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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Organisationstheorie in pädagogischen Feldern

Organisationstheorie in pädagogischen Feldern

Zur Einleitung in den Band
Zusammenfassung
Von solchen erziehungswissenschaftlichen Traditionen, die das Erziehen selbst, die pädagogischen Institutionen wie auch die pädagogischen Berufe primär vom pädagogischen Handeln her deuten, ist der Faktor Organisation häufig gar nicht oder nur am Rand behandelt worden. Organisation - auch tradiert unter dem Begriff Institution - wurde als äußere Rahmung des eigentlich zwischenmenschlichen, situativ bestimmten und von pädagogischen Ambitionen der Erzieher geleiteten pädagogischen Geschehens wahrgenommen. So gesehen erschien der Faktor Organisation, so er denn vorkam, vornehmlich negativ, als Beeinträchtigung und Verhärtung der frei fließenden pädagogischen Ambition, die sich am besten in direkter Zwischenmenschlichkeit und - dachte man darüber hinaus - allenfalls noch in natürlichen Gemeinschaften verwirklichen konnte.
Wolfgang Böttcher, Ewald Terhart

Allgemeine Zugänge zum Thema

Frontmatter

Organisation im Kontext der Erziehung

Zur soziologischen Zugriffsweise auf Organisationen am Beispiel der Schule als “lernender Organisation”
Zusammenfassung
Seit einigen Jahren wird in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen ein wachsender Bedarf des Wissens über Organisationsphänomene registriert. Die Hintergründe dafür sind vielfältig und mit dem allgemeinen Hinweis auf wirtschaftliche Globalisierungen und staatliche Deregulierungen zwar durchaus zutreffend, insgesamt aber nur verkürzt bezeichnet. So entstehen im Kontext des Erziehungssystems auf der einen Seite neue Organisationsbedarfe, die mit der gesellschaftlichen Durchsetzung der Erwartung ‚lebenslangen Lernens‘ Zusammenhängen. Die Erziehung reagiert mit neuen Organisationsbildungen auf Qualifikationsbedarfe der Wirtschaft, findet in der Formel lebenslangen Lernens aber auch eigene Gelegenheiten zur erweiterten Inklusion von Individuen und entsprechenden Organisationsformen. Auf der anderen Seite werden veränderte Organisationsbedarfe im organisatorischen Kernbereich der Erziehung, den Schulen, registriert. Sie werden unter Stichworten der Autonomisierung und Selbständigkeit von Schulen diskutiert und finden ihren Ausdruck in der reformpolitischen Leitvorstellung, Schulen zu ”lernenden Organisationen” zu machen. Der Reformdruck entspringt in diesem Fall — jenseits öffentlichkeitswirksamer internationaler Leistungsvergleiche von Schülerkohorten (PISA) — staatlichen Deregulierungen, die selbst weniger bildungs- als finanzpolitisch begründet sind. Zugleich scheinen Erziehung und Lehrerprofession eigene Gründe zu haben, sich Schulen als “lernende Organisationen” vorzustellen.
Veronika Tacke

Organisation und Profession im Erziehungssystem

Zusammenfassung
Ausgehend von Überlegungen Niklas Luhmanns wird in dem Beitrag nach der Bedeutung der Formen Organisation und Profession für eine soziologische Analyse des Erziehungssystems gefragt. Während man in diesem System lange Zeit von einer dominierenden Stellung der Profession des Lehrers und der Organisation Schule sprechen konnte, gewinnen aktuell der vorschulische und der nachschulische Bildungssektor an Bedeutung. Darüber hinaus lässt sich aber auch noch eine Entgrenzung beobachten, wenn etwa pädagogische Vermittlungsprozesse in Organisationen angeboten werden, die einem anderen Funktionsprimat folgen als dem des Erziehungssystems.
Thomas Kurtz

