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Über dieses Buch

In keinem Bildungsbereich ist der Widerspruch zwischen Wort und Tat so offensichtlich wie bei der Politischen Bildung. Einerseits wird in Sonntagsreden beschworen, wie wichtig sie sei, da Menschen ja nicht als Demokraten geboren würden. Andererseits führen in den Stundentafeln die Fächer Politik, Gesellschaft, Sozialkunde ein absolutes Schattendasein. Das Buch will eine „Einführung“ und zugleich „kritisch“ sein. Als „Einführung“ wendet es sich an Praktiker der Politischen Bildung. Ihnen will es bei der kritischen Reflexion und Innovation ihrer Praxis helfen. Und an all jene, die sich auf diese Praxis vorbereiten. Als „kritisch“ versteht es sich, weil es Politische Bildung immer von zwei Seiten beleuchtet: von der Seite der Politik, also der Verhältnisse, und des Menschen, also des Verhaltens. Die Verhältnisse misst es dabei konsequent am Maßstab der Menschenwürde, das Verhalten am Maßstab der Mündigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
In keinem Bildungsbereich ist der Widerspruch zwischen Wort und Tat derart offensichtlich wie bei der Politischen Bildung. Einerseits beschwören Politiker in Sonntagsreden, wie wichtig die Politische Bildung sei, da Menschen ja nicht als Demokraten geboren würden. Andererseits führen in den Stundentafeln öffentlicher Schulen die Fächer Politik, Gesellschaft, Sozialkunde usw. ein absolutes Schattendasein. Und in der außerschulischen Bildung (z. B. Volkshochschulen, kirchliche Bildungswerke, Gewerkschaften) gilt die Politische Bildung vielfach als vom Aussterben bedrohter Zuschussbetrieb. Angesichts dieses Widerspruchs braucht sich niemand zu wundern, wenn ein Großteil der Kinder und Jugendlichen sich von der Politik nicht ernst genommen fühlt, wenn besonders junge Menschen immer weniger zur Wahl gehen, wenn viele glauben, höchstens über das Konsumverhalten noch etwas bewirken zu können. Einige wenige, zumeist junge Männer, gehen noch einen Schritt weiter: Sie versuchen, sich jenseits der demokratischen Spielregeln Respekt zu verschaffen oder sie treten einfach auf der Straße einen Schwächeren nieder, um sich wenigstens für einen Moment selbst stark zu fühlen.
Fritz Reheis

2. Was ist Politische Bildung?

Zusammenfassung
Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „Politischer Bildung“ sprechen? Es liegt nahe, den Begriff in drei Schritten zu definieren. Was ist Politik? Was ist Bildung? Und was ist Politische Bildung? Solche Vorüberlegungen sind zunächst nichts anderes als Werkzeuge, die sicherstellen sollen, dass Autor und Leser dasselbe meinen, wenn sie sich auf ein bestimmtes Wort beziehen. Definitionen erheben also noch keinen Wahrheitsanspruch. Definitionen als Werkzeuge sollten möglichst handlich sein und möglichst allgemein gehalten werden, um nach und nach ausdifferenziert werden zu können. Deshalb wähle ich im Folgenden jeweils die weitere Definition.
Fritz Reheis

3. Übergeordnete Ziele

Zusammenfassung
Wer Ziele für die Politische Bildung formulieren möchte, muss sowohl die Politik wie die Bildung im Blick haben, sowohl das Gemeinwesen wie den Bürger. Denn die Bürger müssen zu ihrem Gemeinwesens passen und das Gemeinwesen zu ihnen. Der individuelle und der kollektive Prägungsprozess müssen kompatibel sein. Beide Prägungen stellen die Weichen in die Zukunft. Wenn Weichenstellungen nicht koordiniert sind, kann ein Zug entweder schnell entgleisen oder aber überall ankommen, nur nicht dort, wo er hinfahren soll. Im Prinzip könnte eine Erörterung der Ziele der Politischen Bildung sowohl auf der Seite der Bürger wie auf der Seite des Gemeinwesens beginnen. Letzteres aber liegt näher, weil das Gemeinwesen älter und grundlegender ist als der einzelne Bürger.
Fritz Reheis

