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Praxis Grounded Theory

Theoriegenerierendes empirisches Forschen in medienbezogenen Lebenswelten. Ein Lehr- und Arbeitsbuch

  • 2026
  • Buch

Über dieses Buch

Dieser Band ist ein Lehr- und Arbeitsbuch für theoriegenerierendes Forschen. Die Beiträge erklären Prinzipien der Grounded Theory und diskutieren deren methodisch fundierte Durchführung und Darstellung im Rahmen empirischer Vorhaben. An Beispielen aus der Forschungspraxis wird gezeigt, wie sich Methodologie und Verfahrensrahmen der Grounded Theory zur Analyse medienbezogener Lebenswelten einsetzen lassen. Für die 2., erweiterte und aktualisierte Auflage wurde der Band durchgesehen und um einen Teil zu Grounded Theory und KI ergänzt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Einleitung zur zweiten Auflage: Praxis Grounded Theory, reloaded

    Christian Pentzold, Andreas Bischof, Nele Heise
    Zusammenfassung
    Auch die Zweitauflage von „Praxis Grounded Theory“ bleibt seiner ursprünglichen Grundidee treu: Forschenden diverser Disziplinen und allgemein Interessierten einen Zugang zu Grounded Theory zu verschaffen. Und das ganz konkret am Beispiel bestehender Projekte zu medienbezogenen Lebenswelten. Weil sich diese Lebenswelten und auch die Kontexte ihrer Erforschung seit der Erstauflage dynamisch entwickelt haben, schien eine Erweiterung des Bandes mehr als angebracht. Die neu aufgenommenen Beiträge fokussieren vorwiegend auf technologische und methodische Innovationen und ihre Wechselwirkung mit Grounded Theory. Von KI-gestützten Datenverarbeitungen über Topic Modeling bis hin zu Design Games entsteht ein Tableau neuer Möglichkeiten, um komplexe Forschungsfragen zu adressieren und transformative Ansätze in die Praxis umzusetzen.
  3. Einleitung: Theoriegenerierendes empirisches Forschen in medienbezogenen Lebenswelten

    Christian Pentzold, Andreas Bischof, Nele Heise
    Zusammenfassung
    Die Einleitung führt sowohl in die Struktur des Bandes als auch in grundlegende Überlegungen zur Anwendung von Grounded Theory für das Erforschen medienbezogener Lebenswelten ein. In einer Vorüberlegung wird das Buch als Sammlung zu adaptierender Anwendungen statt fertiger ‚Patentrezepte‘ vorgestellt, um gemäß der Grounded Theory theoriegenerierend zu forschen. Grounded Theory kann dabei als Verfahrensrahmen, als Methode und/oder als Ergebnis begriffen und gebraucht werden. Insbesondere für Einsteigerinnen und Einsteiger ist es nicht einfach, forschungspraktische, für ihre Vorhaben und Materialien passende Darstellungen des Arbeitens mit Grounded Theory zu finden. Deshalb trägt der Band beispielhafte Anwendungen für den Gegenstandsbereich medienbezogene Lebenswelten zusammen. Gemeint sind jene Felder der Alltagswelt, deren Sozialgeschehen grundlegend durch mediale Vermittlung und mediale Inhalte geprägt ist. Die Grounded Theory bietet sich gerade für ihre Erforschung an, weil sie offen und gegenstandsbezogen klärt, ob und inwiefern konkrete Medienbezüge in Lebenswelten hergestellt werden – anstatt deren Wirkmächtigkeit im Voraus festlegen zu wollen.
  4. Methodologische und methodische Grundlagen

    1. Frontmatter

    2. Grounded Theory: Methodische und methodologische Grundlagen

      Jörg Strübing
      Zusammenfassung
      Der Forschungsstil der Grounded Theory wird zunächst in seinem methodenhistorischen Kontext verortet, bevor Fragen der Anwendung und der Qualitätssicherung sowie aktuellere Weiterentwicklungen der Strauss’schen Grounded Theory kurz angerissen werden. Nach diesem eher groben Orientierungsrahmen geht es im dritten Abschnitt um die wissenschafts-, erkenntnis- und sozialtheoretischen Grundlagen des Ansatzes, wobei ich mich auf die pragmatistische Variante von Anselm Strauss beschränken werde. Der vierte Abschnitt geht dann genauer auf Grundprinzipien und einzelne Verfahrensschritte der Grounded Theory ein. Behandelt werden insbesondere das Theoretische Sampling und die zentralen Vergleichsheuristiken, das Prinzip des offenen Kodierens und der Entwicklung theoretischer Konzepte sowie die weiteren Kodiermodi, also das axiale und das selektive Kodieren. Das prozessuale Theorieverständnis der Grounded Theory bildet den Abschluss dieses Abschnitts, dem eine kurze Zusammenfassung folgt.
    3. Grounded Theory als integrierte Folge von Einzelfallstudien

