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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Praxis ohne Theorie? Zur Einführung

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Einführung: Praxis ohne Theorie? Wissenschaftliche Diskurse zum Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“

Zusammenfassung
„Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“, so nennt sich ein seit 1999 existierendes Bund-Länder-Programm, auf dessen Agenda die Verbesserung der Wohn-, Lebens- und Arbeitsbedingungen in benachteiligten Stadtteilen steht. Das Programm setzt die klassische Stadterneuerung fort. Es will jedoch mit Hilfe eines integrativen Handlungsansatzes wichtige Defizite der bisherigen Praxis überwinden. Neben Akteuren verschiedener Ebenen des politisch-administrativen Systems stehen dabei vor allem die Bürger und deren Mitwirkung vor Ort im Mittelpunkt des Interesses. Inzwischen wurden bundesweit über hundert Kommunen in das Programm aufgenommen, und zahlreiche weitere Kommunen hoffen auf Aufnahme.
Sylvia Greiffenhagen, Katja Neller

Politische Steuerung der sozialen Stadtentwicklung: Ergebnisse des ersten Kolloquiums der Schader-Stiftung zum Programm „Soziale Stadt“

Zusammenfassung
Die Schader-Stiftung veranstaltete im Juni 2000 ihr erstes Kolloquium zum Thema „Politische Steuerung am Beispiel des Programms ‚Soziale Stadt‘“. Eine Grundlage dafür bildete ein Werkstattpapier, das Thesen und offene Fragen zu diesem Thema zusammen führte. Einige Überlegungen aus dem Werkstattpapier und den Ergebnissen der Diskussion während des Kolloquiums (vgl. Schader-Stiftung 2001; Mensch 2001) werden hier wiedergegeben, um eine Anknüpfung an die Tagung „Praxis ohne Theorie? Wissenschaftliche Diskurse zum Programm Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ zu ermöglichen.
Kirsten Mensch

„Soziale Stadt“ in der Praxis: Wirkungen und zukünftige Anforderungen

Zusammenfassung
Das Programm „Soziale Stadt“ ist, auf eine kurze Formel gebracht, eine Fortentwicklung und Zusammenführung bereits bestehender Ansätze zur sozialräumlichen Armutsbekämpfung. Das Land Hessen beispielsweise war in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich bei der Auflösung von Obdachlosengebieten und -Siedlungen durch ein integriertes Vorgehen unter Einbindung der verschiedenen Bereiche Gemeinwesenarbeit, Sanierung von Schlicht- und Einfachstunterkünften, Soziale Stadtteilentwicklung, Bewohnerbeteiligung, Lokale Beschäftigung, Wohnungsversorgung, Kinder- und Jugendhilfe, Frauenförderung und Soziale Sicherung. Hierbei hat die Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Hessen e.V. (LAG) als trägerübergreifendes Netzwerk1 von Gemeinwesenarbeitsprojekten und Bewohnerinitiativen entscheidend mitgewirkt und nachhaltig zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen von Menschen in benachteiligten Quartieren beigetragen.
Reinhard Thies

Soziale Indikatoren und Evaluation

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Wie misst man soziale Maßnahmen?

Zusammenfassung
Das Programm „Soziale Stadt“ basiert zum Teil auf den Erfahrungen der vorangegangenen Programme „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ in Nordrhein-Westfalen (vgl. ILS 2000; Bulle/Pesch 1998) und dem Armutsprogramm des Stadtstaates Hamburg. Ausdrücklich werden hier Maßnahmen für benachteiligte Wohngebiete gefordert (vgl. BMVBW 2000). Die Gebiete selbst werden durch eine Vielzahl von Problemen gekennzeichnet (vgl. Difu 2002; Projektentwickler Förderverein Heimfeld-Nord 1999; Projektentwickler Plankontor 1999; Stadt Köln 1999a, 1999b; Stadt Köln 2000), z.B. eine hohe Zahl von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, einen hohen Anteil ethnischer Minoritäten, eine fehlende Infrastruktur an bestimmten Einrichtungen, Kriminalität, mangelnde Integration von Minoritäten, bauliche Mängel und Familien mit zahlreichen Problemen.
Jürgen Friedrichs, Carola Hommerich

