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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Den Anstoß für diese Arbeit gab eine im Laufe meiner akademischen Ausbildung auftretende Irritation. Auf der einen Seite führte mich die Rezeption der Kritischen Theorie und verschiedener Spielarten des Poststrukturalismus zu einer zunehmenden Skepsis gegenüber den traditionellen Vernunftansprüchen der modernen Gesellschaft. Ich bevorzugte deshalb in der Folge solche Theorien, die sich kritisch gegenüber allen essentialistischen Universalismen und daraus resultierenden überzogenen Erkenntnis- und Begründungsansprüchen sozialer Praxis zeigten, und konnte mich dabei durch eine Vielzahl mir sympathischer politischer Bewegungen und der sie begleitenden Diskurse bestätigt sehen. Der Feminismus stellte seine Epistemologie von ‚Gleichheit‛ auf ‚Differenz‛ um, der Postkolonialismus beabsichtigte die Verschiebung des Systems kultureller Repräsentation innerhalb der vom westlichen Modell dominierten Weltordnung und in multikulturellen Gesellschaften zielten politische Forderungen zunehmend auf die Anerkennung der Besonderheit statt nur auf gleiche Rechte und gleichberechtigte Teilhabe an öffentlichen Belangen.
Dirk Auer

I. Von der Epistemologie zur Politik

Zusammenfassung
Epistemologie, Metaphysik, Essentialismus, Piatonismus, Repräsentationalismus — für Rorty sind das weitgehend synonyme Begriffe. Für die Klarheit der Darstellung wird im Folgenden ausschließlich von Essentialismus gesprochen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich dieser Begriff in den Sozialwissenschaften weitgehend durchgesetzt hat.13 Essentialistisches Denken heißt nach Rorty, zwei miteinander zusammenhängende Aussagen zu treffen: eine über das Wesen der Welt und eine über das Wesen der Erkenntnis. Bezogen auf die Welt wird behauptet, dass jedem einzelnen Gegenstand in der Welt nur genau eine Identität zukommt, die unter Abstraktion aller seiner nur zufälligen Eigenschaften sichtbar werden kann. Jedes Objekt kann damit unterschieden werden in das, was es von seinem zeitlosen Wesen her ausmacht, und dem, wie es aufgrund seiner zeitgebundenen Situiertheit in zufälligen, ihm äußerlichen Beziehungen erscheint. Bezogen auf die Erkenntnis heißt dies, da es nur ein Wesen gibt, dass es folglich auch nur eine diesem adäquate Beschreibung geben kann. Mit der ontologischen Aussage über die Welt korrespondiert deshalb unter erkenntnistheoretischen Aspekten ein Verständnis von Theorie als System von Aussagen mit absoluter und unbedingter Wahrheitsgeltung, „die sich nicht weiter auslegen läßt, die keiner Interpretation bedarf, von der man keinen Abstand nehmen kann und die sich von späteren Generationen nicht verhöhnen läßt.“14
Dirk Auer

II. Die Politisierung der Demokratie

Zusammenfassung
Welchen praktischen Unterschied macht ein antiessentialistisches Verständnis der Geltungsgrundlagen politischer Praxis? Was wird aus Begriffen wie „Legitimität“, „Vernunft“, „Gerechtigkeit“, wenn sie aus ihren essentialistischen Begründungszusammenhängen gelöst werden? Sobald es um solche Prinzipien geht, die auf das Engste mit dem normativen Selbstverständnis westlicher Demokratien verknüpft sind, wird im Allgemeinen ein spielerischer Experimentalismus, wie Rorty ihn vorschlägt, für unangebracht erachtet.22 Die Auseinandersetzung gewinnt merklich an Schärfe.
Dirk Auer

III. Politik und Kontingenz

Zusammenfassung
Eine Darstellung von Gemeinschaften als symbolisierte Gemeinschaften mag soziologisch besser informiert sein. Sie mag das von Rorty behauptete Passungsverhältnis von Antiessentialismus und Demokratie besser beschreiben können. Müssen die Akteure in ihrer Rolle als Teilnehmer an politischen Entscheidungsprozessen aber nicht Bedeutungsidentität unterstellen, damit ein Gespräch für sie überhaupt Sinn macht? Ist es für politisches Handeln nicht essentiell, sich auf stabile Kriterien und Identitäten berufen zu können? Die „radikale Unbestimmtheit der Demokratie“464 zu behaupten, wäre demnach eine Sache. Politik geht es dagegen, so wurde ja auch aus einer anties-sentialistischen Position geschlussfolgert, um Bestimmungen, um die Besetzung leerer Signifikanten mittels hegemonialer Strategien, die jeweils unterschiedliche Strukturierungen sozialer Verhältnisse nach sich ziehen. Kurz: Der Antiessentialismus mag vielleicht erhellende Einsichten für eine Beschreibung politischer Praxis haben, scheint aber seine Grenze dort zu finden, wo es um das politische Handeln selbst geht.
Dirk Auer

Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung mit Rortys verschiedenen Begründungsversuchen für eine antiessentialistische Position führte immer wieder zu dem Schluss, dass auch ein politisch verstandener Antiessentialismus in Schwierigkeiten gerät, sich gegenüber essentialistischen Fundierungsstrategien attraktiv zu machen. Es lässt sich allenfalls zeigen, was Rorty ja auch behauptet, dass es keinen Unterschied macht, ob die Teilnehmer an politischen Auseinandersetzungen ihren Auffassungen ein essentialistisches oder antiessentialistisches Geltungsverständnis zugrunde legen. Um diese aber wirklich zu motivieren, ihr ethisch-politisches Selbstverständnis durch ein antiessentialistisches Vokabular wie den Pragmatismus zu artikulieren, ist das zu wenig. Die Entscheidung für Essentialismus oder Antiessentialismus könnte dann als philosophische Überzeugung dem Bereich des Privaten überlassen bleiben. Sie hätte keine öffentliche Relevanz.
Dirk Auer

Backmatter

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