Interaktion und Organisation im Erziehungssystem

Zusammenfassung
Erziehung ist in der Moderne meistens organisierte Interaktion. Wir werden voraussetzen, dass die kleinste, noch organisierbare Einheit des Erziehungssystems die „Unterrichtsstunde“ ist, also ein zeitlich begrenztes, nach spezifischen systemischen Prämissen ausdifferenziertes Interaktionssystem unter Anwesenden. Im Erziehungssystem gibt es keinen Ersatz für das, was in konkret bestimmten Interaktionen zu leisten ist. Aufgrund der periodischen Wiederkehr des Unterrichts eröffnen sich zwar gewisse Möglichkeiten des Nachholens und Wiederholens: Was in einer Stunde nicht erreicht wurde, kann in der nächsten erneut versucht und vielleicht auch realisiert werden bei zeitlichem Aufschub derjenigen Inhalte, welche für diese Stunde zunächst vorgesehen waren. Aber es gibt keine organisatorischen Mechanismen des Transfers oder der Substitution ganzer Interaktionssysteme oder Interaktionsreihen — etwa das Verlagern von Interaktionen in höhere Ebenen der Hierarchie, wenn sie auf unteren Ebenen gescheitert sind. In diesem Sinne ist organisierte Interaktion innerhalb der Unterrichtsstunde die basale strukturelle Einheit des Erziehungssystems. Vor diesem Hintergrund sind die Leitfragen diesen Beitrages: Wie wird die Eigengesetzlichkeit von Interaktion gleichzeitig zur Grundlage und Beschränkung von Organisation und Organisierbarkeit? Inwieweit limitieren die strukturellen Effekte der Interaktion unter Anwesenden das organisatorisch Mögliche im Erziehungssystem?
Raf Vanderstraeten

Schule als Organisation

Frontmatter

Schule als Sozialsystem

Theoretische Modellierungsvarianten und ihr Potenzial für Analyse und Entwicklung dieses pädagogischen Feldes
Zusammenfassung
Um das Potenzial theoretischer Bemühungen um die strukturelle Verfasstheit des spezifischen pädagogischen Feldes „Schule“ für dessen Analyse und Entwicklung besser abschätzen zu können, ist es notwendig, zunächst den größeren (schultheoretischen) Zusammenhang zu skizzieren, innerhalb dessen dieses Thema zu verorten ist: Die Schule (und damit meine ich sowohl das ganze Schulsystem als auch jede Einzelschule) ist innerhalb des gesellschaftlichen Funktionszusammenhangs mit dem spezifischen (pädagogischen) Auftrag der Bildung und Qualifikation der Mitglieder der heranwachsenden Generation eingerichtet worden.
Rainer Lersch

Die mikropolitische Perspektive im Studium schulischer Organisationen

Zusammenfassung
Unter Mikropolitik wird eine spezifische Perspektive der Organisationstheorie verstanden. Sie fokussiert sich auf “those activities taken within organizations to acquire, develop and use power and other resources to obtain one’s preferred outcomes in a situation in which there is uncertainty or dissent” (Pfeffer 1981, 7). Sie tut dies, weil sie solche Aktivitäten als entscheidend für die Konstituierung und die Arbeitsweise von Organisationen ansieht.
Herbert Altrichter

Organisation und Profession: Welches Organisationsformat fördert Professionalität in Bildungseinrichtungen?

Zusammenfassung
Basis meiner Überlegungen ist der Gedanke, dass die Ausgestaltung einer Organisation, das Organisationsformat also, entscheidenden Einfluss auf die Handlungsmöglichkeiten der in der Organisation agierenden Menschen hat. Diesem Verständnis zufolge kann eine Organisation, also auch eine Bildungseinrichtung, professionelles Agieren fördern oder behindern; sie kann das Entstehen und Leben von Professionalität möglich oder weitgehend unmöglich machen. Die Konsequenz dieses Gedankens ist, dass nur die Professionalität wahrscheinlich ist, welche die Konstruktion der Organisation, in der sie wirksam werden soll, zulässt. Das gilt auch für Bildungsinstitutionen, weshalb aus meiner Sicht jede Professionalisierungsanstrengung, die nur die zu ‚professionalisierenden’ Menschen im Blick hat, nicht aber das organisatorische Setting, in dem diese Menschen arbeiten, unterkomplex und nicht erfolgversprechend ist. Das ist so, weil hier den Menschen etwas aufgebürdet wird, was nicht sie, sondern die Organisation leisten kann und muss, wenn es wirksam werden soll.
Renate Girmes

Lehrerberuf und Schulorganisation

Frontmatter

Arbeitsanalyse und Organisationsdiagnose in Schulen: Analyse psychischer Belastungen und Ressourcen von Lehrerinnen und Lehrern als Grundlage für Schulentwicklungsprozesse

Zusammenfassung
Bislang liegen nur wenige arbeitspsychologisch fundierte Beiträge zur Arbeitsanalyse und Organisationsdiagnose in Schulen vor. Die einschlägigen Beiträge im Schulbereich stammen überwiegend von Vertretern anderer Disziplinen, etwa aus der Erziehungswissenschaft oder Schulpädagogik, und sind häufig der Schulentwicklungsforschung zuzuordnen. Schulentwicklung meint die Suche nach und Umsetzung von Maßnahmen zur Schulverbesserung. Die Verbesserungsmaßnahmen sollen „Schulen so ... verändern, dass Schüler dort günstige Lernbedingungen vorfinden, damit Lehr- und Lernziele effektiver und effizienter erreicht werden“ (Huber 1999a). Angesichts der Fülle bereits vorliegender Beiträge zur Schulentwicklungsforschung (z.B. Huber 1999b) stellt sich die Frage, ob arbeitspsychologische Ansätze neue Impulse für die wissenschaftliche Erforschung und praktische Unterstützung von Schulentwicklungsprozessen erbringen können.
Andreas Krause