Programmfortschritt und erreichte Ergebnisse: Das Konzept für die Zwischenevaluation des Programms „Soziale Stadt“ 2003/2004

Zusammenfassung
Mit dem Bund-Länder-Programm „Förderung von Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ wurde Ende 1999 ein neuer Programmansatz der Städtebauförderung eingerichtet, dessen Ziel es ist, die Lebenssituation der betroffenen Menschen in benachteiligten Stadtquartieren durch eine aktive und integrativ wirkende Stadtentwicklungspolitik nachhaltig zu verbessern (vgl. Döhne/Walter 1999). Dabei geht es um die gebietsbezogene Verknüpfung von Fachpolitiken: Bau- und Infrastrukturpolitik, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, sowie Jugend-, Familien- und Sozialpolitik. Ein Kernelement des Programms ist die frühzeitige Abstimmung und Bündelung öffentlicher und privater Finanzmittel zu Gunsten der ausgewählten Stadtteile. Das Programm hat also zwei Stoßrichtungen: zum einen die Verbesserung von Lebensbedingungen und Lebenschancen in Quartieren, die in der Stadtentwicklung „an den Rand“ geraten sind (vgl. Häußermann/Kronauer/Siebel 2004), zum anderen die Erprobung einer neuen Politikform, nämlich der ressortübergreifenden Kooperation von öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Akteuren. Das Programm ist Teil der Städtebauförderung des Bundes und der Länder.
Hartmut Häußermann

Zur Evaluation des Programms „Soziale Stadt“: Das Programmgebiet Pliensauvorstadt/Esslingen am Neckar

Zusammenfassung
Das Bewusstsein, dass Städte auch in Zukunft die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung sein werden und als geeignete Plattformen zur Bekämpfung sozialer Spannungen fungieren (Pfeiffer 2000), geht einher mit einer Wiederentdeckung des Lokalen, d.h. der Stadtteile und der Stadtteilentwicklung. Stadtteile sind Lebensräume, in denen die sozialen Netze nach wie vor besonders dicht sind, auf die sich das besondere Interesse der Menschen richtet, in denen die Lebensqualität einer Stadt konkret wird und die Schnittstelle zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik gestaltet werden kann und muss. Nicht zuletzt wird dort Demokratie konkret erlebbar (Selle 2002). Benachteiligte Quartiere müssen allerhöchste Priorität genießen, damit der Gefährdung des gesamtstädtischen Gleichgewichts und der damit verbundenen Negativ-Entwicklung Einhalt geboten wird. Das Bund-Länder Förderprogramm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ greift diese spezifische Problemkonstellation auf, indem es mit Hilfe eines ganzheitlichen Vorgehens das Ziel verfolgt, alle relevanten Handlungsfelder gleichrangig und zeitgleich zu analysieren und zu verbessern. Das heißt, neben rein städtebaulichen Aspekten rücken soziale, ökonomische und kulturelle Faktoren einer „nachhaltigen und integrativen Entwicklung“ der Stadtteile gleichwertig ins Blickfeld von Analyse und Intervention (Walther 2002).
Sven Fries

Das Wohnquartier als Bedingungsrahmen für gelingenden Alltag. Überlegungen zur Evaluation des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ aus der Perspektive der Sozialen Arbeit

