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Pandemie im Film

Religiöse und ästhetische Transformationen in der Populärkultur

  • 2022
  • Buch
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Über dieses Buch

Untersucht wird die theologische und ästhetische Bearbeitung der Pandemien in dystopischen und Science-Fiction-Filmen sowie Serien. Zwischen Verschwörungstheorien, der Sicht als Strafe Gottes und der fatalistischen Annahme eines "notwenigen Übels" changieren die Erklärungsmodelle im Film wie auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Filme bieten dabei stellvertretend narrative Lösungsmodelle an. Die Katastrophe wird auf diese Weise dem beängstigenden Alltag für kurze Zeit enthoben, was eine der Reflexion zuträgliche Distanz ermöglicht. Exemplarisch wird ein sich wandelndes Rollen-, Gesellschafts- und Gottesbild aufgezeigt, das zu religionspädagogischen Reflexionen anregt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung und Analysen

Frontmatter
Alles schon mal dagewesen? 30 Jahre Pandemiefilme
Zusammenfassung
Der hier angedeutete Zeitraum von „30 Jahren“ ist etwas willkürlich; gesetzt wird jetzt als ´Anfangspunkt´ das Jahr 1990 mit dem ältesten der hier verhandelten Filme: „Die Geschichte der Dienerin“ von Volker Schlöndorff.
Inge Kirsner
Unter die Haut und in das Blut. Verwundbarkeit und Heilung in Filmen und Serien zur Pandemie
Zusammenfassung
Im Zuge von Covid-19 hat die Pandemie als zentrale Thematik auch in Filmen und Serien verstärkt Aufmerksamkeit erfahren. Stilbildende Werke des Pandemie-Kinos sind dabei nach wie vor „Outbreak“ von Wolfgang Petersen und vor allem „Contagion“ von Steven Soderbergh. Deren katastrophische Motive einer existenziellen wie sozialen Bedrohung inklusive ihrer Erlösungs- beziehungsweise Rettungspotenziale werden auch in neueren Beiträgen wie der Serie „Sløborn“ variiert. Eine Annäherung anhand ausgewählter Genre-Beispiele.
Karsten Essen
Der König der Löwen, I am Legend und Children of Men. Religion lehren im Wandel populärkultureller Zeiten
Die Zerstörung des Paradieses und seine Wiedergewinnung
Zusammenfassung
Es gibt ihn. Den guten Anfang. Das friedliche und ungestörte Zusammenleben aller Lebewesen. So schön. So gut. So vollkommen in aller Differenziertheit des Lebendigen. Die Pandemie-Filme erzählen eine andere, düstere, ausweglosere Geschichte vom Leben - und seiner Vernichtung durch das Böse.
Hans-Martin Gutmann
„Man darf die Unterhaltung nicht den Feinden der Unterhaltung überlassen“
Zusammenfassung
Wir haben uns dafür entschieden, statt einem Text von Harald Schroeter-Wittke für unser Buch eine Unterhaltung einzufügen, die sich mit dem Thema der Habilitationsschrift „Unterhaltung“ beschäftigt – und wie man diesen Begriff in Pandemie- und Kriegszeiten definieren kann.
Inge Kirsner, Harald Schroeter-Wittke