      Besonderheiten eines Forschungsverfahrens Friedrich Krotz
      Zusammenfassung
      Ergiebige und tragfähige qualitative Forschung entsteht nicht daraus, dass man sich vor allem an alle Vorschriften hält, die sich auf Datenerhebung, Auswahl von untersuchten Sachverhalten und Auswertungsformen beziehen. Stattdessen müssen die einzelnen Forschungsschritte in erster Linie im Hinblick auf die jeweilige Forschungsfrage zugeschnitten sein und natürlich auch problemadäquat verwendet werden Das Forschungsverfahren der Grounded Theory lässt der Forscherin und dem Forscher dabei besonders viele Freiheiten. Im Vergleich zu den gängigen Formen quantitativer oder standardisierter Empirie, die nach dem Prinzip des Messens vorgeht, verlangt die Grounded Theory allerdings ein grundlegendes Umdenken. Grounded Theory lässt sich am besten – und diese Perspektive entwickelt und betont der vorliegende Beitrag – als eine Folge von Einzelfallstudien verstehen, die in einem inneren Zusammenhang stehen und am Ende im Hinblick auf die Forschungsfrage einerseits eine Reihe von Typen generiert, die andererseits durch die gleichzeitig entwickelte Theorie verstanden bzw. erklärt werden. Dies wird hier im Hinblick auf die Basisprinzipien, die der Grounded Theory zugrunde liegen, erläutert. Ferner wird gezeigt, wie man damit einerseits zu neuen Theorien, und andererseits zu verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen gelangen kann.
    4. Theorieorientiertes Kodieren, kein Containern von Inhalten!

      Methodologische Überlegungen am Beispiel jugendlicher Facebook-Nutzung Andreas Bischof, Monika Wohlrab-Sahr
      Zusammenfassung
      Der vorliegende Beitrag stellt das theorieorientierte Kodieren als zentrales Auswertungsverfahren der Grounded Theory vor. Am Beispiel einer Studie zur Facebook-Kommunikation in jugendlichen Lebenswelten wird dargestellt, wie mit diesem Analyseverfahren aus empirischen Daten schrittweise theoretische Aussagen entwickelt werden können. Zunächst sensibilisieren wir für die Notwendigkeit der methodologischen und theoretischen Positionierung beim Auswerten – ohne ‚Vorwissen‘ und Forschungsfrage kann nicht theorieorientiert kodiert werden. Anschließend werden die drei Kodierschritte, offenes, axiales und selektives Kodieren, ausführlich diskutiert. Unter Verwendung des Kodierparadigmas zeigen wir dabei, wie Kategorien ins Verhältnis gesetzt werden können, um theoretische Zusammenhänge zu erschließen.
  5. Austausch I

    1. Frontmatter

    2. Medienbezogene Lebenswelten mit Grounded Theory erforschen

      Ansatzpunkte, Hindernisse und Perspektiven Andreas M. Scheu, Andreas Bischof, Christian Pentzold
      Zusammenfassung
      Im abschließenden Beitrag dieses Bandes wollen wir uns mit dem Status Quo des Verfahrens, insbesondere im deutschsprachigen Raum, auseinandersetzen. Dafür wählen wir eine Form, die aus unserer Sicht dem Ansinnen der Reflexion entgegenkommt: Ein Gespräch zwischen Herausgebern des Bandes und Andreas M. Scheu, der sich an anderer Stelle mit der Adaption der Grounded Theory in der Kommunikationswissenschaft beschäftigt hat, aber an diesem Buch nicht direkt beteiligt ist. Dementsprechend soll in diesem Kapitel durchaus auch eine reflexive Distanz zum vorliegenden Band gewonnen und diskutiert werden, wie Grounded Theory im Feld der Medien- und Kommunikationswissenschaft und in Untersuchungen medienbezogener Lebenswelten aufgenommen wurde.
  6. Forschungspraktische Anwendungen und Reflexionen