Führungskompetenz im Mitgliedschaftsdilemma

Grenzen strategischen Schulmanagements
Zusammenfassung
Die breite Rezeption der Pisa-Studien hat bei den politischen Akteuren in Deutschland bisher zu keiner richtungweisenden Neudefinition von Handlungsspielräumen für Schulen geführt. Die vielfältigen Versuche des Abrückens von zentralistischer Bevormundung der Schulen zugunsten einer erweiterten Selbstständigkeit bleiben in der Regel halbherzig und finden bestenfalls in länderspezifischen Experimentierklauseln ihren Niederschlag. Im Ergebnis dessen heften die landespolitischen Akteure solchen Dezentralisierungsbemühungen nicht nur das Etikett Abweichung an; darüber hinaus gelingt es ihnen dadurch immer wieder, die Dynamik dieser buttom-up Prozesse zu absorbieren. Dass gesellschaftlich geteilte Deutungen wirkungsmächtig sind (Berger/Luckmann 1994) und institutionell deklarierte Abweichungen den länderübergreifenden Konsens eher aushebeln als beflügeln, erklärt den Umstand nicht hinreichend, dass kooperatives Lehrerhandeln häufig nicht zum Schulalltag gehört.
Doris Blutner

Die erweiterte Entscheidungskompetenz von Schulen bei der Besetzung von Lehrerstellen: Welchen Stellenwert hat das Schulprogramm?

Zusammenfassung
Im Rahmen einer erweiterten Selbstständigkeit von Schule wurden in den letzten Jahren in den verschiedenen Bundesländern Deutschlands unterschiedlich weitreichende Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in Bezug auf organisatorische, finanzielle, pädagogische sowie personelle Gestaltung an die Einzelschule übertragen. Die erweiterten Zuständigkeiten bei der Rekrutierung ihres Personals stehen im Fokus dieses Beitrags.
Christine Schaefers

Schulentwicklung

Frontmatter

Management des Wandels

Die Theorie des Change Managements und die schulpolitische Praxis
Zusammenfassung
Das Schulsystem sieht sich derzeit mit zwei Befunden konfrontiert: zum einen mit dem dynamischen Umbau moderner Gesellschaften durch die Innovations- sprünge in der Informationstechnologie sowie den damit entstehenden globalisierten Arbeitsmärkten, zum anderen mit den Befunden zur mangelnden Leistungsfähigkeit deutscher Schüler/innen im internationalen Vergleich. Wenn man von dem Anspruch ausgehen, dass zukünftige deutsche Schüler/innen in den sich immer stärker international ausrichtenden Arbeitsmärkten die Möglichkeit haben sollen, chancengleich mit anderen europäischen Schüler/innen zu agieren, verweisen beide o.g. Befunde auf die Notwendigkeit einer umfassende Schulreform.
Michaela Brohm

Neue Governance und Wissensmanagement: Elemente zur Überführung der schulischen Profession in Organisation

Zusammenfassung
In der gegenwärtigen Modernisierung der Schule (vgl. Brüsemeister/Eubel 2003) wird unter dem Begriff der Governance erörtert, dass die Einzelschule zu einer operativen Entscheidungsinstanz im Sinne einer Qualitätsorganisation aufgewertet werden soll. In einer Übersicht (1.) skizziere ich zunächst den Wechsel von der bisherigen zur neuen Governance mit der Einführung einer Qualitätsorganisation Schule und der Überführung der bisherigen Orientierung der Lehrkräfte an Profession in eine Orientierung an Organisation im Zentrum. Anschließend (2.) erörtere ich mit Hilfe des Begriffs des Wissensmanagements Binnendimensionen einer Qualitätsorganisation Schule. So lassen sich operative Fähigkeiten von Lehrkräften nachweisen, die es jetzt schon im Berufsfeld gibt, ohne jedoch bislang als solche kommuniziert worden zu sein. In einem dritten Schritt (3.) gehe ich auf Basis einer eigenen qualitativen Befragung von Lehrkräften auf Schwierigkeiten, aber auch Möglichkeiten der Umsetzung einer neuen Governance und einer Qualitätsorganisation Schule ein. Meine Überlegungen berühren in allen drei Punkten Forschungsdimensionen, die weiter ausgearbeitet werden müssen.1
Thomas Brüsemeister

Schulentwicklung und Organisationstheorie: Welche Erklärungskraft besitzt die Bürokratietheorie heute?

