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Über dieses Buch

Die moderne Ökonomie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während schon seit geraumer Zeit der Kapitalismus als Wirtschaftsform massiver Kritik ausgesetzt ist, stellen sich, ausgelöst durch die jüngsten Ereignisse rund um die Corona-Pandemie, weitere grundlegende Fragen an die Ökonomie: Wie viel Staat und wie viel Markt braucht sie? Hält die moderne Ökonomie für die Ökologie die richtigen Antworten bereit? Hat sie ein Rezept für die zunehmende Ungleichheit in unserer Gesellschaft und wie sieht es zukünftig mit unserem Wohlstand aus? Ist die heutige Ökonomie auf die Auswirkungen der Digitalisierung ausreichend vorbereitet und welchen Beitrag liefert die ökonomische Theorie zu allen diesen Themen? Das sind die wichtigsten Fragen, die dieses Buch beantworten will. Gerade die dramatische Krise des Jahres 2020 hat gezeigt, dass die Wirtschaft mit ihren Akteuren und Unternehmen ohne den Staat nicht alleine existieren kann. Gigantische staatliche Rettungsschirme in dreistelliger Milliardenhöhe von EU, Bund und Ländern haben wesentliche Teile der Wirtschaft vor dem sicheren Ruin bewahrt. Es scheint, dass wir wesentliche Grundfragen unserer modernen Wirtschaft neu hinterfragen müssen. Nachdem Detlef Pietsch in seinem letzten Buch “Eine Reise durch die Ökonomie“ vor allem die ökonomische Vergangenheit und ihre Kernideen erläutert hat, widmet er sich nun der Gegenwart. Spannend zu lesen, lehrreich und regt zum Nachdenken über die heutige Ökonomie an.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Gibt es so etwas wie die Prinzipien moderner Ökonomie? Lassen sich sämtliche wirtschaftlichen Entwicklungen und ökonomische Theorien der letzten Jahrhunderte auf einige wenige Grundprinzipien reduzieren und wenn ja welche sind das? Wir wollen hier keine Nabelschau der ökonomischen Theorien und Ideen der Vergangenheit betreiben. Dies habe ich bereits in großen Teilen in meinem letzten Buch „Eine Reise in die Ökonomie. Über Wohlstand, Digitalisierung und Gerechtigkeit“, (vgl. Pietsch 2019), versucht, sondern wollen vor allem in die Zukunft schauen und überlegen, welche ökonomischen Grundprinzipien künftig eine stärkere Rolle spielen werden als bisher. Bereits der Neoklassiker Alfred Marshall hatte sich Gedanken zu den Kernprinzipien der Ökonomie gemacht und führte vor allem ein mathematisches Grundgerüst ein, mit dem heute noch wissenschaftlich in dem Fach gearbeitet wird (vgl. Rieter 1989, S. 135 ff.). So hatte er etwa die Angebots- und Nachfragekurven gezeichnet, das Prinzip des fallenden Grenznutzens dargestellt und die Begriffe der Produzenten- und Konsumentenrente eingeführt. Doch reichen die Überlegungen zur ökonomischen Theorie noch viel weiter zurück. Während die Steinzeit noch keine theoretischen Erörterungen zur Ökonomie kannte – die Entwicklung ging damals von der selbstversorgenden Gruppe zur arbeitsteiligen Form des Jägers und Sammlers, zu der später noch der Tausch über lange Wege hinzukam – setzte das bekannte Denken darüber erst in der Antike an.
Detlef Pietsch

2. Prinzipien des Marktes

Zusammenfassung
Der Markt regelt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Wie schnell dieses Prinzip aus dem Ruder laufen kann, haben wir alle jüngst erst in der Coronakrise erleben müssen: Nicht nur die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen brach zusammen, sondern zwangsweise auch das Angebot. Der Gesundheit zuliebe mussten zeitweise fast alle Menschen zu Hause bleiben, nicht systemrelevante Geschäften wurden geschlossen und Automobilproduktionen etwa wurden gestoppt. Auch nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen lief der Konsum nur schleppend an. Ganz im Gegensatz zu der Zeit vor Corona, als zum Teil ein übermäßiger Konsum die viel kritisierte Konsumgesellschaft hervorbrachte. Der Markt an sich, häufig ein Segen in der Sozialen Marktwirtschaft, produziert nicht nur Positives: So verdrängt die übermäßige Suche nach immer mehr Geld die gesunde Versorgung damit. Kapitalmärkte laufen immer mal wieder aus dem Ruder und produzieren, spekulativ bedingt, exzessive Gewinne ohne realwirtschaftlichen Hintergrund. Arbeitsmärkte geraten aus dem Gleichgewicht und produzieren nicht erst seit Corona hohe Arbeitslosenzahlen. Nicht alle Märkte gelangen so automatisch wieder in den Gleichgewichtszustand, wie die ökonomische Theorie unterstellt. Freier Wettbewerb versagt bisweilen und bringt nicht nur temporär Monopole oder Oligopole hervor, wie man an Google, Amazon und Facebook erleben kann. Auch vor der Coronakrise gab es folglich einige Entwicklungen, die in der modernen Ökonomie bedenklich waren.
Detlef Pietsch

