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Über dieses Buch

In Abgrenzung zu Parteien beschränkt sich der politische Wirkungskreis von Wählergemeinschaften auf die Kommunalpolitik, weshalb sie in Deutschland nicht die rechtlichen Kriterien für den Erwerb des Parteienstatus erfüllen. In ihrer Selbstdarstellung präsentieren sich Wählergemeinschaften deshalb als Alternative zu den in der Landes- und Bundespolitik etablierten Parteien. Michael Angenendt untersucht, ob Wählergemeinschaften faktisch Parteien darstellen, die sich unter dem Gewand der Parteifreiheit tarnen, oder ob sie sich substanziell von den Parteien unterscheiden, indem sie eine partizipatorische, parteienskeptische und organisatorische sowie elektorale Alternative bilden. Die Studie vermisst das Spektrum von Wählergemeinschaften in Deutschland umfassend und fokussiert drei Bereiche: Mitglieder, Identität sowie Organisation, Präsenz und Erfolg. Die theoretische Grundlage für die Analyse bilden etablierte Ansätze der Partizipations-, Einstellungs- und Parteienforschung. Das Werk basiert auf dem allgemeinen Interesse an den Voraussetzungen für politische Partizipation, den Ursachen von Parteienverdrossenheit und der Struktur politischer Organisationen. Als empirische Basis dient eine bundesweite Mitgliederstudie mit über 860 Befragten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Wählergemeinschaften haben sich in den vergangenen Jahrzehnten europaweit auf kommunaler Ebene zu ernsthaften Konkurrenten gegenüber den Parteien entwickelt, mancherorts dominieren sie den politischen Wettbewerb. In der internationalen Forschung wird dem Phänomen deshalb seit einigen Jahren verstärkt Aufmerksamkeit zuteil, während sich die Politikwissenschaft hierzulande bislang bedeckt hält. Während Wählergemeinschaften in einigen anderen europäischen Staaten wegen ihrer geografischen Selbstbeschränkung als Kommunalparteien bezeichnet werden, hat sich hierzulande ein Begriffsverständnis etabliert, das die Parteienferne unterstreicht. Inwieweit sich Wählergemeinschaften substanziell vom Parteienmodell unterscheiden, begleitet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen seit jeher und bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden Studie, wie in der Einleitung vertiefend dargestellt wird.
Michael Angenendt

Kapitel 2. Definition und Abgrenzung

Zusammenfassung
Das zweite Kapitel bestimmt die für die Datenerhebung relevante Grundgesamtheit, da neben den lokalen Parteiorganisationen und Wählergemeinschaften eine Vielzahl weiterer Akteure in der Kommunalpolitik präsent sind, die direkt oder indirekt Einfluss auf die Politik vor Ort nehmen. In einem ersten Schritt werden daher Wählergemeinschaften von den Parteien, sonstigen Organisationen und Einzelbewerbern abgegrenzt. Darauf aufbauend werden die verschiedenen konzeptionellen Zugangsstrategien bei der Erfassung von Wählergemeinschaften aufgezeigt. In einem zweiten Schritt wird das heterogene Spektrum der Wählergemeinschaften zunächst typologisiert und anschließend begründet, welche Typen in die vorliegende Untersuchung einbezogen werden.
Michael Angenendt

Kapitel 3. Ausgangslage: Parteien unter Druck

Zusammenfassung
In der deutschen und internationalen Politikwissenschaft herrscht im Allgemeinen ein weitgehender Konsens darüber, dass Parteien aufgrund der ihnen angedachten Funktionen einen herausgehobenen Stellenwert im politischen System einnehmen. Ihr Stellenwert in der  deutschen Kommunalpolitik ist indes aus mehreren Gründen umstritten. Wie in diesem Kapitel vertiefend dargestellt wird, genießen Wählergemeinschaften vielfach den Ruf, eine adäquate Alternative zu den Parteien darzustellen. Um aufzuzeigen, weshalb die Selbstdarstellung der Wählergemeinschaften als parteifreie Akteure für die politikwissenschaftliche Analyse eine herausgehobene Rolle spielt, rückt in einem ersten Schritt das normativ-theoretische Spannungsverhältnis zwischen Wählergemeinschaften und Parteien in den Fokus. Zuerst werden deshalb kurz die Herausforderungen der Parteiendemokratie in der überörtlichen Politik skizziert, um anschließend detaillierter auf die Besonderheiten der Kommunalpolitik verweisen zu können. In einem zweiten Schritt wird sich dem empirischen Spannungsverhältnis von Wählergemeinschaften und Parteien zugewandt und der Analyserahmen abgeleitet. Es werden drei Forschungsdesiderate identifiziert, die als Anknüpfungspunkte für die vorliegende Studie dienen und das weitere Vorgehen strukturieren.
Michael Angenendt