Zusammenfassung
Wie andere komplexe Systeme auch können Schulen als soziale Organisationen betrachtet und als solche unter einer organisationstheoretischen Perspektive analysiert werden. Hinter dem Terminus „Organisationstheorie“ verbirgt sich allerdings kein singulärer Ansatz, mit dem der Gegenstandsbereich umfassend abzudecken wäre, sondern eine Fülle von Konstrukten und theoretischen Annäherungen an den Topos „Organisation“, die sowohl hinsichtlich der Bezugsdisziplin als auch hinsichtlich der Analyseebene nicht unerheblich variieren (vgl. Kieser 2001; Walter-Busch 1996; Scherer 2001, S. 2). Im Zusammenhang mit dem Thema Schule und Organisation werden zwei der Ansätze, die sich unter „Organisationstheorie“ subsumieren lassen, besonders häufig als Analyseraster genutzt. Es sind dies die „Bürokratietheorie“ nach Max Weber und die auf Karl E. Weick zurück gehende Theorie „lose gekoppelter Systeme“. Mit diesen beiden Theoriekonstrukten wird vielfach zugleich ein Paradigmenwechsel im Sinne einer Ablösung des älteren, Weberschen durch den neueren, Weickschen Ansatz verbunden. Mit Weber gelten moderne Organisationen als bürokratisch strukturiert, wobei sich gerade hierin ihre Leistungsüberlegenheit gegenüber nichtbürokratischen Organisationen ausdrücke.
Hans-Werner Fuchs

Implementation von Eigenverantwortung an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg: Auftrag und Realisierung

Zusammenfassung
Im Mai 2001 hat Baden-Württemberg den Startschuss für ein landesweites Projekt mit dem Namen STEBS gegeben. STEBS steht für „Projekt zur Stärkung der Eigenständigkeit Beruflicher Schulen“, das mittelfristig die Einführung der operativ eigenständigen Schule verfolgt. Das Projekt sieht Veränderungen in vier Handlungsfeldern der Schule vor: Schulorganisation, Schulprofil, Personalmanagement und Qualitätsmanagement. Alle beruflichen Schulen waren aufgefordert, sich um eine Beteiligung zu bewerben. Es lag bei den Schulen selbst, ein Handlungsfeld und max. zwei darin verankerte Entwicklungsprojekte zur Bearbeitung vorzuschlagen und in Zielrichtung, Organisation und Ausgestaltung (Geschwindigkeit und Intensität) zu bestimmen. Unterstützung bekommen die Projektschulen auf vier Ebenen: der operativen Ebene, der Fortbildung, der Medien und der Ressourcen.
Ute Clement, Jochen Wissinger

Außerschulische Jugendbildung

Frontmatter

Netzwerke als Form pädagogischer Institutionen — Schilderungen am Beispiel eines Projektes in der Jugendberufshilfe

Zusammenfassung
Das Thema ‚Netzwerke’ erfreut sich auf verschiedenen Feldern der pädagogischen Praxis einer zunehmenden Beliebtheit. Besonders herausragend ist in dieser Hinsicht die Weiterbildung (vgl. die Beiträge in Hoß/Schrick 2001). Deren institutionelle Struktur ist seit geraumer Zeit Gegenstand einer Diskussion, die deskriptive und normative Aspekte in sich vereint. Kennzeichnend sind die immer wieder erbrachten Hinweise auf die plurale Struktur der Finanziers, Anbieter, Träger und Nutzer der Weiterbildung. Sie gilt einerseits als sehr anpassungsfähig, aber zeigt andererseits auch Mängel der Koordination auf. Die Semantik der Weiterbildung reflektiert diese Situation mit Beschreibungsformen, die im Interesse der Vollständigkeit von Angeboten, des optimierten Ressourceneinsatzes, der Transparenz und Chancengerechtigkeit für die Interessenten eine lose Verkopplung zwischen den Anbietern in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit nehmen bzw. als Konzept der Gestaltung von Systemstrukturen vorschlagen. Einschlägig ist in dieser Hinsicht die von Faulstich (vgl. Faulstich/Zeuner 1999, S.179ff.) formulierte Idee einer mittleren Systematisierung der Weiterbildung. Sie kombiniert die Autonomie einzelner Anbieter mit der Installation eines wechselseitigen Informationsaustauschs und koordinierender Mechanismen ohne Anschlusszwang. Damit sollen individuelle Entscheidungen der Anbieter ermutigt werden, ohne in die Fallstricke einer Regulation der Weiterbildung durch den Markt zu geraten.
Harm Kuper

