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05.08.2020 | Polymerwerkstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Kunststoffrecycling reicht für Kreislaufwirtschaft nicht

Autor:
Christoph Berger
3 Min. Lesedauer

Kunststoffprodukte werden kontrovers diskutiert. Dabei ließe sich das Problem Kunststoff und Umwelt schon allein durch einen Perspektivwechsel verkleinern: Die Abfallgesetzgebung sollte nicht am Lebenszyklusende, sondern an dessen Beginn ansetzen.

"Kunststoffverpackungen stellen Hygiene von Lebensmitteln und verpackten Waren sicher, verbessern die Haltbarkeit von Lebensmitteln und erlauben die Verringerung von Abfällen und Verschwendung", scheibt Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, in "Ein Thema … zwei Standpunkte" der Springer-Fachzeitschrift "Nachhaltige Industrie", Ausgabe 1/2020. Und auch Laura Griestop, Referentin beim WWF im Bereich Wirtschaft und Märkte, die den Gegenpart in dem Format übernommen hat, merkt an, dass Kunststoffe nicht nur gut oder schlecht sind, dass sie Vor- und Nachteile haben. Sie seien leicht und stabil, würden Lebensmittel konservieren und Produkte wie Medikamente steril halten. Allerdings sind es laut ihrer Aussage genau diese Eigenschaften, also die Stabilität und Beständigkeit, die Kunststoffe zu einem Material machen, das nicht in die Umwelt gelangen dürfe. Sie schreibt weiter: "Denn bis zur völligen Zersetzung von Kunststoff können mehrere Hunderte bis Tausende Jahre vergehen."

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Es sind also durchaus Überschneidungen in den Einschätzungen von Kunststoffen und deren Bedeutung erkennbar. Dies betrifft auch die Betrachtung von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft. So schreiben sowohl Möllenstädt als auch Griestop, dass die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen ein ganzheitlicher Ansatz sein müsse. Möllenstedt erklärt, dass die Kreislaufwirtschaft über das werkstoffliche Recycling hinausgehen müsse und sämtliche Phasen des Lebenszyklus von Kunststoffprodukten zu umfassen habe. Ein Aspekt, den auch Laura Griestop in ihrem Statement hervorhebt: "Dabei müssen Themen wie Langlebigkeit, Mehrfachnutzung oder Recyclingfähigkeit schon beim Design mitgedacht werden. Kunststoff kann hochwertig in Stoffströmen geführt werden, wenn Produkt- und Materialgestaltung konsequent von Beginn an darauf ausgelegt sind." Doch genau dabei bestehe in Deutschland Verbesserungsbedarf.

Effektive Abfallvermeidung beginnt beim Design

Dass es in Deutschland dabei durchaus noch zu hebende Potenziale gibt, stellt auch Helmut Maurer in seinem Fachbeitrag "Rahmengesetzgebung für eine nachhaltige Produktpolitik" heraus, der ebenfalls in Ausgabe 1/2020 von "Nachhaltige Industrie" erschienen ist. Darin fordert er: "Während Abfallgesetzgebung erst am Ende des Lebenszyklus von Produkten ansetzt, kann sich effektive Abfallvermeidung operativ nur am Anfang, auf der Ebene von Produktdesign und Produktion, ereignen. Für diese Bereiche des Lebenszyklus sind jetzt allgemeine und verbindliche Regelungen zu schaffen." Und auch die 2018 vorgestellte "Plastik-Strategie" enthalte als strategisches Kernelement hauptsächlich die intensive Bewerbung von mehr Kunststoffrecycling, ohne sich ernsthaft der Frage zu widmen, wie man die bestehende und weiter wachsende Plastikflut wirksam eindämmen könnte. Obwohl genau darin die wichtigste Herausforderung der maßlosen weltweiten Überproduktion von Kunststoffen bestehe.

Auf die Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft wird detailliert im Kapitel "Kunststoffe und Bauteile – Umwelt und Recycling" des Springer-Fachbuchs "Polymer Engineering 3" eingegangen. So setzt sich der Kreis aus Herstellung, Nutzung, Restwertbestimmung und Rückführung zusammen. Wobei es Ziel der Kreislaufschließung war und ist, natürliche Ressourcen durch einen verminderten Werkstoffverbrauch und geringeren Bedarf an Entsorgungskapazitäten die natürlichen Ressourcen zu schonen.

Helfen Verbote?

Andreas Fath zieht im Kapitel "Gegenmaßnahmen – Vermeidung, Abbau & Recycling" des Springer-Fachbuchs "Mikroplastik kompakt" aus der derzeitigen Situation folgendes Fazit: "Zumindest solange, bis wir den Stoffkreislauf des Plastiks unter Kontrolle haben, muss der Einsatz von Kunststoffen beschränkt werden. Wenn eine Vermeidung von Plastikgütern, dort wo es möglich ist, nicht auf Einsicht stößt, kann sie auch durch Verbote erzwungen werden."

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Quelle:
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