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Über dieses Buch

Toni Sebastian Schell untersucht, ob es Personalisierungstrends bei der Wahlentscheidung der Bürger in Deutschland gibt. Dazu werden Umfragedaten zu 91 Landtagswahlen seit 1962 herangezogen. Der Autor prüft, ob sich der Einfluss der Bewertung der Spitzenkandidaten von Union und SPD auf die Wahlentscheidung in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt hat. Neben dem Einfluss des zeitlichen Kontexts, der für verschiedene Prozesse des Wandels steht, werden spezifische Kontextbedingungen der Wahlen und (quasi-)institutionelle Bedingungen der Länder berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen eine gegenläufige Entwicklung für die Personalisierung der Wahlentscheidung bei Union und SPD: Während es bei der Union eine Personalisierungstendenz gibt, sinkt bei der SPD-Wahl der Einfluss der Spitzenkandidaten auf die Wahlentscheidung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Politik ohne politisches Personal ist in einer repräsentativen Demokratie nicht vorstellbar. Und so erscheint es nur folgerichtig, dass politischem Personal seit jeher auch eine entscheidende Bedeutung beigemessen wird: „Die Personalisierung der Politik ist so alt wie die Politik selbst“ (Radunski 1980: 15). Allerdings haben sich aufgrund von unterschiedlichen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte die Bedingungen, unter denen Politik in den westlichen Demokratien stattfindet, sie wahrgenommen und über sie berichtet wird, deutlich verändert.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 2. Der sozialpsychologische Ansatz zur Erklärung des Wahlverhaltens

Zusammenfassung
Das theoretische Fundament, um das Wahlverhalten zu erklären, bildet der sozialpsychologische Ansatz. Der auch als Ann-Arbor-Ansatz oder Michigan-Modell bezeichnete Ansatz einer Forschergruppe um Angus Campbell am Survey Research Center der University of Michigan (SRC) wurde seit den 1950er-Jahren schrittweise entwickelt. Die Gruppe um Campbell schuf damit einen theoretischen Erklärungsansatz, der politische Einstellungen und Wahrnehmungen in den Fokus rückt, um das Wahlverhalten zu erklären (Campbell et al. 1954: 80).
Toni Sebastian Schell

Kapitel 3. Sozialer Wandel und Personalisierung des Wahlverhaltens in Deutschland

Zusammenfassung
Bereits in der Einleitung wurden einige der zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen angesprochen, die Personalisierungsprozesse des Wahlverhaltens befördern sollten. Diese werden nun genauer beleuchtet. Zunächst richtet sich der Fokus dabei auf den Rückgang langfristiger parteipolitischer Bindungen in der Wählerschaft: Im Zuge dieser Dealignmentprozesse sollte mehr Raum für den Einfluss kurzfristiger Faktoren entstehen.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 4. Wahlspezifische und (quasi-)institutionelle Kontextbedingungen

Zusammenfassung
Bei den beiden Personalisierungshypothesen, die in der Arbeit untersucht werden, handelt es sich um Trendhypothesen, die sich aus langfristigen gesellschaftlichen, politischen und medialen Prozessen des Wandels ableiten. Personalisierungsprozesse werden als langfristige Entwicklungen betrachtet, die Ausdrucke eines sich systematisch über die Zeit verändernden Wahlverhaltens sind. Im zentralen theoretischen Bezugsrahmen der Studie, dem sozialpsychologischen Ansatz, sollte sich eine globale Personalisierung in einem Bedeutungsgewinn der Kandidatenorientierungen zeigen.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 5. Untersuchungsmodell und Hypothesen

Zusammenfassung
Die Untersuchung von Einflüssen der Spitzenkandidaten auf die Wahlentscheidung erfolgt in der vorliegenden Studie unter Rückgriff auf ein für den landespolitischen Kontext adaptiertes Modell des sozialpsychologischen Ansatzes der Wahlentscheidung (vgl. Abbildung 2 in Abschnitt 2.6). Kern des individuellen Erklärungsmodells bilden bei den Analysen im Folgenden allerdings die ebenenübergreifende Parteiidentifikation und die landespolitischen Einstellungen. Dabei richtet sich das Interesse insbesondere auf die Kandidatenorientierungen.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 6. Datenbasis und Analysestrategie

