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Weniger Überstunden, mehr Nebenjobs

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Neue Zahlen zum Wandel des Arbeitsmarkts: Die Teilzeitarbeit nimmt weiter zu. Die Zahl der Überstunden ist seit der Corona-Pandemie um ein Drittel gesunken. Macht sich im deutschen Arbeitsmarkt Faulheit breit?

Ein Nebenjob bedeutet eine zusätzliche zeitliche Belastung. Allerdings bietet er neben zusätzlichen Einnahmen mitunter auch neue berufliche Entwicklungschancen.


Der Trend zur Teilzeitarbeit ist ungebrochen. Die Teilzeitquote stieg bis zum Herbst 2024 auf 39,7 Prozent (plus 0,3 Prozent gegenüber Vorjahr). Gleichzeitig sank die Zahl der Überstunden im Schnitt auf 3,3 bezahlte und 3,9 unbezahlte Stunden, wie aus der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das dritte Quartal 2024 hervorgeht.

Jeder Neunte geht einer Nebentätigkeit nach

“Es werden so wenige Überstunden wie noch nie geleistet. Aber mittlerweile hat fast jeder neunte Beschäftigte einen zweiten Job“, fasst Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs “Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ zusammen.

Der Datenauswertung zufolge lag die Gesamtzahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal 2024 bei knapp 46,1 Millionen. Sie nahm um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Insgesamt rund 4,6 Millionen Beschäftigte gingen dabei einer Nebentätigkeit nach. Das sind 1,2 Prozent mehr als im dritten Quartal 2023 – womit sich ein langfristiger Aufwärtstrend hinsichtlich Nebenjobs fortsetzt.

Beschäftigung

Einheit

Q3/2023

Q3/2024

Erwerbstätige Personen insgesamt

1.000

46.080

46.146

Erwerbstätige Personen / Veränderung zum Vorjahr

%

+ 0,7

+ 0,1

Beschäftigte Arbeitnehmer

1.000

42.238

42.326

Beschäftigte Arbeitnehmer / Veränderung gegen Vorjahr

%

+ 0,8

+ 0,2

Teilzeitquote

%

39,4

39,7

Teilzeit-Quote / Veränderung gegen Vorjahr

%-Punkte

+ 0,3

+ 0,3

Mehrfachbeschäftigte*

1.000

4.569

4.625

Bezahlte Überstunden je Arbeitnehmer

Std.

3,5

3,3

Unbezahlte Überstunden je Arbeitnehmer

Std.

4,2

3,9

Arbeitszeit in Nebenjobs

Std.

71,9

72,9

*Personen, die zeitgleich in mehr als einem Beschäftigungsverhältnis stehen

Quelle: IAB-Arbeitszeitrechnung Q3/2024, Stand: November 2024

Es wird mehr gearbeitet 

Insgesamt arbeiteten die Erwerbstätigen in Deutschland im untersuchten Quartal 15,7 Milliarden Stunden. Das bedeutet einen Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insofern kann von zunehmender Faulheit kaum die Rede sein.

Über die Motive für das Ausüben mehrerer Jobs gibt die aktuelle Arbeitszeitrechnung des IAB keinen Aufschluss. Insbesondere für Geringverdiener oder Teilzeitbeschäftigte, denen das Einkommen bei ihrem Hauptarbeitgeber nicht ausreicht, dürfte zweifellos die Möglichkeit eines Zuverdiensts entscheidend sein. Darüber hinaus können Nebenjobs jedoch interessante Berufserfahrungen und lukrative Zuverdienste auch für Gutverdienende bedeuten oder den Schritt in einen neuen Job oder die Selbständigkeit ebnen.

Diverse Gründe für den Anstieg der Zweitjobs

Die Verbreitung unter anderem von Remote Work, Gig-Working für die Plattformökonomie sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben zweifellos zum Anstieg der Mehrfachbeschäftigungen ihren Teil beigetragen. Daneben sind aber etwa in der Kultur- und Kreativwirtschaft seit jeher viele Menschen in hybriden Erwerbskonstellationen unterwegs.  

Einen groben Einblick in die Art der Nebentätigkeiten liefert das Statistische Bundesamt für das Jahr 2023 (für 2024 liegen vergleichbare Daten noch nicht vor): 74 Prozent der Erwerbstätigen mit mehreren Tätigkeiten waren in ihrem Zweitjob als Arbeitnehmer beschäftigt. Demgegenüber war ein Viertel (25,7 Prozent) im Zweitjob selbständig tätig – die Mehrheit davon (22,9 Prozent) ohne eigene Beschäftigte, 2,8 Prozent mit Angestellten. Da diese Zahlen der Arbeitskräfteerhebung entstammen, weicht der zugrundeliegende Anteil der Erwerbstätigen von den IAB-Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ab.

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