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18.10.2021 | Private Banking | Im Fokus | Onlineartikel

Vermögende nehmen ihr Portfolio oft selbst in die Hand

Autor:
Barbara Bocks
3:30 Min. Lesedauer

In der Niedrigzinsphase bleiben Aktien eine beliebte Assetklasse bei allen Anlegern. Viele der vermögenden Kunden managen ihre Investitionen selbst. Neben klassischen Werpapieren setzen sie dabei auch auf Immobilien und alternativen Anlagen wie Krypto-Assets, so eine Umfrage.

Der derzeitige Aufschwung an den weltweiten Finanzmärkten hält an. Allein der Deutsche Aktienindex (DAX) überstieg jüngst für kurze Zeit die 15.000-Punkte-Marke. Dass immer mehr Menschen ihr Glück an der Börse suchen, bestätigt eine Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Der zufolge stieg die Anzahl der Aktionäre im Vergleich zum Jahr 2019 um 28 Prozent an.

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Die nachfolgenden Kapitel zeigen, warum sich eine Aktienanlage trotz der mit ihr verbundenen Risiken lohnt. Der Autor beleuchtet dabei, warum sich Anleger eigenständig mit diesen Wertpapieren befassen und Aktien analysieren sollten, bevor sie diese kaufen oder vom Kauf absehen. 

"Da auf Liquidität Negativzinsen entfallen und Anleihen keine Renditen erzeugen, bleibt Anlegern häufig gar nichts anders übrig, als in Aktien zu investieren", sagt Maximilian Kleyboldt, stellvertretender Direktor Wealth Planning bei der Bethmann Bank, gegenüber Springer Professional. Wenn Kapital nicht für einen Zweck kurz- bis mittelfristig benötigt werde, hätten Anleger häufig einen Anlagehorizont zwischen sieben und zehn Jahren. "Vermögende Privatkunden investieren häufig in strukturierte Depots, die in der Regel eine Aktienquote zwischen 50 und 75 Prozent aufweisen", sagt Kleyboldt.

Im Mai 2021 hat das IT-Beratungshaus Avaloq die Zielgruppe der vermögenden Anleger in zehn Ländern zu ihrem Investmentverhalten befragt. 45 Prozent der deutschen Befragten setzen laut Erhebung auf eine ausbalancierte Strategie. Öffentlich gelistete Aktien und Eigenkapital sowie Cash und Investmentfonds sind bei der Studie länderübergreifend meist unter den Top-3-Investments. Unter den drei beliebtesten Assetklassen dominieren Immobilien mit 57 Prozent, gefolgt von Aktien mit einem Anteil von 46 Prozent und Krypto-Assets mit 45 Prozent auf dem dritten Platz. Dabei sind letztere innerhalb der Finanzbranche noch immer stark umstritten. 

Kryptowährungen sind beliebter als ETFs

"Kryptowährungen haben wünschenswerte Eigenschaften (insbesondere die Kombination aus dezentralem Transfer und virtueller Repräsentation), die mit keinem anderen bekannten Zahlungssystem erreichbar sind", erläutern Philipp Schuster, Erik Theissen und Marliese Uhrig-Homburg im Beitrag "Finanzwirtschaftliche Anwendungen der Blockchain-Technologie" in der Zeitschrift "Schmalenbach Journal of Business Research" (Ausgabe 2 | 2020). 

Dennoch sei nach ihrer Einschätzung in naher Zukunft "nicht mit einer breiten Adaption von 'echten' Kryptowährungen zu rechnen", schreiben die Autoren. "Hauptgrund hierfür ist der Effizienzverlust, der sich durch eine zusätzliche Währung mit einem von dem der Hauptwährung (dem gesetzlichen Zahlungsmittel) abweichenden Wert ergeben würde." Auch Kleyboldt kann den Trend der Studie nicht bestätigen. Die Assetklasse nehme "in der Breite" keine Bedeutung ein. Diese würde eher von Interessierten als Randthema verfolgt, so seine Beobachtung. 

Mit Private Equity das Portfolio abrunden

In der Gunst vermögender deutscher Anleger rangieren ETFs auf Platz 4 mit 41 Prozent, gefolgt von Investmentfonds mit 39 Prozent. Anleihen mit einem Anteil von 25 Prozent und Private Equity mit einem Anteil von 16 Prozent bilden die Schlusslichter unter den Assetklassen vermögender Investoren in Deutschland.

"Grundsätzlich präferieren Anleger die Investition in Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold. Anleihen eignen sich wegen niedriger oder negativer Renditen nicht als Anlagealternative", erläutert Kleyboldt. Eine Nachfrage im sehr gehobenen Privatkundengeschäft gebe es auch im Bereich Impact Investing. Zudem gewinnen Private-Equity-Investitionen aus seiner Sicht derzeit deutlich an Bedeutung. Sie runden als Beimischung das Gesamtportfolio ab.

Nur wenige nutzen Robo Advisor

Wer über Grundkenntnisse in der Anlagepraxis verfügt, entscheidet sich beim Investment gerne für mittelriskante Produkte. Fortgeschrittene Anleger bevorzugen laut der Avaloq-Studie dagegen Produkte mit niedrigem Risiko. Experten tendieren eher zu risikoreichen Geldanlagen. 

Drei Viertel der deutschen Umfrageteilnehmer managen ihre Investments selbst. Nur 17 Prozent nutzen aktuell einen Robo Advisor. 23 Prozent investieren über Crowdfunding-Plattformen. Und neun Prozent der Befragten haben derzeit einen Financial Planner an ihrer Seite und weitere 23 Prozent überlegen, sich einen entsprechenden Berater zu suchen. 

"Natürlich wird der Robo-Advisor an Bedeutung gewinnen und die Kosten in der Branche drücken, aber gerade für das Private Banking der Zukunft werden hybride Modelle Zukunft haben", ist Kleyboldt überzeugt. Beratungsqualität sei nicht durch einen Robo Advisor zu ersetzen. "Vermögende Privatkunden wünschen nach wie vor die persönliche Beratung", ist der Experte überzeugt. Diese Klientel sucht "eine zentrale Person, die sich um das Vermögen und Themen wie die Vermögensnachfolge kümmert".

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