Zusammenfassung
Die empirischen Analysen der vorliegenden Arbeit stützen sich auf Umfragedaten, die im Vorfeld der Landtagswahlen in den westdeutschen Bundesländern durchgeführt wurden. Dabei wird auf den im Rahmen des DFG-Projektes „Einfluss der Bundespolitik auf Landtagswahlen“ (Scheuch et al. 2013) erstellten Datensatz zurückgegriffen, der für den Zeitraum zwischen 1962 und 2004 verfügbare Landtagswahlstudien umfasst. Für einige Wahlen stehen dabei mehrere Studien zur Verfügung.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 7. Kandidatenvariablen und Wahlentscheidung: Modelle pro Wahl im Zeitverlauf

Zusammenfassung
Um ein möglichst breites Bild des Verlaufs der Kandidateneinflüsse zu bekommen, werden mehrere unterschiedliche Zeiträume entsprechend der verfügbaren Drittvariablen betrachtet. Die Analysen beginnen mit den Kandidatenskalometern von SPD und Union. Im Anschluss wird die Erklärungskraft der Ministerpräsidentenpräferenz für die Wahlabsicht der beiden Parteien betrachtet (Abschnitt 7.2).
Toni Sebastian Schell

Kapitel 8. Kandidatenvariablen und Wahlentscheidung in der Gesamtwählerschaft: Mehrebenenmodelle

Zusammenfassung
Die grafische Analyse der Ergebnisse der logistischen Modelle für die einzelnen Wahlen hat veranschaulicht, dass die Kandidatenvariablen die Wahlentscheidung je nach Wahl unterschiedlich gut erklären können. Mit den Mehrebenenmodellen, die im Folgenden präsentiert werden, lässt sich untersuchen, ob die Effekte der Kandidatenvariablen mit der Zeit gestiegen sind. Dabei lässt sich gleichzeitig prüfen, ob sich die durch die grafische Betrachtung als einflussreich vermuteten methodischen Bedingungen und die in Kapitel 4 präsentierten kontextuellen Faktoren auf die Effekte der Kandidatenvariablen auswirken.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 9. Kandidatenvariablen und Wahlentscheidung bei Personen ohne Parteiidentifikation: Mehrebenenmodelle

Zusammenfassung
Der Gruppe der parteipolitisch ungebundenen Wählern kommt in der Gesamtwählerschaft eine wachsende Bedeutung zu. Wie oben dargestellt, gilt der Rückgang parteigebundener Wähler zumindest für Westdeutschland als ein stabiler Befund der empirischen Forschung (vgl. Abschnitt 3.1, Arzheimer 2006, Dalton 2012, Dassonneville et al. 2012). Auch mit den der Studie zugrunde liegenden Umfragedaten lässt sich zeigen, dass der Anteil der Personen ohne Parteiidentifikation über die vergangenen Jahrzehnte gestiegen ist.
Toni Sebastian Schell

Kapitel 10. Rollennahe und rollenferne Kandidateneigenschaften

Zusammenfassung
Die bisher betrachteten Kandidatenvariablen stellen Gesamtbewertungen bzw. Präferenzen der Spitzenkandidaten dar. Die teilweise unterschiedlichen Ergebnisse für die Kandidatenskalometer und die Ministerpräsidentenpräferenzen werfen die Frage auf, ob in den beiden Globalbewertungen verschiedene Kandidateneigenschaften in unterschiedlicher Stärke repräsentiert sind. Umfasst der Kandidatenskalometer eher Sympathieurteile, die sich dem rollenfernen Spektrum zuordnen lassen, als die Ministerpräsidentenpräferenz? Oder handelt es sich beim Kandidatenskalometer um eine Vorstufe im Kausaltrichter der Entscheidungsbildung (Wagner und Weßels 2012) und die abweichenden Ergebnisse hängen mit der unterschiedlichen Nähe zur eigentlichen Wahlentscheidung zusammen?
Toni Sebastian Schell

Kapitel 11. Fazit

Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde die Frage untersucht, ob es Personalisierungstrends im Wahlverhalten der Bürger in Deutschland gibt. Hierbei wurden zwei Dimensionen von Personalisierung betrachtet: Eine globale Dimension, die einen allgemeinen Bedeutungsgewinn der Spitzenkandidaten für die Wahlentscheidung annimmt, und eine spezifische Dimension, die erwartet, dass rollenferne Kandidateneigenschaften über die Zeit an Bedeutung gewinnen. Grundlage der empirischen Analysen bildeten Vorwahlbefragungen zu Landtagswahlen in Westdeutschland, mit denen sich ein maximaler Untersuchungszeitraum von 50 Jahren zwischen 1962 und 2012 abdecken lässt. Die Analyse hat sich auf den Einfluss der Spitzenkandidaten von Union und SPD beschränkt, da diese beiden Parteien im Untersuchungszeitraum die Regierungschefs in den untersuchten Ländern gestellt haben.
Toni Sebastian Schell

Backmatter

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