Zum Inhalt

Schlechte Employee Experience lässt Aktienkurs sinken

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …

Unternehmen sollten in der Krise das Mitarbeiterwohl keinesfalls vergessen. Denn eine schlechte Employee Experience führt bei börsennotierten Unternehmen zu Kursverlusten. Insbesondere der Zugang zu Informationen und Anerkennung spielen eine Rolle.
 

Das Investment in das Wohl der Beschäftigten lohnt, denn es kann den Aktienkurs positiv beeinflussen.


Employee Experience und Wellbeing haben in der Pandemie einen große Aufmerksamkeitsschub in Unternehmen erfahren. Gründe dafür sind der viel zitierte Big Quit, bei dem zahlreiche Beschäftigte auf Sinnsuche den Arbeitgeber wechselten, und die wachsende Bedeutung von gezieltem Gesundheitsmanagement. 

Die Belegschaft finanziell, emotional, physisch und sozial zu unterstützen zahlt dabei allerdings nicht nur auf die Mitarbeiterbindung und -motivation ein, sondern kann auch den Aktienkurs eines Unternehmens beeinflussen, ergibt eine Studie von Culture Amp. Der Anbieter für Personalsoftware hat dafür das Mitarbeiterengagement von insgesamt 553 börsennotierte Unternehmen aus seinem Kundenkreis zwischen 2017 und 2023 analysiert. 

Empfehlung der Redaktion

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Workplace Experience: Hintergründe, Konzept und Umsetzung

Workplace Experience baut auf verschiedenen Ansätzen zu "experience" (brand, customer, user and employee experience) auf. Diese Ansätze fokussieren das subjektive Erleben von Menschen, die in bestimmten Situationen mit Objekten oder Services interagieren.

Mieser Informationsfluss beeinflusst Aktienkurs besonders

Demnach schnitten Unternehmen, die hohe Bewertungen bei der Frage "Die Informationen, die ich benötige, um meine Arbeit effektiv zu erledigen, sind leicht verfügbar" aufwiesen, bei der Aktienentwicklung in den folgenden sechs Monaten um durchschnittlich 9,2 Prozent besser ab als Firmen mit niedrigen Bewertungen. 

Auch wenn es um Anerkennung, Wertschätzung und Fairness geht, profitieren Unternehmen unter Umständen mit einer besseren Kursentwicklung. So zeichnete sich bei börsennotierten Firmen mit guten Bewertungen bei der Frage "Meine Arbeitsleistung wird fair bewertet" ein um 5,9 Prozent besserer Börsentrend ab als bei Firmen, die auf diesem Gebiet weniger positiv bewertet wurden. 

Weitere Faktoren, welche die Mitarbeitererfahrung wesentlich beeinflussen, sind laut Analyse Rollenklarheit, Vertrauen in das Unternehmen und wie die Ressourcenverteilung durch Führungskräfte von den Mitarbeitenden wahrgenommen wird.

Employee Experience entscheidend für Unternehmenserfolg

Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen zur Employee Experience konnten das Wachstum des Aktienkurses eines Unternehmens sechs Monate im Voraus vorhersagen.



"In wirtschaftlich unsicheren Zeiten können Führungskräfte versucht sein, die Prioritäten für Vorhaben in Bezug auf Mitarbeitende und Unternehmenskultur hintenanzustellen. Unsere jüngsten Daten zeigen jedoch, dass dies zum Eigentor werden kann", warnt Arne Sjöström, Lead People Scientist bei Culture Amp, angesichts der Analyseergebnisse. Die Investition in eine bessere Employee Experience sei daher nicht nur "nice to have", sondern entscheidend für den Unternehmenserfolg. 

Für gute Erlebnisse im Job sorgen

Auch Dale-Carnegie-Geschäftsführer Deutschland, Uwe Göthert, sieht die Summe aller Erfahrungen, die ein Arbeitenhmer mit seinem Unternehmen sammelt, als wichtige strategische Priorität gegen den Big Quit an. 

"Der Schlüssel liegt in der konsequenten Optimierung der Employee Experience. Sie sollte ab sofort ganz oben auf der Agenda stehen. Gute Erlebnisse im Job führen zu höherer Einzelleistung, da sich Akteure geschätzt und mit dem Arbeitsplatz verbunden fühlen. Motivation und Verständnis steigen und somit auch Engagement, Leistung und Verweildauer.

