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Über dieses Buch

In den letzten Jahren hat in der Bildungsforschung und in der Politikdidak­tik ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Stärker als früher sollen Erzie­hung und Bildung wissensorientiert sein und dabei auf literacy fokussieren. Civic literacy als Fähigkeit zum Umgang mit politischen Symbolsystemen in Alltagskontexten ist nunmehr ein explizit erklärtes Ziel. Hierzu fehlt aller­dings noch ein theoretisch begründetes Kompetenzmodell für den Politik­unterricht. Der vorliegende Band soll dieses leisten. Ziel ist es, theoriegeleitet ein umfassendes Modell der Politikkompetenz vorzulegen und zur Diskussi­on zu stellen. Das Modell beansprucht, die fachbezogenen Dimensionen der politischen Lehr-Lern-Prozesse zu beschreiben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
In den letzten Jahren hat in der Bildungsforschung und in der Politikdidaktik ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Stärker als früher sollen Erziehung und Bildung wissensorientiert sein und dabei auf literacy fokussieren. Für Baumert ist die normativ-evaluative Auseinandersetzung mit Wirtschaft und Politik ein Modus der Weltbegegnung, der kanonisches Orientierungswissen bereit stellt (Baumert, 2002, S. 113). Civic literacy als Fähigkeit zum Umgang mit politischen Symbolsystemen in Alltagskontexten ist nunmehr ein explizit erklärtes Ziel. Hierzu fehlt allerdings noch ein theoretisch begründetes Kompetenzmodell für den Politikunterricht. Zwar gibt es ein erstes verbandspolitisch erstelltes Modell der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE, 2004), das jedoch wegen seiner fehlenden theoretischen Fundierung in wissenschaftlichen Diskursen Kritik erfährt.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

2. Anforderungen an ein Kompetenzmodell

Zusammenfassung
In den aktuellen Debatten über Kompetenzen wird des Öfteren Heinrich Roth herangezogen. Er beschrieb schon früh in seiner pädagogischen Anthropologie (Roth, 1971) den Erwerb von Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz als wesentlich für die Entwicklung der Persönlichkeit. In dieser Tradition wird heute den Kompetenzen zudem oftmals noch eine methodische Kompetenz hinzugefügt, so beispielsweise in den EPAs verschiedener Fächer, auch des Politikunterrichts. So ist ein weiter Kompetenzbegriff entstanden, der sich auf umfassende Handlungsfähigkeiten in vielen Bereichen des Lebens bezieht. Er lässt sich beliebig erweitern, so geschehen zum Beispiel im Bildungsplan 2004 von Baden-Württemberg.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

3. Begründung der Kompetenzdimensionen

Zusammenfassung
Die Entscheidung für vier Kompetenzdimensionen im hier vorgestellten Modell ist zu begründen, da sie sich genauso wenig logisch aus den Bildungszielen des Politikunterrichts ableiten lassen wie andere konkrete Vorstellungen über Unterrichtsziele. Auch aus key ideas der Politikwissenschaft lassen sie sich nicht ableiten. Erste Begründungen für die vier Kompetenzdimensionen, die sich aus der zu entwickelnden Politikkompetenz des Bürgers theoretisch entwickeln lassen, finden sich im Einleitungskapitel. Gleichfalls bereits dargelegt ist die grundlegende Kompetenzdimension Fachwissen (Weißeno, Detjen, Juchler, Massing & Richter, 2010; Kapitel 4 im vorliegenden Band). Hier sind politische Urteilsfähigkeit, politische Handlungsfähigkeit sowie politische Einstellung und Motivation in ihre politikdidaktische Tradition einzubetten, bevor sie in den folgenden Kapiteln jeweils einzeln konkretisiert werden.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

