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09.10.2017 | Polit-PR | Im Fokus | Onlineartikel

Online-Narrenfreiheit für Trump

Autor:
Johanna Leitherer

Donald Trump hat eine neue Ära der Selbstvermarktung eingeläutet und sorgt damit auch online für Chaos: Was sind Fake-News? Wo endet die Meinungsfreiheit? Vor allem soziale Netzwerke brauchen darauf eine Antwort, allen voran Twitter.

Eines muss man Trump lassen: Er weiß, wie er sich in den Schlagzeilen halten kann. Einige politische Beobachter glauben sogar, dass der US-Präsident mit seiner dominanten Präsenz sämtlichen Kritikern den Raum nehmen will. Im Zuge dessen stellt er seine eigenen Regeln auf und straft die Medienberichterstattung verbal als Lügenpresse ("Fake-News") ab, sobald ihm diese nicht gefällt. Trump schafft es seitdem zwar erfolgreich, Medien in Erklärungsnot zu bringen. Doch derzeit häufen sich vor allem seinerseits Fauxpas, die Journalisten und Social-Media-Chefs zunehmend in Zugzwang bringen, das Online-Gleichgewicht wiederherstellen zu müssen.

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Meinungsbildung in und mit sozialen Medien

Im Jahr 2016 haben zwei Ereignisse dafür gesorgt, dass vehement über die Rolle sozialer Medien für die politische Meinungsbildung debattiert wurde: Das Votum der britischen Bevölkerung für den Brexit sowie die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA waren nicht nur weltpolitisch einschneidend.


Schon während seines Wahlkampfs nutzte Trump den Microbloggingdienst Twitter, um seine Meinung kundzutun, und das seit jeher in einer für seine Position ungewöhnlich harschen Manier. "Trump wurde immer erfolgreicher und selbstbewusster, nicht zuletzt durch den Einsatz modernster Technologien, deren Gebrauch absolut legal und legitim war, wiewohl die Grenze zum Missbrauch noch nicht ausreichend definiert scheint", fasst Springer-Autor Martin Eder im Buchkapitel "Nicht ganz unpolitisch" des Buches "Digitale Evolution" zusammen (Seite 49). Dass die sozialen Plattformen bereits seit Jahren über Geschäftsbedingungen verfügen, die das Nutzerverhalten reglementieren, ändert daran bislang wenig. 

Twitter in Erklärungsnot

Am 24. September setzte Trump dann noch einen drauf: Nordkorea werde "nicht mehr lange hier sein" twitterte er, was die Regierung um Machthaber Kim Jong Un als eindeutige Kriegserklärung wertete. Aus allen Teilen der Welt meldeten sich daraufhin empörte Stimmen. Dabei verärgerte nicht nur die Tatsache, dass der US-Präsident eine soziale Plattform für einen verbalen Angriff dieser Größenordnung nutzte. Viele fragten sich anschließend, wie Twitter ein solches Posting überhaupt billigen konnte. Denn schließlich verbietet der Twitter-Verhaltenskodex jedwede Form der Gewaltäußerung, sowohl sprachlich als auch bildlich. 

Twitter-Chef Jack Dorsey sagte gegenüber der Presseagentur dpa, dass die Regeln auch für den Präsidenten der Vereinigten Staaten gelten würden. Trotzdem wäge man Nutzungsbedingungen ab, wenn es sich um Tweets mit Nachrichtenwert handle. Die Rechnung ist damit ganz einfach: Droht eine Privatperson einer anderen damit, dass diese nicht mehr lang existieren wird, liegt keine News-Relevanz vor und das Posting wird geahndet, da es die Nutzungsbedingungen der Plattform verletzt. Rückt an die Stelle der Privatperson ein Staatsoberhaupt, wird die Sache für die Außenwelt interessant und darf stehen bleiben. Gleichberechtigung und Logik kommen hier augenscheinlich zu kurz.

Soziale Netzwerke müssen Farbe bekennen

Offenbar fürchtet Twitter, den US-Präsidenten durch Reglements zu verärgern. Darüber vergisst die Plattform jedoch, dass sie genau mit dieser Praxis an den Grundpfeilern von ethischer Meinungsfreiheit sägt und politische Eskalation aktiv unterstützt. Als Reaktion auf die einprasselnde Kritik ist Twitter mittlerweile zurückgerudert. In mehreren Tweets ließ der Microbloggingdienst verlauten, dass man die interne Politik überdenken und transparenter kommunizieren wolle: "Wir müssen uns dahingehend verbessern und das werden wir." Doch nicht nur die Verletzung von Nutzungsbedingungen sollten Netzwerke wie Twitter klarer definieren und einheitlich behandeln. 

Es stellt sich angesichts der Trump-Debatte einmal wieder die Frage, ob Social Media ihre Agenda gebührend kommunizieren und wahren. Schließlich dienen soziale Netzwerke nicht dem Herausposaunen von Botschaften oder gar Kriegserklärungen gemäß des Sender-Empfänger-Prinzips, sondern sie sind mit der Absicht entstanden, wechselseitigen Informationsaustausch und Diskurs zu ermöglichen. "Politische Kampagnen versäumen, soziale Medien zur Interaktion mit Wählern zu nutzen und zu Dialogen anzuregen, stattdessen verwenden sie die Plattformen als Kanäle für politisches Marketing", meinen auch die Springer-Autorinnen Brooke Auxier und Jennifer Golbeck im Buchkapitel "The President on Twitter: A Characterization Study of @realDonaldTrump" (Seite 379).

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