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30.07.2018 | Personalentwicklung | Im Fokus | Onlineartikel

Banken brauchen weniger Mitarbeiter, aber mehr Spezialisten

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Im Bankensektor fallen immer mehr Jobs weg. Wie eine aktuelle Beschäftigtenerhebung ergab, belief sich der Rückgang im Jahr 2017 auf 3,8 Prozent. Allerdings bleiben hochqualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht.

Die Digitalisierung in der Finanzbranche führt dazu, dass immer mehr einfache Tätigkeiten in den Abwicklungs- und Service-Einheiten wegfallen. Besonders deutlich ist das private Bankgewerbe betroffen. Hier sank die Zahl laut aktueller Beschäftigtenerhebung (PDF) um 4,8 Prozent auf rund 158.100 Beschäftigte zum Jahresende 2017.  Wie der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) aktuell mitteilt, spiegele sich in dieser Entwicklung der anhaltende Umbau der Geschäftsmodelle der Institute wider. Zuvor war vor allem infolge der Restrukturierung des Filialgeschäfts Personal bei den Banken abgebaut worden. Bereits im Jahr 2016 hatte sich die Beschäftigtenzahl um 2,9 Prozent verringert. Aktuell liegt sie bei 586.250.

Beim Blick auf die verschiedenen Bankengruppen und Geschäftsmodelle zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Personalaufbau gab es in der Gruppe der Privatbankiers, bei einigen Hypothekenbanken und bei Direktbanken, während die Beschäftigung vor allem in den Groß- und Spezialbanken rückläufig war. Bei den Regionalbanken und den privaten Bausparkassen blieb der Personalstand weitgehend stabil.

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Hochqualifizierte Experten sind gesucht

Auf der anderen Seite steige der Bedarf an hoch qualifizierten Beschäftigten, die an der Schnittstelle zwischen IT und Bankgeschäft neue Produkte und Prozesse gestalten. Dabei sind zunehmend auch Experten außerhalb des klassischen Bankgeschäfts gefragt, etwa aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Desweiteren benötigen die Kreditinstitute personelle Verstärkung durch Spezialisten für Regulierung, Compliance und verschiedene Kontrollfunktionen

Zwar können Neueinstellungen in diesen Bereichen den aktuellen Personalabbau nicht ausgleichen. Dennoch bieten sich gerade Finance-Fachkräften derzeit gute Chancen auf einen Job. Die Zahl der Stellenausschreibungen im 1. Quartal 2018 ist gegenüber dem Vorquartal laut des aktuellen Fachkräfte-Index von Hays um 22 Punkte auf einen Indexwert von 157 Punkte gestiegen. Dieser Wert ist laut Hays der mit Abstand höchste im gesamten Referenzzeitraum seit 2015. 

Doch wie finden Finanzdienstleister die passenden Experten zum Beispiel für dringende IT-Projekte? "Wichtig ist vor allem, genau zu wissen, welche Skills die gesuchte Person mitbringen sollte. Manche Stellenausschreibungen im IT-Bereich lesen sich wie die berühmte Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau", erklärt Christiane Schäfter, Senior Director Delivery Management beim Personaldienstleister Allgeier Experts, im Interview zur aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarkts für IT-Fachkräfte in der Zeitschrift "Wirtschaftsinformatik & Management", Ausgabe 1/2018. Die Expertin empfiehlt daher, den gesamten Prozess von der Ausschreibung bis zur Auswahl in enger Abstimmung mit Fachexperten durchzuführen. "Diese können aus dem eigenen Unternehmen, etwa der IT-Abteilung, kommen oder aber externe Dienstleister mit dem entsprechenden Markt-Know-how sein."

Internes Know-how mit externem Expertenwissen koppeln

Passende Fachleute ausschließlich innerhalb des Unternehmens zu rekrutieren oder weiterzubilden, hält Markus Ley, Vorstand bei Allgeier Experts, im Interview nur für begrenzt möglich: "Die meisten IT-Abteilungen sind bereits mit ihren Kernaufgaben voll ausgelastet. Zudem ist das vorhandene Wissen im Unternehmen aufgrund der Komplexität moderner Digitalisierungsprojekte oftmals nicht ausreichend." Moderne IT-Projektteams bestünden heute häufig aus einem festen Stamm an internen Mitarbeitern, die bedarfsorientiert durch externe Experten und Fachkräfte ergänzt beziehungsweise unterstützt werden. Für Markus Ley liegen die Vorteile dieser Arbeitsweise auf der Hand: 

Die Zusammenarbeit fördert den Austausch von Ideen, schafft frische Impulse von außen und sorgt gleichzeitig für einen effektiven Wissenstransfer nach innen."

Und seine Kollegin Christiane Schäfter weiß noch einen Grund für die Problematik, gute Fachleute zu gewinnen: "Zu guter Letzt ist eine realistische Einschätzung des Marktes erforderlich. Gerade heiß begehrte Top-Spezialisten arbeiten vor allem projektspezifisch und sind meist nicht für eine Festanstellung zu gewinnen."

Weniger Auszubildende im Bankensektor

So haben Banken vielleicht die Chance, über die Ausbildung von jungen Mitarbeitern künftige Stellen mit den passenden Experten zu besetzen. Doch auch hier verweist der AGV Banken auf rückläufige Zahlen: Die Ausbildungsquote, also die Zahl der Auszubildenden im Beruf Bankkauf-mann/-frau im Verhältnis zum Stammpersonal, folgt der Gesamttendenz und ist 2017 auf 3,8 Prozent (Vorjahr: 4,3 Prozent) gesunken. Dabei könnten Finanzdienstleister durchaus über diesen Weg entsprechend qualifizierte Fachkräfte entwickeln, erklärt Springer-Autorin Beate Christophori im Buchkapitel "Ausbildungsmanagement als Teil der Personalentwicklung" (Seite 60). "Ausbildung ist dabei eine langfristige Investition in den eigenen Fachkräftebedarf. Es gilt, geeignete Bewerber zu finden und ihr Potential zu entfalten. In diesem Prozess kommt der Personalentwicklung (PE) eine Schlüsselfunktion zu."

Bei Einbeziehung aller Ausbildungsformen wie duale, ausbildungs- oder praxisintegrierte Studiengänge beträgt die Ausbildungsquote immerhin 4,8 Prozent (Vorjahr: 5,3 Prozent). Sie liege laut Verband damit im Vergleich zu anderen Bankengruppen und zur Gesamtwirtschaft weiterhin auf einem guten Niveau. Zugleich haben einige Institute die Zahl ihrer Trainees deutlich erhöht und bieten damit bessere Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen.

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