Zusammenfassung
Das im Jahre 1999 gestartete Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ ist vermutlich das anspruchvollste und komplexeste gesellschaftspolitische Programm, das in der Bundesrepublik je eingeführt wurde. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat die Zielsetzung dieses Programms rückblickend folgendermaßen zusammengefasst:
„Insgesamt geht es um eine Verbesserung der physischen Wohn- und Lebensbedingungen (überwiegend durch baulich-investive Maßnahmen und Projekte), der individuellen Lebenschancen (durch Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, Eröffnung von Zugangsmöglichkeiten in den Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie Hilfen zur Selbsthilfe) sowie des Gebietsimage, der Stadtteilöffentlichkeit und Identifikation mit den Quartieren (auf Basis konkreter Stabilisierungs- und Revitalisierungsmaßnahmen). Dies soll mit den Strategien der Bündelung humaner und materieller Ressourcen, der Aktivierung aller lokalen und lokal relevanten Akteure sowie der Einrichtung neuer Management- und Organisationsstrukturen erreicht werden“ (Arbeitspapiere zum Programm Soziale Stadt 2003: 6).
Konrad Maier

Steuerung — Governance — Informations- und Wissensverarbeitung

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Irritation und Innovation: Stadterneuerung als Lernprozess?

Zusammenfassung
Das Programm „Die Soziale Stadt“ steht in einer doppelten Tradition, die sich auch in seinen beiden Zielen niederschlägt. Als Handlungsfeld der Stadtplanung verfolgt es ein gebietsbezogenes Ziel: es soll Veränderungen in solchen Stadtquartieren bewirken, die in das soziale und wirtschaftliche Abseits ihrer Städte zu fallen drohen, und in denen das bisherige Instrumentarium der Stadterneuerung zu kurz greift. Als Handlungsfeld einer Stadtpolitik des sozialen Ausgleichs hat das Programm ein policy-bezogenes Ziel: es soll helfen die bisherigen politisch-administrativen Muster der Problembewältigung zu ändern. Allgemeiner ausgedrückt steht dahinter die Hoffnung, die Kommunale Selbstverwaltung, die sich historisch auch durch die sozialintegrativen Aufgaben für die Gesamtstadt konstituiert hat, könne sich transformieren.
Uwe-Jens Walther

Soziale Stadtentwicklung — Widersprüche und Lernprozesse in der Politikimplementation

Zusammenfassung
Das relativ junge Politikfeld „Soziale Stadtentwicklung“ ist aufgrund erkennbarer Widersprüche zwischen Anspruch und Realität früh — lange bevor Evaluationen der eingeleiteten Prozesse einen Sinn machten — kritisch betrachtet worden (gefragt wurde z.B.: Ist Beteiligung nur ein Alibi? Oder Quartiersmanagement nur eine Befriedungsstrategie?). In der Kritik wurde und wird meist ein grundsätzliches „Umdenken“ eingefordert, ohne dass zuvor ein tieferer Einblick in die Denkstrukturen, die Ideen und Bedeutungen der entscheidenden Akteure riskiert wurde.
Monika Alisch

Systemdenken und kollektive Wissensgenerierung: Die „Soziale Stadt“ als Testfall modernen staatlichen Regierens

Zusammenfassung
Das Programm „Soziale Stadt“ spiegelt das ganze Spektrum von Steuerungsproblemen, mit denen staatliches Handeln in modernen, ausdifferenzierten Gesellschaften konfrontiert ist, wider. Renate Mayntz (1995: 164) sprach gar von einem steuerungstheoretischen Paradigmenwechsel:
„Während aus der früheren Gesetzgeberperspektive heraus vor allem Fragen zur Steuerungsfähigkeit und Steuerbarkeit formuliert und damit allen hierarchischen Strukturen eigene Probleme thematisiert wurden, rücken nun andere, für Netzwerke oder Verhandlungssysteme charakteristische Probleme in den Mittelpunkt: die Handlungs- und Entscheidungsfáhigkeit der in Netzwerken verbundenen Akteure, die dabei von staatlichen Akteuren gespielte besondere Rolle und die Qualität der in derartigen Strukturen erzielbaren Ergebnisse“.
Henning Schridde

