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Über dieses Buch

Das Theater ist seit seiner Erfindung durch die Griechen mit dem Politischen und insbesondere mit der Staatsform der Demokratie verbunden. Entsprechend kann das Theater als außerschulischer politischer Lernort zum Besuch mit Schülerinnen und Schülern dienen. Ziel der Publikation ist es, Vorschläge zur unterrichtlichen Bearbeitung von Theaterstücken zu präsentieren, zur Auseinandersetzung mit den politischen Gehalten von theatralen Narrationen in der politischen Bildung wie im fächerübergreifenden Unterricht anzuregen und zum Besuch von Theateraufführungen im Rahmen der politischen Bildung zu ermutigen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Ziel der vorliegenden Publikation der Arbeiten von Studierenden ist es, Vorschläge zur unterrichtlichen Bearbeitung von Theaterstücken zu präsentieren, zur Auseinandersetzung mit den politischen Gehalten von theatralen Narrationen in der politischen Bildung wie im f.cherübergreifenden Unterricht anzuregen und zum Besuch von Theateraufführungen im Rahmen der politischen Bildung zu ermutigen.
Letztlich soll die Beschäftigung mit theatralen Texten und Aufführungen dem Zugang für ein vertieftes Verständnis des Politischen dienen sowie Schülerinnen und Schülern nicht allein Möglichkeiten zur kompetenzorientierten Ausbildung, sondernzu ganzheitlicher Bildung bieten.
Ingo Juchler, Alexandra Lechner-Amante

Politische Bildung im Theater

Das Theater ist von alters her mit dem Politischen verwoben. Vor diesem Hintergrund wird zunächst der Entstehung des Theaters im Kontext der ersten, der athenischen Demokratie nachgegangen. Dabei wird insbesondere der Zusammenhang der Herausbildung der Demokratie als Herrschaftsform, der diesbezüglichen Kritik und dem Theater als öffentlichem Ort zur Bildung von politischer Urteilskraft untersucht. Weiterhin entfaltet das Theater bis heute eine Wirkungsästhetik, welche unter didaktischen Vorzeichen mannigfach Bezüge zum Politischen und zur sozialen Lebenswelt entwickelt, wenn auch diese Bezüge oftmals nicht explizit gestaltet wurden und werden. Vor diesem Hintergrund werden didaktische Momente des Theaters für einen Zugang zum Politischen vorgestellt: Handeln – Multiperspektivität, Empathiefähigkeit, Perspektivenwechsel – Urteilsfähigkeit.
Ingo Juchler

William Shakespeare: Der Sturm

Shakespeares Komödie Der Sturm mag sich auf den ersten Blick als ein amüsantes aber weniger tiefgründiges Schauspiel präsentieren. Jedoch fungiert sie als Schnittstelle einer Vielzahl von Themen, welche unter anderem auf gesellschafts-, sozial- und expansionspolitischer Ebene der damaligen wie auch der heutigen Zeit kommentiert und interpretiert. Eine Auswahl an Schlüsselthemen soll im Folgenden für Schülerinnen und Schüler relevant und greifbar gemacht werden, um so zu eigener politischer Reflexion und einem Transfer der literarischen Inhalte in die eigene Lebenswelt anzuregen. Dabei wird vor allem versucht, Brücken zu aktuellen Themen und zeitgenössischen Materialien zu schlagen und die Lernenden durch eine große Medienvielfalt auch zum kreativen Selbstwirken zu befähigen.
Mathias Köhn, Cindy Reinhardt, Henrike Schmidt

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing zählt zu den Klassikern der Weltliteratur und ist im Fach Deutsch regelmäßig abiturrelevant. Der Aufsatz zeigt, dass sich jedoch ein Blick über die Grenzen des Deutschunterrichts hinweg lohnt. Unter Anwendung des narrativen Ansatzes werden Vorschläge zur Anwendung des Dramas im Politikunterricht gegeben. Diese stellen das Menschenbild der Aufklärung in den Mittelpunkt und zeigen Anknüpfungspunkte für einen Vergleich mit dem Menschenbild des Grundgesetzes auf. Damit kann das Drama zur Grundlage von Politikunterricht werden, der den Prämissen der Aktualität und Exemplarität gerecht wird.
Cedric Bauschke, Karoline Beyer, David Zaake

Friedrich Schiller: Don Karlos

Don Karlos, von Friedrich Schiller 1787 verfasst und von Giuseppe Verdi 1867 bearbeitet, bietet eine reiche Palette an politischen Themen, die auch heute noch von höchster Aktualität sind – Freiheit, Revolution, die Frage nach der idealen Staatsform bzw. dem idealen Herrscher sowie dem Einfluss der Kirche auf die Politik. Im Mittelpunkt steht die Figur des Marquis Posa, in der Oper Rodrigo genannt, welcher versucht, die politischen Gegebenheiten und die hierarchischen Strukturen zu hinterfragen und politische Neuerungen durchzusetzen. Er wird somit zum Sprachrohr Schillers, der hier die zeitgeschichtlichen Geschehnisse und seine eigene politische Sicht in das Drama einarbeitet.
Im folgenden Beitrag liegt der Fokus besonders auf dem Freiheits- und Revolutionsgedanken, der sowohl in Schillers Drama als auch in Verdis Oper aufgegriffen wird und daher auch im vorgeschlagenen Unterrichtskonzept im Mittelpunkt steht.
René Bachmayer, Anna Hager, Simone Hofer

