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22.05.2013 | Personalmanagement | Interview | Online-Artikel

Man muss Menschen mögen

verfasst von: Andreas Nölting

3 Min. Lesedauer
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Die wichtigste Voraussetzung, um andere Menschen erfolgreich zu leiten und zu führen, ist es, andere Menschen zu mögen. Führungskräfte sollten daher die Fähigkeit zur Integration besitzen, meint der Autor und Berater Jürg Isenschmid im Interview mit Springer für Professionals.

Springer für Professionals: Herr Isenschmid, welche Grundsätze sind für das wirkungsvolle Führen wichtig?

Jürg Isenschmid: Drei Eigenschaften möchte ich betonen: Man muss Menschen mögen, in der Einfachheit liegt die Stärke sowie eine gesunde Kritikfähigkeit. Vergessen Sie nicht: Das Hirn einschalten, den Humor in der Tasche haben, das Herz sprechen lassen und sich selber nicht allzu wichtig nehmen, dann sind Sie auf gutem Wege. In meinem Buch beschreibe ich die meiner Ansicht nach sieben wichtigsten Grundsätze oder Voraussetzungen für ein produktives und wirkungsvolles Führen: Andere Menschen begeistern können, sich gegenüber neuen Ideen zu öffnen, seine Gedanken auch in schwierigen Situationen zu ordnen, die Fähigkeit der Integration, seine Blicke nach vorne richten, sich in alle Richtungen durchsetzen können und wollen, sowie die Fähigkeit des angemessenen Denkens und Handelns.

Welche Fehler haben Sie auf Management-Ebene erlebt?

Selbstüberschätzung, Überheblichkeit, Mimosenhaftigkeit, mangelnde Wertschätzung, gezieltes Mobbing, Unehrlichkeit, Egoismus und einiges mehr. Durch diese Fehler werden nicht selten von Seiten des Managements eigene Probleme und Schwierigkeiten kreiert. Unzufriedenheit, hohe Fluktuationsraten und eine Angstkultur sind vielfach die Produkte solcher Fehler. Leider begünstigt die heutige unsichere wirtschaftliche Situation zusätzlich dieses unzulängliche Führungsverhalten, da sich die betroffenen Mitarbeiter viel zu lange nicht zur Wehr setzen. Aber ich habe glücklicherweise auch viele positive Erlebnisse erfahren. So habe ich erlebt, wie sich ein Vorstandsmitglied während einer grossen Betriebsversammlung, vor allen Anwesenden bei einem Mitarbeiter per Handschlag für sein unangemessenes Verhalten dem Mitarbeiter gegenüber entschuldigt hat. Sehen Sie, in der Einfachheit liegt die Stärke.

Welchen Unterschied für den Führungsstil macht es, ein kleines oder ein großes Unternehmen zu führen?

Bezüglich Führungsstil macht es absolut keinen Unterschied. Glauben Sie mir, Stil bleibt Stil, ob großes, mittleres oder kleines Unternehmen. Man führt eben so wie man führt. In einem großen Unternehmen bedarf es vielleicht einer noch disziplinierteren und gezielteren Selbstorganisation bezüglich der eigenen Führungstätigkeit. Nicht selten wird leider zu viel Zeit in unzähligen, zum Teil mangelhaft geführten Besprechungen und Meetings verbraten, um selbst erzeugte Probleme zu lösen. Es wäre oftmals sinnvoller diese Zeit dort einzusetzen, wo Führung benötigt und gefragt ist.

Welche Rolle spielt das Charisma, die Glaubwürdigkeit?

Charisma kann man sich nicht erarbeiten - es ist im ursprünglichen Sinne des Wortes eine Gabe. Charisma oder Ausstrahlung haben nichts mit Glaubwürdigkeit zu tun. Es sind einzig und alleine die Taten im Verhältnis zu den gesprochenen Worten, die über Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit entscheiden. Charisma oder Ausstrahlung heisst noch lange nicht Glaubwürdigkeit. Ich persönlich bevorzuge Menschen, die Glaubwürdig sind gegenüber jenen, welche versuchen charismatisch zu blenden.

Kann man es lernen, Menschen zu mögen?

Jeder Mensch kann viel dazu beitragen, andere Menschen zu mögen. Doch ist es natürlich eine Frage der persönlichen Lebenseinstellung oder Lebenshaltung. Es ist aber bestimmt die wichtigste Voraussetzung, um andere Menschen zu leiten und zu führen. Jemand der Menschen nicht mag, sollte sich eine andere Herausforderung suchen. Oder haben Sie schon mal einen Spitzensportler gekannt, der sich nicht gerne bewegt, oder einen Zoo-Mitarbeiter gesehen, der Tiere nicht mag?

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