Mehrebenenanalyse, Inkrementalismus und „Soziale Stadt“

Zusammenfassung
Die Beschlussempfehlung der Arbeitsgemeinschaft der Minister des Bau-und Siedlungswesens (ARGEBAU) vom 29. November 1996 markiert den Beginn einer neuen Phase der Stadterneuerungs- und Sanierungspolitik in Deutschland. An Vorbildern im europäischen Ausland (Froessler u.a. 1994; Froessler 1995; Mirbach 1999; Jessen/Neumann 1999; Maclennan 2002) und einigen Bundesländern1 in Deutschland orientiert, rief die ARGEBAU (Difu 1999: 22) zu einem nationalen Aktionsprogramm auf, das eine Stabilisierung und „nachhaltige Entwicklung in Stadt- und Ortsteilen mit besonderen sozialen, wirtschaftlichen und städtebaulichen Problemen sicherstellen“ sollte. Die Ministerkonferenz hatte Bund und Ländern vorgeschlagen, „den für diese Stadtteile und Gebiete erforderlichen komplexen Erneuerungsprozess (... zunächst... Ergänzung des Verf.) anhand von Beispielen im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) zu fördern, zu untersuchen und zu evaluieren“ (ARGEBAU in Difu 1999: 29).
Thomas Gawron

Quartiermanagement im Spannungsfeld zwischen Politik, Verwaltung, Markt, Drittem Sektor und „Zivilgesellschaft“

Zusammenfassung
In nahezu allen am Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ teilnehmenden Städten und Gemeinden wird Quartiermanagement als Schlüsselinstrument für die Bewältigung der komplexen Aufgaben- und Zielstellungen integrierter Stadtteilentwicklung betrachtet1. Was allerdings Quartiermanagement im Einzelnen umfasst und wie es eingesetzt wird, handhaben die verschiedenen Städte und Gemeinden teilweise sehr unterschiedlich. Dies spiegelt sich nicht nur in verschiedenen Bezeichnungen — Stadtteil-, Gebiets-, Quartiermanagement-, sondern vor allem auch in höchst unterschiedlichen Organisationsformen wieder. Das Spektrum reicht dabei von einzelnen Fachkräften mit bestimmten Funktionen bis hin zu komplexen Organisationsstrukturen unter Einbeziehung verschiedener kommunaler Steuerungs- und Handlungsebenen.
Thomas Franke

Von Programmen zu Projekten: Die ambivalenten Innovationen des Quartiersmanagements

Zusammenfassung
Obwohl das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ eine mittlerweile kaum noch zu überschauende Zahl von Publikationen angeregt hat (allein die vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) betreuten Projektdatenbanken unter http://​www.​sozialestadt.​de enthalten mehr als 600 Einträge), ist die Einordnung dieser Gemeinschaftsinitiative in die großen Linien der deutschen Stadtentwicklungspolitik bislang völlig unterbelichtet geblieben. Das Gros der Beiträge thematisiert eher aus einer zeitlich sehr nahen Perspektive praktische Erfahrungen mit dem Programmmanagement und analysiert weniger die durch „Soziale Stadt“ intendierten Veränderungen in Handlungsdynamiken und Entscheidungsstrukturen. Gleichwohl scheint eine nicht unbedeutende Anzahl von Sozialwissenschaftlern der „Sozialen Stadt“ grundsätzlich das Potenzial einer Erneuerung der Stadtentwicklungspolitik zuzutrauen. Das Programm wird als Entwicklung hin zu einer „sozialverträglichen Stadtpolitik“ (Alisch 2002a) beschrieben, als „Politik neuer Qualität“ (Alisch 2002b) interpretiert oder als „Stadtpolitikerneuerung“ (Franke u.a. 2000) gedeutet. Die „Irritationen und Ambivalenzen“ (Walther 2001, 2002, siehe auch Walther in diesem Band) des Programms werden nicht als Problem gesehen, sondern vielmehr wird ihnen die Aufgabe zugeteilt, als „Geburtshelfer“ (Walther 2002) für Innovationen auf dem Weg zu einer sozialverträglicheren Stadtpolitik zu wirken.
Matthias Bernt, Miriam Fritsche

Integrierte Stadtteilentwicklung: Bedeutung, Zusammenhang und Grenzen von Place-making, Sozialkapital und neuen Formen der Local Governance