    1. Frontmatter

    2. Methodentriangulation von Grounded Theory und Diskursanalyse

      Eine Rekonstruktion des Online-Diskurses zum Fall Demjanjuk Vivien Sommer
      Zusammenfassung
      Der Beitrag stellt ein Analysewerkzeug vor, das von mir entwickelt und eingesetzt wurde, um einen Online-Diskurs zu untersuchen und die darin realisierten diskursiven Erinnerungspraktiken sowie dazugehörigen Deutungsmuster zu rekonstruieren. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der diskursanalytischen Adaptierung des dreischrittigen Kodierungsprozesses der Grounded Theory für multimodale, digitale Kommunikationsformen. Anhand konkreter Analyseausschnitte zeige ich die Triangulation der Grounded Theory mit der wissenssoziologischen und der sozialsemiotischen Diskursanalyse. Die Analyse wird am Diskurs um den NS-Kriegsverbrecherprozess gegen John Demjanjuk veranschaulicht: Der gebürtige Ukrainer wurde im November 2009 für seine Verbrechen im Vernichtungslager Sobibor angeklagt und im Mai 2011 verurteilt. Rund um diesen Prozess entspann sich ein Diskurs über Fragen der Schuld von nichtdeutschen KZ-Aufsehern, der angemessenen Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die juristische Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern.
    3. Theoretisches Sampling von Online-Inhalten

      Die Analyse von Diasporawebsites Çiğdem Bozdağ
      Zusammenfassung
      Das Internet ist ein hochgradig dynamischer Kommunikationsraum: Sekündlich werden Terrabytes von Informationen ausgetauscht, beständig entstehen neue Webseiten oder Online-Services und damit neue Kommunikationskanäle. Für die empirische Forschung stellt diese Dynamik eine immense Herausforderung dar. Mit ihrem offenen Zugang und zirkulärem Datenerhebungsprozess bietet die Grounded Theory, so die Prämisse des Beitrags, einen geeigneten methodischen Ansatz, um dieses ‚unsichere Terrain‘ zu untersuchen. Der Beitrag diskutiert am Beispiel einer vergleichenden Analyse von Diskussionsforen der marokkanischen und türkischen Diaspora die Potenziale der Grounded Theory und insbesondere des Theoretischen Samplings für die Untersuchung von Online-Inhalten.
    4. Theoretisches Kodieren von Interviewmaterial

      Medienaneignung mit der Grounded Theory induktiv analysieren Kathrin Friederike Müller
      Zusammenfassung
      Der Beitrag beschäftigt sich theoretisch und anwendungsorientiert mit dem Einsatz von Kodierverfahren der Grounded Theory bei der Analyse von Interviews zur Nutzung und Aneignung von Medien. Anhand konkreter Beispiele aus einer Studie zur Rezeption von Frauenzeitschriften wird gezeigt, wie mithilfe des thematischen Kodierens komplexes Interviewmaterial analytisch verdichtet wird.
    5. Interviews als Form der Produktionsanalyse

      Ein Praxiseinblick in die Forschung im Kontext der Gender Media Studies Margreth Lünenborg, Tanja Maier
      Zusammenfassung
      Der Beitrag zeigt anhand konkreter Arbeitsschritte, wie man den Forschungsstil der Grounded Theory praktisch in der eigenen Forschung zur Analyse von Geschlechterkonstruktionen und medialer Kommunikation umsetzen kann. Konkret beziehen wir uns dabei auf Interviewmaterial aus einem von uns bearbeiteten Forschungsprojekt (Lünenborg und Maier 2012). Gegenstand hier sind Experteninterviews mit Journalistinnen und Journalisten aus Printredaktionen in Deutschland, die über implizite Prozesse der Herstellung von Geschlecht und Geschlechterdifferenz bei der journalistischen Wissensproduktion Auskunft geben. So soll sichtbar werden, wie mithilfe der Grounded Theory eine Auswertung von Experteninterviews erfolgen kann, die über eine paraphrasierende Wiedergabe hinausreicht. Dabei gehen wir auch auf das Verhältnis von induktiven und deduktiven Konzepten im Prozess der Auswertung und Theoretisierung ein.
    6. Grounded Theory und qualitative Analyse von Bildern