Was Göthert in der Zeitschrift "Wissensmanagement" (Ausgabe 5/2022) schreibt, lässt sich auch auf die Korrelation Miterfahrungen und Börsenkurs beziehen. Die Erfolgsformel lautet seiner Ansicht nach: "Je positiver das Mitarbeiterer­lebnis, desto engagierter die Arbeitsgemeinschaft. Wie bei einer durchdachten Customer Journey sollten bei der Employee Experience bei sämtlichen Kontaktpunkten im Betrieb die Gefühle der Fachkräfte im Mittelpunkt stehen." 

Neben Anerkennung und Feedback spielen dabei Ressourcen, Netzwerke, vertrauensvolle Beziehungen und Weiterbildung eine Rolle. Allerdings sollten Führungskräfte vor dem Hintergrund der Studienergebnisse auch das Wissensmanagement und den Informationsfluss im gesamten Unternehmen verbessern sowie gegebenenfalls einen fairen Prozess für Performance-Management sicherstellen, so Arne Sjöström.

New-Work-Struktur-Clusterung als Ansatz

Für Unternehmen, die in ihrer Belegschaft für bessere Mitarbeitererlebnisse sorgen wollen, empfiehlt Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, eine New-Work-Struktur-Clusterung. Diese sei für die Logik von Employee Experience besonders geeignet, schreibt sie in einem Buchkapitel zum Thema auf Seite 77. Diese umfasst vier Cluster/Bereiche:

  • Mensch und Organisation (People Management)
  • Prinzipien und Regeln (Sustainability, Recht)
  • Technologien und Daten (Analytics)
  • Raum und Plattform (Workplace)

Mitarbeitende mit dem entsprechenden Spezialisten-Know-how sind innerhalb dieser Cluster tätig und bearbeiten dem Bereich entsprechende Aufgaben und clusterinterne Prozesse. Sie sind zudem die Wissensträger in den Clustern sowie "die Quellen beziehungsweise der Pool für die agilen, interdisziplinären Teams, die übergreifende/crossfunktionale Aufgaben und Prozesse bewältigen." Somit bilden die Cluster "für die jeweiligen Themengebiete die Kompetenzheimat. Denn viele Mitarbeitenden brauchen eine Heimat für ihr Gefühl von Zugehörigkeit."

print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Big Quit: Employee Experience als strategische Priorität

  • Human Resources

Die Pandemie hat die Kündigungsraten in die Höhe schnellen lassen. Der Zeitpunkt für eine solche Entwicklung ist denkbar ungünstig, denn der „Big Quit“ trifft auf ein weiteres Phänomen: den wachsenden Fachkräftemangel. An allen Ecken und Enden …

Employee Experience – Ein multiperspektivischer Ansatz

Die Unternehmenspolitik der Zukunft ist nicht zuletzt gekennzeichnet durch das Streben nach Ambidextrie, d. h. nach der Fähigkeit, neuartige und inkrementelle Innovationen gleichzeitig in der Organisation zu verfolgen. Diese sehr komplexe und …

Employee Engagement and the Employee Experience

An engaged employee achieves above average levels of productivity and contributes significantly to team effectiveness; an engaged team is a source of unit or departmental efficiency; but an engaged workforce is a potential source of organisation wide competitiveness and strategic advantage.

Neue Prozesse für eine bessere Employee Experience

  • Titelthema

Noch lässt uns die anhaltende Pandemie nicht an “Normalität” denken. Dennoch sollten sich Unternehmen bereits jetzt damit befassen, wie sie den Arbeitsalltag für ihre Belegschaft nach der Rückkehr an den gewohnten Arbeitsplatz bestmöglich …

    Bildnachweise
    Aktienkurs /© Nuthawut / stock.adobe.com, Schmalkalden/© Schmalkalden, NTT Data/© NTT Data, Verlagsgruppe Beltz/© Verlagsgruppe Beltz, EGYM Wellpass GmbH/© EGYM Wellpass GmbH, rku.it GmbH/© rku.it GmbH, zfm/© zfm, ibo Software GmbH/© ibo Software GmbH, Lorenz GmbH/© Lorenz GmbH, Axians Infoma GmbH/© Axians Infoma GmbH, genua GmbH/© genua GmbH, Prosoz Herten GmbH/© Prosoz Herten GmbH, Stormshield/© Stormshield, MACH AG/© MACH AG, OEDIV KG/© OEDIV KG, Rundstedt & Partner GmbH/© Rundstedt & Partner GmbH, Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH