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Über dieses Buch

Wechselmodell (D), Doppelresidenz (A), Alternierender Obhut (CH) nennt man ein Konzept des Getrennterziehens nach Trennung/Scheidung, bei dem beide Eltern ihre Kinder ungefähr zu gleichen Teilen abwechselnd betreuen und so im Alltag des Kindes weiterhin eine tragende Rolle spielen. Statt Aufteilung in einen Alleinerziehenden und einen Besuchselternteil, bleiben Mutter und Vater gleichberechtigt und -verpflichtet in ihrer elterlichen Verantwortung und somit den Kindern als enge Bezugspersonen erhalten. Von diesem Betreuungsmodell können Kinder, Mütter und Väter profitieren.

Was in Skandinavien längst der Normalfall ist und in vielen Ländern sogar gesetzliches Leitbild, wird auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer häufiger gelebt und gerichtlich angeordnet.

Wenn getrennt erziehende Eltern sich für ein Betreuungsmodell entscheiden wollen, haben sie Fragen nach den psychologischen Folgen für ihre Kinder, zu den Vor- und Nachteilen der Betreuungsmodelle, den Voraussetzungen und Grenzen des Möglichen, den rechtlichen Rahmenbedingungen, aber auch viele praktische Fragen: Wie soll das in unserem Alltag funktionieren?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung: Warum Wechselmodell/Doppelresidenz/alternierende Obhut?

Zusammenfassung
War es früher selbstverständlich, dass Kinder nach einer Elterntrennung bei der Mutter lebten und ihren Vater besuchten (selten umgekehrt), so stehen heute unterschiedliche Betreuungsalternativen zur Wahl. Die Idee der abwechselnden Betreuung durch beide Eltern nimmt an Bedeutung zu, genannt Wechselmodell (Deutschland), Doppelresidenz (Österreich) oder Alternierende Obhut (Schweiz). Geteilte Betreuung entspricht partnerschaftlicher Aufgabenteilung ebenso, wie es den geänderten Rollen von Vätern und Müttern Rechnung trägt. Viele getrenntlebende Familien in Deutschland, Österreich und der Schweiz praktizieren geteilte Betreuung und machen gute Erfahrungen damit; seit einigen Jahren wird sie auch zunehmend von Gerichten angeordnet. Der Europarat geht noch einen Schritt weiter, wenn er in seiner Resolution 2079 aus dem Jahr 2015 alle Mitgliedsstaaten dazu auffordert, gleichberechtigte elterliche Verantwortung und geteilte Betreuung (shared parenting) als gesetzliches Leitbild in die nationalen Rechtsordnungen aufzunehmen.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 2. Entscheidungsfindung: Passt das Wechselmodell für unsere Familie?

Zusammenfassung
Den verschiedenen Betreuungsmodellen liegen unterschiedliche Konzepte hinsichtlich der Betreuungszeit, der elterlichen Verantwortung und des Zuhause Seins von Kindern bei ihren Eltern zugrunde. Das Wechselmodell geht von ungefähr gleicher Betreuungszeit beider Eltern aus, von gleichberechtigter und gleichverpflichteter elterlicher Verantwortung und dass Kinder bei Mutter und Vater zuhause sind – nicht nur zu Besuch. Die Voraussetzungen für das Gelingen der Betreuung im Wechselmodell werden erklärt, ebenso dessen Grenzen (Kontraindikationen), denn geteilte Betreuung ist nicht für alle Familien geeignet und keine Lösung für alle Probleme. Auch für Babys und Kleinkinder ist das Wechselmodell möglich, allerdings sind die Anforderungen an die elterliche Kooperation etwas höher. Schließlich wird das Mitspracherecht der betroffenen Kinder diskutiert, sowie die Mitwirkung der Kinder- und Jugendbehörden.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 3. Umsetzung: Wie können wir das Wechselmodell im Alltag leben?

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden die praktischen Fragen zur Umsetzung des Wechselmodells im Alltag einer getrennt lebenden Familie beantwortet. Mögliche Inhalte von Betreuungsvereinbarungen, Wechselpläne in Abhängigkeit vom Alter des Kindes, Übergänge der Kinder zwischen den Elternhäusern (Abholen oder Bringen), der notwendige Informationsfluss zwischen den Eltern, Transport des Gepäcks, Kontakte der Kinder zwischendurch zum gerade nicht betreuenden Elternteil und die Vereinbarung einer Probezeit für das Wechselmodell. Es werden viele Erfahrungen und Überlegungen zu diesen Fragen geteilt und praktische Empfehlungen gegeben, die Ihnen helfen, eine individuell angepasste Lösung für Ihre Familie zu finden.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 4. Wechselmodell und Recht: Welche rechtlichen Folgen müssen wir bedenken?

Zusammenfassung
Die vielfältigen Vorteile einer einvernehmlich getroffenen Betreuungsregelung, im Vergleich zu einer gerichtlichen Festschreibung, lassen keinen Raum für Zweifel daran, dass es sich lohnt, eine Einigung mit dem Co-Elternteil zu finden. Mediation kann den Eltern dabei wertvolle Unterstützung leisten. Gleichwohl gibt es Rechtsprechung zu den Voraussetzungen der gerichtlichen Anordnung des Wechselmodells in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegen den Willen eines Elternteils. Die Wohnsitzanmeldung des Kindes ist dabei eine ungelöste Frage. Das Thema „Wechselmodell und Geld“ umfasst Fragen des Kinderunterhalts (Alimente), aber auch der staatlichen Leistungen für Kinder, die in jedem Land anderes sind und im Wechselmodell besondere Fragen aufwerfen. Schließlich sind die Voraussetzungen und Folgen des Sorgerechts (Obsorge) im Wechselmodells zu klären und die notwendigen Absprachen zu sog. Stressthemen.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 5. Psychologische Aspekte des Wechselmodells: Was tut Müttern – Vätern – Kindern gut?

Zusammenfassung
Rund 40 Jahre Scheidungsfolgenforschung haben gezeigt, dass vor allem Konflikte zwischen den Eltern den Kindern schaden, der Verlust eines Elternteils und Aufwachsen in Armut bei einem alleinerziehenden Elternteil. Die internationale psychologische Forschung, speziell zu Betreuung im Wechselmodell und dessen Auswirkungen auf die Kinder und Eltern, gibt interessante Anregungen zu diesen Fragen. Aus den internationalen Forschungsergebnissen, die die Lebenserfahrungen von vielen hunderttausend Kindern auswerten, lassen sich auch ganz praktische Hinweise für einen Elternratgeber ableiten. Das Reizthema „Hochstrittigkeit“ wird zwischen möglicher psychischer Erkrankung und Prozesstaktik diskutiert und die Annahmen der Forschung zu Hochkonflikthaftigkeit zusammengefasst. Er zeigt sich die Notwendigkeit einer individuell auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Familienmitglieder abgestimmten Betreuungslösung.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 6. Elternvereinbarungen zum Wechselmodell: Was können/müssen/sollen wir regeln?

Zusammenfassung
Eine frei vereinbarte Betreuungsregelung ist in jedem Fall einer gerichtlichen Regelung vorzuziehen. Ob sie schriftlich oder mündlich erfolgen sollte, hängt vom Einzelfall ab. Beratung und Mediation können helfen, eine Einigung zu finden. Eine Probezeit für das Wechselmodell kann sinnvoll sein, Bedingungen und Befristungen können vereinbart werden. Neben der grundsätzlichen Entscheidung über das Betreuungsmodell sind folgende Punkte der Regelung zugänglich: Die Wechselfrequenz, Betreuung durch Dritte, Nachholen und Tausch von Betreuungszeiten, Betreuung an Festen und Feiertagen, Ferienregelungen, Wechsel der Kinder und Zwischendurchkontakte. Auch Vereinbarungen über die elterliche Verantwortung und Entscheidungskompetenzen sind sinnvoll. Fakultativ können Vereinbarungen über den Kindesunterhalt (Alimente), die Aufteilung der Kosten für die Kinder zwischen den Eltern etc. getroffen werden. Das Formular für eine Wechselmodellvereinbarung hilft Ihnen, Ihre individuelle Vereinbarung zu formulieren.
Hildegund Sünderhauf

Kapitel 7. Schlusswort und Empfehlungen: Was sollen wir beherzigen?

Zusammenfassung
Abschließend gibt die Autorin den Leserinnen und Lesern drei wichtige Empfehlungen aus der Fachliteratur und aus ihren Praxiserfahrungen weiter: Erstens zur Notwendigkeit nach einer wirklich individuellen Betreuungslösung zu suchen, zweitens zur Bedeutung den notwendigen Entwicklungen Zeit zu lassen (obwohl alles ganz schnell gehen soll) und drittens zum Umgang mit kritischen Stimmen und Zweifeln an Ihrem eingeschlagenen Weg.
Hildegund Sünderhauf

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