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Über dieses Buch

Einerseits ist die politische Berichterstattung in Europa durch einen gemeinsamen Blick auf die EU gekennzeichnet. In dem Sinne besteht eine europäische Öffentlichkeit. Andererseits bleibt eine solche Berichterstattung mehrfach segmentiert – nicht nur im Hinblick auf Länder, sondern auch im Hinblick auf die Art der Medien, in denen die Berichterstattung erfolgt. Wie ist diese Mehrfachsegmentierung zu erklären? Die Antwort, die in diesem Buch auf Basis von Redaktionsstudien in sechs europäischen Ländern gegeben wird, lautet: durch unterschiedliche politische Diskurskulturen. Diese bestehen nicht nur national, sondern sie existieren auch für unterschiedliche Typen von Zeitungen. Doch gibt es Ansätze des Entstehens einer europäischen politischen Diskurskultur?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Ist in der letzten Zeit in den Medien von Europa bzw. der EU die Rede, so fallen häufig Worte wie „Finanzkrise“ oder „Schuldenkrise“. Diskutiert wird die Frage, ob angesichts der finanziellen Situation in Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien der Euro „gerettet“ werden kann, welche „Zukunft“ der Währung bevorsteht, vor allem aber, wie die verschiedenen nationalen Interessen der unterschiedlichen Länder der Eurozone hierbei zusammenkommen und was dies für die EU bedeutet. Ist die EU also nichts mehr als der Interessenverband verschiedener Nationalstaaten? Geht es selbst bei der Auseinandersetzung um den Euro, sobald sich die Entscheidungssituation zuspitzt, in den Medien nur noch um nationale Politik? Anders gesagt: Lässt sich überhaupt so etwas wie eine europäische Öffentlichkeit ausmachen? Und falls ja, wie ist diese im nationalen politischen Diskurs der einzelnen EU-Staaten verankert?
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

2. Ein Beschreibungs- und Erklärungsansatz: Transnationale Öffentlichkeit und politische Diskurskulturen in Europa

Zusammenfassung
Wie wir bereits in der Einleitung formuliert haben, sind wir bei unserer Untersuchung einer entstehenden europäischen Öffentlichkeit und der Erklärung ihrer Mehrfachsegmentierung mit einem komplexen Phänomen konfrontiert: Eine europäische Öffentlichkeit kann nicht einfach verstanden werden als eine ‚größere‛ nationale Öffentlichkeit. Auch die Einbettung einer europäischen Öffentlichkeit in politische Diskurskulturen ist vielschichtig. Hier gilt es, neben Momenten nationaler Kultur transnationale kulturelle Muster zu erfassen. Notwendig ist für unsere Untersuchung also ein Beschreibungs- und Erklärungsansatz, der einerseits einen analytisch handhabbaren Begriffsapparat bildet, andererseits aber den zu untersuchenden Phänomenbereich nicht von vornherein auf wenige Vorannahmen reduziert. Einen solchen Beschreibungs- und Erklärungsansatz wollen wir im Folgenden mit dem Begriff der politischen Diskurskultur entwickeln.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

3. Methodisches Vorgehen: Ein transkulturelles Mehrebenendesign

Zusammenfassung
Wie wir bereits in der Einleitung und im letzten Kapitel betont haben, ist es nicht leicht, Prozesse der Transnationalisierung zu analysieren: Auf der einen Seite geht es hier um Zusammenhänge, die das Nationale durchschreiten. Deswegen wird von Transnationalisierung gesprochen und nicht von Internationalisierung. Auf der anderen Seite bleibt das Nationale – Nationalkultur, aber auch der Nationalstaat – ein Referenzpunkt, über den Transnationalisierung betrachtet wird. Wir müssen uns für eine solche Untersuchung entsprechend grundlegende methodologische Gedanken machen. Oder um einmal mehr Ulrich Beck und Edgar Grande zu zitieren: „Um die Dynamik der Europäisierung verstehen zu können, benötigen wir folglich einen methodologischen Perspektivenwechsel“ (Beck/Grande 2004: 34).
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

