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Über dieses Buch

Parteien befinden sich in einer gravierenden Krise – so das Urteil vieler politischer Beobachter. Statt sie als Gefahr für die Demokratie zu beschreiben, betrachtet die Autorin die Krise als deren notwendigen Bestandteil. Die Krise der politischen Organisationen weist nicht auf eine beschädigte Demokratie hin; vielmehr trägt die Krisenkommunikation dazu bei, demokratische Politik überhaupt zu organisieren. Die Analyse unterschiedlicher Felder der Parteiorganisation nimmt das Organisieren als Prozess empirisch in den Blick. So kann zum Beispiel an Interviews mit Parteimitgliedern gezeigt werden, dass die Parteiorganisationen nicht dem vereinfachenden Bild entsprechen, das ihre Kritiker von ihnen zeichnen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Krise der Parteien

Frontmatter

1. Funktion, Diskurs, Operativität

Zusammenfassung
Zunächst also zum theoretischen und methodologischen Rahmen der Untersuchung: Jacques Derrida beschreibt in seiner Dekonstruktion des Mythos des „wilden Bastlers“ in Differenz zu einem Ingenieur, welcher ,nur‘ einer überlieferung folge (vgl. Lévi-Strauss 1962), dass sich auch und gerade die wissenschaftliche Praxis ihrer Historizität und überliefertheit nicht entziehen könne. Wie bei jedem anderen Diskurs, so gehe es auch hier um Variation und Neuanordnung, die eine zufällige Auswahl von aufeinander Bezug nehmenden Ideen ausdrückten. Und gleichzeitig werde das wilde Denken durch Sprachstruktur und Forschen in der Zeit strukturiert. Herunter gebrochen auf die Anordnung von Textbausteinen einer Studie als Buch bedeutet dies bspw., die der dargestellten Erzählung zugrunde liegenden Interpretationen, Auswahlleistungen und Restriktionen mitzudenken. Dasselbe gilt für Narrationen der Interviewten, für die Anordnung von Argumenten in klassischen Texten oder für die Lektüre empirischer Studien.
Jasmin Siri

2. Eine soziologische Annäherung an die Parteiorganisation

Zusammenfassung
Auch wenn es eine aktuelle Parteiensoziologie nicht gibt: In den meisten soziologischen Texten über das Politische tauchen Parteien auf, und sei es nur als Beispiel für eine überkommene Form politischer Organisation im Nationalstaat. Dezidiert parteiensoziologische Analysen sind aber eine seltene Ausnahme. Dieses Kapitel wird prominente Zugänge zu Parteien historisierend aufarbeiten. Dabei werde ich chronologisch vorgehen und historische Hinweise zur Entstehung moderner Parteien einstreuen.18 Anschließend werfe ich einen Blick auf die aktuelle politische Soziologie und die wichtigsten Stränge der internationalen Parteienforschung. Da sich diese Forschung so interdisziplinär wie facettenreich präsentiert, stellt die folgende Zusammenstellung eine Auswahl im Interesse einer soziologischen Aktualisierung der Parteiensoziologie dar.
Jasmin Siri

3. Die auf Dauer gestellte Krise

Zusammenfassung
Das zweite Kapitel hat einen überblick über die Parteienforschung gegeben. Dabei fiel auf, dass die Soziologie sich in Bezug auf die Untersuchung der Parteiorganisation ungewöhnlich zurückhaltend verhält, wenn nicht gar desinteressiert. Der im Folgenden dargestellten diskursanalytischen Untersuchung liegt die Verwunderung über die Einigkeit zugrunde, mit der die Krise der Parteien verkündet wird.
Jasmin Siri

