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2015 | Buch

Praxishandbuch Wirtschaftsmediation

Grundlagen und Methoden zur Lösung innerbetrieblicher und zwischenbetrieblicher Konflikte

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Über dieses Buch

Das praxisorientierte Handbuch beschreibt umfassend das Verfahren der Wirtschaftsmediation als nachhaltige und ökonomisch sinnvolle Konfliktmanagementstrategie zur Lösung innerbetrieblicher sowie zwischenbetrieblicher Auseinandersetzungen. Neben den Grundlagen werden Konfliktkompetenzen, neue Erkenntnisse aus dem Verhandlungsmanagement sowie die Kommunikations- und Moderationstechniken, die in der Wirtschaftsmediation zum Einsatz kommen, dargestellt. Darüber hinaus werden die rechtlichen Aspekte der Mediation sowie die Anforderungen an einen Mediator beschrieben. Die einzelnen Phasen des Mediationsverfahrens werden ausführlich erklärt und durch Praxisbeispiele veranschaulicht. Abschließend werden die sehr hohen Konfliktkosten thematisiert, die ein Hauptargument dafür liefern, Wirtschaftsmediation im Unternehmen zu etablieren. Checklisten, Fragebögen und Vertragsmuster machen das Buch zu einem idealen Begleiter für Mediationsprozesse im Unternehmen. Zudem werden sämtliche Ausbildungsinhalte des Verordnungsentwurfes über die Aus- und Weiterbildung von zertifizierten Mediatoren berücksichtigt, sodass es sich auch für den Einsatz in der Lehre hervorragend eignet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einführung und Grundlagen der Wirtschaftsmediation
Zusammenfassung
In der Wirtschaft ist das Mediationsverfahren sehr hilfreich zur frühzeitigen Konfliktklärung, zur Vermeidung einer Eskalation oder zur Verhinderung teurer und langandauernder Gerichtsprozesse. Wirtschaftsmediation bietet ein breites Anwendungspotential sowohl im innerbetrieblichen als auch zwischenbetrieblichen Kontext. Das erste Kapitel dieses Buches vermittelt einen Überblick zum Themengebiet der Wirtschaftsmediation. Dafür wurden zunächst grundlegende Begriffe definiert und insbesondere der Unterschied zwischen der innerbetrieblichen und zwischenbetrieblichen Wirtschaftsmediation aufgezeigt. Anschließend wurden die tragenden Grundprinzipien einer Mediation erläutert und die zusätzlich für innerbetriebliche Wirtschaftsmediationen geltenden Grundsätze dargestellt. Zur ersten Orientierung wurde eine tabellarische Übersicht über den Verfahrensablauf und die Phasen der Mediation sowie deren Methoden und Kommunikations- und Arbeitstechniken gegeben. Danach ist die Mediation zum streitigen Verfahren und anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren abgegrenzt worden. Das Kapitel endet mit einem Überblick über die weiteren möglichen Anwendungsgebiete der Mediation, nicht nur mit Wirtschaftsbezug.
Marianne Koschany-Rohbeck
2. Konfliktkompetenz
Zusammenfassung
Der Mediator benötigt ein Grundlagenwissen über die Typisierung von Konflikten sowie über die psychischen Mechanismen, die innerhalb der streitenden Konfliktparteien ablaufen. Dieses Basiswissen ist insbesondere erforderlich um festzustellen, ob der Konflikt für die Durchführung einer Mediation geeignet erscheint. Darüber hinaus lernt der Mediator über die Kenntnis der intrapersonalen Mechanismen, Menschen in Konfliktsituation besser zu verstehen. Hierfür wurden im zweiten Kapitel zunächst die Konflikttypen nach Streitgegenstand, Erscheinungsformen und Merkmalen der Konfliktparteien differenziert. Im Rahmen der innerpsychischen Zusammenhänge wurden die theoretischen Ansätze der Transaktionsanalyse von E. Berne und T. Harris vorgestellt sowie die psychischen Mechanismen nach Glasl. Mit dem Eisbergmodell wurde ein für die Mediation fundamental wichtiger Ansatz erläutert, der den Schlüssel zur Lösung von Konflikten darstellt. Im Folgenden wurde das praktisch und empirisch abgesicherte Eskalationsmodell von Glasl vorgestellt, dass die Dynamik von Konflikten beschreibt, bei dem die Gegner mit der Verhandlungsstrategie „Durchsetzung/Konkurrieren/Kampf“ agieren. Abschließend wurden die möglichen Verhandlungs- bzw. Konfliktstile vorgestellt, die in Konflikten zum Einsatz kommen können. Nur der Verhandlungsstil „Problem lösen/Konsens/Kooperation“, der in der Mediation angewendet wird, berücksichtigt die Ziele und Interessen der Konfliktparteien gleichwertig.
Marianne Koschany-Rohbeck
3. Verhandlungstechniken und Verhandlungskompetenzen
Zusammenfassung
Im dritten Kapitel wurden die Unterschiede zwischen intuitivem und integrativem Verhandeln dargestellt und insbesondere zwischen den Verhandlungsmethoden „Feilschen/Kompromiss“ und „Problem lösen/Konsens/Kooperation“ differenziert, da in der Wirtschaft noch vielfach fälschlicherweise der Kompromiss mit dem Konsens gleich-gesetzt wird. Das integrative Verhandeln beruht auf der Verhandlungsstrategie „Problem lösen/Konsens/Kooperation“ und ist in Deutschland unter dem Titel „Das Harvard-Konzept“ bekannt geworden. Es bildet eine der grundlegenden Säulen der Mediation. Im Gegensatz zum „Feilschen/Kompromiss“, bei dem die Lösung des Problems auf der Grundlage der Positionen der Streitparteien gefunden wird und man sich i. d. R. irgendwo in der Mitte einigt, wird in der Mediation auf der Grundlage der tieferliegenden Interessen, Bedürfnisse, Anliegen oder normativen Erwartungen verhandelt. Durch diese Verhandlungsstrategie sind völlig neue Lösungsansätze möglich. Abschließend wurde das „Verhandlungsdilemma“ dargestellt, das in Mediationen durch einen Mediationsvertrag, in dem explizit kooperatives Verhandeln vereinbart wird, ausgeschlossen werden kann.
Marianne Koschany-Rohbeck
4. Gesprächsführung und Kommunikationstechniken
Zusammenfassung
Mediation ist in erster Linie ein Kommunikationsprozess. Die theoretischen Kenntnisse zur Gesprächsführung und der Umgang mit Kommunikationstechniken gehören zum grundlegenden Handwerkszeug eines professionellen Wirtschaftsmediators. Dafür wurden im vierten Kapitel zunächst die nonverbalen Aspekte der Kommunikation dargestellt. Diese können dem Mediator Aufschluss über das emotionale Befinden der Konfliktparteien und deren Haltung zueinander geben. Danach wurde ein kurzer Blick auf die Theorie der Gesprächsführung und die Besonderheiten von Konfliktgesprächen geworfen. Die anschließend vorgestellten und mit zahlreichen Beispielen erläuterten Kommunikationstechniken helfen dem Wirtschaftsmediator den Kommunikationsprozess in Mediationen aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus wurden verschiedenste alternative Handlungs- und Kommunikationsstrategien aufgezeigt, wie z. B. Blockaden und Widerständen oder einer aufkeimenden Eskalation begegnet werden kann. Zum besseren Verständnis der Gesprächsinhalte und als Arbeitsgrundlage nutzt der Mediator Visualisierungs- und Moderationstechniken, die im Anschluss erläutert wurden. Das Kapitel schließt mit der Vorstellung der „Fenster des Verstehens“, einer wichtigen Methodik, die den Konfliktparteien dabei helfen kann, gegenseitiges Verständnis für die wechselseitigen Interessen und Anliegen zu entwickeln.
