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31.05.2021 | Plattformökonomie | Im Fokus | Onlineartikel

Deutsche Bankplattformen haben Anlaufschwierigkeiten

Autor:
Barbara Bocks
3:30 Min. Lesedauer

Immobilienfinanzierungen sind bisher im Internet fest in der Hand von Plattformen wie Interhyp. Um ihre Kunden nicht aus den Augen zu verlieren, brauchen Banken mehr Online-Präsenz. Dabei kann die Distributed-Ledger-Technologie helfen.

Kooperationen, um die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zu nutzen, kommen in der deutschen Finanzbranche immer häufiger vor. So haben beispielsweise die Frankfurt School of Finance & Management und die Strategieberatung Plutoneo am Anfang Mai bekanntgegeben, das Joint Venture Intastech zu gründen. Das neue Unternehmen soll Blockchain- und DLT-Lösungen für die Bank- und Finanzindustrie entwickeln.

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Die zweite Payment Service Directive (PSD2) der EU zwingt Banken, über Schnittstellen ihre Systeme für Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienste zu öffnen, womit diese per Regulierung quasi zu offenen Banking-Plattformen werden. Aus der Plattformökonomie bankenfremder Branchen lassen sich dabei wichtige Erkenntnisse für die Modellierung von Plattformen im Banking ableiten.

Mit Kooperationen zur Bankenplattform

Auch die Deutsche Börse und Commerzbank beschäftigen sich mit dem Thema und gehen eine strategische Partnerschaft mit dem Fintech 360X ein. Das haben die Unternehmen Ende April bekanntgegeben. Ziel der Partnerschaft ist es, neue digitale Marktplätze für Vermögenswerte wie Kunst und Immobilien auf Blockchain-Basis zu entwickeln. Die Deutsche Börse stellt dabei die Marktinfrastruktur zur Verfügung. Erste Referenztransaktionen für die zwei Assetklassen Immobilien und Kunstwerke sind für dieses Jahr geplant. 

Die neuen Handelsplattformen sollen Investoren die Chance geben, in diese bislang illiquiden Vermögenswerte zu investieren und sie zu handeln. Möglich macht das laut der beteiligten Unternehmen eine Tokenisierung beziehungsweise Fraktionalisierung. Dabei sollen den Kunstwerken und Immobilien in Zukunft noch weitere Anlageklassen folgen.

Kunden suchen häufig online nach einer Immobilienfinanzierung

Boris Strucken, Head of Banking Germany beim Finanzdienstleister Fidelity Information Services, sieht den Kooperation der drei Firmen gegenüber zunächst positiv. Gegenüber Springer Professional sagte er: "Ohne Angebot gibt es keine Nachfrage. Daher ist es wichtig und gut, wenn sich Unternehmen zusammenschließen für eine Plattform. Die Kooperation ist ein guter Start, ein smartes Kooperationsmodell sowie ein weiterer Vertriebskanal."

Durch die Corona-Pandemie seien Bankkunden wesentlich digitaler geworden. Das heißt aber aus Sicht des Experten nicht, dass diese automatisch auf der Homepage der Bank surfen. "Immobilienfinanzierungen laufen hauptsächlich über Plattformen wie Europace. Banken müssen dort vertreten sein, um ihre Kunden zu erreichen", erklärt Strucken.

Ein Best Practice für das Plattformgeschäft kommt aus Dortmund

Das hat auch die Volksbank Dortmund-Nordwest erkannt. Das Geldhaus hat im Jahr 2013 den Einstieg in das Plattformgeschäft gewagt. Wie das funktioniert hat, beschreiben die Bankmagazin-Autoren Armin Schwarze und Oliver Nows in ihrem Artikel "Wie eine Volksbank zum 'Wechselgott' kam" (Ausgabe 2-3 | 2021). Im ersten Schritt nahm das Institut laut Schwarze und Nows Kontakt zur Interhyp-Gruppe auf und bot sich dort als Produktlieferant für Baufinanzierungen im Privatkundenbereich an. Anfangs wurde die Kooperation mit drei Mitarbeitern in der Bank abgewickelt. 

"Mittlerweile werden der Volksbank Dortmund-Nordwest rund 80 Prozent ihrer privaten Baufinanzierungen über diese Plattform zugetragen und zehn Mitarbeiter kümmern sich darum", erläuten die Autoren. Das Institut gehöre damit mittlerweile zu den Top Drei unter den Interhyp-Partnerbanken aus dem Genossenschaftssektor.

Kein Trend zur echten Bankplattform 

Entscheidende Merkmale von Plattformen sind aus Struckens Sicht ihre Offenheit und die Integration von Firmen in die Geschäftsprozesse. Der Plattformgedanke beinhaltet aus Sicht des Experten unter anderem für die Plattform 360X, dass dort auch andere Banken und Vermittler ihre Angebote einstellen dürfen. Doch sehe Strucken aber im gesamten deutschen Markt momentan niemanden, der diese Offenheit lebt, sondern "eher den umgekehrten Trend, dass Portale wie Immoscout 24 den Weg in Richtung Finanzvermittlung gehen". 

Als Beleg gilt unter anderem, dass im Februar 2021 das Fintech Smava die Plattform Finanzcheck gekauft hat. Beide vermitteln Kredite über das Internet und wollen laut Medienberichten durch den Zusammenschluss zu einem größeren Anbieter zusammenwachsen. Der Versuch, großen Immobilienplattformen wie Interhyp Konkurrenz zu machen, ist aus Struckens Sicht aber schwierig, "da der zweite Wettbewerber es oftmals schwerer hat, aus der gleichen Dienstleistung ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu machen".

Generell ist die Plattformökonomie Strucken zufolge in Asien und den USA deutlich weiter fortgeschritten. Shops aus China und den USA nehmen derzeit weltweit eine sehr dominante Stellung ein. "Deutsche Kreditinstitute sind in den vergangenen anderthalb Jahren eher damit beschäftigt, ihre Hausaufgaben zu machen, um stabil und kosteneffizient zu sein und weniger innovativ", sagt der Experte. Aber das betreffe die Branche in Europa insgesamt, die "aktuell sehr konservativ unterwegs ist". Aus seiner Sicht sollten die deutschen Institute daher aufpassen, nicht den Anschluss zu verpassen.
 

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