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Über dieses Buch

Welchen Beitrag leisten populäre Fernsehbilder zur symbolischen Grenzziehung zwischen Mehrheitsbevölkerung und marginalisierten Gesellschaftsgruppen? Cornelia Grobner zeigt dies exemplarisch anhand einer qualitativen Untersuchung von deutschsprachigen Unterhaltungsfilmen mit afrikanischen Handlungsorten sowie ihrem Publikum. Ihre Studie wirft – im Spannungsfeld von Fremde und Heimat – neue Perspektiven auf Zusammenhänge zwischen fiktionalen Fernsehbildern, Rezeptionsweisen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Rassismus und Diskriminierung existieren in Österreich nicht nur strukturell, sondern auch im Alltagsleben, in dem wiederum Medien als subjektive Orientierungs- und Sinngeber eine Rolle spielen. Während das Feld der (Re-)Produktion von negativen Bildern und Vorurteilen über „Fremde“ und (symbolisch) zu Fremden Gemachte in Nachrichtensendungen bereits gut beforscht wurde, wurden andere, unterhaltende und a priori positive Bilder vermittelnde Wissensquellen aus dem Fernsehen tendenziell vernachlässigt. Ihre mögliche Bedeutung als medialer Raum, der Meinungen und Einstellungen über die „Anderen“ im Land prägt, sowie ihren Beitrag zur symbolischen Grenzziehung zwischen Mehrheitsbevölkerung und marginalisierten Gesellschaftsgruppen offenzulegen, ist das Ziel dieser Untersuchung.
Cornelia Grobner

Kapitel 2. Fremd – eine theoretische Annäherung

Im Film begegnet uns das Fremde in vielen Gestalten: Das Fremde ist Satan, Alien und Vampir. Es entfaltet sein Grauen als Persönlichkeitsstörung oder als dystopische Zukunftsvision. Es verführt uns als sexueller Reiz oder magischer Dschungel. In seiner Andersheit liegen die spezifischen Merkmale dieses Fremden. Es ist die „Banalität des Rassismus“ (Terkessidis 2004), die auch Menschen(-gruppen) mit diesen Merkmalen ausstattet und sie dadurch systematisch zu Fremden macht – im Film genauso wie in gesellschaftlichen Diskursen und der Alltagswirklichkeit.
Cornelia Grobner

Kapitel 3. Das (un-)vermittelte Fremde

Wer oder was wem fremd ist, wird konstruiert. Identität ist Verhandlungssache, ein Kampf um Bedeutungen. Es geht um Positionierungen zwischen (fiktiven) Kulturen und über diese Kulturen hinweg. Dies alles passiert innerhalb eines gesellschaftspolitischen Machtgefüges. Postmodernen Verunsicherungen steht der Wunsch nach Orientierung gegenüber. Diese kann der Rückgriff auf Stereotype und klare Muster bieten – und dem bedienen sich auch die Massenmedien. Traditionelle Kulturkonzepte und kulturelle Differenzen werden produziert, reproduziert und konsumiert. Globale Homogenisierung trifft auf lokale Heterogenisierung. So wird das Fremde weiterhin im wahrsten Sinn des Wortes herbeigeredet und dadurch immer wieder aufs Neue konstituiert.
Cornelia Grobner

Kapitel 4. Fremde und Heimat im Nachkriegsheimatfilm

Das erste Monitoring der „Afrika-Filme“ zeigte eine auffällige Häufung von Parallelen zu den Heimatfilmen der Nachkriegszeit. Schon eine erste Nachlese (vgl. Höfig 1973, Schrödl 2004) untermauerte die These, dass es sich beim Untersuchungsgegenstand um eine Weiterentwicklung des Heimatfilmgenres handeln könnte – insbesondere in Bezug auf den fremden Handlungsort und seine ursprünglich dort lebenden Menschen als das inszenierte Andere. So gibt es Genremerkmale des Nachkriegsheimatfilms, die sich auch in den vorliegenden Filmen wiederfinden wie etwa eine idyllische Landschaft, kulturelle Gegensatzpaare, unterschiedliche soziale Milieus und typische Geschehensmerkmale (vgl. Höfig 1973, 392ff).
Cornelia Grobner

Kapitel 5. Unterhaltung durch das Fernsehen

Folgendes Kapitel widmet sich dem Phänomen von medialer Unterhaltung. Neben Überlegungen zum Konzept von Vergnügen, wie Roland Barthes dies für das Lesen entwickelt hat, und ausgewählten theoretischen Perspektiven auf Fernsehunterhaltung mit einem Schwerpunkt auf Werner Frühs Theorie dazu wird mediale Unterhaltung in den Kontext von Alltagskultur gestellt und ein Blick auf die Aneignung und Nutzung von Fernsehinhalten sowie auf Fernsehen als Alltagshandeln gegeben. Außerdem wird gezeigt, dass Rezipient_innen Fernseh-Unterhaltung seit Anbeginn des Mediums eingefordert haben und immer auch Unterhaltung als Information nutzen und – mit Blick auf den konkreten Untersuchungsgegenstand – inwiefern Afrika und damit verwandte Themen für Unterhaltungszwecke in westlichen Medien fungieren.
Cornelia Grobner