Marianne Koschany-Rohbeck
5. Ablauf und Rahmenbedingungen der Wirtschaftsmediation
Zusammenfassung
Zentrales Thema des fünften Kapitels war die Darstellung des Ablaufes und der Rahmenbedingungen von Wirtschaftsmediationen. Die einzelnen Phasen einer Wirtschaftsmediation (Vorbereitungsphase, die Mediation im engeren Sinne, Nachberei-tungs- bzw. Umsetzungsphase) und die vom Mediator und den Medianden zu durchlaufenden Stufen in den einzelnen Phasen wurden für die praktische Nutzung chronologisch erläutert. Bei der Darstellung der Vorbereitungsphase ist ein besonderer Fokus auf die Unterschiede bei der Kontaktherstellung im inner- und zwischenbetrieblichen Kontext gelegt worden. In diesem Zusammenhang wurden Fragen für Checklisten, die den Konfliktparteien und dem Mediator zur Vorbereitung auf die Mediation dienen können, vorgestellt. Bei der praxisorientierten Beschreibung der sechs Mediationsstufen der „Mediation im engeren Sinne“ wurden weitere Schwerpunkte auf die Stufe der Klärung der Anliegen und die Stufe der kreativen Lösungssuche gelegt. Bei der Stufe der Klärung der Anliegen wurde aufgezeigt, dass neben Interessen und Bedürfnissen auch Wertvorstellungen und normative Erwartungen Grundlage des Konfliktes sein können, die mit unterschiedlichen Handlungskonzepten bearbeitet werden können. Im Rahmen der Ideenfindung wurden verschiedenste für den Wirtschaftskontext geeignete Kreativitätstechniken vorgestellt und bewertet. Sie ergänzen den „Werkzeugkasten“ eines Wirtschaftsmediators. Bei der Vor- und Nachbereitung einer Mediation unterstützen den Mediator Reflexions- und Feedbackfragebögen, für die Musterformulare exemplarisch zur Verfügung gestellt wurden. Abschließend wurden spezielle Besonderheiten unterschiedlicher Settings erläutert, wie z. B. die Prozessrisikoanalyse oder die Wirtschaftsmediation mit interkulturellem Hintergrund.
Marianne Koschany-Rohbeck
6. Recht der Mediation
Zusammenfassung
Im sechsten Kapitel wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt, in die die Wirtschaftsmediation eingebettet ist. Das Recht der Wirtschaftsmediation umfasst zum einen die Vorschriften des Gesetzgebers. Es handelt sich um das Mediationsgesetz vom 21.07.2012, das durch die zukünftige Rechtsverordnung nach § 6 MediationsG ergänzt werden wird sowie Bestimmungen aus dem Rechtsdienstleistungsgesetz. Einzelvertragliche Regelungen ergänzen zum anderen die rechtlichen Rahmenbedingungen. Da in den vorangegangen Kapiteln bereits an vielen Stellen z. B. bei Definitionen, Grundsätzen und beim Ablauf der Mediation gesetzliche Gegebenheiten zu beachten waren, wurden auf diese jeweils sofort konkret Bezug genommen und zur Vermeidung von Doppelungen nicht mehr im Kap. 6 nochmals aufgeführt. Die Inhalte eines Mediationsvertrages wurden erläutert und durch einen Mustervertrag für den zwischenbetrieblichen Kontext ergänzt. Aus dem Mediationsgesetz ergeben sich Pflichten des Mediators für die er im Verletzungsfalle schadensersatzpflichtig gemacht werden könnte. Aufgrund dessen sollten nichtanwaltliche Mediatoren über die Absicherung möglicher Risiken nachdenken. Da jeder, unabhängig von seinem Ursprungsberuf, die Tätigkeit des Mediators ausüben darf, wurde erläutert, inwiefern nichtanwaltliche Mediatoren das Rechtsdienstleistungsgesetz beachten müssen.
Marianne Koschany-Rohbeck
7. Recht in der Mediation
Zusammenfassung
Im siebten Kapitel wurde zunächst diskutiert welche Rolle das Recht in der Mediation, bei Konflikten mit Rechtsbezug, spielen kann bzw. spielen soll. Bei Konflikten mit Rechtsbezug haben die Konfliktparteien gemäß des Grundsatzes der Privatautonomie die Möglichkeit zur Nutzung des dispositiven Rechts. Sie können gänzlich von den gesetzlichen Vorgaben abweichen, solange sie nicht gegen zwingendes Recht verstoßen und eigene Gerechtigkeits- und Fairnesskriterien im Rahmen der Mediation zugrunde legen oder eine Mischung aus gesetzlichen und eigenen Kriterien wählen. Im Folgenden wurde eine Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung im Rahmen der Mediation vorgenommen. Die Aufgaben eines Mediators in Relation zu den Aufgaben eines Parteianwaltes wurden ebenfalls dargestellt. Des Weiteren wurde die Mitwirkung von Parteianwälten als beratende Dritte in der Mediation sowie rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung thematisiert. Das Kapitel endet mit der Bewertung der rechtlichen Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit.
