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Über dieses Buch

​Für die Wahrnehmung von Politik und die Beteiligung am politischen Leben einer Gesellschaft ist politisches Wissen notwendig. Der Band bündelt aktuelle Studien zur Bedeutung, zur Messung sowie zu den Bestimmungsfaktoren und Konsequenzen des politischen Wissens. Die Beiträge geben erste Antworten auf drängende Fragen und weisen auf Lücken in der Forschung zum politischen Wissen in Deutschland hin.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Politisches Wissen: Relevanz, Messung und Befunde

Für die Wahrnehmung von Politik und die Beteiligung am politischen Leben in einer Demokratie ist politisches Wissen notwendig. Nur informierte Bürgerinnen und Bürger sind in der Lage, politische Vorgänge zu verstehen und sich fundierte Meinungen zu bilden. Deshalb ist in modernen Demokratien die politische Informiertheit der Bevölkerung ein angestrebtes Gesellschaftsziel. Dementsprechend haben in der amerikanischen politikwissenschaftlichen Forschung Studien zum Niveau des politischen Wissens und zum Zusammenhang mit politischen Verhaltensweisen eine lange Tradition und genießen einen hohen Stellenwert.
Trotz der normativen Bedeutung und der (amerikanischen) Befunde zur Relevanz des politischen Wissens für Einstellungen und Verhaltensweisen wurde die Forschung zum politischen Wissen in Deutschland lange Zeit vernachlässigt. Es liegen nur punktuelle empirische Daten vor, die einen begrenzten Einblick über das politische Wissen und das Verständnis politischer Vorgänge der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ermöglichen.
Der Beitrag diskutiert die normative Relevanz des politischen Wissens und gibt einen Überblick über die Probleme der Messung des politischen Wissens. Das Niveau und die Entwicklung des politischen Wissens in Deutschland werden beschrieben sowie die zentralen individuellen und kontextuellen Bestimmungsfaktoren des politischen Wissens dargestellt.
Bettina Westle, Markus Tausendpfund

Probleme der Messung

Frontmatter

Verstreute Einzelkenntnisse und nichts dahinter? Zur Messung politischen Wissens mittels Faktenfragen

Einige Forscher postulieren, dass die häufig zur Messung politischen Wissens eingesetzten Faktenfragen nur konkrete Einzelkenntnisse erfassen und damit überhaupt keine Schlüsse auf den politischen Wissensstand zulassen. Andere Forscher gehen demgegenüber basierend auf kognitionspsychologischen Überlegungen davon aus, dass auch Faktenfragen zur Wissensmessung geeignet sind. Die Ergebnisse dieses Beitrags zeigen für den deutschen Kontext, dass Personen, die bei Faktenfragen überdurchschnittlich abschneiden, in den meisten Fällen auch erfolgreicher bei Aufgaben sind, deren Lösung unbestritten das Vorhandensein elaborierter Wissensstrukturen erfordert. Insgesamt sprechen die Befunde damit für den Einsatz von klassischen Faktenfragen, da letztere nicht nur „verstreute Einzelkenntnisse“ messen, sondern die dabei abgerufenen Inhalte ebenfalls in Wissensnetzwerke eingebettet sind.
Thomas Schübel

Probleme der Messung politischen Wissens im internationalen Vergleich

Der Beitrag diskutiert die Probleme einer länderübergreifend vergleichenden Messung politischen Wissens. Es wird das Dilemma aufgezeigt, dass es nicht gleichzeitig möglich ist, gleichzeitig einerseits Schwierigkeit und Trennschärfe von Wissensfragen und andererseits die Verteilung des Wissens in einer Population empirisch zu schätzen. Am Beispiel der Daten von Modul II der Comparative Study of Electoral Systems werden diese Probleme illustriert: Die in den CSES-Teilstudien verwendeten Messinstrumente sind so heterogen, dass es unmöglich ist das Ausmaß politischen Wissens über Ländergrenzen hinweg zu vergleichen. Darüber hinaus schwankt die interne Konsistenz der Messinstrumente erheblich zwischen den nationalen Teilstudien, so dass auch Zusammenhänge mit anderen Variablen nicht vergleichbar sind.
Martin Elff

