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Pop goes my heart

Religions- und popkulturelle Gespräche im 21. Jahrhundert

  • 2016
  • Buch
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Über dieses Buch

Die Beiträge dieses ersten Bandes der Reihe „pop.religion: lebenstil-kultur-theologie“ sind ursprünglich aus den Vorträgen der Jubiläumstagung des Arbeitskreises Populäre Kultur und Religion („20 Jahre AK POP“) hervorgegangen. Sie zielen bisweilen spielerisch, stets hingebungsvoll ab auf eine Revision bisheriger Diskursarchitekturen, auf innovative Impulse für ein interdisziplinär zu gestaltendes Theoriedesign: Gesprächsteilnehmende aus zwei Generationen sind es, die ihre literaturwissenschaftlichen, poptheoretischen, theologischen, soziologischen und kulturwissenschaftlichen Pointen mit individueller Leidenschaft und persönlicher Stilnote anschaulich machen – und außerdem verdeutlichen, was „Lady Gaga“ mit alledem zu tun haben könnte.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Poptheologie „in a cultural sense“?
Ein Vorwort
Zusammenfassung
Die (Wieder)Entdeckung von Sphären und Plateaus, auf denen sich Religiöses und Popkulturelles (in nahezu unbeschadeter Koexistenz?) für analytische und hermeneutische Zugänge sowie für interdisziplinär-intermediäre Diskurse bereit hält, hat Konjunktur – zumindest, wenn man sich auf das Potential bestimmter Internet-Recherchemaschinen verlässt: Wer in der jüngsten Dekade in geregelten Zeitintervallen die Suchbegriffe „Religion“, „Popkultur“, „Populärkultur“, „Theologie“ (usw.) miteinander kombiniert und in beliebiger Zusammenstellung in die Suchmaske eingegeben hat, wird jedenfalls den Zuwachs an Sites, Blogs, Mags und Clips, aber auch an entsprechend platzierten Literatur- und Diskursreferenzen registriert haben, die auf irgendeiner Weise Stellung beziehen zu „Pop und Religion“.
Frank Thomas Brinkmann

Intro

Frontmatter
Pop(p) goes my heart
Eine semiakademische Freestyle-Plauderei zwischen Generationen
Zusammenfassung
Pop goes my heart. Auf gut deutsch erklärt bedeutet das: Mein Herzschlag wird onomatopoetisch veranschaulicht durch einen Platzlaut, der bilabial (Ober- und Unterlippe) oder apikolabial (Lippe und Zungenspitze) gebildet wird. Richtig?
Frank Thomas Brinkmann, Julian Sengelmann

is like a brick. you can build a house or sink a dead body.“ Poptheologische Variationen über den Judas von Lady Gaga (Session I)

Frontmatter
Die Lady und das Evangelium
Zusammenfassung
Ja darf man das denn? Direkt zur Beginn einer AK POP-Tagung den Begriff des Evangeliums ins Spiel bringen? Schämt der sich denn gar nicht?
Wir hatten uns doch so lange angewöhnt, nicht mehr alles in stumpfer Weise dem Verdikt der Frömmigkeit zu unterwerfen. Lange waren wir ins phänomenologische Fitnessstudio gegangen, uns die schweren Pfunde christlicher Traditionspolster abzutrainieren, die unsere theologischen Schweinsäuglein zuschwellen ließen und den freien Blick aufs popkulturelle Ding an sich verengten.
Ingo Reuter
Gagastyle: zwischen Eindeutigkeit und Entleerung
Zusammenfassung
Ein Grund für die Gründung des AK POP vor 20 Jahren lag darin, dass sich die damaligen Protagonisten mit ihrer Lebenswelt kaum theologisch wahrgenommen fühlten von denjenigen Theologen, die ästhetisch seinerzeit die Theologie prägten. Als ich Lady Gagas Judas zum ersten Mal sah, dachte ich: Jetzt ist es wieder soweit. Nur dass ich jetzt auf der anderen Seite bin. Wenn ich dem Hinweis meines Kollegen Martin Leutzsch Glauben schenken darf (und das mache ich einfach immer!), dann ist dieses Phänomen seit über 4000 Jahren belegt. In der Generation meines Alters heißt es seit Beginn der menschlichen Aufzeichnungen: Nee, diese Jugend von heute – wo soll das noch hinführen?
Harald Schroeter-Wittke
Beziehungsklärungsversuche, angeregt von Lady Gaga
Zusammenfassung
Wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Inzwischen hast du mir aber viele Verletzungen zugefügt. Also schreibe ich dir mal, warum ich mit dir ein Beziehungsproblem habe.
„Ich liebe dich“ – das kann ich nicht mehr sagen. Klingt nach Heimatsendung und Kitsch. Das geht höchstens noch als Zitat: „Wie hieß das früher doch? Ich liebe dich, glaube ich. Du entsprichst aber leider nicht meinen derzeitigen Bedürfnissen.“
Joachim Kunstmann
Gagas Medium is Gagas Message?
Zusammenfassung
Es waren die Macher der Tagung Pop(p) goes my heart, der 25. Jahrestagung des AK POP, die mir diese Frage stellten. Selbstverständlich spielten sie auf die allseits bekannte Aussage The Medium is the Message des kanadischen Literatur- und Medienwissenschaftlers Marshall McLuhan (1911-1980) an und übertrugen mir dazu noch die Aufgabe, an dem im Jahre 2011 erschienen Videoclip Judas von Lady Gaga (Album Born This Way) veranschaulichen zu sollen, wie die Rede von dem Medium, das zugleich die Botschaft verkörpere, zu verstehen sei. Damit war ein großer Bogen aufgespannt oder man könnte auch sagen, es waren gleich zwei Arbeitsfelder benannt.
Ilona Nord
Zur (Pop-)Kultur des Verrats und seiner gefälligen Inszenierung
Zusammenfassung
Ich habe den Videoclip zu Judas erst zur Vorbereitung dieses „Flashs“ angeschaut, er ist ja nun schon ein paar Jahre alt. Als Mitglied der „GründerInnengeneration“ des nun 20jährigen AK Pop darf ich auch mal nicht so aktuell sein. Als Mutter eines 17jährigen und einer 12jährigen kenne ich allerdings Lady Gaga schon lange, muss mir die Musik oft anhören, sehe die aufgehängten Poster mit den lasziven Posen der Lady, die wohl versucht, die (für sie mütterliche) Madonna zu übertreffen. Ja, Madonna, das ist meine Generation, schon gehört sie zur alten Zeit, ob diese auch eine ‚gute‘ war? Hat Madonna nicht überhaupt erst erfunden, worauf Lady Gaga jetzt baut?
Inge Kirsner

