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HR unter Digitalisierungsdruck

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In der Pandemiezeit kommt die Transformation plötzlich rasant voran. Doch mit der Einführung digitaler Tools für Homeoffice und virtuelle Kommunikation ist es nicht getan. Die HR-Funktion ist dabei gefragter denn je und kann sich profilieren.

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Human Resources Managements, die Mitarbeiter bei der digitalen Transformationen der Unternehmen mitzunehmen.


Die Herausforderungen des aktuellen Digitalisierungsschubs sind für den Human-Resources-Bereich (HR) groß: Einerseits kommt ihm eine Schlüsselrolle als strategischer Partner und Architekt kultureller Veränderungen in den Unternehmen zu. Andererseits muss er die Digitalisierung des Personalmanagements vorantreiben. Derart umfassend gehen aber bislang hauptsächlich Großunternehmen die digitale Transformation an. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Studie "HR in der digitalen Arbeitswelt" von F.A.Z. Business Media, für die im Sommer 2020 insgesamt 211 Führungskräfte aus dem DACH-Raum befragt sowie fünf vertiefende Interviews mit
HR-Entscheidern geführt wurden.

Überraschend ist das nicht. Schließlich ist der Grad der “Digitalisierung im Bereich Human Resources" eng mit dem Ausmaß der Digitalisierung des Gesamtunternehmens verknüpft, wie Claudia Lieske erklärt (Seite 153). Und hier hinken kleine und mittlere Unternehmen oft hinterher.

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2020 | Buch

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Digitale Tools für die Personalarbeit

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Digitale HR-Tools tragen zur Wertschöpfung bei

Dabei kann ein smartes Human Resources Management mit digitalen Tools für die Personalarbeit vielfach zur Wertschöpfung im Unternehmen beitragen, meint Springer-Autor Christian Gärtner und nennt drei Beispiele (Seite 4):

  • Neue HR-Produkte, etwa Echtzeit-Simulationen der Kosten und Nutzen von Recruiting-Kampagnen/-Kanälen oder datenbasierte Analysen, etwa zu Schlüsselpersonen des Unternehmens. 
  • Erbringung der Personalarbeit in ganz neuer Qualität, da Roboter keine Fehler machen und 24 Stunden am Tag für Fragen von Bewerbern und Mitarbeitern zur Verfügung stehen. 
  • Kosteneinsparungen, beispielsweise durch die Automatisierung standardisierter und repetitiver Prozessschritte, was jedoch nicht zwangsläufig zu Arbeitplatzwegfall, sondern nur einzelner Tätigkeiten führt und Personalkapazitäten für andere Aufgaben schafft.

HR muss Mitarbeiter bei Digitalisierung mitnehmen

Die meisten Unternehmen erkennen die Notwendigkeit der Digitalisierung und viele ihrer Vorteile an. Immerhin sagen laut der F.A.Z.-Studie rund 90 Prozent der Befragten, die Digitalisierung sei aktuell eines der wichtigsten Themen in ihrer Firma. Doch im Schnitt ist sie nur bei 22 Prozent der befragten Unternehmen auch Teil der HR-Strategie. Lediglich bei Großunternehmen gibt die Hälfte der Interviewten an, die digitale Transformation gehöre bereits zum strategischen Programm des HR-­Ressorts.

Grundsätzlich stehen im Digitalisierungskontext kul­tur-­ und mitarbeiterbezogene Aufgaben ganz oben auf der Agenda der Unternehmen – noch vor der technologischen Umsetzung. Zwei Drittel der Befragten sehen es als größte Herausforderung an, die Mitarbeitenden im digitalen Wandel adäquat zu begleiten. Dabei übernimmt der Studie zufolge die HR-Funktion im unternehmensweiten Transformationsprozess primär strategische und Change-­bezogene Verantwortung. Seit dem Pandemiebeginn ging es allerdings primär um die schnelle Lösung praktischer Digitalisierungsfragen.