      Die Untersuchung visueller Geschlechterkonstruktionen in den Medien Elke Grittmann
      Zusammenfassung
      Auch für das Feld der Visuellen Kommunikation bietet die Grounded Theory einen Forschungsstil, um bislang unerforschte oder wenig explorierte visuelle Gegenstandsbereiche und visuelle Praktiken in unterschiedlichen Lebenswelten oder professionellen Bereichen zu untersuchen und neue Theorien aus den Daten zu entwickeln. Der Beitrag zeigt am Beispiel eines Forschungsprojektes zu Ikonografie und Geschlechterkonstruktionen von Spitzenpersonal in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in den Medien, wie die offene und zirkuläre Vorgehensweise der Grounded Theory insbesondere im Sampling und in der Kodierung genutzt wurde, um zu empirischen wie theoretischen Erkenntnissen über Bildtypen und visuelle Geschlechterkonstruktionen zu gelangen.
    7. Audiovisuelle Grounded-Theory-Methodologie. Analysen zu Rassismusdiskursen in Musikvideos und Social Media

      Marc Dietrich, Günter Mey
      Zusammenfassung
      In dem Beitrag wird nach Anmerkungen zur veränderten Kommunikationspraxis aufgrund von sozialen Plattformen das Forschungsprojekt „Musikvideos, Szenemedien und Social Media – zur Aushandlung von Rassismus im deutschsprachigen HipHop“ unter methodischen Gesichtspunkten vorgestellt. Im Zentrum stehen Ausführungen zur Audiovisuellen Grounded-Theory-Methodologie. Erläutert werden hierbei das Forschungsdesign und Samplingstrategien sowie die Analyse der Musikvideos, Online-Kommentare und journalistischen Darstellungen, entlang derer die Rassismusdiskurse im deutschsprachigen HipHop rekonstruiert wurden.
    8. Videobasierte Konversationsanalyse und Grounded Theory: Personalität und Sozialität in der Mensch-Roboter-Interaktion

      Ilona Straub
      Zusammenfassung
      Der Beitrag stellt die Zusammenführung von Grounded Theory und videobasierter Konversationsanalyse vor, um Akteurszuschreibungen in der Mensch-Roboter-Interaktion zu untersuchen. Beginnend mit einer an die empirische Untersuchung vorangestellten Theoriereflexion über grundlegende Vorannahmen von Sozialität, dient die Verbindung von Grounded Theory-Methode und Konversationsanalyse dazu, über Teiltheorien aus der Interaktionsforschung zusätzliche Kategorien für die Untersuchung nicht-menschlicher Akteursbezüge zu liefern, die rückwirkend in Verbindung mit der Auswertung nach der Grounded Theory-Methodologie zu einer verfeinerten empiriebasierten Sozialtheorie beitragen können.
    9. Methodentriangulation und Dokumentation

      Eine Studie zum kommunikativen Mediengebrauch im Alltag von Paaren Christine Linke
      Zusammenfassung
      Der Beitrag stellt eine Studie zur alltäglichen Kommunikation in Paarbeziehungen vor, bei der ein besonderes Augenmerk auf der Rolle und Bedeutung von Medien lag. Anhand der konkret im Forschungsprozess vollzogenen Arbeitsschritte sowie methodischen und analytischen Entscheidungen wird die offene und dabei gleichzeitig systematische und reflektierte Untersuchung in der Tradition der Grounded Theory präsentiert und diskutiert. Schwerpunktmäßig vorgestellt werden die Konzeption der Datenerhebung im Sinn einer Triangulation als Interview-Tagebuch-Methodendreieck sowie der Umgang mit Memos als Dokumentations- und Reflexionsmittel in Datenauswertung und Theorieentwicklung.
    10. Grounded Theory als Entwestlichungsstrategie

      Sampling, Erheben und Kodieren von ethnografischen Beobachtungsdaten, Dokumenten und Interviews Sigrid Kannengießer
      Zusammenfassung
      Anhand einer Studie eines translokalen Netzwerks von Frauen und Frauenorganisationen und seiner lokalen Arbeit in Südafrika wird in diesem Beitrag diskutiert, inwiefern die Grounded Theory eine Strategie der Entwestlichung ‚westlicher‘ Kommunikations- und Medienwissenschaft sein kann. Dabei wird gezeigt, dass vor allem die Offenheit des Verfahrens in der Datenerhebung und -auswertung sowie die Möglichkeit der Methodentriangulation gewinnbringend für ein solches Anliegen sind. Als theoriegenerierender und nicht theorieprüfender Ansatz können mit der Grounded Theorie bestehende (‚westliche‘) Theorien weiterentwickelt und im Forschungsprozess Positionen ‚westlicher‘ Wissenschaftler*innen reflektiert werden.
    11. Qualitätssichernde Strategien und Gütekriterien