Organisationsnetzwerke und pädagogische Temporärorganisation

Zusammenfassung
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen wird im Feld der Jugendberufshilfe die vernetzte Kooperation der institutionellen Akteure Jugendhilfe — Schule — Wirtschaft zunehmend als unverzichtbar erkannt. Durch Kooperationen sollen besser koordinierte Übergänge zwischen Organisationen und Sektoren geschaffen werden. Mit der Kombination sektorspezifischer „Handlungslogiken“ will man in der institutionellen und handlungsfeldübergreifenden Vernetzung synergetische Effekte erzielen. Mit der Perspektive des „Wohlfahrtsmixes“ (Evers/Olk 1996, S. 33) wird Vernetzung zur Programmatik und zum normativen Konzept erhoben, das auf die Modellierung und Institutionalisierung gewünschter institutioneller Konstellationen „gemischter Wohlfahrtsproduktion“ (ebd., S. 12) abzielt. Wohlfahrtspluralistische Arrangements begründen sich mit dem Wunsch nach einer Steigerung der Fachlichkeit ebenso wie mit dem nach Optimierung der Leistungserbringung (Schild 2001). Im Bereich der Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit ist die Programmatik der Zusammenarbeit und Vernetzung mittlerweile als rechtliche Vorgabe im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) und im Sozialgesetzbuch (SGB) festgeschrieben (Stauber-Walther 1995, S. 185). Es wird gefordert, Leistungsangebote zu differenzieren und zu flexibilisieren und zu vernetzen mit Angeboten, Diensten und Einrichtungen unterschiedlicher Träger (Bürger 1999, S. 4).
Susanne Weber

Rationalitätsprobleme im Spannungsfeld zwischen individuellem Handeln und organisationalen Bezügen

Bedingungen und Folgen pädagogischer Intervention in neueren integrationsorientierten Einrichtungen
Zusammenfassung
Pädagogisches Handeln findet maßgeblich in organisationalen Rahmungen statt. Die Schule als Organisation ist evident und die Zeiten, in denen dieser Umstand Verwunderung auslöste, sind vorbei. Allerdings ist die Schule längst nicht mehr die einzige maßgebliche organisationale Rahmung, innerhalb der Pädagogik sich ereignet. Auch das ist nichts Neues, man denke etwa an Weiterbildung im Unternehmen oder an den nahezu unumgänglichen Kontakt des Sozialpädagogen mit Bürokratien und Verwaltungen. Die Frage, die damit allerdings aufsteigt, ist jene, ob die Differenzen dieser je spezifischen Organisationen auch unterschiedliche Anforderungen an pädagogisches Handeln stellen. Wir wollen diese möglichen Differenzen im folgenden an instruktiven Extremfallen etwas ausleuchten und über mögliche Konsequenzen nachdenken.
Ralf Wetzel, Jens Aderhold

Hochschulen im Wettbewerb — eine organisationstheoretische Perspektive

Zusammenfassung
Die Intensivierung des Wettbewerbs im deutschen Hochschulsystem stellt eines der großen Themen der aktuellen hochschulpolitischen Reformdebatte dar. Berücksichtigt man den aktuellen Diskussionsstand zum Thema „Hochschulen im Wettbewerb“, so fallt allerdings auf, dass die Diskussion vor allem politischnormativ geführt und zum Teil geradezu als Glaubensfrage behandelt wird. In dieser Situation, die durch eine deutliche Polarisierung zwischen Befürwortern und Kritikern des Wettbewerbsprinzips charakterisiert ist, hilft vor allem eines: Forschung. Die folgenden Überlegungen sind von der Grundannahme getragen, dass der organisationssoziologische Neo-Institutionalismus ein geeignetes Instrumentarium zur Erforschung des Organisationsverhaltens unter Wettbewerbsbedingungen darstellt.1 Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf nicht-intendierten und paradoxen Effekten. Meine im Hinblick auf „Hochschulen im Wettbewerb“ zentralen Thesen lauten wie folgt:
Erstens ist das Verhältnis von Wettbewerb und Regulierung kein Nullsummenspiel. Auch wenn die Steigerung des Wettbewerbs zwischen Hochschulen in der Regel unter den Prämissen der De-Regulierung des Hochschulbereichs steht, werden bei genauerer Betrachtung regulative Strukturen insgesamt eher auf- als abgebaut.
Georg Krücken

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