Großunternehmen sind Vorreiter bei Digitalisierung

So ist nach Ansicht der Befragten die Transformation der HR aktuell besonders durch Videokonferenzen und Remote Work gepusht worden. Aber auch virtuelle Bewerbungsgespräche, E-Learning-Tools sowie mehr Investitionen in HR-Management-Software haben dazu beigetragen. Hier zeigt sich einmal mehr, dass große Unternehmen in Sachen HR-Digitalisierung Vorreiter sind: Während zum Beispiel drei Viertel der Großunternehmen virtuelle Bewerbungsgesprä­che durchführen, tun dies nur 60 Prozent der mittleren und 30 Prozent der kleinen Unterneh­men. Ähnlich sieht es bei der Beschleunigung der Prozessdigitalisierung aus. Vor allem große Konzerne haben die Digitalisierung der HR-Prozesse vorangetrieben (42 Prozent), aber nur 36 Pro­zent der mittleren Betriebe und 25 Prozent der kleinen Unternehmen.

Digitale Tools sollen Effizienz steigern

Wie die Untersuchung zudem belegt, wollen acht von zehn Befragten bis 2025 die Effizienz der Administration sowie der HR-Prozesse steigern. 52 Prozent planen demnach, mittels digitaler Tools ihre HR-Mitarbeitenden von Routineaufgaben zu entlasten und jedes zweite HR-Ressort will sein Datenmanagement verbessern. Oberste Priorität bei digitalen HR-Lösungen haben für die Befragten dabei einfache Bedienung und Datenschutz.

Bisher kommen digitale Lösungen laut der Studie vor allem in den HR-Bereichen Personalgewinnung, Weiterbildung, Personalcontrolling und Onboarding zum Einsatz, in Großunternehmen aber auch bei Talentmanagement und Leistungsbewertung. Die meistverbreiteten Digital-Tools sind derweil Videokonferenzen (83 Prozent) und Learning-Software (55 Prozent).

Viel Digitalisierungspotenzial entlang der HR-Prozesskette

Doch welche Digitalwerkzeuge sind für HR-Abteilungen am vielversprechendsten? Springer-Autorin Claudia Lieske zeigt auf, wo das größte Digitalisierungspotenzial entlang der HR-Prozesskette liegt (Seite 154 ff.):

HR-Bereiche mit dem größten Digitalisierungspotenzial

Bereich

Digitale Tools

Personaladministration


  • Automatisierung standardisierter Prozesse
  • Digitale Personalakte
  • Employee- oder Management Self Services
  • Workflow-Embedded Apps

Personalcontrolling und Performance Management

  • Algorithmenbasierte People Analytics, z.B.: Bewerberanalysen, Mitarbeiterbindung, Maschinen- und Mitarbeiterprofile
  • Leistungsbewertung/Feedback durch selbstlernende Algorithmen
  • Personalcontrolling mittels Gamification
  • Passgenaue Personalentwicklung mittels Learning Analytics
  • Einbeziehung/Verarbeitung von Personaldaten aus externen Netzwerken wie Xing oder Linkedin

Zu beachten sind hier unbedingt Mitbestimmung und Datenschutz!

Personalmarketing und Recruiting

  • Bereitstellen von Digital-Content auf der Unternehmenswebsite und in sozialen Medien für Employer Branding
  • Einsatz von Digitaltools wie etwa Virtual-Reality-Brillen bei Personalevents
  • Virtuelle Karrieremessen/-tage
  • Recruiting via Online-Jobbörsen und mithilfe von Suchstrings in Karrierenetzwerken
  • Einsatz von KI bei Stellenausschreibungen, -priorisierungen, Personalauswahl, Bewerberanalysen
  • Chatbots für Bewerberfragen
  • Digitale Systeme für Interviewkoordination
  • Online-Assessment-Center

Zu beachten sind ethische und datenschutzrechtliche Aspekte!

Personalentwicklung und Change Management

  • E-Learning, z.B. durch Web Based Training und Virtual Classrooms
  • Micro Learning und Mobile Learning direkt am Arbeitsplatz
  • Content Sharing, z.B. durch Wiki-Anwendungen
  • Virtual und Augmented Reality sowie Wearables, um Wissensvermittlung erlebbar zu machen und dabei Arbeits- und Lernumgebung zusammenzuführen
  • Digitale Talenteprogramme
  • Datenauswertung für passgenaue Fort-/Weiterbildung (Smart Human Resource Management)
  • Virtuelle Führung und Design Thinking


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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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