Marianne Koschany-Rohbeck
8. Persönliche Anforderungen an den Mediator
Zusammenfassung
Die Anforderungen, die an einen Mediator gestellt werden, standen im Blickpunkt dieses Kapitels. Hierfür wurden zunächst die Kompetenzen und die innere Haltung eines Mediators dargestellt. Im Rahmen von Mediationen bringen Medianden eigene Zielvorstellungen für die Ausrichtung der Mediation mit ein. Es wurde herausgearbeitet, dass ein Mediator seine eigenen Zielsetzungen bei der Durchführung einer Mediation kennen muss, um nicht in Rollenkonflikte zu geraten, die dann zum Scheitern der Mediation führen können. Die Aufgaben und das Selbstverständnis des Mediators wurden zusammenfassend beleuchtet. Anhand von Handlungsbeispielen wurde erläutert, wie der Mediator seine professionelle Distanz als neutraler und allparteilicher Dritter konkret umsetzen kann. Im Abschnitt Macht und Fairness wurde thematisiert, dass der Mediator im Vorfeld der Mediation prüfen muss, ob ein Machtungleichgewicht zwischen den Konfliktparteien vorliegt und sofern vorhanden, ob er dieses im Rahmen der Mediation auszugleichen vermag. Es wurde darüber hinaus aufgezeigt, dass ein Mediator über ein hohes Maß an Selbstreflexionsfähigkeit verfügen muss, bei dem er seine eigene Arbeit hinterfragt und optimiert. Hier erhält er Unterstützung durch Intervision und Supervision, deren Vorgehensweise abschließend dargestellt wurde.
Marianne Koschany-Rohbeck
9. Fachspezifische Besonderheiten der Wirtschaftsmediation
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurden weitere fachspezifische Besonderheiten der Wirtschaftsmediation erläutert. Mit der Darstellung der Konfliktkosten, insbesondere im innerbetrieblichen Bereich, wo sich Kosten schnell zu sechsstelligen und höheren Summen aufaddieren können, wurde anhand von Praxisbeispielen belegt, dass die Nutzung von Mediation aus ökonomischer Sicht überaus sinnvoll ist. Im Wirtschaftsbereich sollte sich also nicht mehr die Frage stellen, ob Mediation eingesetzt werden soll, sondern in welcher Form Mediation im jeweiligen Unternehmen implementiert werden kann. Hierfür wurden verschiedene Erscheinungsformen von Mediation, die entweder reaktiv oder präventiv wirken, vorgestellt. Es wurde die Möglichkeit zur Implementierung innerbetrieblicher Konfliktmanagement-Systeme, die mit internen Mediatoren arbeiten, erläutert. Darüber hinaus wurden präventiv wirkende Maßnahmen vorgestellt, die dabei helfen, dass Konfliktkosten erst gar nicht in hohen Summen entstehen, da Konflikte bereits auf einer niedrigen Eskalationsstufe angesprochen und geklärt werden. Schulungen im Rahmen der Personalentwicklung, z. B. in mediationsbasierter Verhandlungsführung, vermitteln nachhaltig wirkende Konfliktlösungskompetenzen. Abschließend wurde das Management by Mediation-Konzept als zweite Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements vorgestellt, das neben der effektiven Reduzierung der Konfliktkosten gleichzeitig konkrete Handlungskompetenzen und Rahmenbedingungen zum gesundheitsgerechten Führen vermittelt.
Marianne Koschany-Rohbeck
Backmatter
Metadaten
Titel
Praxishandbuch Wirtschaftsmediation
verfasst von
Marianne Koschany-Rohbeck
Copyright-Jahr
2015
Electronic ISBN
978-3-658-08021-1
Print ISBN
978-3-658-08020-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-08021-1

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