3. Prinzipien der Wirtschaftsordnung

Zusammenfassung
Die Kritik am herrschenden Kapitalismus ist vielschichtig: Sie reicht von dem Vorwurf, zur tiefen Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer beizutragen, in Gewinner des kapitalistischen Systems und die abgehängten Schichten, die nicht an dem Wohlstand der Allgemeinheit partizipieren können. Die Suche nach immer mehr Profiten schüre die maßlose Gier, produziere nur egoistische Individualisten und die Ellenbogengesellschaft zu Lasten der Solidargemeinschaft. Folgerichtig gehöre der Kapitalismus schnellstens gezügelt und entsprechend sozial abgefedert. Passend dazu wird die Frage immer lauter, wie frei eigentlich noch die Marktwirtschaft sein dürfe. Müsste nicht der Staat stärker das Ruder übernehmen und den sozial Schwachen unter die Arme greifen? Welches wäre denn dafür die ideale Wirtschaftsform? Ist es noch die Soziale Marktwirtschaft wie in Deutschland oder eher das skandinavische System mit einer höheren Staatbeteiligung und einer größeren Umverteilungslogik? Oder soll die Marktwirtschaft nicht eher umgekehrt mehr Freiheit bieten und weniger sozial abfedern wie das etwa in den USA oder Großbritannien der Fall ist, weil jeder „seines eigenen Glückes Schmied“ sein sollte? Manche fordern sogar eine teilweise Verstaatlichung und einen höheren Staatsanteil an der Wirtschaft. Was ist denn nun der richtige Ansatz, die richtige Wirtschaftsform als Antwort auf den „Neoliberalismus“ unserer Tage? Der Weg ist noch lange bis zu einer nötigen Reform der Sozialen Marktwirtschaft 2.0.
Detlef Pietsch

4. Prinzipien staatlicher Intervention

Zusammenfassung
Die Corona-Pandemie hat uns sehr dramatisch vor Augen geführt, wo die Wirtschaft stünde ohne die massive finanzielle Unterstützung des Staates. Die EU, die Bundesregierung, die einzelnen Länder und Kommunen haben richtigerweise in der Summe Billionen von Euro in die Unternehmen gepumpt, um viele vor dem sicheren Ruin zu bewahren. Nicht alle konnten gerettet werden. Diese herausfordernden Entwicklungen haben wieder neu die Frage aufgeworfen, wie viel Staat die Wirtschaft verträgt oder umgekehrt wie stark sich der Staat in die Wirtschaft einmischen sollte. Marktliberale Denker wie Milton Friedman sahen nur hoheitliche Aufgaben wie Militär, Polizei oder Verwaltung und öffentliche Güter wie Parks, Spielplätze etc. beim Staat. Jahrhundertökonomen wie John Maynard Keynes forderten eher eine höhere Staatsaktivität gerade zur Abwendung von dramatischen Krisen. Welche Denkschule hat gerade in der modernen Ökonomie Recht? Wer soll etwa die Bildung, Soziales und das Wohnen organisieren: der Staat oder der Markt? Soll der Staat dafür mehr investieren oder die „schwarze Null“ aufrechterhalten? Welche Rolle soll der Staat im Außenhandel spielen? Sind z. B. Haushaltsüberschüsse, die aus dem Ausland zum Teil heftig kritisiert werden, vom Staat wieder zu reduzieren? Wie sieht denn überhaupt die ideale Zusammenarbeit zwischen Markt und Staat aus? Dies ist nicht nur eine ideologische, sondern gerade in der Post-Corona Zeit eine ganz praktische Frage.
Detlef Pietsch

