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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Parteijugend nach dem Zweiten Weltkrieg

Zusammenfassung
Nach der bedingungslosen Kapitulation erhob sich in Deutschland mit der Neugründung politischer Parteien zugleich das Problem, die junge Generation in den Aufbau demokratischer Strukturen eines neuen Gemeinwesens einzugliedern. Die Einrichtung von Partei-Jugendorganisationen hatte nichts Fremdartiges an sich, das erst mühselig zu erlernen war. Es bedurfte hierzu keiner ausländischen Vorbilder, denn das Phänomen war noch aus der Entwicklung des Weimarer Parteienwesens in Erinnerung. Auch in der Geschichtsschreibung bilden die Nachwuchsverbände der Parteien keine unbekannte Größe. Gerade für die Weimarer Republik gilt das Terrain als relativ gut erforscht, ob es sich um die Jugend der Sozialdemokratie1 oder um die der klassischen bürgerlichen Parteien2 handelt. Dagegen sind die analogen Ergebnisse zur Parteiengeschichte der Bundesrepublik weniger ausgewogen. Allein zu den Jungsozialisten gibt es hinreichend Veröffentlichungen, sogar zwei Langzeitstudien.3 Doch über die Jungdemokraten informieren im wesentlichen — wenn auch nur fragmentarisch — die einschlägigen Monographien über die FDP. Zur Jungen Union erschienen indes schon eine Reihe kleiner Publikationen, die allerdings zeitlich und regional begrenzt sind.4 Einige Sammelbände unterrichten über alle drei Organisationen, sei es in Form wissenschaftlicher Analysen,5 sei es als Faktenzusammenstellungen.6
Wolfgang R. Krabbe

2. Politische Anfänge nach der bedingungslosen Kapitulation

Zusammenfassung
Nachdem die alliierten Truppen im Oktober 1944 bei Aachen die Grenze des Deutschen Reiches überschritten hatten, endeten mit dem Fortschreiten der siegreichen Armeen die Kriegshandlungen sukzessiv auf deutschem Boden. Die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch die Wehrmacht am 7. und 8. Mai 1945 in Reims und Karlshorst besiegelte nur einen Zustand, der in den meisten Regionen Deutschlands bereits seit Wochen bestand. US-Amerikaner und Sowjetrussen, Briten und Franzosen übernahmen für die kommenden Jahre die Souveränität über das in Besatzungszonen geteilte Land. Sie begannen indes schon recht bald damit, eine deutsche Verwaltung wieder einzurichten, die — weitgehend von Nazis gesäubert — in Zukunft an die Stelle der Militärregierungen treten sollte. Damit verbunden war der Aufbau politischen Lebens zunächst auf kommunaler Ebene, dann auch auf der Ebene der neugeschaffenen Länder und der Zonen. Als wichtigsten Bestandteil eines weitgespannten Reeducation-Programms sollten die Deutschen an die Demokratie gewöhnt werden, die 1933 so verhängnisvoll gescheitert war. Dazu war es notwendig, politische Parteien zuzulassen. Es kamen natürlich nur solche in Frage, die sich in der Weimarer Republik und möglichst auch durch Untergrund oder Exil während des „Dritten Reiches“ als antifaschistisch bewährt hatten. SPD, KPD, Zentrum und DDP galten als vertrauenswürdig, und so lizensierten die alliierten Militärbehörden — die Russen zuerst, die Franzosen zuletzt — 1945 und 1946 sozialdemokratische, kommunistische, christliche und liberale Parteien in ihren Zonen.
Wolfgang R. Krabbe

3. Parteijugend in der frühen Bundesrepublik: die 50er Jahre

Zusammenfassung
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland orientierten sich die Partei-Jugendorganisationen nun auch zunehmend an der Bundesebene. Notgedrungen blieb ihr Engagement bis 1949 auf die regionale Ebene begrenzt. Darüber hinaus war das Gesichtsfeld der Parteijugend auf Gesamtdeutschland gerichtet. Die Realisierung des Weststaates, den sie alle bis zum Ende der 60er Jahre als ein Provisorium ansahen, verengte trotz der Einheitsbekenntnisse und Bemühungen um Ostkontakte ihre Perspektive auf die Bundesrepublik. Die politischen Probleme, die mit der Etablierung dieses jungen Staates verbunden waren, absorbierten im wesentlichen die Energien der Parteien. Landes- und Kommunalpolitik erschienen demgegenüber schon fast als alltägliches Geschäft. Nachdem der Bizonen-Wirtschaftsrat die Entscheidung über den Kurs der Wirtschaftspolitik getroffen hatte, standen nun die Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Sozialpolitik zur Debatte. In den 50er Jahren ging es vor allem um die Frage, wie die Westbindung der BRD und das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes in Einklang zu bringen seien. Die Parteien mußten sich positionieren in diesem Koordinatengeflecht, zugleich auch in dem parlamentarischen Regierungssystem, wie es ihnen die Wähler zugeteilt hatten. Das bürgerliche Lager unter der CDU/CSU stellte die Regierung, die SPD die Opposition, und die FDP schwankte zwischen beiden Positionen hin und her, da sie 1955/57 bis 1961 Oppositionspartei wurde.
Wolfgang R. Krabbe