til today and beyond. Soziologische und theologische Beats

Frontmatter
Populärkultur:Übertreibung und Verfemung
Zusammenfassung
Worüber spricht, wer über Populärkultur spricht? Faktisch herrscht über diese Frage größtmögliche Unklarheit. Zwar ist in der kulturellen Gegenwart westlich geprägter, postmodernistischer Gesellschaften Populärkultur als Erfahrungsraum und in Form von Artefakten in allgegenwärtig und ausnahmslos jedem Individuum vertraut, das deren Lebenswelten bewohnt. Trotzdem gibt Populärkultur weiterhin Rätsel auf, bleibt sie ein Gespenst kultureller Realitäten, zumindest gespenstisch. Das nimmt schon damit seinen Anfang, dass unklar bleibt (möglicherweise auch bleiben muss), was überhaupt gemeint und wovon genau die Rede ist, wenn diese Rede auf den Gesamtkomplex von Populärkultur zum Thema wird. Dieses Problem nimmt seinen Anfang mit der Begriffswahl. Handelt es sich nun um Populärkultur? Um populäre Kultur? Um Popkultur? Ein Buchstabe kann hier rasch den Unterschied ums Ganze machen. Der folgende Text ist darum bemüht, den Begriff der Populärkultur vor dem skizzierten, labyrinthischen Hintergrund, etwas zu lichten.
Jörn Ahrens
Das Interesse der christlichen Theologie an einer Hermeneutik der populären Kultur
Zusammenfassung
Hat die akademische Theologie eine Interesse daran, sich mit der populären Kultur zu befassen, und wenn ja, welches?
Andreas Kubik

Even prophets forgave his goofy way.“ Poptheologische Variationen über den Judas von Lady Gaga (Session II)