Kapitel 6. Methodische Anlage

Um die aufgeworfenen Forschungsfragen nach der Inszenierung von Fremdheit in deutschsprachigen fiktionalen „Afrika-Filmen“, den rezeptionellen Aneignungsweisen sowie den strukturellen und inhaltlichen Ähnlichkeiten zum Heimatfilmgenre in ihrer Komplexität sowie ihrem Zusammenspiel möglichst umfassend beantworten zu können, wurde ein qualitatives Methodendesign entwickelt. Hintergrund ist die Annahme, dass es sich bei sozialer Wirklichkeit um das gemeinsame Herstellen und Zuschreiben von Bedeutungen handelt, diese durch Prozesscharakter und Reflexivität geprägt ist und ihr kommunikativer Charakter der Ansatzpunkt für Forschung durch die Rekonstruktion ihrer Konstruktion ist. Darüber hinaus gilt, dass „objektive“ Lebensbedingungen erst durch subjektive Bedeutungen bzw. individuelle Sinnzuschreibungen für die jeweilige Lebenswelt von Relevanz werden.
Cornelia Grobner

Kapitel 7. Aufbereitung von Material und Kontext

Die der Präsentation der Ergebnisse von Rezeptionsanalyse und Inhaltsanalyse vorgelagerte deskriptive Aufbereitung von Material und Kontext gibt einen Überblick über inhaltliche Spezifika des Subgenres und setzt sich mit dessen Stellenwert innerhalb des deutschsprachigen Fernsehprogramms auseinander. Dazu werden sowohl das Subgenre der „Afrika-Filme“ mit seinen genrekonstituierenden Charakteristika als auch die vier ausgewählten Filme und ihre jeweiligen inhaltlichen Ausprägungen inklusive Angaben zu ihren Reichweiten (bzw. den Marktanteilen) im Rahmen von Produktbeschreibungen noch einmal gesondert betrachtet, um eine kontextuelle Einbettung der Leitfadenanalyse zu gewährleisten. Afrika-Bilder im Fernsehen abseits der Nachrichten sind kein Unikum der „Afrika-Filme“ – das Ausmaß dieser zeigte die Beschreibung des deutschsprachigen Fernsehprogramms in ausgewählten Zeiträumen.
Cornelia Grobner

Kapitel 8. Ergebnisse: Rezeptionsanalyse

Im Rahmen von Gruppendiskussionen wurde nach dem Screening ausgewählter Szenen die Anschlusskommunikation über das Subgenre „Afrika-Filme“ induziert. Ziel war, wie in Kapitel 6.1.1. ausgeführt, eine relativ offene und selbstständig geführte Diskussion unter den Teilnehmer_innen zu ermöglichen und diese im Sinne der Forschungsfragen lediglich behutsam mithilfe von offen gehaltenen Fragen entsprechend übergeordneter, theoretisch hergeleiteter Erkenntnisdimensionen zu lenken. Im Blickpunkt des Interesses der Rezeptionsanalyse standen die verschiedenen Perspektiven auf den Untersuchungsgegenstand und die Aneignungsweisen der Rezipient_ innen vor dem Hintergrund von Fremdheit, Differenz, Rassismus, (Post- bzw. Neo-)Kolonialismus und Migration.
Cornelia Grobner

Kapitel 9. Ergebnisse: Inhaltsanalyse

In den folgenden Kapiteln werden die Ergebnisse der funktionalen Inhaltsanalyse thematisch in Anlehnung an den kategorial fixierten Leitfaden sortiert aufbereitet und filmübergreifend zusammengefasst. Die jeweiligen Abschnitte machen als Antwort auf die erste Forschungsfrage deutlich, wie Konstruktionsmechanismen von Fremdheit durch narrative und filmspezifische Mittel wirksam werden bzw. wie Othering und Stereotypisierung von Afrika und Schwarz-Sein zu Unterhaltungszwecken in den vier analysierten Filmen umgesetzt sind. Außerdem werden die Ergebnisse der Analyse der filmisch inszenierten Modi des Fremderlebens sowie des adaptierten Bechdel- Wallace-Tests für Rassismus präsentiert.
Cornelia Grobner

Kapitel 10. Diskussion und Ausblick

Eine einfache Dramaturgie, klischeehafte Darstellungen, simple Konfliktlösungsmodelle, Orientierung und Glorifizierung von Vergangenheit und Glättung gesellschaftlicher Widersprüche charakterisieren das im Fokus dieser Untersuchung stehende Subgenre „Afrika-Filme“, das deutschsprachige Produktionen seit Ende der 1990er Jahre mit afrikanischem Handlungsort beschreibt. Sowohl Filmästhetik als auch Filmerzählung sind gekennzeichnet von stereotypen Mustern sowie von Simplifizierung und fehlender Komplexität. Den Filmen wird einhellig zugeschrieben, seichtes und eskapistisches Unterhaltungsangebot auf niedrigem künstlerischen Niveau zu sein – dies zeigte sowohl die Rezeptionsstudie dieser Arbeit (vgl. Kapitel 8.2.7.) als auch ein Blick in die Filmkritiken (vgl. u.a. Reichert 2007, Freitag 2008, Freitag 2009, Bitala 2010, Dolak 2010, Hupertz 2012, Tittelbach 2012).
Cornelia Grobner

Backmatter

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