4. Kompetenzdimension Fachwissen

Zusammenfassung
Der Begriff Wissen wird in verschiedenen Wissenschaften unterschiedlich definiert. Im didaktischen Interesse ist ein enger Begriff zu favorisieren, der zum einen „dem bewussten Zugriff zugänglich und verbalisierbar“ ist (Pfeiffer, 2008, S. 77), der zum anderen kognitionspsychologisch fundiert werden kann und der nicht zuletzt erklärt, wie gelerntes Wissen von den Lernenden später flexibel genutzt werden kann (Weinert, 1996). Im Kompetenzmodell Fachwissen (Weißeno, Detjen, Juchler, Massing & Richter, 2010) wird daher, der Theorie von Anderson folgend, zwischen Faktenwissen und konzeptuellem Wissen unterschieden.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

5. Kompetenzdimension Politische Urteilsfähigkeit

Zusammenfassung
In kognitionspsychologischer Hinsicht ist das Urteilen ein Prozess, in dem eine Person einem bestimmten Urteilsobjekt einen Wert auf einer Urteilsdimension zuordnet. Urteilsobjekte sind Gegenstände, Situationen, Personen, Aussagen, Ideen wie auch innere Zustände. Urteilsdimensionen klassifizieren oder skalieren die im Urteil getroffene Aussage. Häufig verwendete Urteilsdimensionen sind evaluative Kriterien wie positiv und negativ oder unbedenklich und schwerwiegend, Wahrheitskriterien wie richtig und falsch sowie Wahrscheinlichkeitskriterien wie beispielsweise sicher und möglicherweise (Betsch, Funke & Plessner, 2011, S. 2, 12).
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

6. Kompetenzdimension Politische Handlungsfähigkeit

Zusammenfassung
Handeln ist durch eine Reihe kognitionspsychologischer Verarbeitungsmuster geprägt. Wahrnehmungen, Gedanken, Emotionen, Fertigkeiten, Aktivitäten werden in koordinierter Weise eingesetzt, um entweder Ziele zu erreichen oder sich von nicht lohnenden oder unerreichbaren Zielen zurückzuziehen (Heckhausen & Heckhausen, 2010, S. 2). Handeln im spezifischen Wortsinn ist eine zielorientierte Tätigkeit, die stets nach außen gerichtet ist, d. h. auf Ziele oder Teilziele im Außenraum (Fuchs, 1995, S. X). „Ziele veranlassen zu Handlungen, sie organisieren die Handlungen und lenken sie auf die angestrebten Ergebnisse“ (Kleinbeck, 2010, S. 293).
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

7. Kompetenzdimension Politische Einstellung und Motivation

Zusammenfassung
Aus kognitionspsychologischer Sicht wird unter Einstellung eine beliebige vorbereitende kognitive Aktivität verstanden, die dem Denken oder der Wahrnehmung vorausgeht. Eine Einstellung kann die Qualität der Wahrnehmung verbessern oder hemmen (Solso, 2005, S. 412). Einstellungen sind demnach individuelle Besonderheiten in der Bewertung konkreter Objekte der Wahrnehmung oder des Denkens (Asendorp, 2007, S. 254). In diesem Sinne ist eine Einstellung gleichsam als kognitives Schema anzusehen, das das Wissen über einen Gegenstand repräsentiert und die Verarbeitung von Informationen erleichtern, aber auch erschweren kann.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

8. Anregungen für die Planung des Politikunterrichts

Zusammenfassung
In den Kerncurricula der Länder und in der Rezeption der Lehrerinnen und Lehrer stehen überwiegend noch die im Unterricht zu behandelnden Themen im Vordergrund, so wie es die klassische Bildungstheorie vorschlägt. Die Unterrichtsthemen haben dem allgemeinen Ziel des mündigen Bürgers gerecht zu werden. Dabei denken die Lehrer inhaltliche und pädagogische Perspektiven zusammen. Die Unterrichtsinhalte greifen nach diesem Verständnis zum einen ausgewählte Gegenstände der Politik auf und berücksichtigen dabei zum anderen die gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen der Schüler. Sie drücken das aus, was aus bildungstheoretisch-politikdidaktischer Sicht als Lernergebnis erwünscht ist. Sie legen aber nicht fest, was die Lernenden konkret können müssen.
Joachim Detjen, Peter Massing, Dagmar Richter, Georg Weißeno

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