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08.03.2021 | Personalentwicklung | Kommentar | Onlineartikel

So handeln Führungskräfte trotz Corona-Krise integer

Autoren:
Dr. Anne Glöggler, Dr. Peter Hügelmeyer
3:30 Min. Lesedauer

"Unternehmen gerettet, aber auf Kosten der Beschäftigten", ist keine wünschenswerte Bilanz am Ende der Corona-Krise. Auch in Krisenzeiten dürfen Chefs ihre Mitarbeiter nicht vergessen, so Anne Glöggler und Peter Hügelmeyer. Wie sie trotz Krise integer bleiben.
 

In der jetzigen Corona-Situation fühlen sich viele Mitarbeitende von ihren Führungskräften oft nicht ausreichend und nicht offen informiert, auch nicht fair behandelt. Kurzarbeit, die Streichung variabler Vergütungen, Umstrukturierungen, die Wahrnehmung mancher Chefs nur noch als ausführendes Organ der Geschäftsführung ohne eigene erkennbare Position, tragen zu dieser Einschätzung bei.

Integres Handeln von Führungskräften heißt dreierlei: Zum einen, dass Reden und Handeln übereinstimmen. Zum anderen, dass fair zwischen den legitimen Interessen des Unternehmens und den Interessen der Mitarbeitenden abgewogen wird und als drittes kommt hinzu, dass die Mitarbeiterentwicklung verantwortungsvoll erfolgt: derzeit mit dem Fokus auf Marktfähigkeit und nicht nur für Karriere und Beförderung.

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Erfolgreiches Leadership durch Persönlichkeit und Werte

Mitarbeiter- und Unternehmensführung ist von Zielkonflikten, Veränderungen und Mehrdeutigkeiten geprägt. In dieser komplexen Situation ist Integrität der Schlüsselbegriff für erfolgreiches Leadership. Eine integre Führungspersönlichkeit reflektiert ihre Werte regelmäßig und hinterfragt ihre Haltung und ihre Handlungen.

1. Wahrhaftige Kommunikation statt Ungewissheit

Integres Reden bedeutet, dass keine Versprechungen gemacht werden, die nicht haltbar sind. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind erwachsene Menschen, denen man die Wahrheit zumuten kann. Und dazu gehört, dass es derzeit viele Variable gibt und genaue Planungen nicht möglich sind. Unangenehme, aber konkrete Wahrheiten sind in der Regel leichter zu akzeptieren als Ungewissheiten, schwankende Positionen und erkennbare Salami-Taktiken. Auch das bewusste In-Watte-Packen ist nichts anderes als ein Kleinhalten und Nicht-ernst-Nehmen. Sich in die Lage der Mitarbeitenden empathisch hineinzuversetzen und mit ihnen gemeinsam diesen ungewissen Weg zu gehen, das ist jetzt angesagt.

2. Trotz wirtschaftlicher Zwänge fair bleiben

Wenn ein Unternehmen insolvent wird, verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz. Diese Tatsache darf aber nicht als Totschlagargument missbraucht werden. Manche Einschränkungen sind der Belegschaft durchaus zuzumuten. Es kann allerdings nicht sein, dass die schwächsten Glieder der Kette am Ende die gesamte Last tragen müssen. Hier ist Solidarität gefragt. 

Ein sehr großes Herren-Modehaus im Zentrum von München hat sich beispielsweise schon im Sommer auf die zweite Corona-Welle vorbereitet. Da bei einem erneuten Lockdown Provisionen bei Verkäufern wegfallen, die auch staatlicherseits nicht kompensiert werden, wurden dafür bereits im Vorfeld Lösungen gefunden. Das Hauptziel bestand darin, die vorhersehbaren Lasten fair zu verteilen und die Arbeitsplätze zu erhalten. 

Es muss nicht alles bleiben, wie es war, manche jetzt erzwungene Veränderungen erweisen sich im Nachhinein vielleicht sogar vorteilhaft, aber derzeit muss erst einmal die Belastung durch den Lockdown bewältigt werden. In diesem Kontext ist das Gejammer mancher, die im öffentlichen oder pädagogischen Bereich mit guten Gehältern auf unkündbaren Stellen sitzen, weder angemessen noch nachvollziehbar.

3. Mitarbeiter weiterbilden und marktfähig erhalten

Die dritte Komponente integren Handelns ist eine situationsangepasste Mitarbeiterentwicklung. Kein Arbeitgeber kann heute eine sichere Prognose zur Sicherheit von Arbeitsplätzen machen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise sind überhaupt noch nicht absehbar. Vermutlich werden sich in vielen Bereichen auch die Jobprofile und die Anforderungen ändern. 

Eine verantwortungsvolle Führungskraft sollte sich in der derzeitigen Situation dafür einsetzen, dass die Mitarbeitenden Weiterbildungsangebote nutzen können, die sie marktfähig zu halten. Wenn ich als Chefin oder Chef nicht für die Sicherheit von Jobs sorgen kann, ist es vielleicht möglich, einen Beitrag zu leisten für den Fall der Fälle, dass Mitarbeitende entlassen werden müssen. 

Diese sollten zum Beispiel moderne Kommunikations- und Arbeitstechniken beherrschen, um nach der aktuellen Krise baldmöglichst wieder eine adäquate Beschäftigung zu finden. Gerade jetzt in der aktuellen Druckphase denken jedoch viele Führungskräfte als letztes an Mitarbeiterförderung, obwohl es in vielen Bereichen dafür jetzt Zeit gibt durch die veränderten Bedingungen. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass die Geschäftsführung oder das Board auch in solchen Kategorien denkt und die Bedürfnisse von Mitarbeitenden ernst nimmt, werden sie auch engagiert bereit sein, aktuelle Lasten mitzutragen und kreativ nach guten Lösungen für alle zu suchen.

Der Ansatz von integrer Führung kann also gerade in der aktuellen Corona-Krise ein Erfolgsfaktor werden. Zu denken, jetzt müssen wir erst einmal die Firma retten und dann kümmern wir uns wieder um die Mitarbeitenden, ist zu wenig: Beides muss Hand in Hand gehen.

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