Zusammenfassung
Die gegenwärtig nicht nur in Deutschland verstärkt ergriffenen Maßnahmen zur nachhaltigen Veränderung der Situation in problematischen Stadtquartieren (vgl. Moulaert u.a. 2000) zeichnen sich durch eine räumlich-integrierte Herangehensweise und veränderte Formen der politischen Steuerung aus. Die englische Planungswissenschaftlerin Patsy Healey hat dafür den Begriff Place-making geprägt. Sie beschreibt damit gebietsbezogene Planungsansätze, die auf die Verbesserung lokaler Raum- und Lebensqualitäten als Kollektivgut zielen und auf einer Kooperation unterschiedlicher Akteure basieren (vgl. Healey u.a. 2000)1.
Marion Lahner, Karsten Zimmermann

Fremdkörper im städtischen Management? Die institutionelle und thematische Einbindung der „Soziale-Stadt“-Projekte in Hessen

Zusammenfassung
Nachdem die Reform der Verwaltung im Rahmen des „New Public Management“ (NPM) auch in Deutschland intensiv und lange diskutiert, ausprobiert und eingeführt wurde, hat sich eine gewisse Ernüchterung über die Chancen und Möglichkeiten dieses besonderen Reformansatzes feststellen lassen (vgl. Naschold/Bogumil 2000). Nach Auffassung vieler Beobachter gibt es aufgrund dieser Erfahrungen nicht nur ein „Umsetzungsproblem“, sondern auch ein konzeptionelles (Mingue/Polidano/Hulme 1998). Die prinzipiellen Reaktionen auf die Schwierigkeiten, die mit NPM sichtbar wurden, lassen sich in vier Schwerpunkte einteilen. Erstens gibt es generell eine Neigung, die Reformen grundsätzlich als positiv und abgeschlossen zu betrachten. Die jetzigen Schwierigkeiten, Stichwort kommunale Finanzmisere, seien extern verursacht und stünden mit verwaltungsbezogenen Reformen in keinem Zusammenhang. Zweitens wird zugegeben, dass es zwar Schwierigkeiten mit NPM-inspirierten Reformen gebe, aber man bekomme das schon in den Griff. Theoretiker wie Praktiker fordern hier, NPM quasi eins zu eins umzusetzen und lokale Widerstände zu brechen. Drittens gibt es Zweifel, ob denn tatsächlich an NPM alles so richtig sei und nicht Modifikationen, auch im theoretischen Rahmenwerk, notwendig seien.
Frank Eckardt

Partizipation — Integration — soziale und politische Distanzen

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Aktivierung und Beteiligung im Rahmen der „Sozialen Stadt“: Ein Klärungsversuch mit Hilfe von Sozialkapitalansätzen

Zusammenfassung
Nach einer Laufzeit von drei Jahren wurde im Mai 2002 eine Zwischenbilanz des Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ vorgelegt. Darin wird das Programm als „Pilotprojekt für eine Reform der Stadterneuerungspolitik, vielleicht sogar einer Stadtpolitikerneuerung“ bezeichnet, weil es „die Entstehung einer neuen ‚Philosophie’ gebietsbezogenen und ganzheitlichen Verwaltungshandelns auf der Basis eines intensiven Dialogs zwischen Bewohnerschaft, Politik und Verwaltung“ wiederspiegle (Becker u.a. 2002: 14). Bei der Programmumsetzung wird neben der Bündelung von Ressourcen und dem Umbau von Verwaltungsstrukturen der Aktivierung und der Beteiligung Bürger in den Programmgebieten eine Schlüsselrolle zugewiesen. Gleichzeitig kommt die Zwischenbilanz jedoch zu der Erkenntnis, dass der Sinn von Bewohneraktivierung und -beteiligung in den Programmgebieten offenbar nicht eindeutig geklärt ist:
„Bei der Umsetzung des Programms Soziale Stadt zeigt sich, dass ein von Kommune zu Kommune teilweise sehr unterschiedliches Verständnis von Aktivierung und Beteiligung vorherrscht. Oftmals ist unklar, mit welchen Techniken und mit welchen Zielen wer durch wen zu aktivieren oder zu beteiligen ist. Zudem wird vielfach darauf hingewiesen, man könne Aktivierung und Beteiligung nicht trennen, da Aktivierung immer beteiligend wirke und alle Beteiligungsformen zugleich aktivierenden Charakter hätten“ (Becker u.a. 2002: 43; Hervorhebungen durch die Verfasserin).
Sandra Huning