      Eine Studie der ‚C Walk‘-Szene auf YouTube Christoph Eisemann, Angela Tillmann
      Zusammenfassung
      Die Grounded-Theory-Methodologie liefert ein Rahmenkonzept für die Entwicklung einer Theorie aus Daten. Ihre Güte lässt sich deshalb nicht mit Kriterien beurteilen, die traditionell zur Bewertung hypothesenprüfender Verfahren zugrunde gelegt werden. In diesem Beitrag soll am Beispiel einer Studie über eine kleine medienbezogene Lebenswelt aufgezeigt werden, wie eine Qualitätssicherung im Rahmen einer Grounded-Theory-Studie erfolgen kann und an welchen Stellen besondere Obacht geboten ist. Die Studie wurde im Feld der Jugendkultur ‚C Walk‘ durchgeführt, einer hybriden Straßentanz-Szene, die sich sowohl online als auch offline konstituiert.
  7. Austausch II

    1. Frontmatter

    2. Maschinen, Menschen und Methoden. KI in der qualitativen Sozialforschung als Mensch-Technik-Relation und Generationenaufgabe – Ein Gespräch

      Lina Franken, Burkhard Schäffer, Andreas Bischof
      Zusammenfassung
      Das Kapitel dokumentiert ein Gespräch zwischen Lina Franken, Burkhard Schäffer und Andreas Bischof über den Einsatz generativer KI in der qualitativen Sozialforschung. Diskutiert werden die methodologischen Herausforderungen, die durch digitale und KI-gestützte Verfahren entstehen – von der Fragmentierung und Strukturierung von Forschungsdaten bis zur Entwicklung komplexer Prompt-Architekturen. Die Autor:innen beleuchten historische Technikwechsel, die Rolle von Forschungswerkstätten und die Notwendigkeit eines experimentellen, praxisorientierten Umgangs mit KI als „hybride Interpretation“ zwischen Mensch und Maschine. Dabei wird KI als Teil einer methodischen Assemblage verstanden, die neue Möglichkeiten, aber auch ethische, professionspolitische und epistemische Fragen aufwirft.
  8. Theoriegenerierende Forschungspraxis im Wandel

    1. Frontmatter

    2. Grounded Theory-geleitetes Strukturieren in KI-gestützten Forschungsprozessen am Beispiel digitaler Diskursanalysen

      Gertraud Koch, Teresa Stumpf, Anja Silvia Mollah Haque
      Zusammenfassung
      Der Beitrag beschreibt, wie digitale Verfahren, die durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt werden, genutzt werden können, um bedeutungsgeleitetes Strukturieren im Forschungsrahmen der Grounded Theory zu fördern. Anhand der ‚Digital Analysis Tool Suite‘ (DATS), einer in Entwicklung befindlichen Prototyp-Umgebung für Diskursanalysen, wird veranschaulicht, wie manuelle, verstehende Forschungsprozesse der Datenverarbeitung durch die Einbindung KI-basierter Software profitieren können und welche Reflexionsebenen dies für die empirische Sozial- und Kulturforschung mit sich bringt.
    3. Topic Modeling und Grounded Theory: Aushandlungsprozesse aus Social Media -Daten rekonstruieren

      Konstantin Freybe
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel schildere ich, wie ich Topic Modeling nutze, um aus Millionen von YouTube-Kommentaren die für meine Fragestellung relevanten zu identifizieren. Das herkömmliche Nutzenversprechen des Topic Modeling als Verfahren automatischer Sprachverarbeitung liegt im Ermitteln latenter Bedeutungszusammenhänge in großen Textsammlungen. Ich mache mir dieses Werkzeug auch für die Reduktion der Menge auszuwertenden empirischen Materials zunutze. Dieses Kapitel stellt die Einpassung dieses computationalen Werkzeuges in meinen an der Grounded Theory orientierten Forschungsstil dar. Weil ich aus einem laufenden Forschungsprozess schreibe, veranschauliche ich mein Vorgehen an einer Stichprobe von 21.225 Kommentaren.
    4. Computationelle Samplingstrategien in der Grounded Theory. Große Mengen Text nachnutzbar machen

