzeichnet ist, begünstigt die digitale Transformation ganz besonders. Dabei gehe es um eine breit von den Mitarbeitenden getragene digitale Affinität, erklärt Sven Heidenreich, wissenschaftlicher Leiter der Studie. Denn im Vergleich mit öffentlichen Einrichtungen weisen privatwirtschaftliche Unternehmen, die eine Vorreiterrolle bei der digitalen Transformation einnehmen, in allen drei Dimensionen die höchsten Ausprägungen auf.

Unternehmen sollten daher gezielt Maßnahmen anstoßen, die Wissen zu digitalen Technologien in der Belegschaft verankern und Beschäftigte motivieren, ihre Kenntnisse zu digitalen Tools anzuwenden, betont Heidenreich.

Digitalisierungsförderliche Unternehmenskultur

Was eine digitalaffine Unternehmenskultur bei mittelständischen Industriebetrieben auszeichnet und welche konkreten Erwartungen an die Beschäftigten damit verbunden sind, geht auch ein Autorenteam nach. Im Buchkapitel "Gestaltung einer digitalisierungsförderlichen Unternehmenskultur bei mittelständischen Industrieunternehmen" definieren die Wissenschaftler Unternehmenskulturen aus organisationstheoretische Perspektive als "eine mehr oder weniger direkte Reaktion von Betrieben auf ihre institutionelle Umwelt, die in regulativer, normativer sowie kulturell-kognitiver Hinsicht analysiert werden kann" (Seite 104). Es gehe dabei um Verhaltenserwartungen, die nicht über Entscheidungen festgelegt wurden, sondern die sich langsam eingeschlichen haben. 

Vor diesem Hintergrund ist eine digitalisierungsförderliche Unternehmenskultur von folgenden Faktoren gekennzeichnet:

  • Die große Mehrheit der Fach- und Führungskräfte ist offen für digitale Innovationen und unterstützt den dadurch ausgelösten digitalen Transformationsprozess aktiv.
  • Neue digitale Technologien werden kontinuierlich daraufhin geprüft, inwiefern sie die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken und welche organisationalen Veränderungen hierfür nötig sind.
  • Betriebe verfügen über die Fähigkeiten, neue digitale Lösungen zu adaptieren und zu integrieren. 

Der betriebliche Lern- und Veränderungsprozess im Zuge der digitalen Transformation könne in sechs Tätigkeitsfelder untergliedert werden, die die Springer-Autoren im folgenden Schaubild zusammenfassen (Seite 106). 

Effiziente Ablauforganisation fördert Digitalisierung

Doch ähnlich wichtig wie die kulturellen Faktoren sind laut der Studie "Erfolgstreiber der digitalen Transformation" auch eine effiziente Ablauforganisation. Diese zeichne sich neben einer kontinuierlichen Kundenintegration durch einen hohen Automatisierungsgrad sowie effiziente Wissensmanagementstrukturen aus. 

Führende Unternehmen auf dem Gebiet der digitalen Transformation fokussieren sich laut der Analyse auf die Nutzung digitaler Technologien, um das Wissensmanagement aufzubauen, sind allerdings auch bei der Automatisierung von Prozessen und der Kundenintegration ähnlich gut aufgestellt.

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