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31.05.2018 | Personalmanagement | Interview | Onlineartikel

"Personalumbau 4.0 ist kein Tabuthema mehr"

Autor:
Anne Steinbach

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​​​​​​​Personal geht, Personal kommt, Personal wird verschoben. In etlichen Unternehmen kommt es zu Personalabbau und Personalumbau. Welche Schwierigkeiten darin liegen, erklärt Expertin Anja Schauenburg von der Beratungsfirma "Die Personalumbauer".

Springer Professional: Sie nehmen beim Turnaroundkongress an der Podiumsdiskussion zum Thema "Wie Unternehmer und Berater heute gut beraten sind" teil. Was ist denn heute anders, als damals? Und wann war damals?

Anja Schauenburg: Heute ist das Thema Personalumbau und Personalabbau kein Tabuthema mehr, so wie vor ein paar Jahren. Dazu kommt, dass es heute immer unglaublich schnell gehen muss. Innerhalb des Prozesses in Richtung Personalumbau und Personalabbau darf in der heutigen Zeit nicht gezögert, sondern muss schnell gut und realistisch gehandelt werden. Zudem ist es sehr wichtig, das Problem ganzheitlich zu betrachten, denn jede Strukturänderung innerhalb des Personals hat Einfluss auf das gesamte Unternehmen.

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Was sind die wichtigsten Aspekte einer guten Beratung?

Zunächst geht es um das Zuhören und das Verstehen. Bei jedem Personalumbau und Personalabbau sollten die Kultur, die Werte und das Image des Unternehmens festgestellt werden.

Auch die Auftragsklärung ist wichtig, denn es muss geklärt werden, was sich das Unternehmen genau vom Personalumbau erhofft. Eine starke Personalabteilung ist für einen solchen Prozess unabdingbar.

Und was passiert mit den Mitarbeitern?

Wir tun nicht nur etwas für die Mitarbeiter, die gehen, sondern auch für das Personal, das weiterhin im Unternehmen tätig ist. Das nennen wir ganzheitliche Betrachtung. Die bleibenden Mitarbeiter benötigen eine Vision, ein neues Ziel und vor allem Unterstützung nach dem Personalumbau oder Personalabbau.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen?

Das finale Angebot, das wir als Personalumbauer an das Unternehmen stellen ist ein passgenaues Angebot, das vollständig an den Unternehmenswerten orientiert sein.

Dazu ist der Aspekt der Komplementärberatung wichtig. Ein guter Austausch mit Sanierern oder Insolvenzverwaltern, die selbst im Unternehmen sitzen und an der Umstrukturierung beteiligt sind, ist für den gesamten Prozess wichtig. In all unseren Prozessen sind wir bemüht, eine hohe Agilität und Flexibilität zu versichern.

Was beinhaltet eine sinnvolle Personalveränderung?

Es sollten natürlich keine Mitarbeiter entlassen werden, deren Kompetenzen noch weiterhin im Unternehmen notwendig sind. Wir müssen uns dementsprechend am Anfang fragen, welche Kompetenzen für die Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten im Unternehmen der Zukunft benötigt werden und welche Vision hinter dem Personalumbau und der Personalveränderung steckt. 

Wo genau möchte das Unternehmen danach stehen? 

Dafür benötigen wir immer eine klare Auftragslage und vor allem eine gute Vorbereitung. Nicht vergessen sollte man eben auch die Mitarbeiter, die nach einem Personalumbau im Unternehmen verbleiben. Hier muss klar festgelegt werden, welchen Tätigkeitsbereich die Mitarbeiter nach dem Umbau übernehmen werden, dass sie sich mit diesen Aufgaben identifizieren und was genau sich für sie in Zukunft ändern wird.

Und wie kann dann das Unternehmen selbst handeln?

Das Unternehmen selbst sollte eine klare Veränderungsbotschaft zu definieren. In dieser sollte verständlich erklärt werden, was genau hinter dem Umbau und Abbau steckt und welche Folgen er mit sich bringen wird. 

Dafür sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Warum gibt es einen Personalabbau und Personalumbau? 
  • Welche Vision verfolgt das Unternehmen mit dem Personalabbau und Personalumbau? 
  • Wer wird von der Veränderung betroffen sein? 
  • Wie läuft der Prozess der Personalveränderung ab? 
  • Was sollte das Unternehmen unbedingt beachten, um einen Personalumbau erfolgreich zu realisieren? 

Worauf kommt es beim Prozess vom Personalumbau und Personalabbau an?

Wichtig ist, dass der gesamte Prozess transparent verläuft. Außerdem sollten gute und gestärkte Führungskräfte hinter der Veränderung stehen und diese von Anfang bis Ende unterstützen. Die Führungskräfte haben einen entscheidenden Hebel und zwar sowohl in eine positive Richtung, als auch in eine negative Richtung.

Auch ist ein gutes Projektmanagement wichtig. Dieses sollte einen Kommunikationsplan enthalten und eine Stakeholder-Analyse. Zu guter Letzt sollte der gesamte Prozess absolut fair und nachvollziehbar ablaufen.

Ihr Vortrag behandelt das Thema "Personalumbau 4.0" – was steckt dahinter?

Der Arbeitsmarkt heute hat ganz andere Strategien und Trends, als noch vor ein paar Jahren. Gerade der Wechsel nach einer langen Beschäftigung ist für die Generationen, die nicht im Zeitalter der Digitalisierung aufgewachsen sind, schwierig. Da ist es die Aufgabe des ehemaligen Unternehmens, die Soft Skills der gehenden Mitarbeiter auf einen Stand zu bringen, der ihnen den Start in einem anderen Unternehmen vereinfacht und ihnen vor allem auch neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet. 

Dabei sollten die Expertise und Leidenschaft des einzelnen Mitarbeiters im Mittelpunkt stehen. Ein weiterer Punkt ist die Resilienz: Wie gehen wir heutzutage mit Veränderungen um? Die Stärkung der Veränderungsfähigkeit bei den Mitarbeitern sollte oberste Priorität haben. 

Welche ist die größte Herausforderung für Unternehmen und ihre Mitarbeiter in der heutigen Zeit?

Besonders die Schnelligkeit der heutigen Zeit und die recht eingeschlafene Veränderungsbereitschaft bei den Babyboomern stellen große Herausforderungen für Unternehmen dar. Die Babyboomer aus den Jahrgängen 46 bis 64 sind eben genau jene Mitarbeiter, die heute oft einem Personalabbau oder Personalumbau zum Opfer fallen können. Gleichzeitig ist genau das die Generation, die Schwierigkeiten hat nach einer langen Beschäftigung den Wechsel in ein neues Unternehmen zu schaffen. Daran muss in jedem Unternehmen gearbeitet werden.

Anja Schauenburg ist als Rerentin beim diesjährigen Turnaroundkongress, der am 7. und 8. Juni 2018 in Köln stattfindet.

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