Konkretionen

Frontmatter
„Und siehe: Es war sehr gut“ (Gen 1,31): Von Sinnesverlusten und Sinnfindung in Pandemiefilmen anhand von „Die Stadt der Blinden“ und „Perfect Sense“
Zusammenfassung
„Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag“ (Gen.1,31) – das sind Worte aus dem Anfangskapitel der Bibel (in der revidierten Übersetzung nach Luther von 2017).
Inge Kirsner
Transzendente Entitäten und ihre Auswirkungen in „Bird Box“
Zusammenfassung
Als der Horrorthriller Bird Box – Schließe deine Augen (Originaltitel: Bird Box) am 21. Dezember 2018 auf der Streaming-Plattform Netflix erschien, brach der Film in kürzester Zeit sämtliche Rekorde des Streaming-Giganten. Welche theologischen Gedanken stecken hinter dem postapokalyptischen Epos, das einige interessante Denkanstöße gibt und Gedankenspiele zulässt?
Sören Eitschberger
„Siehe, der Herr hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann“ (Gen 16,2)
Unfruchtbarkeit und ihre fundamentalistisch-religiösen Folgen anhand von Volker Schlöndorffs „Die Geschichte der Dienerin“ und der Serie „The Handmaid‘s Tale“
Zusammenfassung
Eine Neuausrichtung der Gesellschaft, um mit den Folgen einer Pandemie leben zu können, ist der Gegenstand der vorliegenden Film- und Serienanalyse. Anhand der Handlung des Filmes „Die Geschichte der Dienerin“ und dem Vergleich mit der Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ sollen in diesem Kapitel die Bemühungen des angeblich theokratischen Staates Gilead, der ausbleibender Fruchtbarkeit mit staatlich dazu verurteilten Leihmüttern entgegenzuwirken, vorgestellt werden. Der legitimierende Bezug zu Genesis 30 und der in der Serie im Vergleich zum Film stärker entwickelnde Widerstand der Protagonistin sollen dabei eine entscheidende Rolle spielen
Jana Klünder, Maira Peitsch
„28 Days Later“ und „Cargo“: Die populärkulturellen Verwandlungen des Zombies vom religiösen Symbol zum untoten Kannibalen – und wieder zurück
Zusammenfassung
„We´re not all fucked!“: Das ist alles, was wir am Ende von Danny Boyles „28 Tage später“ - so der eingedeutschte Titel von „28 Days Later“ - (GB 2002) an Hoffnung bekommen. Doch das ist schon eine ganze Menge, nachdem der Ausgangsplot nicht viel Anlass dazu liefert.
Tamas Kert, Inge Kirsner
Am Ende siegt die Liebe. Wie M. Night Shyamalans „The Happening“ im Zuge der Coronapandemie neu gesehen werden kann
Zusammenfassung
M. Night Shyamalans „The Happening“ zeigt, wie viele Katastrophenfilme, eine Erde, die zum Opfer menschlicher Ausbeutung und Ignoranz geworden ist. Seine besondere Spannung generiert der Film aus der Idee, dass der Planet nicht machtloses Opfer bleibt, sondern die Natur radikal „zurückschlägt“. Der Film trägt damit zu einem Diskurs bei, der die Schuld- und Ursachenfrage ökologischer Katastrophen zum Gegenstand hat. Die Coronapandemie hat dabei noch einmal eine neue Lesart angeregt – und tatsächlich hat „The Happening“ hier einiges vorausgesagt.
Jan Christian Pinsch
Von der Corona-Realität eingeholt. Verschwörungserzählungen und Endzeiterwartungen in der Serie „Sløborn“
Zusammenfassung
„Nein, das ist nicht die Serie zu Corona“: Diesen Titel gab Claudia Tieschky ihrer 2020 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Rezension zur Serie „Sløborn“, die ein Jahr zuvor – und damit weit vor dem Ausbruch der Coronapandemie – produziert worden war. Gleichwohl schrieb sie: „Wenn man nicht ständig an die realen Nachrichten der vergangenen Monate denken müsste, wenn die Menschen auf Sløborn Nase-Mund-Schutz tragen, wenn Kranke von Pflegern in Schutzanzügen an Beatmungsgeräte angeschlossen werden und Handy-Bewegungsprofile plötzlich eine Rolle spielen, dann wäre Sløborn einfach eine Coming-of-Age Geschichte, mit Anklängen an das Genre Horror und Katastrophenfilm.“
Jan Christian Pinsch
Pandemie andersherum – Wundersame „Heilung“ in der Serie „Midnight Mass“
Zusammenfassung
Was ist, wenn ein Virus nicht krank macht, sondern eine Pandemie andersherum heilt? Das geschieht in einer Gemeinde auf der fiktiven Insel Crocket Island, in der in Folge wundersamer Heilungen ein gefährlicher Exklusivismus entsteht. Die Serie „Midnight Mass“ wirft die Frage auf, worin das „Heil“ im christlichen Glauben liegt. Insbesondere durch die Figur Leeza Scarboroughs und ihrer DisAbility wird der Wunsch nach „Normalität“ und eines perfekten Körpers ohne Beeinträchtigungen verhandelt. Im Verlauf ihrer persönlichen Entwicklung erkennt sie mittels ihrer eigenen und weiteren vermeintlichen wundersamen „Heilungen“ innerhalb der Inselgemeinde, dass das Defizitäre im Menschsein keiner Heilung bedarf, da es bereits von Gott geheiligt ist.
Stephanie Lerke, Leonie Seebach
Viraler Vampirismus – Blutige Sehnsucht nach Anerkennung und Perfektion in der Serie „V Wars“
Zusammenfassung
In der Serie „V Wars“ wird die US-amerikanische Gesellschaft durch ein unbekanntes Virus in Angst und Schrecken versetzt. Menschen verwandeln sich in menschlich-vampirhafte Hybride und begehen blutrünstige Morde. Als Spiegel gesellschaftlicher Phänomene nimmt die Vampirfigur in wissenschaftlichen Diskursen eine ambivalente Rolle ein. Dies wird insbesondere an der sukzessiven Transformation des Protagonisten Michael Fayne deutlich. Er verkörpert unterschiedliche Sehnsüchte nach Anerkennung und Perfektion in sich, die in seinem Handeln zugleich für Irritation sorgen. Während Fayne als viral geschaffener Vampir einerseits seinen vampirhaften Trieben folgt, setzt er sich andererseits als Vorbildcharakter und Teil einer gesellschaftlichen Minderheit für Respekt, Toleranz und Menschlichkeit ein.
Stephanie Lerke, Marcel Scholz
Nicht aufzuhalten – Im Labyrinth der Suche nach dem Ursprung der Pandemie: „Twelve Monkeys“
Zusammenfassung
Der US-amerikanische Film „Twelve Monkeys“ kam im Jahr 1995 in die Kinos. Er wird gemeinhin dem Genre der Science Fiction zugerechnet. Er ist mittlerweile ein „kanonischer Pandemiefilm“. Mit Bruce Willis und Brad Pitt ist er mit Hollywoodstars besetzt worden, deren Karrieren durch den Film verstärkt wurden. Beim ersten Sehen des Films stellt sich leicht das Gefühl ein, der Handlung nicht gleich folgen zu können, da sie durch Zeitreisen durchbrochen wird.
Richard Janus
Titel
Pandemie im Film
Herausgegeben von
Inge Kirsner
Harald Schroeter-Wittke
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-38127-1
Print ISBN
978-3-658-38126-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38127-1

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