Frontmatter
Vagabunden. Anmerkungen zu einer Gratwanderung zwischen Marshall McLuhans Understanding Media und der Wiederkehr der Augenblicksgötter
Ein religionshermeneutischer Kommentar zu Ilona Nord
Zusammenfassung
„The Medium is the Message“1 – diesen berühmten Sinnspruch des Grand Seigneurs der Medientheorie, Marshall McLuhan, hat Ilona Nord über ihre Ausführungen gestellt. Ohne in eine kritische Erörterung dieser These bzw. Botschaft eintreten zu wollen, beginnt mein Kommentar mit der schlichten Frage: „Was ist denn eigentlich ein Medium?“ In unserem Fall würde die vordergründige Antwort wohl lauten: „Naja .., zum Beispiel ein Videoclip.“ Doch ist dies ebenso schlicht wie trivial. Denn die eigentliche Frage wäre dann die anschließende: Warum und inwiefern ist denn ein Videoclip ein Medium? Und weiter: Für wen ist es ein Medium? Und wo und wann tritt es als ein solches in Erscheinung? Denn unter dem Gesichtspunkt derjenigen, die es produzieren, muss dies keinesfalls im Vordergrund stehen. Was also kennzeichnet den medialen Zug, den wir einem Videoclip und nicht nur diesem, sondern vielen weiteren, beileibe nicht nur popkulturellen, Erscheinungsformen zugestehen?
Christian Polke
Nothing Behind – die Oberfl äche als Ort der Freiheit. Anmerkungen zu Lady Gaga und dem Clip Judas
Zusammenfassung
Lady Gaga ist ein Phänomen, an dem sich die Geister scheiden. Zum einen sprechen Rezensenten von „großem Pop“, von einer „großartigen Performerin“ (die jüngst in einer Videoinstallation des Künstlers Robert Wilson im Louvre geehrt wurde), als ‚Superstar‘, dem kaum jemand Konkurrenz machen kann. Andererseits bescheinigen Kritiker Gaga, dass ihre Musik „im schlechtesten Fall billige Ramschmusik [...], im besten Fall Hochglanzpop von der Stange“ sei, dass Gaga „die zeitgenössische Kritik um den Finger wickelt“, dass sie eine „Ruhm-Nutte“ sei, „die jeden noch so trivialen Gag einsetzt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhaschen und den Umsatz anzukurbeln.“ Das Feld des Geschmacksurteils über Gaga ist also vermint.
Kristin Merle
Gagas Judas in der TransSocial Media, oder: Wie etwas im Netz sich ad infinitum zu dehnen vermag
Zusammenfassung
Man könnte Harald-Schröter Wittke auf seine Frage: „Nee, diese Jugend von heute – wo soll das noch hinführen?“ und auf seine implizierten Aussagen in Bezug auf Madonna und Michael Jackson „früher war alles besser.“ entgegnen: „Wie ist es dazu gekommen?“ oder besser noch: „Nee, wie konnte es nur soweit kommen?“ oder am allerbesten: „Nee, wie konntet ihr es nur soweit kommen lassen?“
Simon Eckhardt
Die Sünder werden geliebt. Jesus, Gaga und allerlei düstere musikalische Lebenswelten
Zusammenfassung
Was haben Lady Gaga und „düstere“ musikalische Lebenswelten wie Heavy Metal, Metalcore, Gothic, Industrial oder Neue Deutsche Härte gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Lady Gaga ist die neue Königin des Pop, Bands wie Slipknot oder Rammstein zieren im Kontrast dazu seit Jahren mehr oder minder regelmäßig den Index. Lady Gaga krönt den Mainstream – insofern man sich an dieser Stelle einigen möge, dass es so etwas wie einen Mainstream gibt –, inspiriert die Modebranche, wird zur weltweit gehandelten Marke, wohingegen Künstler wie Marylin Manson oder Trent Reznor außerhalb ihrer musikalischen Szenen mit ihren oft blutigen, sexuell angehauchten künstlerischen Darbietungen in der Allgemeinheit für Befremden sorgen.
Kristina Flieger

What will be, will be! Poptheoretische und religionsästhetische Moves

Frontmatter
Pop – terminologische, definitorische Ansätze
Zusammenfassung
Lichtenberg erinnert sich in seinen „Sudelbüchern“ an die Zeit um 1750: „In meinen Schuljahren, wo das Wort populär noch nicht so Mode war wie jetzt, glaubten wir, es hieße pöbelhaft oder so etwas“1. Die Notiz macht deutlich, in welch hohem Maße sich nicht nur die Wertschätzung, sondern auch die Bedeutung von Worten ändern kann. Gerade bei politisch als wichtig eingestuften Worten sind oftmals beträchtliche historische Änderungen zu verzeichnen – der Übergang von ‚Volks‘- zu ‚Populärkultur‘ im akademischen Sprachgebrauch des Deutschlands der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg spricht Bände.
Thomas Hecken
Ergreifende Herzensangelegenheiten und Sympathy for the Devil?
Zusammenfassung
Diese Geschichte ist vollständig wahr, weil ich sie von Anfang bis Ende erfunden habe.
Frank Thomas Brinkmann

Fade out

Frontmatter
AK POP – Status Quo Vadis?!
Tagungsbeobachtungen I
Zusammenfassung
Dieser und der folgende Beitrag von Patrik Mähling geben unsere mündlich vorgetragenen Tagungsbeobachtungen wieder. Der Charakter der mündlichen Rede wurde weitgehend beibehalten.
Tobias Braune-Krickau
AK POP – Status Quo Vadis?!
Tagungsbeobachtungen II
Zusammenfassung
Es stellt für mich eine nicht unerhebliche Herausforderung dar, dem kritischen Publikum am Ende einer Tagung, an der auch ich zum ersten Mal teilgenommen habe, zusammenfassende Beobachtungen zu präsentieren. Im Anschluss an die Ausführungen von Tobias Braune-Krickau daher einige Überlegungen als Reflektion auf die erlebte Tagung.
Patrik Mähling
Backmatter
Titel
Pop goes my heart
Herausgegeben von
Frank Thomas Brinkmann
Copyright-Jahr
2016
Electronic ISBN
978-3-658-10402-3
Print ISBN
978-3-658-10401-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-10402-3

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