Stadtteil als sozialer Raum: Soziale und politische Distanzen in einem Stadtteil mit sozialem Erneuerungsbedarf

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag ist im Rahmen der Begleitforschung des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ entstanden1. Unsere Forschungsgruppe war damit beauftragt, im Hannoveraner Modellgebiet Vahrenheide-Ost die Programmumsetzung wissenschaftlich zu begleiten (Geiling u.a. 2002). Eines unserer Erkenntnisinteressen richtete sich auf im Modellgebiet vorherrschende soziale Beziehungen, auf die dortigen Muster sozialer Nähe und Distanz sowie auf damit verbundene Machtkonstellationen. Es ist die Struktur dieser Beziehungen, so unsere These, die zu einer spezifischen Gestaltung der Programmumsetzung „Soziale Stadt“ führen muss. Jedes Quartiersmanagement ist auf Informationen über stadtteiltypische Beziehungsstrukturen angewiesen, wenn es denn als „Schlüsselinstrument für die Programmumsetzung“ (Becker/Franke/Löhr 2002: 35) wirksam werden soll. Mit dem von uns entwickelten Modell eines stadtteiltypischen sozialen Raums lassen sich diese Beziehungen sozialer Nähe und Distanz ablesen und charakterisieren. Die Konstruktion des Modells soll hier in einigen Grundzügen vorgestellt werden. Zunächst werden einige politische und theoretische Bezüge unseres Ansatzes skizziert, um dann auf die Analyse und ihre Ergebnisse näher einzugehen.
Heiko Geiling

Integration oder Ablenkungsmanöver? Zielsetzungen und Beitrag des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ zur Integration sozialer Gruppen

Zusammenfassung
Seit knapp 30 Jahren gibt es in Europa lokal, regional und national initiierte Interventionen in Stadtviertel, die als „problematisch“ gelten — bezüglich der städtebaulichen Qualität, der Attraktivität des Wohnumfeldes, der Kapazität der lokalen Ökonomie, der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung sowie der daraus resultierenden Wertvorstellungen und Verhaltensweisen. Auch die EU hat mittlerweile für solche Interventionen in städtische Teilgebiete mit den URBAN- und URBAN II-Programmen sowie mit der Zielgebiet 2-För-derung eigene Förderungsprogramme und Erfolgskontrollen etabliert. An diese sozialpolitischen Interventionen in städtischen Quartieren bzw. an die soziale Schwerpunktsetzung der Stadtteilentwicklung („Quartiersmanagement“) werden eine Reihe von Erwartungen geknüpft:
  • Soziale Integration von gesellschaftlich Benachteiligten (Menschen mit Zuwanderungshintergrund, Arme, Arbeitslose, SozialhilfeempfängerInnen, ältere Menschen, Alleinerziehende etc.),
  • (Wieder-)Qualifikation für den (ersten) Arbeitsmarkt durch Maßnahmen des „Empowerments“,
  • (Wieder-)Belebung der lokalen Ökonomie,
  • Sozial- und umweltverträgliche Stadterneuerung,
  • Schaffen zivilgesellschaftlicher Strukturen mit Hilfe neuer „intermediärer Organisationen,“ der Stärkung von NGOs und die Ausweitung von Partizipationsverfahren für Bürgerinnen sowie
Jens S. Dangschat