Bestimmungsfaktoren des politischen Wissens

Frontmatter

Politisches Wissen to go? Politische Wissensvermittlung über Wahlplakate

Plakate sind klassische Instrumente politischer Werbung in Wahlkämpfen. Sie können nicht einfach weggeschaltet, weggeklickt oder umgeblättert bzw. weggeschmissen werden. Aus der Sicht der politischen Wissensforschung ist insbesondere die Informationsfunktion von Plakaten in Wahlkämpfen interessant, da Kenntnisse der Wählerschaft über die Positionen der konkurrierenden Parteien für eine (sinnvolle) Wahlentscheidung relevant sein sollten. Der Beitrag legt den Schwerpunkt auf die Vermittlung issuebezogener Aspekte politischen Wissens via Wahlplakate. Zu diesem Zweck wurde ein Online-Experiment durchgeführt, um zu prüfen, welche Chancen Wahlplakate bei der Vermittlung politischer Informationen bieten. Dabei zeigte sich, dass die individuellen Kenntnisstände über spezifische Parteipositionen von Wahlplakaten positiv beeinflusst werden.
Christian Cleve

Beschäftigungsunsicherheit, politisches Wissen und Wahlbeteiligung

Dieser Beitrag entwickelt die theoretische Erwartung, dass wirtschaftliche Sorgen die Ressourcen verringern, um sich mit politischen Informationen auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten. In der Folge könnten wirtschaftliche Probleme die Grundlage für politisches Wissen und politische Beteiligung schwächen. Diese Implikationen werden am Beispiel von Beschäftigungsunsicherheit und ihren Effekten im Kontext der Bundestagswahl 2013 untersucht. Tatsächlich korreliert Unsicherheit über zukünftige Beschäftigung mit relevanten Variablen: politisches Wissen und Wahlbeteiligung.
Paul Marx

Nur „freundliches Desinteresse“? Ausmaß und Determinanten verteidigungspolitischen Wissens in Deutschland

Analysen der Bevölkerungsbefragung des Jahres 2016 des ZMSBw zeigen auf, dass die verteidigungspolitischen Kenntnisse der Bürger in Deutschland etwa das Niveau des allgemeinen politischen Wissens erreichen. Damit lässt sich die These des „freundlichen Desinteresses“ oder mangelnden Wissens in dieser Hinsicht nicht bestätigen. Besonders wichtige Erklärungsfaktoren des verteidigungspolitischen Wissens sind das politische Interesse, die Häufigkeit der Wahrnehmung der Bundeswehr über die Massenmedien und insbesondere die individuelle politische Kompetenzüberzeugung. Eigene militärische Erfahrungen als Soldat wirken sich zwar positiv auf das Wissensniveau aus, haben aber insgesamt nur eine untergeordnete Bedeutung.
Markus Steinbrecher, Heiko Biehl

Die Rolle von Migrations- und Integrationsprozessen für das Parteienwissen von türkischen und polnischen Neuzuwanderern in Deutschland

Der Beitrag untersucht Unterschiede im Parteienwissen von türkischen und polnischen Neuzuwanderern in Deutschland. Analysen auf Basis der SCIP-Daten zeigen, dass Türken kurz nach der Migration mehr Wissen zu deutschen Regierungsparteien besitzen als Polen. Das lässt sich erstens auf ungünstigere Lerngelegenheiten der Polen zurückführen, bedingt durch geringere Kontakte zu Einheimischen, eine niedrigere Bildungsbeteiligung und eine seltenere Nutzung deutscher Medien. Zweitens sind die Lernanreize durch die häufiger befristete und seltener bildungsmotivierte Migration der Polen schwächer. Generell verfügen Neuzuwanderer über mehr Parteienwissen, wenn sie den Merkmalen entsprechen, die auch bei den Einheimischen Politikkenntnisse begünstigen (männlich, mittleres Alter, hohe Bildung, an Politik interessiert) und sie im Integrationsprozess weiter fortgeschritten sind.
Anne Gresser

