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03.04.2019 | Personalführung | Interview | Onlineartikel

"Führungskräfte werden zum Motivator, Gesundheitsmanager, Lernbegleiter"

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Sabine Schröder-Kunz

ist Diplom-Betriebswirtin und berät Unternehmen zu altersgerechter Führung. 

Unterschiedliche Generationen zu führen, ist für Personalverantwortliche eine Mammutaufgabe, sagt Sabine Schröder-Kunz im Interview. Ein Gespräch über Generationskonflikte und die Vorteile altersgemischter Teams. 

Springer Professional: Was ist die Herausforderung beim Führen unterschiedlicher Generationen?

Sabine Schröder-Kunz: Führungskräfte sind gefordert, ihre Mitarbeiter im Wandel der Arbeitswelt mitzunehmen. In vielen Bereichen ist bereits ein Fachkräftemangel gegeben. Jeder ist wichtig. Die jüngeren und älteren bringen aber oft ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Potenziale mit. Führen bedeutet heute mehr denn je, die Lebensphase eines Mitarbeiters und damit auch seine Erfahrungen und seine aktuelle Situation in den Blick zu nehmen. Da wir zukünftig immer länger arbeiten werden, müssen sich Führungskräfte fragen, wie sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können, langfristig gesund und kompetent zu bleiben. Eine wahre Mammutaufgabe. Als Führungskraft kann man aber auch vieles bewirken und maßgeblich zu einem guten Miteinander beitragen. 

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Welche Unterschiede gibt es zwischen einzelnen Generationen in den Betrieben? Könnten Sie exemplarisch ein Beispiel nennen?

Generationen werden von der Zeit geprägt, in der sie aufgewachsen sind und so gibt es auch Unterschiede. Das Wort Work-Life-Balance kannte man früher nicht. Heute ist es bei den Jungen ein Thema. Darüber wundern sich die Älteren. Aber früher war auch nicht von Arbeitsverdichtung oder Digitalisierung die Rede. Ein weiteres Beispiel ist der Umgang mit neuen Technologien. Hier sind die Älteren tendenziell unsicherer als Jüngere. Das lässt sich mit geeigneten Lernstrategien in den Unternehmen ausgleichen. Ältere Mitarbeiter haben aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung reiches Praxiswissen. Sie können komplexe Themen gut überblicken. Dafür haben jüngeren Mitarbeiter aktuelles Theoriewissen und können Informationen schneller verarbeiten. Bei allen Unterschieden, sollte immer der Mensch in seiner Individualität betrachtet werden. 

Welche Kompetenzen sind nötig, um mit den Bedürfnissen verschiedener Generationen umgehen zu können und wie können sich Führungskräfte diese aneignen?

Das Wissen zu den verschiedenen Generationen und darüber, was Gesundheit, Kompetenz und Motivation am Arbeitsplatz erhält, ist eine wichtige Basis für altersgerechte Führung. Führungskräfte sollten sich immer wieder fragen: Was kann der Mitarbeiter leisten? Hat er in seiner aktuellen Lebenssituation die notwendigen Ressourcen, um seine Talente einzubringen? Wo benötigt er Unterstützung? Durch diese Fragen werden Führungskräfte heute zum Motivator, Gesundheitsmanager und Lernbegleiter – Rollen, denen in der Regel noch zu wenig Platz eingeräumt wird. Selbstverständlich ist jeder Mitarbeiter auch für sich selbst verantwortlich. Wir müssen zukünftig mehr über Verantwortungsschulungen nachdenken. Seminare, Vorträge und Beratungen zur generationen- und altersgerechten Arbeit können hier helfen. 

Wie können Führungskräfte die Zusammenarbeit in generationsübergreifenden Teams fördern?

Schlüsselkompetenzen für die Zusammenarbeit der Generationen sind Wertschätzung und Offenheit. Eine Führungskraft kann hierfür mit gutem Beispiel vorangehen. Sie sollten differenzierte Altersbilder, die die Vielfalt abbilden, fördern. Die Beschäftigten könnten gemeinsam überlegen, wie sie miteinander arbeiten wollen und ein Leitbild entwickeln. Auch ein intergenerationeller Workshop, in dem sich Jüngere und Ältere kennen lernen, kann hilfreich sein. Generationentandems sammeln so bereits im Vorfeld über verschiedene Alter Wissen. Arbeiten sie bereits gut zusammenarbeiten, geben sie Hilfestellung und fördern den Austausch. Wenn die verschiedenen Potenziale gut zusammen geführt und zudem die Schwächen des einen durch die Stärken des anderen ausgeglichen werden, kann die Zusammenarbeit von Jüngeren und Älteren äußerst produktiv sein.

Ein besonderes Problem: Immer häufiger sind Führungskräfte sehr viel jünger als ihre Teammitglieder. Wie wird dadurch das Generationenmanagement beeinflusst und wie können junge Führungskräfte damit umgehen?

Jeder sollte seine Bilder von den Generationen hinterfragen und versuchen, Vorurteile abzubauen. Für Ältere gilt: Auch eine junge Führungskraft kann ihren Job hervorragend machen. Umgekehrt sollte eine junge Führungskraft auch das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter annehmen und nutzen. In dieser Konstellation zeigt sich auf ganz besondere Weise, welche Herausforderungen und Chancen gegeben sind. Ich erlebe immer wieder, wie bereichernd die intergenerationelle Zusammenarbeit für alle Beteiligten ist. Da kann man nicht nur voneinander, sondern auch für das ganze Leben lernen.

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