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Über dieses Buch

Die Organisationssoziologie hat mit dem Vorurteil zu kampfen, eine eher trockene T eildisziplin der Soziologie zu sein. Ihr Gegenstand und ihre Aufgabe, organisationale Strukturen und Prozesse zu beschreiben, zu erklaren und zu ge­ stalten, erinnert an Buchhaltung, Controlling, Kostenrechung, Verwaltungsvor­ schriften und ahnliche blirokratische Verrichtungen. Es ist eines der Anliegen dieses Lehrbuches, an diesem Vorurteil erwas zu rlitte!n. Diese Moglichkeit be­ steht freilich nur bei der kleinen Zahl derer, die das Buch liberhaupt zur Hand nehmen und (T eile davon) tatsachlich lesen. Leider ist genau bei diesen weni­ gen ein Rlitte!n vermutlich von Anfang an am wenigsten norwendig. Wie dem auch sei, das Buch will aufZeigen, dass die Organisationssoziologie und allge­ meiner die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Organisationsforschung liber weite Strecken eine durchaus spannende Ange!egenheit ist: mit wichtigen Konzepten, herausfordernden ProblemstellUngen, einem Fundus aufschluss­ reicher Theorien und einer brei ten Palette praktischer Anwendungen. Die Inhalte dieses als Einflihrung in die Organisationssoziologie konzipierten Buches basieren auf Lehrveranstaltungen, die ich an verschiedenen Universita­ ten gehalten habe. Im Endergebnis hat beharrliches und sanftes Nachfragen von Frank Enge!hardt, dem Lektor von VS, den Ausschlag gegeben, dass ich meine Organisationssoziologie-Vorlesung in Buchform gebracht habe. Diese "Ver­ schriftlichung" war dann allerdings doch mit zahlreichen Modifikationen, Er­ weiterungen und Vertiefungen verbunden, die mir vie!e zusatzliche Lesestun­ den und in einigen Bereichen etwas mehr gedankliche Klarheit gebracht haben. Neben Frank Enge!hardt haben u. a. und v. a.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung: Organisationssoziologie im Überblick

Zusammenfassung
Das Anliegen des vorliegenden Buches besteht darin, einen Einstieg und einen Einblick in die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Organisationsforschung zu vermitteln. In diesem ersten Kapitel soll es darum gehen, die Zugangswege zu verdeutlichen, die Organisationsforscher/innen1 gerne wählen, wenn sie sich wissenschaftlich mit Organisationen beschäftigen. Diese Zugangswege bzw. Herangehensweisen lassen sich unter die Stichworte subsummieren: Analyseebenen organisationssoziologischen Arbeitens, Basiselemente von Organisationen, Schlüsselprobleme von Organisationen, Organisationskonzeptionen und Organisationstheorien. Bevor jedoch damit begonnen wird, seien zwei nicht unwichtige Vorfragen behandelt, nämlich was Organisationssoziologie überhaupt ist und warum es sinnvoll ist, sich mit diesem Gebiet auseinander zu setzen. Am Ende des Einführungskapitels werden kurz die Besonderheiten dieses Lehrbuchs thematisiert, und sein Aufbau wird in wenigen Worten erläutert.
Peter Preisendörfer

2. Erklärung von Organisationen I: Organisationen als korporative Akteure nach dem Modell der Ressourcenzusammenlegung

Zusammenfassung
Die Erklärung von Organisationen, die in diesem Kapitel vorgestellt wird, wurde in verschiedenen Veröffentlichungen von James Coleman (1974, 1982, 1990) ausgearbeitet. Im deutschen Sprachraum hat Viktor Vanberg (1982) dazu beigetragen, die Colemanschen Überlegungen zu präzisieren und unter dem Stichwort des Modells der Ressourcenzusammenlegung bekannt zu machen. Zuerst sollen im Weiteren die Ausgangspunkte und Fragestellungen für das Modell kurz umrissen werden. Anschließend wird das Modell in seinen Grundideen erläutert. Diese Grundideen benennen drei zentrale Probleme korporativen Handelns, nämlich (1) Initiierungs- und Beteiligungsprobleme, (2) Entscheidungsprobleme und (3) Verteilungsprobleme bei korporativen Akteuren. Was mit diesen Problemen gemeint ist, welche Lösungen dafür angeboten werden und mit welchen Schwierigkeiten diese Lösungen behaftet sind, wird dann detaillierter in den weiteren Abschnitten dargestellt.
Peter Preisendörfer

