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2022 | Buch

Prekäre Intimität

Eine Ethnografie der Körperarbeit in Nagel- und Kosmetikstudios

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Über dieses Buch

Das Buch entwickelt einen affekttheoretisch informierten Begriff prekärer Intimität auf Grundlage ethnografischer Feldforschung. Intimität und intime Arbeit führen zu einer spezifischen Form der Prekarisierung, deren Konzeptualisierung auch über das untersuchte Feld hinausreicht und wichtige Impulse für die Erforschung des Wandels der Arbeits- und Geschlechterverhältnisse liefert. Mit Hinblick auf das Forschungsdesiderat sogenannter einfacher feminisierter Dienstleistungen zeigt die Autorin, dass Arbeit, die sich mit dem Lebendigen befasst, weit mehr als Care-Arbeiten umfasst; Begriffe wie „einfache” Dienstleistungen reproduzieren diesen Ausschluss und verkennen die Komplexität der verrichteten Arbeit an anderen Körpern.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Die Schriftstellerin Zadie Smith beschreibt ihre ambivalenten Erfahrungen als regelmäßige Kundin eines Schönheits- und Massagesalons in einem ihrer Essays. Sie schreibt über die asymmetrische Beziehung zwischen ihr und Ben, einem Masseur in diesem Schönheitssalon, den sie regelmäßig, auch während der Corona-Pandemie, besucht. Die Asymmetrie zwischen Kund*innen und Arbeitenden, die als solche in ihren Gesprächen nicht sichtbar werden darf, ist ein konstitutives Element der Prekarität von Dienstleistungsarbeit wie derjenigen in Nagelstudios und Kosmetiksalons; diese spezifische Prekarität ist Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Ethnografie.
Isabel Klein
Kapitel 2. Prekarisierung und Intimisierung – Re-Figuration von Arbeit, Körpern und Geschlechterverhältnissen im Postfordismus
Zusammenfassung
Es ist ein warmer Tag im Frühling 2016, ich komme um viertel vor neun an der Schule an. Mein Gepäck, eine Reisetasche, ist schwer. Darin befinden sich die Gegenstände und die Arbeitskleidung, die ich von dem Schulleiter angewiesen wurde, mitzubringen.
Isabel Klein
Kapitel 3. Praktischer Sinn in der Ethnografie: Methodologischer Rahmen und methodisches Vorgehen
Zusammenfassung
Was also bedeutet es, die Affekte (als Teil der Intimität) der Arbeit als Teil von Praxis zu begreifen? Andreas Reckwitz plädiert dafür, praxistheoretische mit affekttheoretischen Perspektiven in Dialog zu bringen und damit zu zeigen, „(…), dass jede soziale Ordnung als Konfiguration von Praktiken zugleich und notwendig eine spezifische affektive Ordnung darstellt, die es zu analysieren gilt, will man verstehen, wie die jeweilige Praktik ,funktioniert‘“ (Reckwitz 2016, S. 31).
Isabel Klein
Kapitel 4. Hinterzimmer, Kellerstudios, Schaufenster: Zwischenräume und affektive Heterotopien
Zusammenfassung
Betty Noltes Nagelstudio liegt in einer belebten Seitenstraße in der Nähe der Innenstadt. In der Straße sind mehrere Kosmetik- und Nagelstudios zu finden. Ihr Studio wirkt wie ein Nachbarschaftstreff, viele Kund*innen scheinen sich untereinander zu kennen, begrüßen sich herzlich, wenn sich ihre Wege zwischen den Terminen kreuzen.
Isabel Klein
Kapitel 5. Unbestimmte Arbeit – prekäre Intimität? Zur Struktur der Kosmetikarbeit als eigenlogische Praxis
Zusammenfassung
Der im vorherigen Kapitel räumlich erschlossenen Eigenlogik der Kosmetikarbeit als Grenzgang zwischen öffentlich und privat, zwischen Kommodifizierung und De-Kommodifizierung soll in diesem Kapitel weiter nachgegangen werden. Wesentliches Ergebnis aus Kap. 4 ist die Einsicht, dass die räumliche Praxis der Kosmetikarbeit das Häusliche referiert; dies ist nicht zuletzt auf die Unterbestimmtheit bzw. Unbestimmtheit der Arbeit zurückzuführen, die in diesem Kapitel weiter ausgeführt werden wird. Es wird sich zeigen, dass Unbestimmtheit zwar einerseits ein generelles Merkmal von Dienstleistungsarbeit darstellt (auch Abschn. 2.1), sie sich andererseits in dem untersuchten Feld in einer sehr spezifischen Praxis ausdrückt.
Isabel Klein
Kapitel 6. Prekäre Intimität: Körperarbeit
Zusammenfassung
Prekarität und Intimität bilden die zwei grundlegenden Dimensionen der untersuchten Arbeit in diesem Kapitel. Dass die Kosmetikarbeit prekär ist, wurde bereits in Kap. 2 skizziert – oft solo-selbstständig oder in hybriden Beschäftigungsverhältnissen ausgeführt, kein Schutz durch Kammern oder Verbände aufgrund des ungeschützten Status, niedrige Verdienstmöglichkeiten und die darin immanente Abwertung reproduktiver Arbeit. Die Intimität der Arbeit ergibt sich aus ihrem Gegenstand selbst: Körper werden durch andere Körper bearbeitet, wofür, das wird das Kapitel zeigen, emotionale Intimität genauso Voraussetzung wie Ergebnis der Behandlung darstellt. Intimität meint eine feldspezifische Form von Nähe, die sich gerade in der Ko-Konstitution von emotionaler und körperlicher Nähe ausdrückt; in den Worten von Betty Nolte: „Hände berühren“ (B.N., Z. 953) und „Sachen wissen, die sehr persönlich sind“ (ebd., Z. 955).
Isabel Klein
Kapitel 7. Unsichtbare Arbeit – prekäre Intimität. Selbstbeschreibungen und praktischer Sinn der Arbeitenden
Zusammenfassung
Im vorherigen Kapitel wurde die Körperlichkeit der Arbeit analysiert. In der Erzählung, wie sie mit der mitunter intimen Körperlichkeit umgehe, betont Farah Gabriel, die Besitzerin eines brasilianischen Waxing- und Kosmetikstudios, das sei Teil ihrer brasilianischen Kultur. Andererseits
Isabel Klein
Kapitel 8. Fazit: Prekäre Intimität
Zusammenfassung
Ben, der Masseur, steht unruhig und sorgenvoll, so interpretiert Zadie Smith seinen Gesichtsausdruck, im Kosmetikstudio. Er hofft auf Kundschaft oder denkt an die ausbleibende Stammkundschaft, zu der auch die Autorin selbst gehört. Die Imagination von Zadie Smith, die Bens Mimik affektiv einfängt („optimistic“, „concern“) und doch als rational („calculation“, „mercantile“) beschreibt, spannt literarisch die Gleichzeitigkeit von Affektivität, Sozialität und ökonomischer Organisation von selbstständiger Kosmetikarbeit auf. Diese Gleichzeitigkeit macht Kosmetikarbeit als eine Form intimer Arbeit so eigenlogisch und weist doch Merkmale vieler Dienstleistungen auf. Zadie Smiths Interpretation von Bens Gesichtsausdruck scheint fast, als würde sie selbst hoffen, dass Ben auf sie wartet oder über ihre Abwesenheit nachdenkt.
Isabel Klein
Backmatter
Metadaten
Titel
Prekäre Intimität
verfasst von
Isabel Klein
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-39103-4
Print ISBN
978-3-658-39102-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-39103-4

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