Folgen des politischen Wissens

Frontmatter

Politisches Wissen und Europawahlen

Die Europawahl 2014 kennzeichnet zwei Auffälligkeiten: Erstens wurde mit 42,6 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung in der Geschichte der Direktwahl des Europäischen Parlaments beobachtet. Zweitens verzeichneten euroskeptische Parteien ihren bislang höchsten Stimmenanteil seit 1979. Diese Entwicklungen werden in der Literatur zwar mit verschiedenen Faktoren in Verbindung gebracht (z.B. Euro- und Finanzkrise), aber das politische Wissen der Bürger wird bei der Erklärung der Wahlbeteiligung und der Wahlentscheidung bei der Europawahl bisher weitgehend vernachlässigt. Dies ist aus zwei Gründen überraschend. Zum einen ist die außerordentliche Bedeutung des politischen Wissens der Bürger für ihre politischen Einstellungen und Verhaltensweisen in zahlreichen Studien empirisch nachgewiesen. Zum anderen handelt es sich bei der Europäischen Union um ein besonders komplexes politisches System. Entsprechend sollte ein höheres Niveau politischen Wissens mit einem besseren Verständnis für die institutionellen Arrangements der EU einhergehen und das Wahlverhalten bei der Europawahl in besonderer Weise beeinflussen. Deshalb untersuchen wir auf Grundlage der Daten der European Parliament Election Study 2014 den Einfluss des politischen Wissens auf die Wahlbeteiligung und die Wahl euroskeptischer Parteien bei der Europawahl 2014. Auf Basis von logistischen Mehrebenenmodellen zeigen wir, dass das politische Wissen einen positiven Effekt auf die Wahlbeteiligung ausübte, jedoch keine Auswirkungen auf die Wahl euroskeptischer Parteien hatte.
Daniela Braun, Markus Tausendpfund

Die Effekte von politischem Interesse und Wissen auf das Wahlverhalten euroskeptischer Bürger bei Europawahlen

Die niedrige Wahlbeteiligung und der hohe Stimmenanteil für euroskeptische Parteien bei der Europawahl 2014 gelten als Zeichen einer zunehmend euroskeptischen Öffentlichkeit. Doch was bewegt manche kritische Bürger zur Wahl euroskeptischer Parteien, während andere der Europawahl gleich ganz fernbleiben? Im vorliegenden Beitrag wird die Rolle von politischem Interesse und politischem Wissen für das Wahlverhalten euroskeptischer Bürger bei Europawahlen untersucht. Die empirische Analyse auf Basis von Nachwahlumfragen (EES 2014) zeigt, dass sowohl Interesse als auch Wissen die Einflüsse von Einstellungen zur EU auf die Partizipations- und die Wahlentscheidung konditionieren. Während politisches Interesse vor allem für die Mobilisierung euroskeptischer Bürger von entscheidender Bedeutung ist (Wahlteilnahme), vereinfacht politisches Wissen die Identifizierung einer nahestehenden, euroskeptischen Partei (Wahlentscheidung).
Constantin Schäfer

Effekte spezifischen politischen Wissens auf einstellungskongruente Wahlentscheidungen

Der Beitrag untersucht die Effekte spezifischen politischen Wissens auf die Wahrscheinlichkeit einstellungskongruenter Wahlentscheidungen. Dafür werden drei Bereiche politischen Faktenwissens unterschieden: Wissen über das politische System, politische Akteure und ideologische Parteipositionen. Unter Rückgriff auf Daten der Österreichischen Nationalen Wahlstudie AUTNES wird gezeigt, dass das Wissen über die Parteipositionen einen direkten Effekt auf einstellungskongruente Wahlentscheidungen hat, während das Wissen über das politische System dabei hilft, sich Heuristiken zu bedienen. Das Wissen über die politischen Akteure erweist sich hingegen als wenig relevant für einstellungskongruente Wahlentscheidungen.
David Johann, Sabrina Jasmin Mayer

Soziodemografische Cues zur Beurteilung von Parteienkompetenz

Politisches Wissen sollte die Grundlage jeder politischen Orientierung oder Entscheidung sein. Dieser normative Anspruch lässt sich in einem immer komplexeren politischen System, in dem das politische Interesse der Bürger nur mäßig ausgeprägt ist, allerdings nur bedingt durchsetzen. Als Alternative zu politischem Wissen nutzen Individuen Heuristiken, um hierdurch Informationen über die politischen Akteure abzuleiten. Im Rahmen eines Priming-Experiments wird untersucht, inwiefern sich die soziodemographischen Eigenschaften der Parteien als heuristische Hinweise (Cues) auf die Einschätzung ihrer Kompetenzen auswirken. Das individuelle politische Wissen wird als Moderatorvariable in die Analyse einbezogen. Die Ergebnisse sind ambivalent. Einerseits lassen sich einzelne Effekte des Primings nachweisen, andererseits zeigen sich keine systematischen Effekte des individuellen Wissensniveaus.
Astrid De Souza
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