3. Erklärung von Organisationen II: Organisationen als Hierarchien nach dem Transaktionskostenansatz

Zusammenfassung
Während die Erklärung von Organisationen nach dem obigen Modell der Ressourcenzusammenlegung eher soziologischen Ursprungs ist, stammt die Erklärung über den Transaktionskostenansatz aus dem Bereich der Ökonomie, genauer aus der neueren Institutionenökonomik (für einen knapp gehaltenen Einstieg in dieses Teilgebiet der Ökonomie vgl. Richter 1994). Als klassischer Beitrag, mit dem der Transaktionskostenansatz begründet wurde, gilt der Aufsatz „The Nature of the Firm“ von Ronald Coase (1937). In den zurückliegenden 30 Jahren war es dann an erster und oberster Stelle Oliver Williamson, der in rastloser Publikations- und Vortragstätigkeit für eine Ausarbeitung und Verbreitung des Ansatzes gesorgt hat (zuerst Williamson 1975, dann u.a. 1985, 1996). Ähnlich wie in Kapitel 2 soll im Folgenden zuerst auf Ausgangspunkte und Fragestellungen dieses Erklärungsansatzes für Organisationen eingegangen werden. Im zweiten bis vierten Abschnitt wird die Theorie dann schrittweise konkretisiert bis hin zu ausgewählten empirischen Anwendungsbeispielen. Der Schlussabschnitt benennt einige Kritikpunkte an der Transaktionskostentheorie.
Peter Preisendörfer

4. Basiselemente von Organisationen I: Ziele, formale und informelle Struktur, Mitglieder, räumlich-sachliche Ausstattung, Umwelt

Zusammenfassung
Jeder Versuch einer zielgerichteten Gestaltung und Veränderung von Organisationen setzt normalerweise im ersten Schritt eine nüchterne Beschreibung und Diagnose des Ist-Zustandes der Organisation voraus. Solche Beschreibungen sind gewiss nicht „bar jeder Theorie“, d.h. nicht ohne ein Vorverständnis von Organisationen möglich, denn man braucht ein Rüstzeug an Kategorien und Begriffen, die zum einen die Aufmerksamkeit lenken und zum anderen den Rahmen der Möglichkeiten aufspannen. Es versteht sich ja keineswegs von selbst, was man im Rahmen einer deskriptiven Organisationsanalyse überhaupt beobachten soll. Und was beobachtenswert ist, hängt nicht zuletzt davon ab, ob und inwieweit es im Vergleich verschiedener Organisationen auf der jeweiligen Dimension überhaupt Unterschiede gibt. So gesehen basieren „gute Organisationsbeschreibungen“ in der Regel auf einem soliden Theorie- und Erfahrungswissen über Organisationen. Es ist das Anliegen dieses Kapitels, das für Organisationsbeschreibungen basale Instrumentarium an Kategorien und begrifflichen Differenzierungen vorzustellen und zu erläutern. Zur Orientierung wird dabei im ersten Abschnitt eine vereinfachende Darstellung der Kernelemente von Organisationen präsentiert. Die dann folgenden Abschnitte befassen sich eingehender mit den drei wesentlichen Einzelelementen, mit den Organisationszielen, der formalen Organisationsstruktur und der Organisationsumwelt.
Peter Preisendörfer

5. Basiselemente von Organisationen II: Struktur-Situations-Beziehungen nach der Kontingenztheorie

Zusammenfassung
Nachdem in Kapitel 4 die Basiselemente von Organisationen separat betrachtet wurden, soll es in diesem Kapitel darum gehen, wie die Basiselemente miteinander zusammen hängen. Die Frage nach den Zusammenhängen der Basiselemente wird zwar auch noch in den weiteren Kapiteln 6 bis 8 zu den wesentlichen Themen gehören, aber dort wird sie zum Teil konzentriert auf bestimmte Ausschnitte, zum Teil nur indirekt und zum Teil in stärker theoretischer Manier angegangen. Im vorliegenden Kapitel wird diejenige Herangehensweise vorgestellt und besprochen, die in der Organisationsforschung in den 1960er und 1970er Jahren entwickelt wurde. Bekannt geworden ist das Ganze unter der Überschrift „Kontingenztheorie“ oder auch „situativer Ansatz“. Dieser Ansatz war zum damaligen Zeitpunkt eine echte Innovation in der Organisationsforschung, und auch heute noch hat er seine Anhänger. Zudem folgt so mancher empirische Organisationsforscher dem Programm der Kontingenztheorie, ohne explizit auf diese Theorie Bezug zu nehmen. Nachdem die Ausgangsfrage nach dem Zusammenspiel der Basiselemente noch einmal umrissen wurde, widmet sich das Kapitel der Grundstruktur, der Methodik, empirischen Ergebnissen und schließlich der Kritik des situativen Ansatzes.
Peter Preisendörfer