5. Prinzipien des Wohlstands

Auf den Spuren von Adam Smith
Zusammenfassung
Die Coronakrise hat innerhalb von nur wenigen Wochen die Existenz ganzer Branchen wie etwa der Luftfahrt, der Messebauer oder der Touristikunternehmen gefährdet. Gastronomieunternehmen mussten wochenlang schließen und kämpften um ihr Überleben. Millionen auf der ganzen Welt verloren ihre Jobs und viele bangten um ihre Existenz. Börsenkurse in aller Welt brachen quasi über Nacht dramatisch ein. Gigantische Unternehmenswerte wurden so vernichtet und verringerten die Vermögen ihrer Besitzer. Der globale Wohlstand reduzierte sich in nur wenigen Wochen. Dabei war genau dies das Streben der Ökonomen aller Zeit gewesen: Seit dem ersten modernen Ökonomen und Moralphilosophen Adam Smith war die entscheidende Frage, wie der Wohlstand einer Nation zu erreichen sei. Darüber hinaus forschten die Ökonomen u. a. darüber, wie ein Wirtschaftswachstum entsteht, was es mit den weltweiten Konjunkturauf- und -abschwüngen auf sich hat und wie schließlich Arbeit für alle erreicht wird. Muss es nach Corona ein gigantisches staatliches Konjunkturprogramm richten oder müssen andere Anreizsysteme geschaffen werden wie etwa Kaufprämien oder Steuersenkungen? Die Frage ist auch, inwieweit eine Wirtschaft immer nur wachsen muss. Kann man sich auch eine Ökonomie vorstellen, die sich nicht nur auf wirtschaftliche Kennziffern konzentriert, sondern mehr das Wohlbefinden der Bevölkerung im Blick hat? Und schließlich: Welche Rolle soll die Bildung zur Schaffung des Wohlstands einer Nation spielen?
Detlef Pietsch

6. Prinzipien ökonomischer Theorie und Forschung

Zusammenfassung
Ein Buch über die Prinzipien moderner Ökonomie kommt nicht ohne ein Kapitel über die aktuelle ökonomische Theorie aus. Waren die ersten modernen Ökonomen wie Adam Smith oder John Stuart Mill in erster Linie Moralphilosophen oder Staatstheoretiker, so bewegte sich die ökonomische Theorie in der Neoklassik immer mehr in die Richtung der Mathematik. In dem Glauben, analog der Physik eine eigenständige Wissenschaft mit einer originären Methodik entwickeln zu müssen, entwickelten die Neoklassiker um Alfred Marshall mathematische Prinzipien mit Diagrammen und Optimierungsmodelle. Passend dazu wurde das Konstrukt des Homo oeconomicus erfunden. Dieser stets rationale Mensch, mit vollkommener Information und festen Präferenzen ausgestattet, entscheidet nach seinem Budget und will seinen Nutzen maximieren. Wiewohl schon lange unter Beschuss, hat sich dieses unrealistische Modell bis in die heutigen Tage der ökonomischen Theorie gerettet. Dabei geht es in der Wirtschaft um den Menschen, die Ökonomie ist eine Sozialwissenschaft. Menschen handeln in der Gruppe, sind soziale Wesen, werden bei ihrem Kauf von ihren Einstellungen und Werten getragen und von ihrem direkten Umfeld beeinflusst. Die Familie, Freunde, Bekannte, ja neuerdings „Influencer“ im Netz üben heute einen enormen Einfluss auf unsere Kaufentscheidungen aus. Die Art und Weise wie ich aufgewachsen bin, spielt für meine ökonomischen Handlungen eine ebenso große Rolle wie die Medien oder die Kultur in die ich hineingeboren wurde. Die moderne ökonomische Theorie muss plural werden: Sie muss die Historie ihres Fachs genauso ernst nehmen wie die Erkenntnisse anderer Disziplinen wie etwa der Soziologie, der Politologie, der Psychologie oder der Philosophie.
Detlef Pietsch

7. Perspektiven der ökonomischen Praxis

Zusammenfassung
Was sind die drängendsten Fragen der modernen Ökonomie? Es dürfte unstrittig sein, dass unser heutiges Wirtschaftsmodell Gewinner und Verlierer produziert. Dies gilt nicht nur für die Globalisierung, sondern auch für die einzelnen nationalen Gesellschaften. Was für ein Erfolgsmodell ist eine Ökonomie, in der die Ungleichheit zwischen dem einen wohlhabenden Prozent und dem 99 Prozent Rest tatsächlich und gefühlt immer stärker auseinanderdriftet? Wenn nur wenige Menschen auf der Welt nahezu das gleiche Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung? Die Ökonomie und ihre Repräsentanten müssen sich fragen, wie eine solche Schere der Verteilung sukzessive geschlossen werden kann, ohne gleichzeitig die Leistungstragenden dieser Gesellschaft zu verprellen. Außerdem haben wir nur einen Planeten. Wir können uns nicht leisten, diesen für unsere Nachkommen auf ewig zu verwüsten. Die durch den Klimawandel bedingte weltweite Temperaturerhöhung ist schon mehrheitlich irreversibel. Wir brauchen dazu schnell ein weltweit einheitliches Konzept. Die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz erfordern ebenfalls schnelle und kluge Antworten. Wir dürfen diese Entwicklung auf keinen Fall verschlafen und sie den USA oder China überlassen. Und schließlich braucht die Ökonomie in der Summe ein Narrativ, eine Erzählung, wo sie in den nächsten Jahrzehnten hinmöchte.
Detlef Pietsch

Backmatter

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