Politische Reintegration und das Leitbild der „Sozialen Stadt“

Zusammenfassung
Anlass und Ausgangspunkt für das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf — die Soziale Stadt“ ist der sozialräumliche Wandel, der mit der wachsenden Ungleichheit in den Großstädten verbunden ist. Die Diagnose lautet, dass die Gefahr der Ausgrenzung ganzer Stadtteile bestehe und diese Prozesse gestoppt bzw. rückgängig gemacht oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt werden sollen. Ziel ist es, eine „soziale Spaltung“ der Städte zu verhindern. Diese Programmatik beruht auf der Annahme, dass die Städte ein Ort der politischen Integration seien. Dort sei die Grundlage dafür vorhanden, die Stadt als ganze im Blick zu behalten und Anstrengungen dafür zu unternehmen, den Abkoppelungsprozess von Stadtteilen, in denen sich die „Modernisierungsverlierer“ überproportional konzentrieren, zu bremsen bzw. zu unterbinden. Die „Politik der Sozialen Stadt“ setzt eine solidarische Stadtgesellschaft voraus, die Umverteilungsprozesse zu Gunsten der von Ausgrenzung bedrohten Stadtteile akzeptiert oder sogar aktiv unterstützt. Diese Annahme steht im Gegensatz zu zeitgenössischen Diagnosen, nach denen die Städte die Tendenzen zur Spaltung eher unterstützen als bekämpfen (Dangschat 1995). In diesem Aufsatz wollen wir die Möglichkeiten der politischen Integration in den Großstädten diskutieren, die durch die wachsenden ökonomischen Probleme bei gleichzeitiger Steigerung der sozialen, ethnischen und kulturellen Heterogenität prekär geworden zu sein scheinen.
Hartmut Häußermann, Jens Wurtzbacher

Kommunalpolitiker am Runden Tisch? Überlegungen zur Einbindung der Politik in das Programm „Soziale Stadt“

Zusammenfassung
Stärkung und Ausbau von Kooperation und Partizipation in benachteiligten Stadtteilen gehören zu den Kernzielen des Programms „Soziale Stadt“. Damit geht das Programm über inhaltliche Vorgaben, die auf Verbesserungen in einzelnen Bereichen wie Soziales, Ökonomie, Städtebau abzielen, hinaus. Mit der Betonung von Kooperation und Partizipation werden grundsätzliche Verfahrensweisen der Politikformulierung und -Umsetzung angesprochen, die als „neuer Politikansatz“ (Franke/Löhr/Sander 2000: 244) bezeichnet und in den Kontext des „Formwandels der Politik“ (Schmals 2001: 65) gestellt werden. Die Erfahrungen mit der Umsetzung des Programms „Soziale Stadt“ zeigen, dass die ressortübergreifende Kooperation und der Aufbau von Netzwerken, in denen alle für das Quartier relevanten Akteure aus Politik und Verwaltung, Gewerbetreibende, Vereine, Bewohner etc. zusammenarbeiten, eine große Herausforderung bedeuten. Zweifelsohne hat es Anstrengungen und auch Erfolge gegeben, Kooperation und Partizipation zu stärken und doch ist erst in Ansätzen erkennbar, wie ein neuer Politikansatz funktionieren könnte (siehe dazu auch Schridde in diesem Band).
Corinna Kennel

Kooperative Demokratie im Kiez? Beteiligung von intermediären Akteuren an der Stadtentwicklung in Nordrhein-Westfalen

Zusammenfassung
Aktivierung und Beteiligung von Bewohnern gehören zu den Standardanforderungen an die moderne Stadtentwicklung (Difu 2003). Diese Instrumente stehen in jedem Handlungskonzept, das Stadtteilmanager vor Ort an die Hand bekommen. Wie dies jedoch im Einzelnen passieren soll, welche Instrumente aus dem Werkzeugkasten der Beteiligung eingesetzt, welche Bewohnergruppen besonders aktiviert werden müssen und nicht zuletzt wie Ergebnisse von Beteiligung in die Projektentwicklung vor Ort einfließen, ist in Konzepten wie dem „Landesprogramm Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf des Landes NRW“ (MASSKS 1998) nicht vorgeschrieben. Formen der kooperativen Demokratie könnten hier Antworten liefern. Sie scheinen besonders geeignet, zur Aktivierung und Beteiligung von Stadtteilbewohnern beizutragen. Im Folgenden wird zunächst das Konzept der kooperativen Demokratie (Bogumil 2001) vorgestellt. Im Anschluss daran werden Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes der Verfasser präsentiert, in den Stand der Diskussion zur Partizipation eingeordnet und bewertet.
David H. Gehne, Christoph Strünck