4. Die Funktionalität der Krise

Zusammenfassung
Die vorhergehenden Ausführungen haben gezeigt, dass der Rekurs auf Krise sichtlich eine Gewohnheit politischer Beobachtung darstellt, und sich daher nicht rechtfertigen oder empirisch begründen muss. Ich habe durch die Hinweise zum Forschungsstand und eine Darstellung des Krisendiskurses versucht, eine Re- Empirisierung vorzunehmen. Durch die Kontrastierung aktueller Krisendiagnosen mit Literatur aus der Zeit der Entstehung deutscher Parteien sollte gezeigt werden, dass sich die Themen von Kritik- und Krisenkommunikation kaum verändern. Die Krisendiagnosen sind aber für ihre eigene Historizität eigentümlich blind. Sie beschreiben sich meist als brandaktuell und knüpfen an aktuelle politische Ereignisse an.
Jasmin Siri

Der Formwandel politischer Organisierung

Frontmatter

5. Zur Analyse der Partei – Warum es nicht ohne Organisation geht

Zusammenfassung
Mit diesen Worten leitet Niklas Luhmann in der „Politik der Gesellschaft“ das Kapitel über Parteien ein. Parteien sind laut Luhmann politische Organisationen (neben anderen), deren Funktion in der Vorbereitung kollektiv bindender Entscheidungen und der Vorselektion von geeignetem Personal für politische Karrieren besteht (2002: 237f.). Es bietet sich daher besonders an, sie organisationssoziologisch zu betrachten. Bevor ich in die empirischen Fallstudien einsteige, will ich daher zunächst kurz die Grundlagen der Organisationstheorie Luhmanns skizzieren.
Jasmin Siri

6. Inszenierung des Politischen: Wahlkampf

Zusammenfassung
Aufgabe der Politik in der modernen Gesellschaft ist – das habe ich mit Luhmann beschrieben – die Herstellung kollektiv bindender Entscheidungen. Da die moderne Gesellschaft „eine Gesellschaft ohne Sprecher und ohne innere Repräsentanz“ (Luhmann 1981: 19) ist, wird unter Modernitätsbedingungen jedoch nicht nur die Herstellung der kollektiv bindenden Entscheidung, sondern vielmehr auch die Herstellung von Kollektiven und Publika, denen die Entscheidung zugerechnet werden kann, zum Problem (vgl. Nassehi 2006: 67, 344f.). Zuvor habe ich gezeigt, dass Kritik- und Krisenkommunikation die Aufgabe besitzen, das in einer komplexen Gesellschaft praktisch verunmöglichte Plebiszit zumindest als Ideal präsent zu halten.
Jasmin Siri

7. Das Programm der Partei

Zusammenfassung
Die Programmdiskussionen der Parteien stehen stets unter dem Verdacht, sich zu sehr von der politischen öffentlichkeit zu entkoppeln. Dies hat bereits Michels mit seiner Kritik der Wirkungslosigkeit von Parteitagsbeschlüssen formuliert. Seit den 1960er Jahren wird die Ambivalenz zwischen Ideologie, Programmatik und Realpolitik nicht nur als Kritik der Nichterfüllung avisierter Ziele, sondern auch als theoretisches Problem einer politischen Praxis fassbar.
Jasmin Siri

8. Parteimitglieder erzählen ihre Mitgliedschaft und ihre Organisation

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird anhand von von Interviews mit Mitgliedern verschiedener Parteien (CDU, CSU, FDP, SPD, GRüNE, Die LINKE), Publizisten und Politikberatern ein Blick auf die Funktionsweise moderner Parteimitgliedschaft geworfen. Ich habe mit „stillen“ und aktiven Basismitgliedern, mit ehrenamtlichen Politikern, Berufspolitikern, ehemaligen Berufspolitikern und hauptamtlichen Mitarbeitern von Parteien gesprochen.
Jasmin Siri

9. Partei und Mitglied – Formwandel politischer Organisierung

Zusammenfassung
Diese Studie nahm ihren Ausgang im Erstaunen über die Krisenkommunikation in und über Parteien. Ich wunderte mich darüber, dass soziologische Texte die Krise als ein neues Phänomen behandeln.
Jasmin Siri

Backmatter

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