4. Die 60er Jahre — eine Zeit des Übergangs

Zusammenfassung
Die westdeutsche Jugend wurde Mitte der 60er Jahre von einer Bewegung erfaßt, die ihr Verhältnis zu den gesellschaftlichen Institutionen, zu Parteien und Verbänden wie zur gesamten älteren Generation, erschütterte. Diese Unruhe, die sich schließlich in der Jugendrevolte von 1968 Luft machte und in die Außerparlamentarische Opposition (APO) mündete, war zwar ein Phänomen, das mehr oder minder in der ganzen westlichen Welt auftrat. In Westdeutschland deutete sie aber darauf hin, daß sich der junge Staat nun erst als Bundesrepublik Deutschland anzunehmen und den Provisoriums-Charakter abzuschütteln begann. Die vierzehnjährige Adenauer-Ära hatte an der Teilung Deutschlands nichts geändert. Sie hatte aber die Verfassungsstruktur und die außenpolitische Lage der BRD abgesichert. Das Land selbst befand sich in einem soziokulturellen Umbruch, der Folgen zeigte in einem neuen geschlechtsspezifischen Rollenverständnis wie in der veränderten Familienplanung, in der endgültigen Auflösung der sozialmoralischen Milieus wie in der Überwindung der ideologischen Lagergrenzen. Auf dieser Basis wurden in den 60er Jahren nicht nur entscheidende politische Neuansätze und Reformen in Angriff genommen. Darüber hinaus fand die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nun erst eine wirkliche Breitenwirkung, gerade in der damals jungen Generation, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde. Die Frage nach der Identität der Bundesrepublik drängte sich immer stärker in den Vordergrund.1 Analog dazu erschien das Datum des Berliner Mauerbaus nachträglich als der „heimliche Gründungstag der DDR“ (Dietrich Staritz). Das Ende der Nachkriegszeit war gekommen. Für die Bundesrepublik bedeutete dies die „Selbstanerkennung ... als westliche Demokratie“ (Klaus Schönhoven).2 Der Prozeß der Identitätsfindung beider deutscher Staaten, nicht der politische Akt des 13. August 1961 für sich genommen, bildete die Zäsur in der Geschichte Deutschlands zwischen Teilung und Wiedervereinigung.3
Wolfgang R. Krabbe

5. Das Jahrzehnt der Ideologien: die 70er Jahre

Zusammenfassung
Je mehr sich die drei1 großen Bundestagsparteien von weltanschaulichen Fixierungen lösten und von pragmatischen Gesichtspunkten leiten ließen, desto stärker wandten sich ihre Nachwuchsorganisationen politischen Doktrinen zu. Das begann in den 60er Jahren und erreichte in den 70ern seinen Höhepunkt. Jungsozialisten und Jungdemokraten drifteten von ihren Mutterparteien ab, indem sie sich ideologisch aufluden, und selbst die Junge Union profilierte sich gegenüber der CDU/CSU, indem sie theoretischer Reflexion und programmatischer Erneuerung ein ungleich größeres Gewicht beimaß, als man es von ihr bisher gewohnt war.
Wolfgang R. Krabbe

6. Vom „Rekrutendepot“ zur politischen Alternative — ein Resümee

Zusammenfassung
Die Partei-Jugendverbände der drei wichtigsten Bundestagsparteien entwickelten sich im Schlepptau der nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland neu gegründeten politischen Parteien. In Kontinuität zu ihren Vorläufern in der Weimarer Republik, vielleicht auch in Analogie zu ähnlichen Verbänden des westlichen Auslandes sollte ihre Aufgabe darin bestehen, in der jungen Generation um Sympathisanten, Wähler und Mitglieder zu werben und für die eigene Partei die notwendigen Nachwuchskräfte heranzubilden. Die Parteijugend ist mit ihrer Mutterpartei institutionell mehr oder minder stark verbunden, je nachdem die Konnexion von den Parteistatuten oder von den Satzungen des Jugendverbandes determiniert wird. Die Bandbreite des Abhängigkeitsverhältnisses reicht von der Konstruktion der parteiinternen Arbeitsgemeinschaft, die beispielsweise die Jungsozialisten streng an die Direktiven der SPD fesselt, bis zur Konstruktion des parteiexternen Verbandes, wie sie z.B. den Jungdemokraten organisatorische Unabhängigkeit und politische Selbständigkeit gegenüber der FDP gewährt. Parteijugend umfaßt Mitglieder heterogener Alterskohorten von der noch nicht wahlberechtigten Jugend in der Mitte des zweiten bis zu jungen Erwachsenen in der Mitte des vierten Lebensjahrzehnts. Von den Jugendlichen weitgehend abgeschlossen, waren es vor allem die jungen Männer zwischen 25 und 35 Jahren, die bis etwa 1980 das Profil der Partei-Jugendorganisationen prägten.
Wolfgang R. Krabbe

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