4. Ausgangsbedingungen

Zusammenfassung
Wenn sich die Politische Bildung auf den Weg zu ihren Zielen machen will, reichen Kenntnis und Einverständnis in Bezug auf diese Ziele nicht aus. Wie bei der Planung einer Wanderung sollte man auch bei der Planung von Bildungsprozessen den Standort genau kennen, von dem aus man das Ziel ansteuert. Es stellt sich deshalb im Folgenden zunächst die Frage nach jenen Ausgangsbedingungen, die die soziale Umwelt des Menschen betreffen, um dessen Bildung es geht. Im zweiten Schritt wird es um die Ausgangsbedingungen der Innenwelt des Bildungssubjekts gehen. Wie schon bei den Zielen so ergibt sich auch bei den Ausgangsbedingungen diese Reihenfolge aus der schlichten Tatsache, dass Erstere schon da waren, ehe sich Letztere erst langsam herausbilden konnten. Die Analyse des Zusammenspiels von objektiven und subjektiven Voraussetzungen soll helfen, den Prozess des Mündigwerdens besser zu verstehen.
Fritz Reheis

5. Mündigkeit als Prozess

Zusammenfassung
Zunächst ein kurzer Rückblick. Im Anschluss an die Definition der Politischen Bildung (vgl. Kap. 2) wurden das übergreifende kollektive und individuelle Ziel der Politischen Bildung (vgl. Kap. 3), dann ihre äußeren und inneren Ausgangsbedingungen (Kap. 4) skizziert. Nun kann es mit der Analyse des Prozesses selbst losgehen. Wie sorgt dieser Prozess dafür, dass beide Aufgaben gleichermaßen erfüllt werden: einerseits den Sich-Bildenden zu befähigen, sich in das Gegebene einzupassen und es wertzuschätzen, andererseits, sich dem Gegebenen zu widersetzen?
Fritz Reheis

6. Themenfelder und Herausforderungen

Zusammenfassung
In Kap. 3.1 wurde die verfassungsmäßige Grundstruktur unseres Gemeinwesens als pluralistische Demokratie gekennzeichnet. Diese Pluralität wird jedoch in den öffentlichen Diskursen und auch im Bewusstsein von Lernenden und Lehrenden selten ausgeschöpft. Wir haben es vielmehr, so meine Ausgangsdiagnose, mit einer systematischen Engführung des Blickes zu tun, die dem Anspruch unserer Grundordnung nicht gerecht wird. Für diese Engführung soll im Folgenden sensibilisiert werden. Dazu werden einige der Themen und Herausforderungen, denen sich die Politische Bildung zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen muss, herausgegriffen. Ein besonderes Augenmerk gilt den gedanklichen Weichenstellungen, die den unterschiedlichen Positionen zugrunde liegen.
Fritz Reheis

7. Schluss

Zusammenfassung
Politische Bildung ist notwendiger denn je, heißt es auf allen Kanälen. Gleichzeitig wird nur wenig unternommen, um dieser Not abzuhelfen. Dieser Befund, dem vor allem auch angesichts der allumfassenden Ökonomisierung unseres Alltags voll zuzustimmen ist, bildete den Ausgangspunkt dieser Einführung. Was folgt daraus? Praktisch, dass wesentlich mehr Ressourcen bereitgestellt werden müssen, wenn man politisch gebildete Menschen wirklich möchte. Und theoretisch? Hört man Fachleuten für Politische Bildung zu, so ist man erstaunt über den Gleichklang. Sie sind sich einig in der generellen Zielsetzung, dass Politische Bildung „mündige Bürger“ hervorbringen soll. Sie sind sich einig, dass die Vorstellungen darüber, wann wir einen Bürger als mündig bezeichnen wollen, unterschiedlich ausfallen und stark davon abhängen, welche Vorstellung vom Gemeinwesen und vom Wesen des Menschen jeweils zugrunde liegen. Und sie sind sich auch darüber einig, dass wir in einer mehr oder minder pluralistischen Demokratie leben und dass als deren Gütemaßstab und Richtschnur für die Weiterentwicklung die Würde des Menschen gilt.
Fritz Reheis

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