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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Die Parteien stellen eines der wenigen Forschungsbereiche dar, welche der Politikwissenschaft fast exklusiv überlassen wurden. Die Politologen dankten dies mit der Konzentrierung auf dieses Gebiet, allerdings um den Preis der Vernachlässigung anderer Bereiche, z.B. der Regierungs- und Parlamentsstudien. Erst spät haben sich die Juristen wenigstens für den Aspekt des Parteienrechts interessiert (Tsatsos 1990).
Klaus von Beyme

1. Der Wandel der theoretischen Grundlagen der Parteienforschung

Zusammenfassung
Die Parteienforschung hat sich mit der Theoriebildung schwerer getan als andere Bereiche der Sozialwissenschaften. Vielfach blieb sie in der typologischen Vorarbeit stecken, oder sie wandte sich dem formalistischen Rational Choice-Ansatz zu, der ökonomische Marktmodelle auf die Politik übertrug und den politischen Markt so formal abhandelte wie den wirtschaftlichen oder den Heiratsmarkt. Immerhin hat sich nach 1945 eines gebessert: Parteientheorie war nicht mehr in den Dienst eines handfesten Vorurteils gestellt. Von der Antike bis 1918 überwogen harmonistische Konkordialehren, welche den Parteienstreit diskriminierten (von Beyme 1978). Als die Parteien schließlich akzeptiert wurden, sind von Ostrogorski (1903, 1964) bis Michels (1911, 1989) Depravationstheorien über die innere Struktur der Parteien geboten worden. Zwei Theoretiker sublimierten ihre Enttäuschungen in der praktischen Politik — der eine bei den russischen “Kadetten” (Liberale), der andere bei den deutschen Sozialdemokraten — in einer Theorie. Beide hatten alternative Ordnungsvorstellungen für den politischen Raum. Ostrogorski bekämpfte mit seinem Schlachtruf “nieder mit den Parteien, hoch die Ligen” die Massenorganisationen der Caucus-Parteien und strebte zurück zum Honoratiorenverband. Michels wandte sich einem syndikalistsichen Bewegungsmodell zu, das sich schließlich sogar als anfällig für faschistische Gedanken erwies.
Klaus von Beyme

2. Der Wandel auf der Wählerebene

Zusammenfassung
Die Niedergangshypothesen gegenüber den Parteien stützen sich auf drei Prozesse, die im Vorfeld der Parteien ablaufen:
  • der Niedergang der Identifizierung mit den Parteien,
  • der Niedergang der Partizipation bei Wahlen,
  • und die wachsende Fluktuation der Wählerstimmen, der sogenannten Volatilität.
Klaus von Beyme

3. Entideologisierung der Parteien und die programmatische Annäherung der Parteienfamilien

Zusammenfassung
Die Party-Change-Literatur hat im postbehavioralistischen Zeitalter einen Wandel vollzogen. Die exzessive Beobachtung der Wählerebene wurde wieder ergänzt durch die neoinstitutionalistische Hinwendung zu organisatorischen und institutionellen Fragen einerseits und der Aufmerksamkeit für weltanschauliche Motivationsreste andererseits. Damit verbunden war eine Aufgabe des rein soziologischen Ansatzes, der die Parteien gleichsam aus den sozialen Veränderungen der Wählerschaft ableitete. Es kam wieder zur Würdigung der politischen Faktoren. Soziale Cleavages wirken nicht automatisch. Im Parteiensystem schlagen sie sich nur nieder, wenn politische Unternehmer mobilisieren.
Klaus von Beyme

4. Der Wandel der Parteiorganisation

Zusammenfassung
Mit dem Abbau soziologischer Deduktionen der Parteien aus verfestigten und “eingefrorenen” Cleavages kam die Parteiorganisation wieder stärker ins Blickfeld, die in der frühen Parteiforschung von Michels und Ostrogorski bis zu Du-verger dominant gewesen war. Die behavioralistische Revolte hatte sich totgesiegt. Die Ableitung des Parteiensystems aus den kleinen Verschiebungen der Wählerblöcke starb zwar nicht aus, blieb aber auf das Kommentiergeschäft an Wahltagen konzentriert. Die historischen Typologien der Party-Change-Literatur konzentrierte sich auf die organisatorischen Beziehungen im Dreieck von Parteieliten, Parteiorganisation und Wählergefolgschaft. Den Organisationsformen der Parteien im Wandel kam dabei eine Schlüsselfunktion zu. Einige Kritiker sehen bereits eine neue Orthodoxie der Parteiforschung entstehen (Broughton/Donovan 1999: 259). Mitgliederschwund, Entkopplung der Parteien von den Verbänden, staatliche Subventionierung der Parteiorganisation und die Professionalisierung der Parteiführungen wurden zum Zentrum der Parteiwandel-Forschung.
Klaus von Beyme

5. Der Wandel auf der Ebene des Parteiensystems

Zusammenfassung
In den älteren Klassifikationen der Parteiensysteme dominierte das Kriterium der Zahl. Es war ein Verdienst Sartoris (1976: 119ff), den bloß numerischen Einordnungen — unter leichtfertiger Verwendung von Daumenregeln über “relevante” Parteien — ein Ende gemacht zu haben. Die ideologische Dimension und die weltanschauliche Distanz der Parteien, die Intensität der Konflikte der Parteien untereinander und die Relevanz der Parteien für Regierungsbildungsprozesse haben durch ihn eine neue Bewertung erfahren. Die Zählung der relevanten Parteien konnte nicht ganz schematisch vorgenommen werden. Die Grenze liegt bei 2% der Wählerstimmen. Gelegentlich aber mußte aufgrund von qualitativen Kriterien von dieser Richtzahl abgewichen werden. Die Republikaner in Italien hatten ihre wichtige Funktion als Zünglein an der Waage zwischen den Blöcken nicht deshalb verloren, weil sie vorübergehend dicht unter die Zweiprozentmarke sanken (1953–1963).
Klaus von Beyme

Konklusion: Party Change — Faktoren des Wandels von den Volksparteien zu den professionalisierten Wählerparteien

Zusammenfassung
Angesichts des Wandels der Parteien in den 90er Jahren wurde das statische Bild der älteren Parteienforschung aufgegeben, und die Dynamik der Änderungen in Parteien und Parteiensystemen rückten ins Blickfeld. Die normative Vorstellung einer klassischen Partei ging verloren. Die Volksparteien waren seit Kirchheimer als Depravationstyp gedacht worden. Zum Ehrentitel hatte sich die Bezeichnung allenfalls bei zentristischen Parteiführern entwickelt. Die professionalisierte Wählerpartei stand anfangs noch als Typ der alten Massenpartei gegenüber.
Klaus von Beyme

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