Georg Büchner: Woyzeck

Im Beitrag sollen, exemplarisch an den drei Unterrichtsfächern Politik, Deutsch und Musik dargestellt, verschiedene Zugangsmöglichkeiten und Methoden zur Bearbeitung der Thematik des Woyzeck von Georg Büchner präsentiert werden. Bei der Betrachtung des Theaterstücks wird der Schwerpunkt auf den Zusammenhang der politischen Dimensionen des Woyzeck mit politikdidaktischen Konzepten gelegt. Des Weiteren wird auf die fachbezogenen Kompetenzen Bezug genommen, die ebenso für den gegenwärtigen politischen Diskurs entwickelt werden sollen. In den Ausführungen zum Fach Deutsch geht es vorrangig um die Reflektion der Schülerinnen und Schüler, inwiefern Menschen durch ihre Sprache gesellschaftlich positioniert werden. Hierbei soll für die Allgegenwärtigkeit von Vorurteilen im Hinblick auf sprachliche Muster und den damit einhergehenden Kategorisierungen von Menschen in bildungsferne und bildungsnahe Schichten sensibilisiert werden. Abschließend wird im Musikunterricht die Möglichkeit gegeben, insbesondere über die Oper Wozzeck die Thematik des Woyzecks noch einmal anders zu reflektieren. Durch praktische Umsetzungen und eigene schöpferische Prozesse sollen die Lernenden im fächerübergreifenden Unterricht die vielfältigen Dimensionen dieses Werkes selbst erleben, gestalten und verinnerlichen.
Christian Babendreier, Tobias Beyer, Jana Mai

Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür

Krieg ist in der Gesellschaft ein Thema, das nicht politischer und aktueller sein könnte. Die Debatte um das Bundesheer und die aktuellen politischen Ereignisse machen es notwendiger denn je, mit Jugendlichen, die Krieg hauptsächlich aus der Perspektive der Helden in Uniform bzw. der strategischen Kriegsführung in Computerspielen kennen, die Realität von Krieg zu besprechen. Das Stück „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, das die Traumata eines Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg schildert, bietet einen guten Ausgangspunkt um die Belastungen, denen Soldaten im Kriegsalltag ausgesetzt sind zu thematisieren. Mithilfe des Projekts „Helm ab“, begleitet von einer Website, die Interviews mit Soldaten, Videos von Kriegshysterikern, Sachinformationen zu Traumata und verschiedenste Anknüpfungspunkte und Methoden für den Unterricht bereitstellt, sollen die Lernenden einen umfassenderen und realistischeren Blick auf Krieg, Schuld und Verantwortung gewinnen.
Kathrin Michaela Appel, Birgit Maria Berger, Janine Mittelmayer

Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker

Das Theaterstück Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt ist eines der beliebtesten Theaterstücke im deutschsprachigen Raum der Nachkriegsgeschichte. Im Folgenden wird nun dargestellt, wie das Stück Die Physiker sowohl im Unterrichtsfach Politische Bildung als auch fächerübergreifend genutzt werden kann, damit die Schülerinnen und Schülern verschiedene Kompetenzen und Wissen erwerben.
Zunächst wird eine kurze Übersicht über den Handlungsverlauf des Stückes und eine Figurenkonstellation gegeben. Des Weiteren erfolgt ein Einblick in Dürrenmatts biografische Eckdaten. Dann folgt der historische Kontext, in dem das Werk entstand. Es werden anschließend drei Unterrichtsvorschläge vorgestellt, die auf den Basis- und Fachkonzepten der politischen Bildung nach Weißeno et al. (2010) basieren und auf einen handlungsorientierten Unterricht abzielen. Die Methoden und Unterrichtsvorschläge sind für die Sekundarstufe I (Klassenstufe 9/10) konzipiert, aber auch in anderen Klassenstufen anwendbar. Eine fächerübergreifende Betrachtung des Themas soll einen Überblick über die Möglichkeiten der verschiedenen Betrachtungsweisen des Theaterstückes in den Unterrichtsfächern Deutsch und Ethik zeigen. Schnittstellen zu dem Unterrichtsfach Politische Bildung sind beabsichtigt und sollen zum fächerübergreifenden Unterricht anregen.
Carsten Hinz, Maria Pullwitt, Maika Stachowski