Kapitel 4. Analyserahmen

Zusammenfassung
Das Kapitel spannt den Analyserahmen der Untersuchung und differenziert zwischen drei Ebenen der Parteiendistanz der Wählergemeinschaften: (1) Mitglieder, (2) Identität sowie (3) Organisation, Präsenz und Erfolg. Die Mitgliederebene verknüpft die in der lokalen Politikforschung geführte Auseinandersetzung um die abnehmende Präsenz und elektorale Verankerung der lokalen Parteiorganisationen mit der über die kommunale Ebene hinausreichenden Herausforderung, sich mit dem Mitgliederschwund sowie der ungleichen Partizipation der verschiedenen Bevölkerungsschichten in den Parteien zu arrangieren. Die Identitätsebene bettet die parteienskeptische Haltung der Wählergemeinschaften in die Forschung zu Parteienverdruss und Populismus ein. Ob die Parteifreien von der abnehmenden Organisationsdichte der lokalen Parteiorganisationen profitieren, bildet den Rahmen für die Untersuchung der Organisations-, Präsenz- und Erfolgsebene.
Michael Angenendt

Kapitel 5. Studiendesign

Zusammenfassung
Das Kapitel beschreibt das Studiendesign. Die quantitative Analyse erfolgt auf Basis einer deutschlandweit repräsentativen Studie mit über 880 Befragten aus 125 Wählergemeinschaften. In den Blick rückt die Gesamtheit der Mitglieder deutscher Wählergemeinschaften. Diese wurde mittels einer bundesweiten Querschnittstudie zwischen 2014 und 2016 umfassend untersucht. Ergänzt wird die Mitgliederstudie durch Daten zu Präsenz, Erfolg und Organisation von Wählergemeinschaften.
Michael Angenendt

Kapitel 6. Mitglieder: Repräsentation und Partizipation abseits der Parteien?

Zusammenfassung
Das Kapitel greift die für die Mitgliederebene aufgeworfenen erkenntnisleitenden Fragen auf. Im Fokus stehen das Sozialprofil der Wählergemeinschaften, die Beitrittsanreize und Partizipationsmuster ihrer Mitglieder. Zusammenfassend ist von Interesse, welche Bevölkerungsschichten repräsentiert werden, weshalb sich abseits der Parteien engagiert wird und wie sich die Partizipation in einer Wählergemeinschaft gestaltet. Die einzelnen Forschungsfragen subsumieren sich unter der Leitfrage, ob Wählergemeinschaften eine partizipatorische Alternative zu den Parteien darstellen.
Michael Angenendt

Kapitel 7. Identität: Der Januskopf der Wählergemeinschaften

Zusammenfassung
Das Kapitel widmet sich der Identität der Wählergemeinschaften als parteifreier Akteur. Von Interesse ist, ob sich unter den Mitgliedern eine verbreitete Parteienskepsis identifizieren lässt, die die Identität der Wählergemeinschaften als Antipartei prägt. Das Kapitel knüpft an die These der Janusköpfigkeit lokaler Parteiorganisationen an und gibt Aufschluss, ob Wählergemeinschaften eine zwiespältige Identität besitzen, die sich in einer konträren Bewertung örtlicher und überörtlicher Politik äußert. In den Fokus rücken deshalb die Einstellungen der Mitglieder zu (Kommunal)Politik, Parteien und Demokratie. Das Erkenntnisinteresse wird durch die Frage geleitet, ob Wählergemeinschaften eine parteienskeptische Alternative zu den Parteien bilden.
Michael Angenendt

Kapitel 8. Organisation, Präsenz und Erfolg: Wählergemeinschaften als Alternative im politischen Wettbewerb

Zusammenfassung
Wählergemeinschaften präsentieren sich als organisatorische und elektorale Alternative zu den Parteien. Ob sie tatsächlich eine solche darstellen, bildet die Leitfrage des Kapitels. Von Interesse ist, ob sich Wählergemeinschaften hinsichtlich ihres formalen Organisationsgrades von den Parteien unterscheiden und wo und weshalb Wählergemeinschaften kommunal erfolgreich sind. Zudem ist von Interesse, ob ein empirischer Zusammenhang zwischen beiden Aspekten vorliegt: Beeinflusst die Organisationsstruktur ihren elektoralen Erfolg? Welchen Stellenwert besitzen kommunalpolitische Strukturen und wählergemeinschaftsspezifische Ressourcen?
Michael Angenendt

Kapitel 9. Fazit

Zusammenfassung
Seit dem Bestehen der Bundesrepublik bilden Wählergemeinschaften einen festen Bestandteil der Kommunalpolitik. In der Politikwissenschaft fristen sie dennoch ein Schattendasein. Trotz stetiger Präsenz und steigender Wahlerfolge widmen sich bislang nur wenige Studien Wählergemeinschaften als eigenständigem Akteur. Die vorliegende Studie setzte sich deshalb zum Ziel, das Spektrum von Wählergemeinschaften in Deutschland umfassend zu vermessen. Das Fazit fasst abschließend die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammen, zeigt Forschungsdesiderate auf und gibt einen Ausblick auf die mögliche künftige Entwicklung von Wählergemeinschaften im Parteiensystem der Bundesrepublik.
Michael Angenendt

Backmatter

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