Schlechte Employee Experience lässt Aktienkurs sinken
- 26.07.2023
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Unternehmen sollten in der Krise das Mitarbeiterwohl keinesfalls vergessen. Denn eine schlechte Employee Experience führt bei börsennotierten Unternehmen zu Kursverlusten. Insbesondere der Zugang zu Informationen und Anerkennung spielen eine Rolle.
Das Investment in das Wohl der Beschäftigten lohnt, denn es kann den Aktienkurs positiv beeinflussen.
Nuthawut / stock.adobe.com
Employee Experience und Wellbeing haben in der Pandemie einen große Aufmerksamkeitsschub in Unternehmen erfahren. Gründe dafür sind der viel zitierte Big Quit, bei dem zahlreiche Beschäftigte auf Sinnsuche den Arbeitgeber wechselten, und die wachsende Bedeutung von gezieltem Gesundheitsmanagement.
Die Belegschaft finanziell, emotional, physisch und sozial zu unterstützen zahlt dabei allerdings nicht nur auf die Mitarbeiterbindung und -motivation ein, sondern kann auch den Aktienkurs eines Unternehmens beeinflussen, ergibt eine Studie von Culture Amp. Der Anbieter für Personalsoftware hat dafür das Mitarbeiterengagement von insgesamt 553 börsennotierte Unternehmen aus seinem Kundenkreis zwischen 2017 und 2023 analysiert.
Mieser Informationsfluss beeinflusst Aktienkurs besonders
Demnach schnitten Unternehmen, die hohe Bewertungen bei der Frage "Die Informationen, die ich benötige, um meine Arbeit effektiv zu erledigen, sind leicht verfügbar" aufwiesen, bei der Aktienentwicklung in den folgenden sechs Monaten um durchschnittlich 9,2 Prozent besser ab als Firmen mit niedrigen Bewertungen.
Auch wenn es um Anerkennung, Wertschätzung und Fairness geht, profitieren Unternehmen unter Umständen mit einer besseren Kursentwicklung. So zeichnete sich bei börsennotierten Firmen mit guten Bewertungen bei der Frage "Meine Arbeitsleistung wird fair bewertet" ein um 5,9 Prozent besserer Börsentrend ab als bei Firmen, die auf diesem Gebiet weniger positiv bewertet wurden.
Weitere Faktoren, welche die Mitarbeitererfahrung wesentlich beeinflussen, sind laut Analyse Rollenklarheit, Vertrauen in das Unternehmen und wie die Ressourcenverteilung durch Führungskräfte von den Mitarbeitenden wahrgenommen wird.
Employee Experience entscheidend für Unternehmenserfolg
Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen zur Employee Experience konnten das Wachstum des Aktienkurses eines Unternehmens sechs Monate im Voraus vorhersagen.
Culture Amp
"In wirtschaftlich unsicheren Zeiten können Führungskräfte versucht sein, die Prioritäten für Vorhaben in Bezug auf Mitarbeitende und Unternehmenskultur hintenanzustellen. Unsere jüngsten Daten zeigen jedoch, dass dies zum Eigentor werden kann", warnt Arne Sjöström, Lead People Scientist bei Culture Amp, angesichts der Analyseergebnisse. Die Investition in eine bessere Employee Experience sei daher nicht nur "nice to have", sondern entscheidend für den Unternehmenserfolg.
Für gute Erlebnisse im Job sorgen
Auch Dale-Carnegie-Geschäftsführer Deutschland, Uwe Göthert, sieht die Summe aller Erfahrungen, die ein Arbeitenhmer mit seinem Unternehmen sammelt, als wichtige strategische Priorität gegen den Big Quit an.
"Der Schlüssel liegt in der konsequenten Optimierung der Employee Experience. Sie sollte ab sofort ganz oben auf der Agenda stehen. Gute Erlebnisse im Job führen zu höherer Einzelleistung, da sich Akteure geschätzt und mit dem Arbeitsplatz verbunden fühlen. Motivation und Verständnis steigen und somit auch Engagement, Leistung und Verweildauer.
Was Göthert in der Zeitschrift "Wissensmanagement" (Ausgabe 5/2022) schreibt, lässt sich auch auf die Korrelation Miterfahrungen und Börsenkurs beziehen. Die Erfolgsformel lautet seiner Ansicht nach: "Je positiver das Mitarbeitererlebnis, desto engagierter die Arbeitsgemeinschaft. Wie bei einer durchdachten Customer Journey sollten bei der Employee Experience bei sämtlichen Kontaktpunkten im Betrieb die Gefühle der Fachkräfte im Mittelpunkt stehen."
Neben Anerkennung und Feedback spielen dabei Ressourcen, Netzwerke, vertrauensvolle Beziehungen und Weiterbildung eine Rolle. Allerdings sollten Führungskräfte vor dem Hintergrund der Studienergebnisse auch das Wissensmanagement und den Informationsfluss im gesamten Unternehmen verbessern sowie gegebenenfalls einen fairen Prozess für Performance-Management sicherstellen, so Arne Sjöström.
New-Work-Struktur-Clusterung als Ansatz
Für Unternehmen, die in ihrer Belegschaft für bessere Mitarbeitererlebnisse sorgen wollen, empfiehlt Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, eine New-Work-Struktur-Clusterung. Diese sei für die Logik von Employee Experience besonders geeignet, schreibt sie in einem Buchkapitel zum Thema auf Seite 77. Diese umfasst vier Cluster/Bereiche:
- Mensch und Organisation (People Management)
- Prinzipien und Regeln (Sustainability, Recht)
- Technologien und Daten (Analytics)
- Raum und Plattform (Workplace)
Mitarbeitende mit dem entsprechenden Spezialisten-Know-how sind innerhalb dieser Cluster tätig und bearbeiten dem Bereich entsprechende Aufgaben und clusterinterne Prozesse. Sie sind zudem die Wissensträger in den Clustern sowie "die Quellen beziehungsweise der Pool für die agilen, interdisziplinären Teams, die übergreifende/crossfunktionale Aufgaben und Prozesse bewältigen." Somit bilden die Cluster "für die jeweiligen Themengebiete die Kompetenzheimat. Denn viele Mitarbeitenden brauchen eine Heimat für ihr Gefühl von Zugehörigkeit."