Thomas Bernhard: Heldenplatz

‚Heldenplatz‘ von Thomas Bernhard ist ein Theatertext, der zur Zeit seiner Uraufführung 1988 nicht bloß aufgrund seines großen inhärenten Potenzials zu Provokation und zum Tabubruch, sondern u. a. auch durch eine hochwirksame Medienmaschinerie Skandale ausgelöst hat. Damit scheint der Kern der Sache aber noch nicht getroffen – ein Theaterstück, das Politikerinnen und Politiker nahezu jeder Partei aus der Fassung bringt, verweist wohl auf ein viel größeres Drama – da ist offensichtlich einiges faul im Staate …
Die im folgenden Aufsatz formulierten Didaktisierungsansätze von ‚Heldenplatz‘ für den Politik- und Geschichteunterricht versuchen Möglichkeiten zur Erschließung des Stücks und seiner Aussage(n), sowie zur Beleuchtung seiner historischen und politischen Hintergründe aufzuzeigen. Dabei wird auf die lange Zeit fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Österreich, auf die Propagierung des „Opfermythos“ auf Rechtsrucktendenzen Identitätskrisen, Vorurteile, Klischees etc. eingegangen.
Methodisch steht die Auseinandersetzung mit Zitaten aus dem Stück sowie mit Quellen aus dessen Uraufführungszeit (Leserbriefe, Artikel, Karikaturen, Wahlplakate etc.) im Zentrum.
Elisabeth Annau, Hannah Strutzenberger, Joachim Viehböck

Christoph Schlingensiefs Containerprojekt

Im Rahmen der Wiener Festwochen sorgte der Theaterregisseur Christoph Schlingensief mit seiner Aktion Ausländer raus! Das Containerprojekt 2000 für internationale Aufmerksamkeit. Durch dieses Projekt sollte auf die politischen Verhältnisse im Jahr 2000 in Österreich (Regierungsbeteiligung der FPÖ) reagiert werden. Bei der folgenden Aktion, die neben der Wiener Staatsoper durchgeführt wurde, wohnten Migrantinnen und Migranten, ähnlich dem Big-Brother-Prinzip, in einem Container und konnten per Zuschauerinnen- und Zuschauerentscheid abgeschoben werden.
Diese Form des Theaters soll als Ausgangspunkt für ein Unterrichtskonzept dienen. Im Zuge dessen sollen sich die Schülerinnen und Schüler durch eigenverantwortliches Lernen mit der Parteienlandschaft in Österreich, der Asylpolitik sowie der theatralen Inszenierung im öffentlichen Raum beschäftigen. Der Ablauf beinhaltet eine Kontextualisierung, die Rezeption der filmischen Umsetzung (über die Aktion wurde ein Dokumentarfilm von Paul Poet verfasst), eine selbstständige Annäherung an die Inhalte durch Gruppenarbeit und eine abschließende Schülerinnen- und Schülerpräsentation verschiedener Perspektiven in Form einer inszenierten Pressekonferenz. Die Ergebnissicherung erfolgt durch ein begleitendes Portfolio.
Eva Duchon, Fabian Filz, Martina Hofer

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Das Schauspiel „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza handelt von zwei scheinbar kultivierten Ehepaaren, die sich aufgrund einer Prügelei ihrer Söhne treffen, um die versicherungstechnischen Angelegenheiten zu klären und das Geschehene vernünftig aufzuarbeiten. Dieses Unterfangen scheitert allerdings kläglich. Während hemmungslose Streitereien nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Ehepaare ausbrechen, gerät die kultivierte Fassade beider Parteien immer mehr ins Wanken. Schließlich schafft es keiner den „Gott des Gemetzels“ zu unterdrücken und die Situation eskaliert. Anhand dieser Eskalation zwischen den Protagonisten wird die Kluft des zwischen dem Rechtesystems unserer Gesellschaft, dem wir uns alle gezwungenermaßen fügen, und dem Wunsch, unseren Trieben und Urinstinkten, wie Wut, Ärger und Zorn freien Lauf zu lassen, illustriert. Demnach ist der „Gott des Gemetzels“ allgegenwärtig und durchdringt auch die zivilisiertesten und kultiviertesten Gesellschaften und zwingt diese, ihre wahren Gesichter zu offenbaren.
Jennifer Balk, Aylin Inan, Marie Senneke

Felix Mitterer: Jägerstätter

Franz Jägerstätter – Sohn, Ehemann, Vater, Landwirt aus Oberösterreich – wurde am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Der Grund: Er verweigerte den Wehrdienst für das nationalsozialistische Deutschland. Die Person Franz Jägerstätter ist umso beeindruckender, wenn man weiß, wie oft ihm ein Ausweg aus seiner Situation geboten wurde. Dennoch ließ er – selbst wenn ihn oft starke Zweifel geplagt haben müssen – nicht von seiner Überzeugung, keinem verbrecherischen System dienen zu wollen, ab.
2013 wurde seine Lebensgeschichte im Theaterstück Jägerstätter von Felix Mitterer dargestellt, dessen Text auch dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegt. In der Inszenierung werden viele Konflikte und politische Themen sichtbar, die auch heute noch Relevanz haben. Daher eignet sich dieses Theaterstück im Besonderen für den Politikunterricht. Der Beitrag umfasst eine Kurzbiographie Franz Jägerstätters, die Darstellung verschiedener politischer Interpretationsmöglichkeiten ausgewählter Szenen von Mitterers Drama sowie einen Unterrichtsvorschlag.
Edna Imamović, Simone Pichler, Christopher Pumberger
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