6. Organisationskonzeptionen I: Organisationen als rationale Systeme

Zusammenfassung
Ausgehend von der Scott-Triade mit Organisationen als rationalen, natürlichen und offenen Systeme (dazu bereits Abschnitt 1.3) bildet die erstgenannte Konzeption, der „rational actor view of organizations“, den Gegenstand dieses Kapitels. Die Vorstellung, dass es sich bei Organisationen um rational geplante und gesteuerte Gebilde handelt, kann als die seit langem und noch immer dominierende Sichtweise sowohl im Alltagsleben als auch innerhalb der Organisationsforschung eingestuft werden. Sie wird gestützt durch historisch-klassische Forschungstraditionen ebenso wie durch neuere organisationstheoretische Ansätze. Im ersten Schritt werden im Folgenden zunächst noch einmal die Grundlinien und dann die Varianten der „rationale Akteure“-Sicht von Organisationen verdeutlicht. Anschließend werden entlang dieser Linie die zwei wichtigsten klassischen Theorieansätze kurz besprochen: das Bürokratiekonzept von Max Weber und die wissenschaftlichen Betriebsführung von Frederick Taylor. Als Musterfall für eine neuere Organisationstheorie, die dem Paradigma rationaler Organisation verpflichtet ist, wird im letzten Abschnitt die Agency-Theorie behandelt.
Peter Preisendörfer

7. Organisationskonzeptionen II: Organisationen als natürliche/soziale Systeme

Zusammenfassung
Historisch war das Verständnis von Organisationen im Sinne von natürlichen bzw. sozialen Systemen eine Reaktion zum einen auf empirische Überzeichnun-gen der „rational actor“-Sicht und zum anderen auf weltanschauliche Befürchtungen hinsichtlich unerfreulicher Konsequenzen durchrationalisierter Organisationen. Diese Verquickung von wissenschaftlicher Analyse einerseits und weltanschaulichem Credo andererseits zeigt sich besonders deutlich in der so genannten Human-Relations-Schule, die in Opposition zum Taylorismus in den USA den „natural systems view“ hoffähig machte. Nachdem dann die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg Human-Relations in den Hintergrund gedrängt hatten, trat „das Soziale“ in den 1960er und 1970er Jahren erneut auf den Plan. Diesmal aber weniger im Sinne von „sozial = die Wünsche und Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigend“, sondern in einem deutlicher soziologischen Sinne von „sozial = das tatsächliche Interaktionsgeschehen in Organisationen ins Blickfeld nehmend“. Den Ursprung dieser Sichtweise lieferte die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie. Diese und zuvor die Human-Relations-Schule werden in den Abschnitten 2 und 3 dieses Kapitels besprochen. Um die beiden „Theorien“ besser einordnen zu können, bemüht sich Abschnitt 1 vorab noch einmal, die Ausgangspunkte und Varianten des „natural systems view“ zu verdeutlichen.
Peter Preisendörfer

8. Organisationskonzeptionen III: Organisationen als offene Systeme

Zusammenfassung
Organisationen als offene Systeme, d.h. als von ihrer Umwelt beeinflusste und abhängige Gebilde zu sehen, schließt nicht aus, sie gleichzeitig entweder als „rational actors“ oder auch als „natural/social systems“ zu konzipieren (Scott 2003, Chap. 5). Der Transaktionskostenansatz etwa folgt dem „rational actor view“, und zugleich thematisiert er mit der Problemstellung „Eigenproduktion versus Fremdbezug“ zentral die Frage der Grenzziehung einer Organisation und damit deren Umweltbezug (zum Transaktionskostenansatz vgl. Kapitel 3). Oder z.B. die Organisationskulturansätze (vgl. dazu die wenigen Bemerkungen und Literaturhinweise in Abschnitt 7.1) konzentrieren sich zwar auf das soziale Innenleben von Organisationen, aber sie erkennen sehr wohl, dass gesamtgesellschaftliche Werte und Normen gleichsam von außen, von den Organisationsmitgliedern in die Organisation hinein getragen werden, was etwa speziell bei ländervergleichenden Studien von Bedeutung ist. Diese Möglichkeiten der Kombination von „offen-rational“ und „offen-natürlich“ erschweren eindeutige Zuordnungen einzelner Theorien zu einer Organisationskonzeption bzw. geben solchen Zuordnungen ein Element von Willkür. Dennoch bleibt es in der Regel möglich, den hauptsächlichen Fokus einer Theorie zu bestimmen und auf dieser Basis eine Zuordnung vorzunehmen. Wie in den Kapiteln 6 und 7 wird auch in Kapitel 8 damit begonnen, die Ausgangspunkte und Varianten der „open systems“-Perspektive etwas eingehender zu beleuchten.
Peter Preisendörfer

9. Organisationen und Gesellschaft I: Effekte von Organisationen auf der individuellen und der kollektiven Ebene

Zusammenfassung
Auch wenn Organisationen als offene Systeme gesehen werden, die in einem Austausch- und Beeinflussungsverhältnis zu ihrer Umwelt stehen, bleibt der Blick immer noch hauptsächlich auf Organisationen (als Gegenstand der Analyse) gerichtet. In den zwei letzten Kapiteln 9 und 10 soll jetzt die Blickrichtung gewechselt werden, indem die Umwelt und dabei speziell „die Gesellschaft“ als Ausgangs- und Endpunkt der Betrachtung dient. Zuerst wird in Kapitel 9 die Sichtweise erläutert, die Ebene der Organisationen als Mesoebene zusätzlich zur Mikro- und Makroebene einer Gesellschaft zu konzipieren. Diese Sichtweise läuft für die soziologische Theorie und Empirie sehr häufig auf die Forderung „bringing organizations back in“ hinaus. Die Angebrachtheit dieser Forderung kann und soll hier lediglich an einigen Beispielen illustriert werden. Ebenfalls noch im ersten Abschnitt von Kapitel 9 wird eine einfache Systematik vorgestellt, mit der man unterschiedliche gesellschaftliche Effekte von Organisationen einfangen kann. Diese Systematik mit einer Differenzierung positiver und negativer Effekte von Organisationen auf der Mikroebene der Individuen einerseits und auf der Makroebene der Gesellschaft andererseits liefert dann den Stoff für die weiteren Unterabschnitte von Kapitel 9.
Peter Preisendörfer

10. Organisationen und Gesellschaft II: Asymmetrie in den Beziehungen zwischen individuellen und korporativen Akteuren

Zusammenfassung
Nachdem im voranstehenden Kapitel der Themenbereich „Organisationen und Gesellschaft“ eher im Überblick behandelt wurde (mit der Differenzierung nach Ebenen und der Unterscheidung von positiven und negativen Organisationseffekten), soll in diesem Schlusskapitel auf eine spezielle und vergleichsweise eigenwillige Konzeption eingegangen werden, nämlich auf die „asymmetrische Gesellschaft“, wie sie James Coleman in einem Buch mit diesem Titel sowie in anderen Arbeiten wiederholt beschrieben und kritisiert hat (vgl. vor allem Coleman 1982, weiterhin 1974, 1990). Als Vertiefung für den Problembereich von Organisationen und Gesellschaft wurde die „asymmetric society“ nicht nur gewählt, weil sie nahtlos an das Modell der Ressourcenzusammenlegung aus Kapitel 2 anknüpft, sondern auch deshalb, weil Coleman in diesem Zusammenhang für die Soziologie als Aufgabenstellung definiert, fragwürdige gesellschaftliche Entwicklungen aufzuzeigen und konkrete Vorschläge und Ideen für eine Gegensteuerung zu unterbreiten. Im ersten Schritt werden die Ausgangspunkte der asymmetrischen Gesellschaft skizziert. Dies führt u.a. zu der These, dass in modernen Gesellschaften insbesondere die Beziehungen zwischen individuellen und korporativen Akteuren problembehaftet und prekär sind. Warum dies so ist, wird im zweiten Abschnitt besprochen. Der dritte Abschnitt widmet sich Möglichkeiten und Wegen für ein „empowerment“ der individuellen Akteure.
Peter Preisendörfer

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