      Lina Franken
      Zusammenfassung
      Computationelle Verfahren ermöglichen ein Sampling mittels rechnender Zugänge und können so Auswahlprozesse erweitern und unterstützen. Daraus ergeben sich neue, nicht-lineare Perspektiven in das Material. In Mensch-Maschine-Interaktionen zwischen u. a. Forschenden, Software und Daten wird so Material gesichtet, strukturiert, sortiert und dabei verändert und fragmentiert. Hierdurch können potentiell relevante Einheiten identifiziert werden, die dann im weiteren Forschungsprozess in ihren Kontexten kodiert, mit Memos versehen und theoriegenerierend analysiert werden.
    5. Computergestützte Analyse: Auswertung narrativer Interviews mit QDAS und KI

      Susanne Friese
      Zusammenfassung
      Ich gehe in diesem Beitrag der Frage nach, wie anhand der heutigen technischen Möglichkeiten die Verfahren der klassischen Grounded Theory verändert bzw. weiterentwickelt werden können. Anhand eines Beispielprojekts zeige ich Schritt für Schritt, wie eine Grounded Theory-Analyse in einem traditionellen QDAS (Qualitative Data Analysis Software) durchgeführt werden kann. Zudem zeige ich exemplarisch, wie die Möglichkeiten, die die generative Künstliche Intelligenz (KI) uns eröffnet, in den Analyseprozess integriert werden kann, um so neue Perspektiven in der qualitativen Forschung zu öffnen.
    6. Transformative Wissenschaft: Herausforderungen und Potenziale von Grounded Theory und Grounded Design am Beispiel eines Forschungsprojekts zu Akteursnetzwerken in der Wasserstoffindustrie, -politik und -wissenschaft

      Stephan O. Görland, Sigrid Kannengießer, Anne Mollen
      Zusammenfassung
      Wie kann Wissenschaft gleichzeitig gesellschaftliche Transformationsprozesse erforschen und selbst transformativ agieren? Der Beitrag beschreibt ein Forschungsprojekt, in dem die kommunikative Vernetzung von Akteur*innen der Wasserstoffindustrie, -politik und -wissenschaft analysiert und diese Vernetzung transformativ unterstützt wird. Er zeigt, wie Wissenschaft durch die Forschungsverfahren der Grounded Theory und des Grounded Designs gleichzeitig erkenntnisgetrieben und transformativ agieren kann. In dem dargestellten Projekt wird Transformation zum Gegenstand des Grounded Theory-Verfahrens (im Projekt geht es um die Industrietransformation durch Wasserstoff). Gleichzeitig wird im Verfahren des Grounded Designs Transformation zur Methode, da wir als Wissenschaftler*innen selbst transformativ agieren. Auf der Basis einer theoretischen Auseinandersetzung mit transformativer Forschung sowie der Skizzierung der Forschungsverfahren der Grounded Theory und des Grounded Designs erläutern wir diese doppelte Bedeutung von Transformation in der Kommunikations- und Medienforschung.
    7. Design Games und Grounded Theory: Produktive Verknüpfungen von empirisch begründeter Theoriebildung und Gestaltung

      Philipp Knopp, Tilo Grenz
      Zusammenfassung
      Interdisziplinäre Kooperationen mit der Designforschung haben neue methodische Horizonte für die qualitative Sozialforschung eröffnet. Im Anschluss an die neuere Strömung der Designsoziologie beleuchtet der Beitrag die Potenziale von sogenannten Design Games als soziologische Methode, um Bezugsprobleme und Praktiken in mediatisierten sozialen Welten partizipativ zu erforschen und zu gestalten. Dazu wird reflektiert, wie Grounded-Theory-Methode und Spielgestaltung im Forschungsprozess verschränkt werden können und welche Konsequenzen die Vermischung rekonstruktiver und gestalterischer Forschungslogiken hat. In empirischen Forschungsprozessen können Design Games in verschiedenen Phasen zum Einsatz kommen: von der Erarbeitung von Forschungsfragen, über die Datenerhebung und partizipative Analyse bis hin zur Gestaltung von digitalen Medien und Praktiken.
Titel
Praxis Grounded Theory
Herausgegeben von
Christian Pentzold
Andreas Bischof
Nele Heise
Copyright-Jahr
2026
Electronic ISBN
978-3-658-49157-4
Print ISBN
978-3-658-49156-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-49157-4

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