4. Zeitungsinhalte: Die Mehrfachsegmentierung europäischer Öffentlichkeit von 1982 bis 2008

Zusammenfassung
Wie wir in den letzten Kapiteln argumentiert haben, ist der Prozess der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit – hier verstanden als Transnationalisierung von nationalen Öffentlichkeiten – mehrfach segmentiert. Der Begriff des ‚Mehrfachen‛ betont, dass wir nicht nur mit einer Segmentierung nach Nationen konfrontiert sind, sondern zusätzlich und nationenübergreifend mit einer Segmentierung nach Zeitungstypen. Wie sich eine solche Mehrfachsegmentierung europäischer Öffentlichkeit anhand von Zeitungsberichterstattung in den Ländern Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich und Polen für den Zeitraum von 1982 bis 2008 konkretisiert, wollen wir in diesem Kapitel anhand der von uns durchgeführten standardisierten Inhaltsanalysen verdeutlichen.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

5. Doing Nation: Die journalistischen Praktiken der Nationalisierung Europas

Zusammenfassung
Wie wir bereits ausführlich dargelegt haben, erscheint uns ein Ansetzen bei politischen Diskurskulturen zur Erklärung der Mehrfachsegmentierung europäischer Öffentlichkeit ein angemessenes Vorgehen. So künnen wir sagen, dass Unterschiede in der Europa- und Auslandsberichterstattung der von uns untersuchten Zeitungen für unterschiedliche Kulturen des politischen Diskurses stehen. Um hier einige Beispiele zu nennen: Die grüßere Offenheit gegenüber den Belangen und Positionen ihrer europäischen Nachbarn in Deutschland und Österreich im Vergleich zum sich stärker abgrenzenden Großbritannien sind als Ausdruck einer bestimmten politischen Diskurskultur verstehbar.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

6. Publikumsbilder: Transnationale Typen der Adressierung

Zusammenfassung
Die Mehrfachsegmentierung einer europäischen Öffentlichkeit verweist nicht nur auf nationale politische Diskurskulturen. Bemerkenswerterweise bestehen – wie wir gesehen haben – über verschiedene Länder hinweg Aspekte der Segmentierung, die mit verschiedenen Typen von Zeitungen in Zusammenhang stehen: Qualitätszeitungen berichten beispielsweise länderübergreifend anders über Europa als Boulevard- oder Regionalzeitungen. Hier zeigt sich eine transnationale Segmentierung von europäischer Öffentlichkeit. Es ist dieser zweite Aspekt von Segmentierung, den wir auf Ebene der journalistischen Praktiken in diesem Kapitel unserer Studie näher betrachten und erklären wollen. Dabei kommen wir zu einer differenzierteren Begrifflichkeit als die besagte Unterscheidung von Qualitäts-, Boulevard- und Regionalzeitungen und damit auch zu anderen Momenten politischer Diskurskulturen. Politische Diskurskultur verweist an dieser Stelle gerade nicht auf Nationalität, sondern auf den Charakter des jeweiligen Medienorgans, der sich mit Bezug auf das vorherrschende Publikumsbild artikuliert.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

7. Trigger-Konstellationen: Artikelbiografien im journalistischen Produktionsprozess

Zusammenfassung
In den letzten beiden Kapiteln haben wir uns damit befasst, wie sich politische Diskurskulturen auf nationaler Ebene und auf der Ebene der unterschiedlichen Adressierung von Publika durch verschiedene Redaktionen unterscheiden. Während diese Analysen einen allgemeinen Erklärungsrahmen für die nationale wie auch transnationale Segmentierung von europäischer Öffentlichkeit liefern, bleibt zu untersuchen, wie sich politische Diskurskulturen im konkreten Arbeitsprozess an einzelnen Artikeln manifestieren. Wie greifen hier nationale und transnationale Aspekte politischer Diskurskultur ineinander? Dieser Frage gehen wir im folgenden Kapitel nach. Wir wollen nachzeichnen, wie beim Entstehen einzelner Artikel der Europaberichterstattung in der Arbeit der von uns befragten und beobachteten Journalistinnen und Journalisten beide Aspekte von politischer Diskurskultur Hand in Hand gehen und welche Muster sich dabei ausmachen lassen.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

8. Europäische Öffentlichkeit und politische Diskurskulturen

Zusammenfassung
Wir haben in diesem Buch einen vergleichsweise breiten Bogen geschlagen. So ging es uns zuerst einmal darum, durch eine Längsschnittinhaltsanalyse der Zeitungsberichterstattung in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich und Polen zu zeigen, dass wir eine mehrfachsegmentierte europäische Öffentlichkeit ausmachen können: Einerseits haben wir eine langjährig zunehmende, in den letzten Jahren stagnierende Transnationalisierung von nationalen Öffentlichkeiten in Europa in dem Sinne, dass vermehrt über EU-Politik berichtet wird. Wir können so das Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit ausmachen.
Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg, Johanna Möller

Backmatter

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