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16.11.2017 | Personalentwicklung | Im Fokus | Onlineartikel

Frauen meiden den Wettbewerb

Autor:
Marion Mink

Weibliche Vorbilder in Führungspositionen sind hilfreich, damit sich Frauen mit dem Konkurrenzdenken identifizieren. Mit dem Streben nach Macht tun sich die meisten dennoch schwer, hat ein Forscherteam der Universität Mannheim herausgefunden.

Frauen in Führungsposition sind Mangelware. Lediglich drei von zehn Vorgesetzte in Deutschland sind weiblich. Eine Ursache könnte darin liegen, dass Frauen den Wettbewerb sowie das Ausfahren der Ellenbogen meiden. Schuld daran sind die wenigen weiblichen Vorbilder in vergleichbaren Positionen. In den USA arbeiten von 47 Prozent aller weiblichen Beschäftigten nur 14 Prozent als Topmanager. In Deutschland machen Frauen je nach Größe des Unternehmens zwischen drei und 20 Prozent der Führungsetage aus. Im Deutschen Bundestag sind nur ein Drittel der Abgeordneten weiblich. Da helfen auch Förderprogramme und hervorragende Bildungs- und Berufsabschlüsse nicht weiter.

"Dabei steht die deutsche Wirtschaft vor ernsten Herausforderungen, die eine Vernachlässigung weiblicher Talente nicht zulassen. Mit zunehmender demographischer Überalterung und entsprechend sinkendem Arbeitskräfteangebot nimmt der Wettbewerb der Unternehmen um hochqualifiziertes Personal zu. Es gilt, Potenziale von Frauen zu erkennen und zu nutzen und insbesondere in Führungsetagen nicht auf Kompetenzen und Vielfalt zu verzichten“, wie Springer-Autorin Jeannette Trenkmann in einer Einführung zum Thema auf Seite 2 hinweist.

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Frauen bevorzugen eine gerechte Entlohnung

Ein Forscherteam der Universität Mannheim um die Finanzprofessorin Dr. Alexandra Niessen-Rünzi untersuchte in einer Studie mit dem Titel "The impact of role models on women’s self-selection in competitive environments" (PDF) das Wettbewerbsverhalten von Frauen. Dazu ließen sie 500 US-amerikanische Männer und Frauen möglichst viele Kopfrechenaufgaben am Stück lösen.

Im Anschluss stellten die Forscher beiden Geschlechter die gleiche Frage: Wollen Sie nach Leistung bezahlt werden oder soll nur der Beste eines Wettbewerbs Lohn erhalten? Das Ergebnis war eindeutig. Wesentlich mehr Männer entschieden sich für die Wettbewerbsentlohnung. Frauen bevorzugen es gerecht und ziehen für sich eine Bezahlung nach Leistung vor. Selbst männliche Probanden, die schlechte Rechenergebnisse erzielten, bevorzugten den Wettbewerb.

Erfolgreiche Frauen motivieren Geschlechtsgenossinnen

In der nächsten Runde bekamen die Probanden Videos von erfolgreichen Frauen aus verschiedenen Sparten präsentiert. So berichtete unter anderem in einem Film die US-Tennisspielerin Serena Williams von ihrer Erfolgsgeschichte. Sie betonte in dem Video, wie toll es sich anfühlt zu gewinnen. Im Anschluss an diesen Film entschieden sich mehr Frauen für den Wettbewerb.

Männliche Vorbilder lösen in der Damenwelt das Gegenteil aus. Die Erfolgsgeschichte des Schweizer Tennisprofi Roger Federer bewirkte bei Frauen, dass noch weniger die Wettbewerbsituationen vorzogen. Männer hingegen lassen sich weder von männlichen noch von weiblichen Vorbildern diesbezüglich beeinflussen.

Frauen streben nicht nach Macht

Die Frage, warum weniger Frauen in Führungspositionen arbeiten, beschäftigt die Wissenschaft. Eine Forschergruppe der Universitäten Frankfurt am Main, Hamburg und Bochum untersuchte die Machtmotivation von Frauen. Dazu interviewten sie 1.500 Frauen und Männer aus unterschiedlichen Branchen, sowie Studierende. Die Forscher befragten die Probanden, ob sie gerne Anweisungen geben, Verantwortung für Entscheidungen tragen oder Einfluss nehmen wollen. Diese Eigenschaften gehören zur Grundausstattung von Führungspositionen. Das Ergebnis ist nicht verwunderlich. Frauen halten sich in allen Punkten hinter den Männern zurück. Typische Verhaltensweisen von Führungskräften, wie Anordnungen erteilen, delegieren und dominieren, lehnt das so genannte schöne Geschlecht ab oder findet es nicht erstrebenswert.

Es mangelt an weiblichen Vorbildern

Wie erklärt sich die feminine Unlust zum Führen? Die Forschung sieht als einen Hauptgrund fehlende weibliche Vorbilder in vergleichbaren Positionen. Die Führung anderer Menschen zählt nach wie vor nicht zum weiblichen Rollenbild. Sie gilt als Männerdomäne. Der Archetyp einer Führungskraft ist wettbewerbsorientiert, selbstsicher sowie wegweisend und entspricht mit diesen Eigenschaften den klassisch männlichen Verhaltensweisen.

"Der notwendige kulturelle und gesellschaftliche Wandel kann nachhaltig nur vollzogen werden, wenn immer mehr Frauen auf dem Karrierepfad von 'unten nach oben' erfolgreich sind. Dies wird auch einen positiven Effekt auf die zukünftige Verweildauer von Frauen in Vorstandsetagen haben. Frauen in Toppositionen werden so langfristig Realität und eine Selbstverständlichkeit", betont Springer-Autorin Barbara Lutz im  Buchkapitel "Mehr Frauen in Führung sind machbar“ (Seite 290).

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