Lokale Politiknetzwerke: Konzeptionelle Überlegungen und erste Ergebnisse der Begleitforschung der „Sozialen Stadt“ in Hessen

Zusammenfassung
Das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ verfolgt in mehrfacher Hinsicht einen Ansatz, der sich von traditioneller Planung und Steuerung unterscheidet. In Stadtteilen „mit besonderem Entwicklungsbedarf“ soll Kooperation einen zentralen Stellenwert bekommen: die geförderten Kommunen sollen Ressourcen verschiedener beteiligter Akteure nutzen, wie etwa die Förderprogramme verschiedener Ministerien. Partizipation und Aktivierung der lokalen Bevölkerung, der entsprechenden Gruppen und Institutionen sollen zentraler Bestandteil des Stadtentwicklungsprozesses sein. Das Programm „Soziale Stadt“ richtet sich zudem nicht nur auf „traditionelle“ stadtplanerische und städtebauliche Maßnahmen, sondern auch auf Themen wie die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sowie die Bildungspolitik. Auch das erweitert Kooperationsaufgaben. Der Aufbau kooperativer Netzwerkstrukturen und die direkte Beteiligung der Bevölkerung sind also nicht zufällig Kernbestandteile des Programms (vgl. Difu 2000; Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2000; Thies 1999).
Adalbert Evers, Andreas Schulz, Claudia Wiesner

Das Programm „Soziale Stadt“: Komplexe Aufgabenbewältigung für Klein- und Mittelstädte in Bayern

Zusammenfassung
Das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ befindet sich seit knapp vier Jahren in der Programmumsetzung — ein Zeitraum, für den sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene Zwischenbilanzen gezogen werden (vgl. Difu 2002, 2003). Eine zentrale Forderung des Programms ist die Erarbeitung Integrierter Handlungskonzepte einschließlich der Aktivierung und Beteiligung von Bürgerschaft und Stadtaktiven in den Programmgebieten. Die Oberste Baubehörde im bayerischen Innenministerium hat daher unter dem Stichwort „Neue Sozial- und Bürgerkultur“ einen Modellversuch zur Diskursiven Bürgerbeteiligung beim Schäuble Institut für Sozialforschung München in Auftrag gegeben, um die Erfahrungen mit der Entwicklung und Umsetzung Integrierter Handlungskonzepte im Rahmen von „Soziale Stadf“-Projekten zu evaluieren.
Christine Grüger, Ingegerd Schäuble

Die politique de la ville in Frankreich: Ein Blick auf mehr als zwanzig Jahre Soziale Stadtentwicklung

Zusammenfassung
Das Programm der politique de la ville ist die Entwicklung des sozialen und städtischen Lebens, le développement social urbain (DSU). Ziel dieser Politik der sozial-räumlichen Entwicklung, die nach dem Amtsantritt von François Mitterrand 1981 in die Praxis umgesetzt wurde, ist die Stärkung der sozialen Kohäsion durch räumliche Integration — le social et l’urbain. Auslöser waren mehrtägige Ausschreitungen in den Vorstädten verschiedener französischer Großstädte. Die Politik des DSU sollte vor allem dazu beitragen, die amerikanische Erfahrung des Auseinanderfallens der Städte und damit die gesellschaftliche Desintegration zu vermeiden. Wenn es schon nicht möglich ist, die Ökonomie politisch zu steuern, so die Grundidee, dann sollen politische Steuerungsmechanismen dort einsetzen, wo sie tatsächlich wirkungsvoll greifen können, nämlich auf der Ebene der räumlichen Planung (vgl. Donzelot 2001).
Christine Bauhardt

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